Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: – | KO: Braunschweigische KO von 1709

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Orts- und Kirchengeschichte

Das Dorf Hohenbüchen entwickelte sich vermutlich aus dem Wirtschaftshof der gleichnamigen Burg.1 1305 stellte Ritter Lippold von Rössing eine Urkunde in castro Homboken aus2 (auf der Burg Hohenbüchen), 1312 ist das Castrum honboken erneut schriftlich nachgewiesen.3 Vermutlich im frühen 13. Jh. hatten die Herren von Delligsen die Burg Hohenbüchen errichtet und benannten sich auch nach ihr (1209: Conradus de Alta fago, 1216: dominus Conradus de Honbochen).4 Mitte des 13. Jh. besaßen wohl die Gf. von Wohldenberg die Burg, um die Wende zum 14. Jh. war sie im Besitz der Herren von Rössing, bevor sie während der ersten Hälfte des 14. Jh. an die Herren von Homburg kam.5 Die Grafschaftsrechte über Hohenbüchen besaßen die Herren von Homburg 1355 als Lehen der Reichsabtei Corvey (graveshap to der Hoinboken mit Kerklenen und myt allem rechte).6 Innerhalb der Herrschaft Homburg war Hohenbüchen Sitz der gleichnamigen Vogtei (advocacia Homboken), zu der um 1400 die Dörfer Ludelingsfeld (wüst), Delligsen, Kaierde, Milliehusen (wüst), Coppengrave, Markeldissen und Hohenbüchen selbst gehörten.7 Nachdem die Herren von Homburg in männlicher Linie ausgestorben waren, kam das Gebiet 1409 zusammen mit der Herrschaft Homburg an Hzg. Bernhard von Braunschweig-Lüneburg und war ab 1414 an die Bf. von Hildesheim verpfändet, bis Hzg. Heinrich der Ältere es 1497/98 wieder einlöste. Als Gericht Hohenbüchen war die ehemalige Herrschaft nun Teil des Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel, diente den welfischen Hzg. aber auch weiterhin als Pfandobjekt. Um die Wende vom 16. zum 17. Jh. noch eigenständiges Gericht, gehörte das Gebiet seit 1624 zum Amt Greene. In den Jahren des französischen Satellitenkgr. Westphalen (1807-1813) zählte Hohenbüchen zum Kanton Delligsen im Distrikt Einbeck des Departements Leine. Danach gehörte das Dorf wieder zum Amt Greene des Hzm. Braunschweig, ab 1825 zum Amt Eschershausen, das 1832/33 zum neuen Lkr. Holzminden kam. Im Tausch gegen den Lkr. Goslar gab der Freistaat Braunschweig den Lkr. Holzminden 1941 an die preußische Provinz Hannover ab. Hohenbüchen wurde 1974 in den Flecken Delligsen eingemeindet. Neben der Landwirtschaft zählte in der zweiten Hälfte des 16. Jh. für einige Jahre der Steinkohlebergbau zu den Erwerbsmöglichkeiten der Hohenbüchener, später die Töpferei (Ende 18. Jh. zwölf Töpfermeister).8 Um 1800 lebten gut 210 Menschen in Hohenbüchen, 1905 gut 350, 1968 knapp 690 und 2013 etwa 420.
Zur vorref. Kirchengeschichte Hohenbüchens ist nur wenig bekannt: 1355 ist das Kirchlehn (Kerklenen) erwähnt9, die älteste Glocke der Gemeinde stammt aus dem Jahr 1510. Als Dorf im Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel erlebte Hohenbüchen eine erste Einführung der Reformation, nachdem die Truppen des Schmalkaldischen Bundes 1542 den kath. Hzg. Heinrich den Jüngeren vertrieben hatten. Lgf. Philipp von Hessen und Kfs. Johann Friedrich von Sachsen setzten eine Statthalterregierung ein, die 1542 eine Visitation der Gemeinden und Geistlichen anordnete, 1543 die Christlike kerken-ordening im lande Brunschwig, Wulffenbüttels deles erließ und 1544 erneut Visitatoren in die Gemeinden schickte.10 Hohenbüchen bleibt in den Protokollen dieser Visitationen jedoch unerwähnt.11 Im Jahr 1547 gelang Hzg. Heinrich dem Jüngeren die Rückkehr und er bemühte sich, sein Fsm. zu rekatholisieren. Als sein Sohn Hzg. Julius 1568 die Regierung übernahm, führte er jedoch im gleichen Jahr erneut die luth. Lehre ein, ließ die Gemeinden wiederum visitieren und erließ 1569 die später sogenannte Calenberger Kirchenordnung.12 Seinerzeit betreute P. Paulus Borckmann, der Pfarrer von Langenholzen, die Gemeinde Hohenbuchen.13 Im Nachrichtungß-Buch von allen Pfarren in Fürstenthumb Braunschweig, das etwa 1594 angelegt wurde, ist Hohenbüchen als filia (Tochtergemeinde) von Brunkensen verzeichnet, einige Jahre versorgte jedoch auch der Pfarrer von Delligsen die Gemeinde.14

Alte Kirche, Ansicht von Südosten, um 1960

Alte Kirche, Ansicht von Südosten, um 1960

Die älteste Kirche in Hohenbüchen, über deren Bauzeit nichts bekannt ist, stürzte etwa 1775 ein. Vier Jahre später war der Neubau vollendet: Eine kleine Fachwerkkirche mit Dachreiter. Im Jahre 1942 wechselte die KG Hohenbüchen von der Braunschweigischen in die Hannoversche Landeskirche, eine Folge des Gebietstausches zwischen dem Freistaat Braunschweig und Preußen im Jahr zuvor (Salzgittergesetz). Hohenbüchen hatte zwar mindestens in nachref. Zeit wohl nie einen eigenen Geistlichen, besaß jedoch den Status einer eigenständigen KG, die pfarramtlich mit der KG Brunkensen verbunden war (mater combinata).15
Wegen einer Straßenverbreiterung wurde die Hohenbüchener Kirche 1968 abgerissen. Die KG plante am Standort der ehemaligen Burg einen Kirchenneubau, konnte diese Pläne jedoch letztlich nicht verwirklichen.16 Stattdessen erwarb sie 1969 die alte Schule und baute sie zu einem Gemeindehaus mit Kirchraum um. In der kleinen Festschrift zur Einweihung 1971 heißt es, dass „nach allen Planungen – aber auch lauten und leisen Protesten – eine neue Kirchen entstanden ist“.17 Neben dem Gebäude, das später den Namen Martin-Luther-Haus erhielt (ursprünglicher Vorschlag: Versöhnungskirche)18, hatte die Gemeinde einen Glockenturm errichten lassen. Die alte Orgel verkaufte sie an eine KG im Westfälischen.
Zum 1. Mai 1996 endete die jahrhundertealte pfarramtliche Verbindung mit der KG Brunkensen und Hohenbüchen wurde stattdessen mit der KG Gerzen verbunden. Darüber hinaus gehörte auch die KG Warzen zu diesem Pfarrverbund.19 Die KG Hohenbüchen und Gerzen fusionierten zum 1. Januar 2009 und gründeten zusammen die neue „Ev.-luth. Kirchengemeinde Am Reuberg“, die pfarramtlich mit Warzen verbunden blieb.20

Umfang

Das Dorf Hohenbüchen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Wallensen der Diözese Hildesheim.21 – 1569 wohl zur Suptur. (Insp.) Wrisbergholzen (nachweislich um 1594).22 Ab Mitte 17. Jh. Insp. Greene (bzw. Gandersheim-Greene, Gandersheim). 1935 zur neu gegründeten Propstei Eschershausen. Mit dem 1. Oktober 1942 aus der braunschweigischen in die hannoversche Landeskirche umgegliedert.23 KK Eschershausen. Zum 1. April 1944 KK Alfeld.24 Seit 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld.25

Patronat

Um 1481 Herren von Wrisberg.26 1568 Herren von Steinberg.27 1647 bis 1743 Landesherr.28

Kirchenbau

Gemeindehaus mit Kirchenraum (Martin-Luther-Haus), erbaut 1912 (Südteil), erweitert 1951 (Nordteil), erworben 1969.29 Zweiteiliger, langgestreckter, eingeschossiger Bau mit ausgebautem Dachgeschoss. Fünf farbige Fenster im Kirchenraum.

Turm

Freistehender Glockenturm nördlich des Gemeindehauses, erbaut 1971, schiefergedeckte, vierseitige Spitzpyramide, bekrönt mit Kugel und Kreuz.

Alte Kirche, Blick zum Altar, um 1960

Alte Kirche, Blick zum Altar, um 1960

Vorgängerbauten

Älteste bekannte Kirche im Juli 1775 eingestürzt; unten massiv, oben Fachwerk; an der Kanzel Inschrift: „Tönnies von Alten und Sophia von Mönnigroda“; in einem Fenster Jahreszahl 1620.30 1779 Neubau einer kleinen, rechteckigen Fachwerkkirche; Satteldach mit Walm im Osten; verschieferter Dachreiter mit vierseitigem Zeltdach, Uhrschlagglocke auf der Spitze; Turmuhr; flachbogige Fenster am Schiff. Im Innern flache Decke, Emporen an Süd- und Nordseite, Kanzelaltar. 1884 Blitzeinschlag. 1968 wegen Straßenverbreiterung abgebrochen.

Ausstattung

Taufstein (1597), runder Fuß, achteckiges Becken, rotbraun übermalter Sandstein; Inschrift: „Ioh 3 Es sei den das iemand geborn werde avs de Wasser vnd Geist so kan er das Reich Gottes nict sehen. A[nn]o 1597“.31 – Gusseiserne Tafel: „Dr. M. Luther zu Eisleben geboren den 10. November 1483, starb daselbst den 18. Februar 1546. In dankbarer Erinnerung gefeiert im Jahre 1846. Galater 5, V. 1 – (Ev. am Reformationsfest: So bestehet nun in Freiheit, zu der uns Christus befreit hat und lasset euch nicht wiederum in das knechtische Joch fangen)“.

Alte Kirche, Blick zur Orgel, vor 1968

Alte Kirche, Blick zur Orgel, vor 1968

Orgel

1771 Brunkenser Schulmeister als Organist in Hohenbüchen belegt.32 1848 Orgel angeschafft, 7 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen, erbaut 1840 von Mülhan (Clausthal). Inschrift an Rückwand: „Die Orgel ist gebaut von dem Obersteiger Mühlhan in Clausthal und auf Antrieb des Lehrers August Redecke im Jahre 1848 von der Gemeinde für 200 Thaler gekauft“; 1955 urteilte der Orgelrevisor Wilhelm Drömann: „von einem Mann, der die Orgel als Liebhaber gebaut hat, ist hier eine erfreuliche Leistung vollbracht. Es liegt hier ein Parallelfall vor zu der Orgel in Wehmingen […] Ich möchte raten, dieses Werk wegen seiner Eigenart unter Denkmalschutz zu stellen“.33 Orgel 1968 wegen Abriss des Kirchengebäudes abgebaut, eingelagert und 1972 an KG Heimsen (Kr. Minden-Lübbecke, Evangelische Kirche von Westfalen) verkauft; dort 1973 von Orgelbau Emil Hammer (Arnum) um ein Rückpositiv erweitert und aufgestellt, 14 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen (Opus 1673). Für Kirchenraum in Martin-Luther-Haus 1970/71 elektronische Orgel (Firma Ahlborn) erworben, Orgelrevisor beschrieb das Instrument 1992 „wegen gravierender Mängel als abgängig“.34

Geläut

Zwei LG, I: a’ (Bronze, Gj. 1957, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); II: c’’, Inschrift: „anno d[omi]ni m ccccc viii maria het ick mester hans arneman ghod meck“ (Bronze, Gj. 1508, Hans Arneman).35 – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze, Gj. 1888).

Friedhof

Südwestlich des historischen Dorfkerns, Eigentum der KG. Nutzung und Verwaltung 1930 an die politische Gemeinde übertragen. FKap (Bj. 1953).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

D 43 (EphA Alfeld); S 11a Nr. 7857 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Kleinau, Ortsverzeichnis Land Braunschweig I, S. 290-291; Steinacker, BKD Kr. Holzminden, S. 294-297.
B: Georg Bode: Die Herrschaft Hohenbüchen und ihre Besitzer, in: Jahrbuch des Geschichtsvereins für das Herzogtum Braunschweig 6 (1907), S. 79-158 und ebd. 7 (1908), S. 22-79; Hans-Martin Buttler (Hg.): Kirche ʼ71 Hohenbüchen (= Sonderausgabe Gemeindebrief), Hohenbüchen 1971; Hans-Joachim Kraschewski: Steinkohle als Energieträger. Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel und der Kohlenbergbau bei Hohenbüchen am Hils in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 76 (2004), S. 181-218; Otto Stickel: Geschichte der Delligser Kirche mit den früheren Filialen Grünenplan, Hohenbüchen, Kaierde und Varrigsen, Delligsen 1990, bes. S. 121-123.


Fußnoten

  1. Kleinau, Ortsverzeichnis Land Braunschweig I, S. 290.
  2. Cal. UB III, Loccum, Nr. 570; UB HS Hildesheim III, Nr. 1513.
  3. Sudendorf, UB I, Nr. 225.
  4. UB HS Hildesheim I, Nr. 631 und ebd. Nr. 691.
  5. Ausführlich: Bode I, S. 111 ff.
  6. Bode I, S. 136.
  7. Ohainski, Lehnregister, S. 25.
  8. Kraschewski, S. 202 und 210; Steinacker, BKD Kr. Holzminden, S. 295.
  9. Bode I, S. 136.
  10. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 4 und 22 ff.; Butt, Herrschaft, S. 42 ff.
  11. Kayser, Kirchenvisitationen.
  12. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 5 und 83 ff.; Butt, Herrschaft, S. 58 ff.
  13. Spanuth, Quellen, S. 276.
  14. Stickel, S. 121 (mit ungenauen Angaben).
  15. In den Gemeindeverzeichnissen der Landeskirche Hannovers wurde die Gemeinde zunächst allerdings als KapG geführt, vgl. Verzeichnis 1946, S. 3; Verzeichnis 1959 und 1966 jeweils uneinheitlich (im Register als KapG, im Verzeichnis als KG).
  16. LkAH, L 5h, unverz., Brunkensen, Visitation 1968.
  17. Kirche ’71, S. 1.
  18. Kirche ’71, S. 16.
  19. KABl. 1996, S. 124 f.
  20. KABl. 2009, S. 253 f.
  21. Kleinau, Neuer Text, S. 94.
  22. Reller, Kirchenverfassung, S. 168.
  23. KABl. 1943, S. 1-4.
  24. KABl. 1944, S. 7.
  25. KABl. 2011, S. 70 ff.
  26. Kleinau, Neuer Text, S. 94.
  27. Spanuth, Quellen, S. 275 f.
  28. Kleinau, Ortsverzeichnis Land Braunschweig I, S. 290.
  29. Kirche ’71, S. 9.
  30. Zum Folgenden: Stickel, S. 121 ff.; Kirche ’71, S. 11 f.
  31. DI 83, Landkreis Holzminden, Nr. 141 (Jörg H. Lampe und Meike Willing), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di083g015k0014100.
  32. Kirche ’71, S. 13.
  33. LkAH, L 5h, unverz., Brunkensen, Visitation 1955.
  34. LkAH, L 5h, unverz., Brunkensen, Visitation 1992.
  35. DI 83, Landkreis Holzminden, Nr. 39 (Jörg H. Lampe und Meike Willing), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di083g015k0003902.