Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Peine | Patrozinium: Markus | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Haufendorf, seit 1974 Ortsteil von Hohenhameln, 1179 erstmals genannt. Stand unter der Landesherrschaft des Hochstifts Hildesheim (Amt Peine). Das Gut war früher als hildesheimisches Lehen im Besitz der Familie von Salder und kam nach 1600 durch Kauf an Hans Adam von Hammerstein († 1653). Dessen Nachfahren mussten es unter dem Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse zunächst der Verwaltung des ritterschaftlichen Creditvereins von Calenberg, Grubenhagen und Hildesheim unterstellen und 1929 verkaufen.
Mit Olricus plebanus in Equorde wird 1319 ein Geistlicher in Equord genannt.1 Weitere Quellen liegen aus vorref. Zeit nicht vor. Die Reformation wurde wesentlich durch die Gutsherren vorangetrieben. Burchard von Salder († 1595), eine führende Persönlichkeit der hildesheimischen Ritterschaft, hatte maßgeblichen Einfluss darauf, dass Bf. Ernst II. der Landschaft 1581 die Glaubensfreiheit garantieren musste.2
Eigene luth. P. hatte Equord nur zeitweilig im 16. und 17. Jh. 1596 wurde M. Johannes Limberti aus Höxter in Wittenberg für die Kirche in Equord ordiniert.3 M. Hermann Gebhardt (amt. 1626–1628) wurde zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges vertrieben. Ab etwa 1635 bis 1656 und 1664 bis 1680 von Mehrum aus versehen, 1682 bis 1688 von Berkum, 1689 bis 1790 Schwicheldt, 1794 bis 1814 Berkum, 1814 bis 1847 Mehrum, 1847 bis 1880 Berkum, ab 1880 wieder Mehrum. Ein eigenes Pfarrhaus ist zuletzt 1790 nachgewiesen.
Bis zur Errichtung der Gutsparochie waren die Geistlichen in Equord nur Hauspfarrer für die Gutsbesitzerfamilie und deren Angestellte. 1886 wurde die bisherige Personalgemeinde in eine Lokalgemeinde umgewandelt und als mit Mehrum verbundene selbständige Parochie mit dem Namen „Gutsparochie Equord“ errichtet.4
Ursprünglich diente zu gottesdienstlichen Zwecken eine Hauskapelle im Gutshaus. Burchard von Salder ließ auf eigene Kosten eine neue Kirche erbauen.5 Der Celler Großvogt Georg Christoph von Hammerstein (1624–1687) begann vor 1687 unter dem Eindruck einer Italienreise auf einem erhöhten Platz nördlich des Gutshauses mit der Errichtung der heutigen Gutskapelle im Stil des italienischen Barock. Der Bau, der auch als Erbbegräbnis der Familie diente, wurde von seinem Sohn, Generalleutnant Alexander von Hammerstein, 1710 vollendet. Baumeister soll ein Italiener gewesen sein, den Christoph von Hammerstein auf seinen Reisen kennengelernt hatte. Aus finanziellen Gründen war die Kirche in der ersten Hälfte des 19. Jh. stark vernachlässigt. Die Wiederherstellungsarbeiten begannen 1848 nach einem Gutachten des Oberhofbaurats Laves. Erneute Instandsetzung 1891.
Bereits 1908 beschloss der KV die Aufhebung der Gutsparochie und den Anschluss an die KG Mehrum. Streitpunkt war jedoch der Umgang mit dem verwaisten KGb. Eine Übernahme durch den kath. Gutsherrn, der dort auch kath. GD halten lassen wollte, lehnte der KV ab. Die Eingliederung nach Mehrum kam letztlich ebenso wenig zustande, wie von den Gütern Schierke und Adolfshof betriebene Umgliederung nach Sievershausen (Lehrte) (1930).
Nach weiterer Verschlechterung des Bauzustandes war die Kirche zeitweilig baupolizeilich geschlossen. Bei der Zwangsversteigerung des Gutes 1929 konnte die KG das KGb erwerben. Nach einer gründlichen Restaurierung unter der Leitung von Prof. Paul Kanold (Hannover) wurde sie Ostern 1933 neu eingeweiht. Mit dem 1. April 1949 wurde die Gutsparochie aufgelöst und seine Gemeindeglieder in die KG Mehrum eingepfarrt.6

Umfang

Das Rittergut Equord mit den früheren Zubehör (die Bodesche Windmühle, der Rote Krug, die Behrenssche/Lauensteinsche Anbauerstelle in Equord, die Zuckerfabrik in Equord), das Gut Schierke und das Gut Adolfshof einschließlich des früher Buchholzschen Hofes bei Adolfshof.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Hohenhameln der Diözese Hildesheim. – Wurde wohl nach 1594/99 der Insp. Niederfreden zugewiesen, unterstand aber nicht dem Sup., sondern war vertraglich unmittelbar dem fürstlichen Konsistorium in Wolfenbüttel unterstellt.7 Später zur Insp. Peine und 1831 zur neu errichteten Insp. (1924: KK) Groß Solschen (1. Januar 1965 Verlegung der Suptur. und Umbenennung in KK Ölsburg; mit dem 1. Januar 1999 im KK Peine aufgegangen).

Patronat

Die Besitzer des Gutes Equord (dingliches Patronat), bis Anfang des 17. Jh. die von Salder, danach bis 1929 die von Hammerstein-Equord. Das Präsentationsrecht war insofern eingeschränkt, als der Patron verpflichtet war, jeweils den von der Gemeinde gewählten bzw. von der Kirchenregierung ernannten P. in Mehrum zu präsentieren. Das Patronat besteht nicht mehr.

Kirchenbau

Massiver verputzter Zentralbau auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes. Die Eingangsfront im Westen mit toskanischer Pilastergliederung und Mittelrisalit aus Sandstein betont, darüber mittig ein offener Dachreiter und über den Pilastern Figuren der vier Evangelisten. Der östliche Kreuzarm als Altarraum mit polygonalem Schluss. Über der Vierung eine achtseitige Tambourkuppel mit Laterne.

Grablege

Erbbegräbnis der Patronatsherren unter der Kirche (nicht mehr zugänglich).

Ausstattung

Spätrenaissance-Altar (um 1570) mit einem Auferstehungsbild als Mitteltafel über einer breiten Predella (Abendmahlsdarstellung). Seitlich davon links die Geburt, rechts Taufe Jesu. Bekrönung durch eine freiplastische Kreuzigungsgruppe. – Hölzerne Kanzel am südöstlichen Kuppelpfeiler (1710). – Achteckige, farbig gefasste Sandsteintaufe mit den Wappen der Stifter Burchard von Saldern und seiner Frau Gysel von Münchhausen (Ende 16. Jh.).8 – Figürliches Epitaph des Martinus Schwave († 1605). Zahlreiche weitere Grabplatten und Epitaphe der Familien von Salder und von Hammerstein, darunter: Burchard von Salder († 1595); Hans Adam von Hammerstein († 1653), herzoglich braunschweig-lüneburgischer Landdrost der Gft. Hoya und Drost in Altenbruchhausen; Georg Christoph von Hammerstein († um 1750), Großvogt in Celle; Barbara Hedwig, geb. von Bülow († 1689), in erster Ehe verheiratet mit dem schwedischen General Cuno Ulrich von Pentz; Anna Margaretha von Hammerstein († 1662), Dechantin des Stifts St. Mariae zu Münden; Hans-Werner von Hammerstein († 1787), großbritannischer Geheimer Rat; Hans Frhr. von Hammerstein († 1841), General. Gedenktafeln u. a. Wittekind Frhr. von Hammerstein († 1870) und Armin Frhr. von Hammerstein († 1867, gefallen vor Mexiko), kaiserlich-mexikanischer Oberstleutnant.

Orgel

Über ältere Orgeln liegen keine Angaben vor.9 1960 Neubau durch Paul Ott (Göttingen) mit einem siebenachsigen Prospekt von Dr. Wolff, 13 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen. Einweihung am 22. Mai 1960. 2003/04 Instandsetzung und Erweiterung um ein Reg. (Krummhorn 8’) im HW durch Christoph Grefe (Ilsede), jetzt 14 II/P.

Geläut

Eine LG in e’’ (Bronze, 14. Jh.).

Friedhof

Am nördlichen Ortsrand (Lindenstraße). In Trägerschaft der KG. FKap.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 5 Nr. 817 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 2286 (Pfarrbestallungsakten); D 21 (Ölsburg/Solschen).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 451; Jürgens u. a., KD Kr. Peine, S. 47–55; Pape, Orgeln Kr. Peine, S. 15.
B: Fritz Garbe: Die Geschichte der Gutsparochialkirche in Equord, [Haimar] 1934/35.


Fußnoten

  1. UB S Hildesheim I, Nr. 698.
  2. Reden-Dohna, Rittersitze, S. 331.
  3. Wotschke, Niedersachsen, S. 160.
  4. KABl. 1886, S. 97–99.
  5. Wotschke, Niedersachsen, S. 160.
  6. KABl. 1950, S. 29.
  7. Reller, Kirchenverfassung, S. 219.
  8. Mathies, Taufbecken, S. 122.
  9. Pape, Orgeln Kr. Peine, S. 15.