Sprengel Stade, KK Osterholz-Scharmbeck | Patrozinium: Maria1 | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

In einem Gehölz östlich von Scharmbeck plante Ebf. Siegfried von Bremen (amt. 1168/79–1184) im Jahr 1182 die Gründung eines Klosters, die der mit ihm verwandte Mönch Eylard verwirklichte.2 Eine Gründungsurkunde des cenobii sancte Marie in Osterholte hat sich nicht erhalten; die erste schriftliche Erwähnung findet sich in einer Urkunde von Ebf. Hartwig II. (amt. 1184–1207) aus dem Jahr 1185, in der er die Übertragung der curia Schyrenbicke (Hof Scharmbeck) an das neue Kloster bestätigte.3 Das Benediktinerinnenkloster Osterholz lag im Erzstift Bremen, dem weltlichen Territorium der Bremer Erzbischöfe und besaß die Gerichtshoheit in der Börde Scharmbeck.4 Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde das Erzstift Bremen säkularisiert und blieb zusammen mit dem ebenfalls säkularisierten Hochstift Verden unter schwedischer Herrschaft (vereinigte Hzm. Bremen-Verden). Die ehemaligen Klöster Osterholz und Lilienthal sowie ihr Besitz kamen als schwedisches Lehen an den Lgf. Friedrich von Hessen-Eschwege († 1655) bzw. seine Ehefrau, die schwedische Prinzessin Eleonora Catharine († 1692). Ab 1692 war Osterholz Sitz des gleichnamigen Klosteramtes; der Ort wird als „Flecken oder Freie Damm“ bezeichnet.5 Im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) besetzte Dänemark 1712 die vereinigten Hzm. Bremen-Verden und 1715 konnte das welfische Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) die beiden Territorien erwerben (1719 von Schweden gegen weitere Zahlung anerkannt). In französischer Zeit gehörte Osterholz 1810 zunächst kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und war dann bis 1813/14 Hauptort Kantons Osterholz im Arrondissement Bremerlehe des Departements Wesermündung im Kaiserreich Frankreich. Danach war Osterholz, nun im Kgr. Hannover, wieder Sitz des gleichnamigen Amtes. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel der Ort 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam Osterholz zum Lkr. Osterholz. 1927 wurden Osterholz und Scharmbeck sowie Ahrensfelde, Bargten und Sandbeckerbruch zu Osterholz-Scharmbeck zusammengeschlossen; 1929 erhielt der neue Ort Stadtrechte. Zur sozialen Zusammensetzung der Mariengemeinde Osterholz-Scharmbeck schrieb der Ortspfarrer 1957: „Kreisstadt mit Akademikern, Beamten und Angestellten. […] Viel Pendelarbeiter nach Bremen. Mittlere und kleine Landwirte in Osterholz, Ahrensfelde, Viehland und Neuenfelde“.6 Um 1813 lebten knapp 500 Menschen in Osterholz und rund 1.540 in Scharmbeck, in der neuen Fleckensgemeinde Osterholz-Scharmbeck 1927 gut 5.680 (Osterholz: 2.030), 1945 etwa 12.500 und 2019 gut 30.250 (mit Eingemeindungen).

Kirche, Ansicht von Südwesten, Teilansicht, Postkarte, Foto: R. Dodenhoff, Worpswede, um 1970

Kirche, Ansicht von Südwesten, Teilansicht, Postkarte, Foto: R. Dodenhoff, Worpswede, um 1970

Während Klosterstifter Ebf. Siegfried mit der Übertragung des erzbischöflichen Hofes in Scharmbeck die Grundlage für die wirtschaftliche Existenz legte, gilt Propst Eylhard als Gründer des Klosters Osterholz; er selbst bezeichnet sich 1186 als primus prepositus et edificator cenobii sancte Marie in Osterholte (erster Propst und Erbauer des Marienklosters in Osterholz).7 Im Jahr 1188 bestätigte Papst Clemens III. die Gründung des Klosters und nahm es in seinen Schutz; in der Urkunde bezeichnete er Osterholz als Doppelkloster (fratribus et sororibus de Osterholte).8 Seit 1202 spricht die Überlieferung von einem Nonnenkloster. An der Spitze des Konvents stand eine Priorin, darüber hinaus wählte der Konvent einen Propst. Bf. Dietrich I. von Lübeck (amt. 1186–1210) weihte 1197 das Kloster in honorem sancte Marie virginis (zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria).9 1273 weihte der Bremer Ebf. Hildebold (amt. 1258–1273) das Kloster erneut (Jungfrau Maria und Evangelist Johannes).10 Der Klosterbrand von 1345 ließ die Kirche intakt. Wohl an der Wende vom 14. zum 15. Jh. ließ der Konvent die Klosterkirche umgestalten: Das nördliche Seitenschiff wurde breiter und höher, der Chor um ein Joch verlängert. 1514 schloss das Kloster Osterholz eine Gebetsbrüderschaft mit der reformerischen Bursfelder Kongregation.11 Der reiche Grundbesitz des Benediktinerinnenklosters umfasste in der ersten Hälfte des 16. Jh. insgesamt 125 Vollhöfe, einen Halbhof und eine Kate; damit stand Osterholz unter den Klöstern des Erzstifts Bremen an erster Stelle.12 Wegen Auseinandersetzungen mit dem Bremer Ebf. Christoph von Braunschweig-Lüneburg (amt. 1502–1558) verließ der Konvent 1525 Osterholz und zog um in die Stadt Bremen. 1537 kehrte er als „gemischt-konfessionelles Gremium zurück“ nach Osterholz.13 Mit Dr. Joachim Hincke wählte der Konvent 1550 einen luth. Propst.14

Kirche, Ansicht von Norden, Teilansicht, 1948

Kirche, Ansicht von Norden, Teilansicht, 1948

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) kam es kurzzeitig zu einer kath. Restitution des Klosters: Im Mai 1630 mussten die ev. Konventualinnen Osterholz verlassen und kath. Nonnen aus einem münsterschen Kloster zogen ein.15 Nachdem schwedische Truppen Stifte Bremen und Verden besetzt hatten, konnte der ev. Konvent im Frühjahr 1633 zurückkehren. Der Westfälische Frieden von 1648 brachte auch das Ende des Klosters Osterholz mit sich: Das Kloster wurde am 19. Januar 1650 aufgehoben. Zum Zeitpunkt der Auflösung stammten alle Konventualinnen aus adligen Familien; sie erhielten eine Pension und mussten ihre Wohnungen im Kloster nicht verlassen.16
Die Klosterkirche hatte sich seit der Reformation zur Pfarrkirche für Osterholz entwickelt; für den Bauunterhalt der Kirche und der übrigen kirchlichen Gebäude war der jeweilige Landesherr zuständig (zuletzt das Land Niedersachsen, bis zum Abschluss des Loccumer Vertrags 1955). Der erste ev. Geistliche ist 1623 zusammen mit seinem Amtsbruder aus Hambergen als Urkundenzeuge belegt: dominis Johanne Eilers coenobii saepenominati in Osterholte et Henricus Erasmi parrochiae in Hambergen respective pastore (die Herren Johannes Eilers, Pastor des oft genannten Klosters in Osterholz, und Heinrich Erasmi, Pastor der Pfarre in Hambergen).17 Später war P. Christoph Stryck (amt. bis 1665) an der ehemaligen Klosterkirche tätig. 1692 fiel die Entscheidung, Osterholz und die übrigen Klostergemeinden in Bremen und Verden „wegen ihrer Kleinheit“ aufzuheben.18 Nachdem P. Johann Peter Landwehr (amt. 1682–1694) nach Selsingen gewechselt war, übernahm daher der Pastor von Scharmbeck auch Osterholz. Die Mariengemeinde jedoch wehrte sich gegen ihre Auflösung, setzte sich durch und erhielt nach zwei Jahren mit P. Franz Christoffer Mauer (amt. 1696–1708) wieder einen eigenen Geistlichen.19 Während der Amtszeit von P. Wilhelm Matthias Bruno (amt. 1759–1786) erfuhr der Innenraum der Kirche zwischen 1762 und 1764 nach den Plänen des Moorkommissars Jürgen Christian Findorff eine grundlegende Neugestaltung. Auch äußerlich veränderte sich das Kirchengebäude im 18. Jh.: 1708 mit dem Abbruch des südlichen Seitenschiffs und 1769 mit dem Abbruch des Südturms.
P. Friedrich Rudolf Borchers (amt. 1886–1901) gründete im Jahr 1895 den Osterholzer Posaunenchor.20 Nach Gründung des Fleckens Osterholz-Scharmbeck im Jahr 1927, legten die KG Osterholz und Scharmbeck die Bahnstrecke als Grenze zwischen den beiden Gemeinden fest, wodurch die Osterholzer Mariengemeine einige Gemeindeglieder an die Willehadigemeinde verlor.21 Innerhalb der KG Osterholz gründete sich 1925 eine Gruppe der Landeskirchlichen Gemeinschaft.22 Gleichzeitig galt die KG im zunehmend als eine unkirchliche Gemeinde im KK, wie der Sup. des KK Osterholz-Scharmbeck 1951 rückblickend anmerkte. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs kam es vor, dass der Sonntagsgottesdienst mangels Gemeinde ausfiel.23

Kirche, Ansicht von Südwesten, Teilansicht, nach 1979

Kirche, Ansicht von Südwesten, Teilansicht, nach 1979

Während der NS-Zeit hatte P. Hermann Fricke (amt. 1923–1943) das Pfarramt an der Klosterkirche inne. Er schloss sich den DC an, was „die Entfremdeten nicht gewonnen, eher manche Kirchlichen entfremdet“ habe, schrieb der Sup des KK Lesum 1938 in seinem Visitationsbericht.24 Zwei der sechs in der Kirchenvorstandswahl 1933 gewählten Kirchenvorsteher fühlten sich Ende 1936 „als Parteileute gezwungen“ ihr Amt aufzugeben.25 Insgesamt beurteilte der der Sup. die in Osterholz aktiven „‚Gott‘- und ‚Deutsch‘-Gläubigen“ als Gefahr für die Entwicklung der KG, da mit ihnen „zu liebäugeln manchem Beamten als Dienstpflicht erscheint“.26 Im Visitationsbericht ist auch eine „politische Konfirmation“ erwähnt, die Ostern 1938 in Osterholz stattgefunden habe.
Mit dem Zuzug Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der Errichtung verschiedener Neubaugebiete in der Nachkriegszeit vergrößerte sich die KG stark; zählte sie 1944 noch rund 2.500 Gemeindeglieder waren es 1951 etwa 4.400.27 Zugleich wuchs auch der kath. Bevölkerungsteil; 1951 lebten etwa 40 kath. Familien in Osterholz. Als Zentrum der 1947 gegründete kath. Vikarie Osterholz-Scharmbeck war 1948 die Kirche Heilige Familie in Osterholz geweiht worden. Die „Barackenkapelle“ wurde 1967/68 durch einen Neubau ersetzt.28
Die ev. KG stellte 1945 eine Gemeindeschwester an.29 Die Schwesternstation bestand bis Anfang der 1960er Jahr und blieb dann unbesetzt, nicht zuletzt, da 1962 eine städtische Schwesternstation eingerichtet worden ist.30 Das Pfarramt hatte der Ostpfarrer P. Max Dannowski (amt. 1947–1955) aus Ostpreußen übernommen, gefolgt von P. Rudolf Gensch (amt. 1955–1965). Beide unterhielten gute Kontakte zur Landeskirchlichen Gemeinschaft, die über die eigenen Bibelstunden hinaus in das kirchengemeindliche Leben integriert war.31 Insgesamt zog der Sup. des KK Osterholz-Scharmbeck nach der Visitation 1957 ein positives Fazit; er habe ein „erfreuliches Bild von der regsamen und reich gesegneten Arbeit in der Klosterkirchengemeinde“ gewonnen.32 Der Abschluss des Loccumer Vertrag zwischen dem Land Niedersachsen und den niedersächsischen ev. Landeskirchen hatte unmittelbare Folgen für die KG Osterholz: Klosterkirche und Pfarrhaus gingen nun in das Eigentum der KG über.33
In den 1960er Jahren etablierte sich der Name St.-Marien für Kirche und Gemeinde und die bislang üblichen Bezeichnungen Klosterkirche und Klosterkirchengemeinde traten in den Hintergrund. Die KG zählte seinerzeit gut 6.000 Gemeindeglieder und das Landeskirchenamt errichtete 1963 eine zweite Pfarrstelle. Allerdings blieb die Stelle noch fast ein Jahrzehnt vakant und erstmals von P. i. R. Hans Taube (amt. 1972–1979) versehen.34 Der Stellenumfang war bereits um die Hälfte reduziert als Pn. Sigrid Haslett-Duhm (amt. 1981–1982) die Pfarrstelle übernahm und nach ihrem Weggang schloss der Sup. angesichts der sinkenden Gemeindegliederzahl eine Wiederbesetzung aus.35
Der ev. Kindergarten, den die Gemeinde 1970 eröffnet hat, ging zum 1. Januar 2017 in die Trägerschaft des „Ev.-luth. Kindertagesstättenverbandes Osterholz-Scharmbeck“ über.36 Gegenüber der Klosterkirche betreibt die KG das „Café St. Marien“. In der Region Osterholz-Scharmbeck/Ritterhude kooperiert St. Marien mit ihren Nachbargemeinden Pennigbüttel, Ritterhude, Scharmbeckstotel und St. Willehadi (u. a. regionale Kinder- und Jugendarbeit, gemeinsamer Konfirmandenunterricht „Himmelsstürmer“, seit 2008 gemeinsames Gemeindeblatt „ankreuzen“).

Pfarrstellen

I: Etwa 1650. – II: 1963 (besetzt bzw. versehen 1972–1982).37

Umfang

Osterholz, seit 1777 auch Ahrensfelde, Ahrensfelderdamm und Viehland. Später auch Neuenfelde (besiedelt ab 1788).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des Bremer Dompropsts. – 1651/52 Kons. Stade gegründet, Osterholz gehörte zur Bremischen Superintendentur (Sitz am Dom, seit 1803 in Achim). Bei der Neuorganisation der Inspektionen wurde 1826 die Insp. Osterholz eingerichtet (Sitz in Lesum, ab 1827 in Ritterhude, ab 1846 in Lesum), Insp. nach 1870 umbenannt in Insp. Lesum. 1924 KK Lesum, 1948 umbenannt in KK Osterholz-Scharmbeck (Sitz an der St. Willehadi-Kirche in Scharmbeck).

Patronat

Der Landesherr (bis 1871). Kirche und Pfarrhaus bis 1955 Eigentum des Staates, der auch für die Bauunterhaltung zuständig war (mit Abschluss des Loccumer Vertrags gingen die Gebäude in das Eigentum der KG über).

Kirchenbau
Kirche, Ansicht von Südwesten, Teilansicht, 1976, Aquarell

Kirche, Ansicht von Südwesten, Teilansicht, 1976, Aquarell

Zweischiffiger Backsteinbau mit Westwerk, Rechteckchor und südlichem Querarm (nördlicher ins Seitenschiff integriert), ursprünglich erbaut wohl 1186–97 (Weihe 1197), verändert Mitte des 14. Jh.38 Haupt- und Nebenschiff unter einem Walmdach, je drei flache Gauben nach Norden und Süden; Chor und Querhaus mit Walmdächern. Strebepfeiler an östlichem Chorjoch und an Nordseite, am nordöstlichen Strebepfeiler des Chors Relief eines Christuskopfs (15. Jh.), am nordöstlichen Strebepfeiler des ehemaligen Querarms Relief mit Kreuzigungsszene (15. Jh.); breite Spitzbogenfenster mit blauem Sprossenwerk an Chor und Nordseite; an Südseite und am Querarm hohe Rundbogenfenster; an Ostseite des Chors große, spitzbogige Blendnische; an Querarm und Chor Rundbogenfriese; zwei Portale an Nordseite. In Innern Kreuzgratgewölbe, im östlichen Chorjoch und im Seitenschiff Kreuzrippengewölbe; im Westen ehemalige Nonnenempore auf vier Gratgewölben mit Mittelpfeiler; an der Nordseite moderne Empore; an der Ostwand des südlichen Querhauses Wandmalerei mit Darstellung des hl. Christophorus (erste Hälfte 14. Jh.; stellenweise stark ergänzt). Klosterkirche erbaut als Kreuzkirche mit doppeltürmigem Westwerk, Hauptschiff mit schmalen Seitenschiffen, Apsis am Chor, Nebenapsiden am Querschiff.39 Ende 14./Anfang 15. Jh. nördliches Seitenschiff abgebrochen, neu erbaut (gleiche Höhe wie Mittelschiff, gleiche Breite wie Querhaus), Chor um ein Joch verlängert. 1708 südliches Seitenschiff und Nebenapsiden abgebrochen, rundbogige Obergadenfenster nach unten verlängert. 1762–64 Umgestaltung Innenraum von Längs- zu Querorientierung (Moorkommissar Jürgen Christian Findorff; u. a. Kanzelaltar vor südlichem Querarm aufgestellt, Orgel versetzt, West-, Ost- und Nordemporen eingebaut).40 1934/35 Sanierung (u. a. äußere Emporenzugänge entfernt, Ostfenster in Chor und nördlichem Querarm vermauert). 1964 Krypta im Turm zu Gedächtniskapelle für Opfer des Zweiten Weltkriegs umgestaltet. 1967–69 Instandsetzung und Neugestaltung Innenraum (Kurt Schulze-Herringen, Erwin Gerding, Osterholz-Scharmbeck; u. a. Empore an Ostseite des Chors entfernt, Nordempore entfernt und verkürzt erneuert, Kanzelaltar von südlichem Querschiff in Ostchor versetzt).41 2010/11 Sanierung Dachstuhl.

Turm

Westwerk mit Nordturm, erbaut wohl 1186–97. Zwischenbau und Stumpf des ehemaligen Südturms mit Satteldach, Turm mit vierseitigem Pyramidendach, bekrönt mit Kugel, Kreuz und Wetterfahne. Backsteinmauerwerk; im Glockengeschoss rundbogige gekuppelte Schallöffnungen, nach Norden im Bogenfeld Uhrziffernblatt; Westfassade mit großer, spitzbogiger Blendnische, darin zwei Rechteckfenster 1769 Südturm wegen Einsturzgefahr abgebrochen. 1979 neuer Turmhelm für Nordturm.

Kirche, Blick zum Altar, Foto: P. Greve, Jöllenbeck (?), 1970

Kirche, Blick zum Altar, Foto: P. Greve, Jöllenbeck (?), 1970

Ausstattung

Architektonisch gestalteter Kanzelaltar (1764), korinthische Säulen und Pilaster tragen Gebälk, darauf zwei Putten vor geschwungenem und bemaltem Aufsatz (hannoversches Wappen: Krone mit Löwe und Einhorn); im Mittelfeld bauchige Kanzel mit Schalldeckel, abgewinkelte Seiten mit Durchgängen und Gemälden darüber (links: Moses, rechts: Johannes der Täufer); hölzerner Altar mit geschwungenen, seitlichen Schranken, einer der Pfosten diente auch als Taufe. – In der Vierung schlichter Altartisch mit mächtiger Holzmensa mit Stahlfüßen (1967/68). – Gotisches Triumphkreuz (spätes 15. Jh.), Evangelistensymbole an den Balkenenden; Kreuz hängt über Vierungsaltar. – Barocke Holztaufe (um 1700), runde Bodenplatte mit drei stehenden Putten, die das als stilisierte Baumkrone gestaltete Becken stützen, Deckel verziert mit Blättergirlande, Volutenornamenten und gedrehten Türmchen, schlichter Zapfen als mittige Bekrönung.42 – Moderne, leicht erhöhte Kanzel (1967/68). – Mittelalterliches Chorgestühl, neu zusammengestellt. – Epitaph einer Äbtissin (um 1620), mehrgeschossiger, architektonischer Aufbau; im Mittelfeld kniende Äbtissin vor Kreuz; im Aufsatz Auferstehungsbild; Inschrift nicht erhalten. – Barockes Epitaph für Margaretha Elisabeth Landtwer († 1693). – In Vorhalle lateinische Inschriftentafel mit zwei Wappen (ursprünglich vielleicht am Eingang des Klosters), Übersetzung etwa: „O König der Ehre, komme zu uns in Frieden. Im Jahr des Herrn 1182 ist dieses Kloster begründet. Im Jahre 1505 wie bekannt reformiert. Im Jahre 1520 ist dieses Werk beendet worden durch Herrn Johannes Propst und Mönch, auch Elisabeth, Domina und Priorin. Bewahre Herr dieses Haus“; darunter spätere Ergänzung: „Nachdem das Kloster aufgehoben ist, wurde dieses Gebäude im Jahr 1708 errichtet“ (Übersetzung).43 – Außen: Mehrere Grabsteine (16. Jh.).

Alte Orgel von Johann Hinrich Röver (Stade), Foto: A. Führer, 1979

Alte Orgel von Johann Hinrich Röver (Stade), Foto: A. Führer, 1979

Orgel

1553 vermutlich erste Orgel gestiftet von Domina Jutta von Frese.44 1629 eine „wollgemachte […] Orgell“ vorhanden.45 1752 verkauft an Gemeinde Meyenburg. 1752 Orgelneubau, ausgeführt von Dietrich Christoph Gloger (Stade), 9 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen.46 1798/99 repariert von J. W. G. Witzmann; 1828 repariert von Peter Tappe (Verden). 1861 Orgelneubau ausgeführt von Johann Hinrich Röver (Stade), I/P; 1958–1962 in zwei Bauabschnitten Erweiterung um Oberwerk, ausgeführt von Firma Emil Hammer (Hannover), 16 II/P, mechanische Traktur, Röverlade und Schleiflade, Opus 1438.47 1979 Orgelneubau, ausgeführt von Alfred Führer (Wilhelmshaven), 13 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen, fünf Reg. aus Vorgängerinstrument übernommen.

Geläut

Zwei LG, I: bʼ (Bronze, Gj. 1953, F. Otto, Bremen-Hemelingen), Inschriften: „Gott zur Ehre, den Menschen zum Frieden“ und „Umgegossen von F. Otto, Bremen, 1953“; Bild: königliches Monogramm „G[eorgius] R[ex]“; II: cʼʼ (Bronze, Gj. 1949, F. Otto, Bremen-Hemelingen), Inschrift: „St. Urban, du Schützer und Schirmer der Reben, erflehe uns den Segen im Weinberg und Leben“. – Früherer Bestand: Bei Abbruch des Südturms 1769 zwei Glocken nach Worpswede, eine nach Gnarrenburg abgegeben.48 Die beiden noch vorhandenen Bronzeglocken im Nordturm (I: 1004 Pfund; II: 683 Pfund) 1772 bei Trauergeläut für Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg (Princess of Wales) geborsten; umgegossen zu zwei neuen LG (beide Bronze, Gj. 1772, Johann Philipp Bartels, Bremen), I: 1049 Pfund; II: 679 Pfund.49 Große Glocke 1784 gerissen, umgegossen zu einer neuen großen LG (Bronze, Gj. 1792, Johann Philipp Bartels, Bremen), Inschrift: „Gegossen von Johann Philipp Bartels Bremen 1792 G[eorgius] R[ex]“.50 Kleine LG gerissen und umgegossen zu einer neuen kleinen LG (Bronze, Gj. 1796, Johann Philipp Bartels, Bremen). Kleine LG erneut geborsten und zu einer neuen LG umgegossen (Bronze, Gj. 1898), im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben (1917).51 Ersetzt durch eine neue LG, c (Bronze, Gj. 1926, F. Otto, Hemelingen), Inschrift: „Gott zur Ehre, den Menschen zum Frieden. Ersatz für die dem Weltkrieg zum Opfer gefallene Glocke. Gestiftet von der Gemeinde, gegossen von F. Otto – Hemelingen 1926“, im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. Große LG 1949 bei Blitzeinschlag beschädigt und gesprungen, geschweißt (de Witt, Leverkusen) und wieder gesprungen, 1953 umgegossen zu heutiger LG I.

Weitere kirchliche Gebäude

Gemeindehaus „Martin-Luther-Haus“ (Bj. wohl 1562), ursprünglich Herberge und Armenhaus (Xenodochium), eingeschossiger Backsteinbau, am Vorbau Sandsteinrelief des Gekreuzigten (wohl 1562) und Inschriftentafel: „Ad pia vota Johannis a Widenbrügge praedecessorissui D[ominus] Joachimus Hinck praepositus et Jutta Frese Domina huius monasteri xenodochium hoc ff anno 1562“ (Nach dem Gelübde seines Vorgängers Johannes Widenbrügge bauten Propst Joachim Hinck und Domina Jutta Frese dieses Xenodochium im Jahre 1562“; Orgel: Portativ, 3 I/–, mechanische Traktur, Schleiflade, erbaut 1977 von Alfred Führer (Wilhelmshaven). – Pfarrhaus (Bj. 1836). – Pfarrhaus II (Bj. um 1800, erworben 1961). – Kindergarten (Bj. um 1850, umgebaut 1969/70).

Friedhof

Klosterfriedhof ursprünglich bei der Kirche, genutzt bis 1832. Neuer kirchlicher Friedhof am Klosterholz, angelegt 1766/67, mehrfach erweitert; alte FKap (sechseckiger Pavillon, erbaut um 1768 von Amtmann Conrad Friedrich Meiners, wohl als private Grabkapelle), neue FKap (Bj. 1968/69), Orgel: 4 I/aP, mechanische Traktur, Schleiflade, erbaut 1955 von Alfred Führer (Wilhelmshaven).52

Liste der Pastoren (bis 1940)
Neue Orgel von Alfred Führer (Wilhelmshaven) im Bau, 1979

Neue Orgel von Alfred Führer (Wilhelmshaven) im Bau, 1979

Bis 1665 Christoph Stryck. – 1665–1675 Alvericus Hoddersen. – 1682–1694 Johann Peter Landwehr. – 1696–1708 Magister Franz Christoffer Mauer. – 1709–1727 Daniel Balthasar Berninck. – 1727–1729 Ludolph Olbers. – 1730–1758 Christoph Wilhelm Göden. – 1759–1786 Wilhelm Matthias Bruno. – 1786–1807 Conrad Schiphorst. – 1807–1823 Dietrich von Horn. – 1824–1842 Georg Wilhelm Möhlenbrock. – 1842–1859 Christoffer Wilhelm August Brüning. – 1859–1874 Johann Rudolph Visbeck. – 1874–1883 Carl Hermann Heinrich Friedrich Richard Küster. – 1886–1901 Friedrich Rudolf Borchers. – 1901–1922 Heinrich Friedrich Wilhelm Kurt Kromschröder. – 1923–1943 Hermann Adolf Felix Fricke.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 247–248

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 582, 588 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 6441–6444 (Pfarrbestellungsakten); D 109 (EphA Osterholz-Scharmbeck); L 5g Nr. 264–265, 465, 1009 (LSuptur Stade); S 09 rep Nr. 1876 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7800 (Findbuch PfA).

Literatur & Links

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 178, Nr. 230; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1071–1073; Gemeindebuch KK Osterholz-Scharmbeck, S. 15–17; Meyer, Pastoren II, S. 247–248; Meyer-Korte, Gemeinden, S. 102–113; Stein, Dorfkirchen, S. 410–416.
B: Festschrift anläßlich des 100jährigen Jubiläums des Posaunenchores Osterholz-Scharmbeck, hrsg. vom Posaunenchor Osterholz-Scharmbeck, Osterholz-Scharmbeck 1995; UB Osterholz; Walter Behnke [Hrsg.]: 800 Jahre Klosterkirche St. Marien zu Osterholz. 1182-1982. Eine Rückschau über die Veranstaltungen im Jahre 1982, [um 1983]; Urs Boeck: Die ehemalige St. Marien-Klosterkirche zu Osterholz, in: Niedersächsische Denkmalpflege 6 (1965–1969 [1970]), S. 93–101; Bernd Ulrich Hucker: Die Gründung des Klosters Osterholz. Studien zur Urkundentradition und Geschichtsschreibung des Benediktinerinnenklosters mit dem Text von Güter- und Lehnsregistern, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 44 (1972), S. 159–188; Kurt Schulze-Herringen: Gebaute Geschichte. Gloria Deo in desertis. St. Marien Osterholz, St. Marien Lilienthal, St. Georg St. Jürgen, Osterholz-Scharmbeck 1980, bes. S. 11–32; Reelf Menkhoff: Chronik von Osterholz-Scharmbeck, 2 Bde., Osterholz-Scharmbeck 2004–2009; Johann Segelken: Osterholz-Scharmbecker Heimatbuch, Osterholz-Scharmbeck 41987, bes. S. 79–131; Hans Trüper: Ein Register der Einkünfte des Klosters Osterholz aus dem Jahre 1525, in: Stader Jahrbuch 1988, S. 190–214.

Internet: Bildindex der Kunst & Architektur

GND

2112173-4, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Sankt Marien (Osterholz-Scharmbeck); 121992802X, Klosterkirche Sankt Marien (Osterholz-Scharmbeck)


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 51.
  2. Zur Gründung des Klosters vgl. Hucker, S. 168 ff. Siehe insgesamt: Dolle, Klosterbuch III, S. 1231 ff.
  3. UB Osterholz, Nr. 4. Zitat ebd., Nr. 5 (1186). Knapp zur Überlieferungslage: ebd., S. 13; Hucker, S. 159 f.
  4. Segelken, S. 150 ff.
  5. Zit. bei Segelken, S. 114
  6. LkAH, L 5g, Nr. 264 (Visitation 1957).
  7. UB Osterholz, Nr. 5. Vgl. auch Hucker, S. 172.
  8. UB Osterholz, Nr. 6.
  9. UB Osterholz, Nr. 7. Zur Datierung vgl. Hucker, S. 170.
  10. UB Osterholz, Nr. 57. Hucker, S. 165, geht aufgrund dieser zweiten Weihe von einem „Neubau des Klosters“ aus; Boeck, S. 93, spricht von einer neuerlichen „Konsekration des entweihten Hochaltars“.
  11. Dannenberg/Otte, Reformation, S. 156.
  12. UB Osterholz, S. 12; Segelken, S. 84 f. Vgl. auch die Güter- und Lehnsregister bei Hucker, S. 174 ff. und Trüper, S. 193 ff.
  13. Dannenberg/Otte, Reformation, S. 166; Dolle, Klosterbuch III, S. 1233. Zu den erzstiftischen Stiften und Klöstern während der Reformationszeit vgl. den Beitrag von Hoffmann in: Dannenberg/Otte, Reformation, S. 149 ff.
  14. UB Osterholz, Nr. 429.
  15. Dannenberg/Otte, Reformation, S. 172. vgl. auch Segelken, S. 89 ff. und Haake, Säkularisation, S. 44.
  16. UB Osterholz, Nr. 496; Dannenberg/Otte, Reformation, S. 155.
  17. UB Osterholz, Nr. 466; NLA ST Rep. 3 Osterholz Nr. 32, 22.01.2021 (mit Digitalisat).
  18. Wolters, Zustände I, S. 25 f.
  19. Menkhoff I, S. 62.
  20. Festschrift, S. 2.
  21. KABl. 1928, S. 24; LkAH, L 5g, Nr. 264 (Visitation 1938).
  22. LkAH, L 5g, Nr. 264 (Visitation 1951).
  23. LkAH, L 5g, Nr. 264 (Visitation 1951).
  24. LkAH, L 5g, Nr. 264 (Visitation 1938).
  25. LkAH, L 5g, Nr. 264 (Visitation 1938); LkAH S 1 H III Nr. 817, Bl. 5.
  26. LkAH, L 5g, Nr. 264 (Visitation 1938).
  27. LkAH, L 5g, Nr. 264 (Visitationen 1944, 1951).
  28. LkAH, L 5g, Nr. 343 (Visitation 1964).
  29. LkAH, L 5g, Nr. 264 (Visitation 1951).
  30. LkAH, L 5g, Nr. 264 (Visitation 1963).
  31. Vgl. dazu auch LkAH, L 5g, Nr. 265 (Visitation 1969).
  32. LkAH, L 5g, Nr. 264 (Visitation 1957).
  33. Gemeindebuch KK Osterholz-Scharmbeck, S. 16.
  34. LkAH, L 5g, Nr. 265 (Visitation 1975).
  35. LkAH, L 5g, Nr. 266 (Visitation 1981).
  36. Meyer-Korte, Gemeinden, S. 106; KABl. 2016, S. 159. Der Verband wurde 2013 gegründet (KABl. 2013, S. 55 ff.), die Mariengemeinde trat zum 1. Januar 2017 bei.
  37. KABl. 1963, S. 14. Erst 1972 besetzt.
  38. Grundriss: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1073.
  39. Zur Baugeschichte: Boeck, S. 94 ff., Schulze-Herringen, S. 16 ff., jeweils mit mehreren Grund- und Aufrissen.
  40. Grundriss vor Umgestaltung und geplante Änderungen (mit Digitalisat): NLA ST Karten Neu Nr. 00872, 19.01.2021. Vgl. auch NLA ST, Rep. 40, Nr. 982, 19.01.2021 (mit Digitalisat).
  41. Vgl. Schulze-Herringen, S. 26 ff.
  42. Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 178, Nr. 230.
  43. Nach Segelken, S. 98.
  44. Dolle, Klosterbuch III, S. 1236.
  45. Zit. bei Segelken, S. 91.
  46. Zeichnung der Orgel von 1795: NLA ST Karten Neu Nr. 03288, 19.01.2021; Disposition: NLA ST Rep. 40 Nr. 1024, Bl. 212, 20.01.2021.
  47. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 162. Bei Skiebe, Röver nicht aufgeführt.
  48. Menkhoff I, S. 87.
  49. NLA ST Rep. 40 Nr. 1022, 19.01.2021, Bl. 19.
  50. Zum Folgenden: Segelken, S. 102 f.
  51. Menkhoff I, S. 330.
  52. Segelken, S. 103 ff.