Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Holzminden-Bodenwerder | Patrozinium: – | KO: Braunschweigische KO von 1709

Orts- und Kirchengeschichte

Der Ort, 1010/15 in den Corveyer Traditionen als Adololdeshusun erstmals erwähnt1, lag an einer alten Heerstraße, die Westfalen mit Braunschweig und Halberstadt verband. Er war Zubehör der Homburg und kam mit dieser 1150 unter die Herrschaft des Gf. Hermann II. von Winzenburg (in der Urkunde als predium Adololdesheim cum omnibus attenendibus2), später an die Edelherren von Homburg und nach deren Erlöschen (1409) an die Welfen. Umfangreiche Besitzrechte in Arholzen hatte sich schon früh das Kloster Amelungsborn gesichert, das dort 1166 eine Hofstelle aus der Hand Heinrichs des Löwen empfing3, 1190/98 eine Hufe Landes von der Abtei Corvey eintauschte und nach und nach das gesamte Dorf in seinen Besitz brachte (sämtliche Höfe nach 1584 und 1755 im Klosterbesitz).

Alte Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1957

Alte Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1957

Schon in vorref. Zeit muss das Dorf eine Kirche, vielleicht auch eine Pfarre gehabt haben. Darauf verweist jedenfalls ein Bericht des Amtsmanns von Fürstenberg aus dem Jahr 1568, der „alte zerfallene Kirchenmauern“ in Arholzen erwähnt. 1282 wird ein plebanus Hermann genannt.4 Möglicherweise wurde das Dorf beim Durchzug der erzbischöflich-kölnischen Söldner in der Soester Fehde (1447) zerstört. Noch 1493 lag es wüst. Die Wiederbesiedelung, vermutlich etwas südlich der alten Ortslage, erfolgte in der Regierungszeit Hzg. Heinrichs des Jüngeren (1514-1568). Seither gehörte Arholzen zum braunschweigischen Amt Fürstenberg, später zum Amt Holzminden-Allersheim.
Spätestens seit der Wiederbesiedelung des Orts waren die Einwohner nach Stadtoldendorf gewiesen. 1575 beantragte P. Kirchhof, die Umpfarrung in das nahe gelegene Deensen, scheiterte aber wohl am Widerstand des damaligen Abts von Amelungsborn als Patronatsherrn über die Stadtoldendorfer Pfarrstelle.5 1609 erteilte Hzg. Heinrich Julius den Arholzenern die Erlaubnis zum Bau einer Kapelle auf eigene Rechnung, wobei die Verpflichtungen gegenüber der Kirche in Stadtoldendorf ausdrücklich bestätigt wurden. 1611 wurde das KapGb errichtet und am 3. Januar 1611 durch Sup. Tilemann Lensen (Halle) eingeweiht. Im Dreißigjährigen Krieg blieb es unzerstört blieb, das Küsterhaus wurde jedoch 1632 von kaiserlichen Truppen niedergebrannt und erst nach 1648 wieder aufgebaut. Wohl 1653 wurde die Kapelle mit einem Turm verbunden und durch GSup. Lütkemann zur Kirche geweiht.6 Obgleich sich die Einwohner von Arholzen wiederholt bemühten, sich ihrer Verpflichtungen gegenüber der dortigen Kirche (Pfarrzehnte, Baulasten) zu entziehen, erfolgte die pfarramtliche Versorgung weiterhin von Stadtoldendorf aus.
Nach der Verlegung des Suptur.-Sitzes von Halle nach Stadtoldendorf (1653) wurde dem dortigen P. zur Entlastung ein Kaplan (Diakonus) zugewiesen, dessen Zuständigkeit sich auch über die Gemeinden Arholzen und Braak erstreckte. Die Einwohner von Arholzen verpflichteten sich, dem in Stadtoldendorf wohnenden P. für die GD in ihrer Kirche jährlich sieben Malter Gerste zu liefern. Im Übrigen wurde die formale Eigenständigkeit der Gemeinde anerkannt. Noch 1944 bestätigte das LKA ihr den Status einer selbständigen Pfarrgemeinde mit dem Rechtscharakter einer mater vagans.
Einen Einschnitt bedeutete die Zeit des Nationalsozialismus. P. Wandersleb war Mitglied der NSDAP. Kirchenkampf und Krieg wirkten sich negativ auf die Gemeindearbeit aus. Die kirchliche Jugendarbeit wurde eingestellt, als HJ und NS-Frauenschaft die bislang genutzten kommunalen Räume für sich beanspruchten. 1942 wurde Arholzen mit dem KK Holzminden aus der braunschweigischen in die hannoversche Landeskirche umgegliedert. Das LKA nahm eine Neubewertung der Rechtslage vor, betrachtete Arholzen aber schließlich wie schon in braunschweigischer Zeit als selbständige KG und mater combinata der Diakonatspfarre von Stadtoldendorf.7
Nach dem Krieg stieg die Einwohnerzahl sowohl von Stadtoldendorf als auch der Außendörfern Braak und Arholzen stark an. In Arholzen hat sie sich durch die Integration von Ostvertriebenen nahezu verdoppelt. Als problematisch erwies sich die weite Entfernung zwischen dem Pfarrhaus in Stadtoldendorf und den beiden Außendörfern, deren Betreuung einen nicht unwesentlichen Teil der Arbeit des Diakonatspfarrers ausmachte. Eine Umsiedlung der Pfarrstelle nach Arholzen wurde verworfen, da Stadtoldendorf mit seiner ausgesprochenen Arbeiterbevölkerung einen zweiten Geistlichen gleichfalls nicht entbehren konnte. Zu seiner Entlastung wurde mit dem 1. Januar 1975 Arholzen aus der KG Stadtoldendorf gelöst und mit der KG Deensen zur KG Deensen-Arholzen zusammengeschlossen.8
Die 1793 noch einmal erweiterte Kirche wurde 1974 wegen Baufälligkeit (und um Raum für eine neue Ortsdurchfahrt zu schaffen) abgerissen. GD fanden seither zunächst in einem von der Kommune zur Verfügung gestellten Raum des Dorfgemeinschaftshauses (ehemalige Schule) statt.9 1979/80 erhielt Arholzen einen Gemeindesaal, der mit Glocken und Taufstein der abgerissenen Kirche ausgestattet wurde (Entwurf von Seewald, Amt für Bau und Kunstpflege; Einweihung 1. Juni 1980).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Höxter der Diözese Paderborn. – Nach der Reformation zur Insp. Halle, deren Sitz 1653 nach Stadtoldendorf verlegt wurde. Nach der Aufhebung der Insp. Stadtoldendorf im April 1914 in die Insp. Holzminden umgegliedert. Ab 1. Oktober 1942 zur Ev.-luth. Landeskirche Hannovers (KK Holzminden, seit 1. Januar 1999 KK Holzminden-Bodenwerder).

Patronat

Der Abt des Klosters Amelungsborn. Die Ausübung des Patronatsrechts geht wohl auf die Inkorporierung der Kirche von Stadtoldendorf 1491 zurück und wurde 1827 durch einen Spezialbefehl des Hzg. Karl von Braunschweig bestätigt. Auf Wunsch der KG verzichteten im Zuge der Vereinigung der KG Deensen und Arholzen Abt und Konvent des Klosters Amelungsborn auf das Patronat (20. Mai 1974).10

Kirchenbau

Gemeindezentrum mit schlichtem Kirchensaal unter Satteldach.

Turm

Im Süden vorgestellt. Glockenturm.

Ausstattung

Hölzerner Tischaltar, darüber ein Abendmahlsrelief aus Sandstein und Metall. – Schlichte Taufe aus Wesersandstein mit achteckigem Beckenaufsatz (1651), aus der abgebrochenen Kirche übernommen.11

Orgel

1888 Neubau durch Firma Faber (Salzhemmendorf) unter Verwendung von Teilen einer älteren Orgel, 11 II/P, mechanische Traktur, Schleiflade. 1950 Instandsetzung durch Paul Ott (Göttingen). Diese Orgel wurde an die Kirche Heinade verkauft und 1954 durch einen Neubau von Orgelbaumeister Friedrich Weißenborn (Braunschweig) ersetzt; 6 I/aP, mechanische Traktur, Schleiflade. In der Zeit des Provisoriums im alten Schulgebäude wurde ein 1968 erbautes Positiv der Firma Albrecht Frerichs (4 I/aP, mechanische Traktur, Schleiflade) genutzt (später in das Gemeindezentrum überführt).

Geläut

Drei LG, I: h’ (Bronze, Gj. 1958, Gebrüder Rincker, Sinn); II: cis’’ (Bronze, Gj. 1816 oder 1819, H. A. Bock, Einbeck; 1957 aus Kaierde angekauft); III: e’’ (Bronze, Gj. 1963, Gebrüder Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: Das Vorkriegsgeläut bestand aus zwei Glocken in cis’ (Bronze, Gj. 1704, Christian Ludwig Meyer, Braunschweig) und e’’ (Bronze, Gj. 1610, Diederich Mente, Hildesheim12), von denen die erstere im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeliefert wurde. 1950 wurde bei der Firma Weule (Bockenem) eine Eisenhartgussglocke beschafft, die 1957 als nicht zum Geläut passend an die KG Sieboldshausen verkauft und durch die aus Kaierde stammende Bronzeglocke ersetzt wurde. Die e’’-Glocke von 1610 wurde wegen Beschädigung 1963 durch einen Neuguss mit gleichem Schlagton ersetzt. Sie steht heute auf einem Sandsteinsockel vor der Kirche.

Friedhof

Ursprünglich bei der Kirche. 1834 genehmigte das Konsistorium in Wolfenbüttel die Anlage eines neuen Begräbnisplatzes.13 Der heute nördlich vor dem Dorf (Trift) gelegene Friedhof befindet sich in Trägerschaft der Samtgemeinde Eschershausen-Stadtoldendorf.

Landeskirchliches Archiv Hannover

D 48 (EphA Holzminden).

Literatur

A: Steinacker, BKD Kr. Holzminden, S. 148-150; Kleinau, Ortsverzeichnis Land Braunschweig I, S. 27 f.
B: Wilhelm Rauls: Deensen, Braak und Schorborn, drei Dörfer vor dem Solling, Holzminden 1983; Helmut Teiwes: Kleine Dorfchronik von Arholzen, Arholzen 1950.


Fußnoten

  1. Mönchslisten I, § 526; Mönchslisten II, S. 292. Vgl. auch Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 73.
  2. UB HS Hildesheim I, Nr. 263.
  3. MGH DD HL 73.
  4. Westfälisches UB VI, Nr. 1248.
  5. Rauls, S. 67.
  6. LkAH, B 2 G 1/Arholzen, Bl. 4 (Angaben im Corpus bonorum).
  7. LkAH, B 2 G 1/Arholzen, Bl. 3 (Schreiben an den Superintendenten in Holzminden, 19.07.1944).
  8. KABl. 1975, S. 6.
  9. LkAH, L 5c, unverz., Deensen-Arholzen, Visitation 1978.
  10. LkAH, B 2 G 15/Arholzen.
  11. Mathies, Taufbecken, S. 113.
  12. Pfeifer, Glockengießergeschlechter, S. 30 f.
  13. LkAH, D 48 Spec. Arholzen A 591.