(Groß Freden)

Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: Georg (seit 1960)1 | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Der Ort Freden entstand an einer Furt der Leine, die die Ortsteile Groß und Klein Freden voneinander trennt. Der Salier Heinrich IV. überließ der bischöflichen Kirche in Hildesheim 1068 u. a. den Ort Fredenon (Ersterwähnung).2 Der Bf. von Hildesheim war damit Grundherr und unterhielt in Freden ein festes Haus. Mit der Herausbildung von Verwaltungsstrukturen wurde das Dorf dem Amt Winzenburg zugewiesen. Nach der Hildesheimer Stiftsfehde fiel es 1523 an das Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel, 1643 zurück an Hildesheim (Amt Winzenburg, 1828 zum Amt Bilderlahe, 1836 an das neu gegründete Amt Alfeld). 1949 wurden Groß und Klein Freden zur Gemeinde Freden (Leine) vereinigt.
Freden wird in der Urkunde von 1068 bereits als Pfarrort bezeichnet, war aber wohl erst kurz zuvor von der Mutterkirche in Elze gelöst worden.3 Möglicherweise war es auch Sitz eines Sendgerichts.4 Unter dem 7. März 1180 übertrug Bf. Adelog dem Kloster Backenrode (Marienrode) die capella […] in uilla […] friethen.5 1224 wird der Besitz (jetzt als ecclesia in verdenen) dem Kloster von Bf. Konrad noch einmal bestätigt.6 Als erste Geistliche erscheinen 1209 Conradus et Egbertus sacerdotes de utroque Frethen7, 1245 Iohannes sacerdos de Freden8 (vielleicht auch auf Klein Freden bezogen), 1251 Rantwicus und Henricus de Freden sacerdotes.9 Als 1542 die Reformation eingeführt wurde, war Jost Hunkel (amt. 1542-1544) Pastor verus.10 1568 wird Hermann Mittendorf als Mercenarius genannt. Im Besitz der Pfarrpfründe war der Amtmann zu Winzenburg.11
Die Gemeinde litt schwer unter den Folgen des Dreißigjährigen Krieges. Erste Brandschatzungen durch durchziehende Söldner sind um 1624/28 überliefert. Wohl 1625 wurde das Dorf durch Truppen Wallensteins heimgesucht, die u. a. das Pfarrköthnerhaus zerstörten. Nach Wiedereinführung des kath. Ritus wurde die Pfarre 1628 bis 1634 durch den kath. Priester Jacobi versehen, der auch die Pfarrstellen in Winzenburg und Klein Freden (Freden, Laurentius) verwaltete. Das Pfarrhaus war 1634 beim Amtsantritt des Pastors Ulrici nicht mehr bewohnbar. 1638, 1638 und 1642 kam es zu erneuten Plünderungen, auch von kirchlichem Eigentum. Trotz des Friedensschlusses blieben die wirtschaftlichen Verhältnisse schwierig. P. Christian Fincke klagte noch 1650, dass die Pfarre nur mit zwei Hufen ausgestattet sei, die er selbst bestellen müsse.
Die Pfarrstelle war von 1645 bis 1813 mit Everode verbunden. Zum 1. Oktober 1960 wurde die die KG Groß Freden in St.-Georgs-KG Freden umbenannt.12 Sie zählte 1982 noch 1.612 Gemeindeglieder13 (Ende 1987: 1.50714). Mit dem 1. April 1998 wurden die KG St. Georg und St. Laurentius in Freden pfarramtlich verbunden.15 Zur Erfüllung kirchengemeindlicher Aufgaben einschließlich der Trägerschaft von Friedhöfen und einer KiTa (in Freden seit 1961) wurden die KG Everode, St. Georg und St. Laurentius in Freden sowie Wetteborn mit dem 1. Januar 2009 zum Ev.-luth. Gemeindeverband Region Freden zusammengefasst.16

Umfang

Das Dorf Groß Freden, das Landgut (Rittergut) Esbeck und der Klothskrug (Röhnkrug).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Alfeld der Diözese Hildesheim. – Kam im Zuge der Neuorganisation der kirchlichen Aufsichtsbezirke 1542 zur Suptur. Alfeld. Von 1569 bis 1659 war Freden Sitz der Spezial-Suptur. der Insp. Lamspringe/Groß Freden, die die Hasekenhäuser Börde, Bodenburg, die Gehlenbürgische Börde und die Stadt Salzdethfurt umfasste.17 Nachher wieder zur Insp. (1924: KK) Alfeld. Seit dem Zusammenschluss mit dem KK Hildesheimer Land am 1. Januar 2011 zum KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld.

Patronat

Der Bf. von Hildesheim, vorübergehend (1180-1296) das Kloster Backenrode/Marienrode18, dem Bf. Siegfried von Hildesheim das Patronatsrecht 1293 noch einmal ausdrücklich zusprach.19 1296 wurde es gegen das Patronat über Kirchrode eingetauscht20 (Bestätigung durch Papst Bonifatius VIII., 129721). Seither der Bf. von Hildesheim/Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Das Alter der auf einem Muschelkalkrücken oberhalb der Leineaue gelegenen Kirche ist nicht sicher zu bestimmen. An Stelle des ursprünglich wohl romanischen Schiffs errichtete der Alfelder Baumeister Kratzenberg 1818/19 einen Neubau, für den das Abbruchmaterial des Vorgängerbaus teilweise wieder verwendet wurde. Fünfachsiger rechteckiger Saalbau aus Selterdolomit (Bruchstein auf Werksteinsockel) mit hohen Stichbogenfenstern, innen durch eine hölzerne Segmenttonne überdeckt. Deckenmalerei (um 1900). U-förmige Empore. Renovierungen 1912 und 1956.

Turm

Massiver Westturm aus überschlämmtem Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung, in den ältesten Teilen romanisch. Turmhelm mit Überleitung vom Quadrat zum gedrehten Achteck durch Eckgrat. Turmuhr von 1928.

Ausstattung

Klassizistischer Kanzelaltar mit Altarschranken (1818/19). – Hölzerne schüsselartige Taufe auf einem quadratischen Sockel (um 1800, 1956 aus Garmissen nach Freden). – Zusätzlicher barocker Taufengel, vermutlich zweite Hälfte 18. Jh., 1964 in der Bälgekammer wiederentdeckt, 1993 durch den Restaurator Jürgen Diederichs (Katlenburg-Lindau) restauriert und ergänzt.

Orgel

Johann Georg Müller (Hildesheim) baute 1728 eine Orgel für die Kirche. 1806 reichten die Orgelbauer Zuberbier (Bockenem) und Brenneke (Hildesheim) Anschläge für Reparatur ein. 1822 bat die Gemeinde um Unterstützung für die Reparatur und Wiederaufstellung in der neuen Kirche. Seit 1841 war das Instrument defekt und wurde vermutlich instand gesetzt (Anschlag von Heinrich Schaper, Alfeld). Das damalige Instrument verfügte über acht klingende Stimmen auf einem Manual mit angehängtem Pedal.22 1912 Neubau durch Faber & Greve (Salzhemmendorf), 19 (davon zwei Transmissionen) II/P, pneumatische Traktur, Membranladen. 1958-71 Neubau in drei Bauabschnitten durch Firma Friedrich Weißenborn (Braunschweig), 17 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Teile des barocken Prospekts wurden wieder verwendet.

Geläut

Zwei LG, I: d’ (Bronze, Gj. 1836, Siegmund Andreas Lange, Hildesheim; Umguss aus einer älteren Glocke); I: g’ (Bronze, Gj. 1931, Firma J. J. Radler, Hildesheim). – Eine SG (Bronze, Gj. 1921, in einem Ausleger am Turmhelm). – Früherer Bestand: Eine Glocke wird 1573 erwähnt. Die ehemalige zweite LG wurde im Ersten Weltkrieg abgeliefert und zunächst durch eine Stahlglocke ersetzt, die wenig später zersprungen ist. – Eine frühere SG gis’’ (Eisen, Gj. 1928) wurde 2016 ausgetauscht. Die neue SG konnte aus einer Sammlung auf Spiekeroog übernommen werden.

Friedhof

Früher der Kirchhof (alter Friedhof). 1835 Neuanlage am nordöstlichen Ortsrand (Friedhofstraße)23, mehrfach (u. a. 1852 und 1969) erweitert. FKap. In Trägerschaft der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 3454-3465 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 7 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 2951-2957 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 730-733 (Visitationen); D 43 (EphA Alfeld).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 113, Nr. 110 und 243, Nr. 20; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 476; Kiecker/Graff, KD Kr. Alfeld, S. 153-156.
B: Heinrich Diestelkamp: 900 Jahre Kirchengemeinde St. Georg Freden, in: Walter Köster: Festschrift zum 900jährigen Jubiläum der ersten Nennung Fredens in einer Schenkungsurkunde vom 5. August 1068, [Freden (Leine) 1968], S. 46-50; Wilhelm Hahne: Aus alten Kirchenbüchern. Bilder aus Groß Fredens Vergangenheit, Hildesheim 1960.


Fußnoten

  1. Mittelalterliches Patrozinium vielleicht Maria. Vgl. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 98.
  2. MGH DD H IV 206; UB HS Hildesheim I, Nr. 111.
  3. Huck, Archidiakonat Elze, S. 9.
  4. Machens, Archidiakonate, S. 42.
  5. UB HS Hildesheim I, Nr. 396; Cal. UB IV, Marienrode, Nr. 6.
  6. Cal. UB IV, Marienrode, Nr. 11.
  7. UB HS Hildesheim I, Nr. 631.
  8. UB Plesse, Nr. 142.
  9. UB HS Hildesheim II, Nr. 881.
  10. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 222 f.
  11. Spanuth, Quellen, S. 276.
  12. KABl. 1960, S. 111.
  13. LkAH, L 5h, unverz., (Groß-)Freden, Georg, Visitation 1982.
  14. LkAH, L 5h, unverz., (Groß-)Freden, Georg, Visitation 1988.
  15. KABl. 1998, S. 81 f.
  16. KABl. 2009, S. 201.
  17. Reller, Kirchenverfassung, S. 169 f.
  18. Ahlhaus, Patronat, S. 42.
  19. UB HS Hildesheim III, Nr. 970.
  20. UB HS Hildesheim III, Nr. 1094.
  21. Cal. UB IV, Marienrode, Nr. 103.
  22. LkAH, D 43, Spec. Gr. Freden 513-1.
  23. LkAH, D 43 Spec. Gr. Freden 591.