Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: Martin | KO: Braunschweigische KO von 1709

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Orts- und Kirchengeschichte

Das Dorf (seit 1974 Ortsteil von Alfeld) im Taleinschnitt zwischen Ith und Hils gehörte zur Vogtei Lauenstein der Edelherren von Homburg, die 1393 Vogtei, Land, Schäfereien und den halben Zehnten zu Brunkensen an die von Wrisberg verpfändeten. Aus diesem Besitz, vermutlich der älteste der Familie von Wrisberg, entstand das spätere Rittergut. Das homburgische Erbe ging 1409 an die Welfen über (Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel, Amt Lauenstein), die es 1430 an die Bf. von Hildesheim verpfändeten. 1425 belehnte Bf. Magnus Ernst von Wrisberg mit dem Dorf Brunkensen, der Vogtei daselbst und allem Zubehör.1 Seit dem 16. Jh. waren die von Wrisberg alleinige Besitzer der Grundrechte und Einnahmen aus dem Dorf. Ihr Erbe fiel 1764 durch Heirat an den Freiherrn Karl Friedrich Schlitz, genannt von Goertz, der bereits 1737 den Namen Wrisberg angenommen hatte. Das Gut wurde wegen seines zwischenzeitlich stark verringerten Umfangs 1893 aus der Rittermatrikel gelöscht, blieb aber als solches einschließlich der Patronatslasten erhalten.

Kirche, Ansicht von Nordosten, um 1960

Kirche, Ansicht von Nordosten, um 1960

Nachrichten über die vorref. Kirchengeschichte sind spärlich. 1369 überließ Hermannus Meiger, Kerkhere to Brungkensen, den ihm verpfändeten Harbarnser Zehnten dem Dompropst.2 Seit dem Ende der Hildesheimer Stiftsfehde (1523) übten die Welfen wieder die Landesherrschaft aus (Fsm. Calenberg, später Wolfenbüttel, 1643 nicht restituiert). Nach der Vertreibung Heinrichs des Jüngeren nahmen die Truppen des Schmalkaldischen Bundes im Herbst 1542 eine Visitation vor und führten die Reformation ein.3 Im Dreißigjährigen Krieg wurde Brunkensen stark in Mitleidenschaft gezogen; der Pfarrmeierhof lag noch 1771 wüst.
Die Pfarre wurde 1554 bis 1570 von Limmer (bei Alfeld) und 1882 bis 1885 sowie 1915 bis 1916 von Delligsen aus versehen. Mit dem 1. Juli 1977 wurde die bisherige KapG Coppengrave in eine KG umgewandelt und mit der KG Brunkensen pfarramtlich verbunden.4 Eine Verbindung bestand auch mit Hohenbüchen. 1996 wurde die pfarramtliche Verbindung mit Hohenbüchen und Coppengrave aufgehoben und Brunkensen mit der KG Hoyershausen pfarramtlich verbunden. Der Sitz der Pfarrstelle wechselte zwischen beiden Gemeinden.5 Seit 2009 war die Pfarrstelle dauervakant6 und seit 2014 sind die vier Gemeinden Brunkensen, Hoyershausen, Limmer und Dehnsen pfarramtlich verbunden.
Die kirchengemeindliche Arbeit wird durch eine Fördergemeinschaft und (insbesondere in der Altenarbeit) durch die Albrecht-Graf-von-Goertz-Stiftung unterstützt.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Alfeld der Diözese Hildesheim. – 1569 zur Suptur. (Insp.) Wrisbergholzen der Generaldiözese Alfeld. Nach dem Verlust von Alfeld (1642/48) zur Insp. Greene (bzw. Gandersheim-Greene, Gandersheim); zuletzt Propstei Eschershausen. Mit dem 1. Oktober 1942 aus der braunschweigischen in die hannoversche Landeskirche umgegliedert. KK Eschershausen. 1. April 1944 KK Alfeld.7 Seit 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld.

Patronat

Dingliches Patronat des Ritterguts Brunkensen (seit 1459 die von Wrisberg8, ab 1764 die Frhr. (1817: Gf.) von Görtz-Wrisberg). 1971 durch Vereinbarung zwischen Albrecht Gf. von Görtz-Wrisberg und dem KV aufgehoben.9

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, um 1960

Kirche, Blick zum Altar, um 1960

Auf Veranlassung der Patronatsherrschaft wurde die alte baufällige Kirche 1719/21 durch einen Neubau ersetzt. Sechsachsiger barocker Putzbau mit Eckquaderung. Gerader Chorschluss mit nach Osten abgewalmtem Dach. Fenster- und Türgewände aus Sandstein. Wappen der von Wrisberg (dat. 1720) über dem Hauptportal. Innenraum mit Spiegelgewölbe und u-förmiger Empore mit Patronatsstuhl. Instandsetzung/Renovierung 1771 und Ende des 19. Jh. sowie 1954/56 (innen) und 1970/71.

Turm

Westturm mit Resten romanischen Bruchsteinmauerwerks (1600/08 erneuert) mit ins Achteck überführtem, schiefergedecktem Spitzhelm.

Ausstattung

Altarwand mit seitlichen Durchgängen. Mit Knorpelwerk reich verziertes barockes Retabel (Altarbild: Kreuzigung, von P. J. Harbordt; zwischen den Teilen des Sprenggiebels das von Putten gehaltene Wappen der Familie von Wrisberg. – Barockkanzel an der Südseite, vermutlich aus der Goslarer Bildhauerschule. – Taufbecken auf einer nicht mehr benutzten mittelalterlich Bronzeglocke als Unterbau, gestiftet 1933 durch den Patron. – Kruzifix, Stiftung des Gutsverwalters Oestrumpf (um 1600). – Mehrere Grabplatten an der Außenmauer.

Altaraufsatz, Orgel, vor 1907

Altaraufsatz, Orgel, vor 1907

Orgel

Über dem Altar an der Ostseite. Neubau 1721 durch Christian Vater (Hannover), 13 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1865 Erweiterung und Umdisponierung durch Heinrich Schaper (Hildesheim). 1905/06 Neubau des Werks durch Faber & Greve (Salzhemmendorf), 13 II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen (Fabersche Transmissionslade). 1978 Neubau des Werks durch Martin Haspelmath (Walsrode). Das Pfeifenmaterial wurde teilweise übernommen (1721 und 1865). 9. Juli 1978 eingeweiht, 5 (10) I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. Später auf 6 klingende Stimmen erweitert. Der barocke Prospekt von 1721 ist erhalten.

Geläut

Drei LG, I: fis’; II: ais’; III: cis’’’ (alle Eisenhartguss, Gj. 1925, Ulrich & Weule, Bockenem). – Eine SG (Bronze) – Früherer Bestand: zwei LG des alten Geläuts (darunter eine LG von Hans Meiger, Gj. 1433) wurden im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. Eine seit 1925 nicht mehr verwendete kleine Bronzeglocke von 1409 oder 1460 wird seit 1933 als Unterbau des Taufbeckens verwendet.10

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1906).

Friedhof

Ursprünglich bei der Kirche, jetzt am westlichen Ortsausgang (Krugstraße). Verlegung vor 1877. Ein Teil des alten Kirchhofs wurde 1881 als Gartenland an den Gutsbesitzer Gf. von Görtz-Wrisberg abgetreten.11 Friedhof und FKap (Bj. 1966) in Trägerschaft der Stadt Alfeld.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 8 (CB); B 18 Nr. 145 (Orgelsachverständiger); D 43 (EphA Alfeld).

Literatur

A: Steinacker, BKD Kr. Holzminden, S. 246–250; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 301; Kleinau, Ortsverzeichnis Land Braunschweig I, S. 111; Pape, Schaper, S. 221 f.; Pape, Haspelmath, S. 139 f.; Schwarz, Rittersitze, S. 259–261.
B: 275 Jahre St. Martinskirche zu Brunkensen, [Brunkensen] 1996.

GND

1215054114, Ev.-luth. Kirchengemeinde Brunkensen – Hoyershausen; 1215053479, Evangelische Kirche Sankt Martin (Brunkensen)


Fußnoten

  1. Hartmann, Regesten I, Nr. 36.
  2. Lüntzel, Ältere Diöcese Hildesheim, S. 242.
  3. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 225.
  4. KABl. 1977, S. 108.
  5. KABl. 1996, S. 124.
  6. LKA G 8/Hoyershausen Bd. I, Bl. 156.
  7. KABl. 1944, S. 7.
  8. Schwarz, Rittersitze, S. 260.
  9. LKA, G 15/Brunkensen.
  10. Drömann, Glocken Lkr. Hildesheim, S. 49.
  11. LkAH, D 32 Spec. Brunkensen 592-2.