Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Holzminden-Bodenwerder | Patrozinium: Nikolaus1 | KO: Braunschweigische KO von 1709

Orts- und Kirchengeschichte

Deensen, am Rand des Solling, gelegen wird vielleicht 1141 als Thedenhusen in einer Urkunde für das Kloster St. Blasien in Northeim erstmals urkundlich erwähnt, doch gilt die Zuweisung als unsicher. Ein sicherer Nachweis liegt erst aus dem 15. Jh. vor. In der ersten Hälfte des 15. Jh. wurde das Dorf durch Kriegshandlungen zerstört, möglicherweise in den Hussitenkriegen (1419/36) oder beim Durchzug sächsisch-thüringischer Söldner in der Soester Fehde (1447). Am 25. Juli 1451 belehnte Hzg. Wilhelm I. von Braunschweig-Wolfenbüttel Bertoldt von Campe mit Deensen und Östern. Sein Sohn Wilhelm II. verlieh 1483 Godewart von Campe die Gerichtsbarkeit und erteilte ihm die Erlaubnis, das wüste Dorf wieder zu besiedeln. Deensen bildete seither ein adeliges Gericht innerhalb des Fsm. Wolfenbüttel.

Kirche, Außenansicht, 1957

Kirche, Außenansicht, 1957

Die Christianisierung der Region wurde wohl durch Mainzer Missionare betrieben. Der Zehnte der Kirche in Deensen stand noch im 11./12. Jh. der Mainzer Kirche zu. Vermutlich entstand in der Nähe eines Wirtschaftshofs des Klosters Amelungsborn eine erste Kapelle, die noch vor dem Wüstwerden des Dorfs zur Pfarrkirche erhoben wurde. Nach der Wiederbesiedelung stifteten Johann von Campe und Gotthard von Campes Witwe eine neue Kirche und statteten die Pfarre mit Grundbesitz aus. Erster Geistlicher wurde Antonius Wandscherer (24. März 1509 durch den bischöflichen Offizial eingeführt2, amt. bis 1517). Sein Nachfolger als Pfarrer war Bartold Schlicker, der vom Abt zu Amelungsborn außerdem mit der Vikarie Corporis Christi in Stadtoldendorf belehnt war.3 Die Reformation hielt offiziell 1542 mit der Besetzung des Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel durch die Truppen des Schmalkaldischen Bundes Einzug. Doch gab es wohl schon einige Jahre vorher mit Zustimmung der Patronatsfamilie luth. GD. Bei den Visitationen von 1542 und 1544 wird Deensen nur beiläufig erwähnt. 1542 war Bartold Schlieker noch immer im Amt (bis 1556).
Zwischen 1556 und 1566 war die Pfarrstelle zeitweilig unbesetzt und mit Heinade verbunden. 1557 schenkte Heinrich der Jüngere der Pfarre in Heinade 20 Morgen Land zur Unterhaltung eines eigenen Geistlichen in Deensen, doch blieb die pfarramtliche Verbindung zwischen Heinade und Deensen vorläufig bestehen. Ab 1566 war Heinrich Kirchhof Pastor verus (bis 1622). Vermutlich übernahm er seinerseits die Versorgung von Heinade. 1568 wird Heinade als Mutterkirche und Deensen als Filial bezeichnet.4 Offensichtlich war der Pfarrsitz ohne Wissen des Landesherrn von Heinade nach Deensen verlegt worden.5 Formal war Deensen weiterhin mater combinata von Heinade. In den folgenden Jahren kam es mehrfach zu Konflikten über Transportkosten für den P. oder Bauunterhaltungskosten für das Pfarrhaus. Die 1575 von Kirchhof beantragte Zuweisung von Arholzen und Braak zur Pfarre in Deensen scheiterte wohl am Einspruch des Abts zu Amelungsborn, bei dem das Kollationsrecht für die Pfarrstelle in Stadtoldendorf für Braak und Arholzen lag. Die Verbindung mit Heinade wurde erst 1882 nach längeren Streitigkeiten gelöst. Am 1. Januar 1975 wurden die KG Deensen und Arholzen zur KG Deensen-Arholzen vereinigt.6
Auf Veranlassung der Witwe von Campe wurde 1892 eine Gemeindepflegestation eingerichtet und mit einer Diakonisse besetzt. 1933 erfolgte die Gründung der Ev. Frauenhilfe. In der NS-Zeit war Deensen zunächst eine Hochburg der DC. Der 1933/34 amtierende P. Heinrich Krumwiede war Mitglied der SS und DC. 1933 fand eine stark besuchte DC-

Kirche, Blick in den Altarraum, 1952

Kirche, Blick in den Altarraum, 1952

Sonderveranstaltung zur KV-Wahl statt. Die 15 in den KV gewählten Personen gehörten sämtlich den DC an, acht davon auch der NSDAP. Allerdings trat die Mehrzahl später bei den DC aus, einige auch aus dem KV. Ein Kirchenvorsteher wurde ausgeschlossen, weil er den P. im Auftrag der Partei überwacht und bei der Polizei angezeigt hat. Krumwiedes Nachfolger, P. Karl Styhler, war dagegen Mitglied der BK. 1934, 1935 und 1937 fanden volksmissionarische BK-Veranstaltungen durch den Bruderkreis Braunschweig statt. Insgesamt hinterließen Kirchenkampf und Krieg keine bleibenden Spuren im Gemeindeleben.
Die Kirche war ursprünglich Gutskirche. Sie war von den von Campe als Besitzer des Lehens gestiftet worden und fand ihren Standort auf dem Hof des Ritterguts. Erst in den 1960er Jahren wurde sie der KG übereignet. Für die Gemeindearbeit diente zeitweilig ein Saal im Küsterhaus. Später entstand an der Ecke Klosterstieg/Wiesenweg ein neues Pfarr- und Gemeindehaus.

Umfang

Deensen und Schorborn (KapG).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Höxter der Diözese Paderborn. – 1569 zur Generaldiözese Alfeld/Insp. Halle, vor 1571 in die Insp. Holzminden umgegliedert. Letztere wurde mit der Abtretung Alfelds an das Hochstift Hildesheim (1643) zunächst aufgelöst. Im Zuge der Neuordnung der Aufsichtsbezirke 1648 wurden die Insp. Halle und Holzminden zur Generaldiözese Holzminden zusammengefasst. Spezial-Suptur. wurde 1648 Bevern (Sitz ab 1771 in Deensen, 1788 in Golmbach). 1846 wurde Deensen aus der Insp. Bevern in die Insp. Stadtoldendorf umgegliedert, nach deren Auflösung im April 1914 in die Insp. Holzminden. 1. Oktober 1942 zur hannoverschen Landeskirche (KK Holzminden, seit 1. Januar 1999 KK Holzminden-Bodenwerder).

Patronat

Nach der Wiederbesiedelung des Dorfs (1509) die von Campe als Besitzer des Ritterguts Deensen und Stifter der Kirche (dingliches Patronat). Asche von Campe verkaufte das Gut 1970 an den Lederfabrikanten Gustav Kreuder aus Langerwehe (Kr. Düren), der im Zuge der Vereinigung der KG Deensen und Arholzen 1974 auf das Patronatsrecht verzichtete.7

Kirchenbau

Die Anfang des 16. Jh. errichtete flachgedeckte Saalkirche aus Sandsteinmauerwerk wurde 1725 grundlegend erneuert. Obwohl schon in den 1840er Jahren erneut stark baufällig, konnte eine weitere Sanierung wegen fehlender Finanzmittel erst 1854-56 mit Unterstützung des Patrons durchgeführt werden. Auf Kosten der Frau von Campe wurde zur 1879 eine Sakristei angebaut und 1896 zu einer halbrunden Apsis umgestaltet. Eine neue Sakristei wurde seitlich davon angefügt. Bei einer Grundrenovierung wurde 1961-65 u. a. der Haupteingang auf die Westseite verlegt. Durch den Einbau einer Glaswand wurde 2001-03 unter der vergrößerten Orgelempore ein Gemeindesaal geschaffen.

Fenster

Buntglasfenster in der Apsis (gestiftet 1896 durch Otto von Campe, Ausführung durch Firma Müller, Quedlinburg): In der Mitte hinter dem Altar Christus mit der Siegesfahne.

Turm

Oktogonaler kupferbehangener Dachreiter mit barocker Haube.

Grablege

Um 1600 wurde in der Kirche eine Grablege für die Patronatsfamilie von Campe angelegt. Die einsturzgefährdeten Grabgewölbe wurden 1822 verfüllt.

Ausstattung

Blockaltar (Stipes und Mensa aus Sandstein). Ein früherer Altaraufsatz des Braunschweiger Hofbildhauers Wilhelm Sagebiel (1896) wurde bei der Renovierung von 1961-65 wieder entfernt. – 1896 neue Kanzel aus Sollingstein. – Achteckiges Renaissance-Taufbecken aus rotem Sandstein mit Stifterwappen und namen der von Campe (1603). Der Taufstein wurde 1760 im Zuge der Anschaffung des Kanzelaltars mit Taufschale außer Benutzung genommen, im Laufe des 19. Jh. aus der Kirche entfernt und als Blumenkübel im Gutshaus genutzt. Seit Ende des 19. Jh. wieder in der Kirche.8 – Gemälde „Christus und die Kinder“ (ehemaliges Altarbild, 1836). – Sakramentshäuschen mit dem Wappen der von Campe (1527).

Orgel

Eine ältere Orgel wurde 1854 durch die Firma Euler (Gottsbüren) instandgesetzt. 1891/92 Neubau des Werks durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 13 II/P, mechanische Traktur, Kegellade. 1907 Veränderung der Mixtur. 1952 Umbau durch Friedrich Weißenborn (Braunschweig), 14 II/P, mechanische Traktur, Kegellade. 2005 Restaurierung durch Franz Rietzsch (Hiddestorf). – Barocker Denkmalsprospekt. aus der Zeit um 1780.

Geläut

Zwei LG, I : h’ (Bronze, Gj. 1949, F. Otto, Bremen-Hemelingen); II: d’’ (Bronze, Gj. 1879, J. J. Radler, Hildesheim). – Früherer Bestand: Eine der Kirche 1524 durch Asche von Campe gestiftete LG ist 1879 gesprungen und wurde im gleichen Jahr umgegossen (heutige LG II). 1653 erhielt die Kirche eine weitere LG (ebenfalls Stiftung der Patronatsfamilie), die 1830 gesprungen ist9 und 1854 oder 1855 umgegossen wurde (Kriegsverlust).

Friedhof

Ursprünglich bei der Kirche. Um 1780 vor den nordwestlichen Ortsrand (jetzt Königsberger Straße) verlegt. Wegen Überbelegung des neuen Begräbnisplatzes wurde 1821 eine Wiedernutzung des Kirchhofs angeregt, aber wohl nicht umgesetzt.10 Teile des alten Kirchhofs wurden 1874 an den Besitzer des Ritterguts in Deensen verkauft. FKap (Bj. 1961). 1971 wurde die Verwaltung des Friedhofs von der KG an die politische Gemeinde übergeben (jetzt Samtgemeinde Eschershausen-Stadtoldendorf).

Landeskirchliches Archiv Hannover

D 48 (EphA Holzminden); B 2/G 9/Deensen.

Literatur

A: Steinacker, BKD Kr. Holzminden, S. 156-158; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 380; Kleinau, Ortsverzeichnis Land Braunschweig I, S. 140.
B: Wilhelm Rauls: Ist der Fundationsbrief der Kirche zu Deensen von 1509 gefälscht? Ein Beitrag zur Geschichte der Pfarrkirchen in Deensen und Heinade (Kreis Holzminden), in: JbGNK 62 (1964), S. 49-65; Wilhelm Rauls: Deensen. Ein Dorf vor dem Solling im Wandel der Zeiten, Holzminden 1967; Wilhelm Rauls: Deensen, Braak und Schorborn, drei Dörfer vor dem Solling, Holzminden 1983.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien II, S. 118.
  2. LkAH, D 48 Spec. Deensen A 100 (Abschrift der – in ihrer Echtheit umstrittenen – Stiftungsurkunde).
  3. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 228.
  4. Spanuth, Quellen, S. 279.
  5. Rauls, Fundationsbrief, S. 55.
  6. KABl. 1975, S. 6.
  7. LkAH, B 2 G 15/Deensen.
  8. Mathies, Taufbecken, S. 119; Rauls, Deensen, Braak und Schorborn, S. 67.
  9. LkAH, D 48 Spec. Deensen A 51301.
  10. LkAH, D 48 Spec. Deensen A 590.