Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden (Amtsbereich Münden) | Patrozinium: – | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Schriftlich ist der Ort erstmals als Iuslad erwähnt. Bei der Urkunde, datiert auf 1019 und angeblich ausgestellt von Ks. Heinrich II. († 1024), handelt es sich jedoch um eine Fälschung des späten 11. Jh. Sie geht auf ein nur fragmentarisch erhaltenes Original zurück.1 Ks. Heinrich II. bestätigte darin, dass er dem reichsunmittelbaren Kloster Kaufungen, gegründet spätestens 1017 von Ksn. Kunigunde († 1033), die Orte Oberkaufungen und Niederkaufungen, Vollmarshausen sowie Uschlag geschenkt hatte. In der Fälschung ist cum toto nemore ergänzt, also „mit dem gesamten [Kaufunger] Wald“.2 Das Dorf Uschlag blieb bis ins 16. Jh. im Besitz des Klosters Kaufungen, das der hessische Lgf. Philipp I. († 1567) im Zuge der Reformation 1527 aufhob. Im Jahr 1557 ist die Zugehörigkeit Uschlags zum Gericht Sichelnstein im Fsm. Calenberg-Göttingen belegt („Kernlande Hannover“, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover). Die Welfen hatten dieses Gericht 1500 an die Lgft. Hessen verpfändet; seit seiner Wiedereinlösung um 1535 wurde es vom Amt Münden mitverwaltet (sogenanntes Oberamt).3 In französischer Zeit war Uschlag von 1807 bis 1813/14 Teil des Kantons Waldau im Distrikt Cassel des Fuldadepartements im Kgr. Westphalen. Danach gehörte das Dorf, nun im Kgr. Hannover, wiederum zum Amt Münden. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Uschlag 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam es zum Lkr. Münden, der 1973 im Lkr. Göttingen aufging. 1965 war Dahlheim nach Uschlag eingemeindet worden, 1970 Escherode. 1973 trat Uschlag der neugegründeten Gemeinde Staufenberg bei. Erst seit 1901 besteht eine direkte Landstraßenverbindung nach Kassel. Um 1850 war Uschlag ein Bauerndorf mit 150 Leinewebern (Heimarbeit), seit Beginn des 20. Jh. fand die werktätige Bevölkerung Uschlags zunehmend Arbeit in Kassel.4 Zur Struktur der Gemeinde heißt es 1959, die werktätige Bevölkerung arbeite, abgesehen von „einigen selbständigen Landwirten, Kaufleuten und Handwerken“, in Kassel.5 Um 1810 lebten etwa 435 Menschen in Uschlag, um 1900 knapp 790, 1939 rund 1.060, 1950 gut fast 1.520 und 1970 rund 1.750 (mit Dahlheim).

Kirche, Ansicht von Süden, um 1953

Kirche, Ansicht von Süden, um 1953

Schriftlich ist die ecclesia in Uslacht (Kirche in Uschlag) erstmals im Jahr 1425 belegt.6 Ein erster Name eins Dorfgeistlichen ist aus der zweiten Hälfte des 15. Jh. überliefert: Bis etwa 1465 hatte Johannes Knepel das Pfarramt in Uschlag inne. Nach seinem Tod erhielt Konrad Kelner die Pfründe, da er jedoch die nötigen priesterlichen Weihegrade nicht erlangte, bat 1466 der Kleriker Ludovicus Talhem um die Pfarrkirche Uschlag (de parochialis ecclesia in Uslacht).7
Als Vormund ihres minderjährigen Sohnes Erich führte Hzgn. Elisabeth die luth. Lehre im Fsm. Calenberg-Göttingen ein: 1542 setzte sie die von Antonius Corvinus verfasste Kirchenordnung in Kraft und 1542/43 ließ sie die Gemeinden des Fürstentums visitieren.8 Im Jahr 1545 übernahm der nunmehr volljährige Hzg. Erich II. die Regierungsgeschäfte und wechselte 1547 zum kath. Glauben. Die Calenbergischen Stände widersetzten sich jedoch seinen Rekatholisierungsbestrebungen und konnten 1553/55 die Beibehaltung der luth. Lehre in den Kirchspielen des Fürstentums sicherstellen. Nach dem Tod Erichs II. fiel das Fsm. Calenberg-Göttingen 1584 an Braunschweig-Wolfenbüttel und Hzg. Julius führte seine 1569 aufgestellte ev. KO auch hier ein.9 1588 ließ er die Gemeinden visitieren. Erster bekannter luth. Pfarrer der Gemeinde Uschlag war P. Christian Rischius (amt. 1565–1597).
Im Protokoll zu Visitation 1588 ist vermerkt, P. Rischius sei neben Uschlag auch für Nienhagen, Escherode (mit Dahlheim) und Nieste zuständig.10 Er predigte „Sonntags zu Euschlacht und Escherode, Freitags zu Euschlacht“. Nachdem er zeitweise selbst für eine Wohnung hatte sorgen müssen, habe die Gemeinde nun das dachlose Pfarrhaus repariert. Pastor und Visitatoren beklagten zudem den groben Aberglauben des Wetterläutens in der Gemeinde: Der Oppermann (Küster) werde gedrängt, gegen den Willen des Pastors die Glocken zur Abwehr von Unwettern zu läuten. Nienhagen wird 1588 als filia bezeichnet, im Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig sowoll Wolfenbüttelschen alß Calenbergischen theils“, angelegt Anfang des 17. Jh., sind Dahlheim, Escherode, Nienhagen und Nieste alle als filiae verzeichnet.11 1675 heißt es dann: „Uslag mater, Escherode mater, Dalheim. Neuwenhagen filia, Niest filia“.12 Einen neuen Pfarrhausbau errichtete die Gemeinde für P. Hermann Persius (amt. 1660–1668) im Jahr 1664; es wird auch heute noch genutzt und zählt zu den ältesten Pfarrhäusern im Gebiet der Landeskirche. Die dazugehörige Pfarrscheune baute die Gemeinde 1998 zu einem Gemeindehaus um.13
Bei den Visitationen 1646 und 1675 beklagten Pastor und Lehrer, dass die Kinder des Kirchspiels nicht regelmäßig zur Schule kämen: 1675 gab Uschlags Schulmeister Jacob Holman an, etliche seien „im halben Jahr, drei Viertel, auch wol im ganzen Jahr nicht einmal in der Schule gewesen“.14 Überdies legte P. Heinrich Klötzer (amt. 1668–1676) eine gut 20seitige Zusammenstellung von Gravamina (Beschwerden) über die Kirchspielgemeinden vor, gegliedert in die Punkte „Profanation und Entheiligung des Sabbaths“, „Schmach und Beleidigung der Älteren“, „Hurerei und Unzucht“, „Frevel und Benachteiligung“ sowie „Böse Gewohnheiten“, jeweils versehen mit Beispielen.15
In die Amtszeit von P. Heinrich Christoph Ballauf (amt. 1720–1763), Nachfolger seines Vaters Heinrich Julius Ballauf (amt. 1676–1720), fiel 1725 der Neubau des Kirchenschiffs und 1730 die Anschaffung einer neuen Orgel. Zur Finanzierung des Kirchenbaus erhielt die Gemeinde 1724 die Genehmigung zu einer „Hauß Collecte“ im gesamten Fsm. Calenberg-Göttingen.16 In der ersten Hälfte des 19. Jh. endete schließlich die pfarramtliche Verbindung mit Escherode: 1829 erhielten Escherode und seine Tochtergemeinden Nienhagen und Nieste einen eigenen Pastor. Ab 1917 übernahm das Pfarramt Uschlag die Versorgung der KG Benterode (mit Sichelnstein) und zum 1. April 1931 richtete das Landeskirchenamt Hannover eine pfarramtliche Verbindung zwischen beiden Gemeinden ein (zuvor waren Landwehrhagen und Benterode pfarramtlich verbunden gewesen).17
In Uschlag, dass sich während der ersten Jahrzehnte des 20. Jh. von einem Bauern- zu einem Arbeiterdorf wandelte, war die kirchliche Arbeit nach Ende des Ersten Weltkriegs mehr als anderswo „durch die Entfremdung zwischen Kirche und Arbeiterschaft“ belastet.18 Während der NS-Zeit hatten nacheinander P. Johann Theodor Ludwig Otto Ernst (amt. 1928–1938) und P. Franz Georg Hermann Honig (amt. 1939–1953) das Uschläger Pfarramt inne. Im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ schrieb P. Honig rückblickend, er sei „von Anfang an Gegner der Partei und Mitglied der Bekenntnisgemeinschaft“ gewesen. Sein Vorgänger P. Ernst „begrüßte aber die Machtübernahme durch A[dolf] H[itler] und war dann sehr enttäuscht von den kirchenfeindlichen Bestrebungen. Ebenso hatte er für DC anfangs große Sympathien, wurde dann aber durch deren weitere Entwicklung abgestoßen“.19 Ähnlich heißt es im Bericht des Mündener Sup. Johann Klaus Heinrich Köncke (amt. 1926–1950) über die Visitation 1936: P. Ernst habe „den politischen Umbruch von ganzem Herzen begrüßt“ und leide nun darunter, dass im „ganzen Aufsichtsbezirk der Umbruch der Zeit nirgends so niederreißend gewirkt wie im kirchlichen Leben der Gemeinde Uschlag“.20 Über die Neuwahl des KV 1933 schrieb der Sup., dass „die sozialistisch gesinnten Kirchenvorsteher, die jedoch mit besonderer Treue ihr Amt führten, aus dem Kirchenvorstande ausgeschieden“ waren.21 P. Honig gab im erwähnten Fragebogen an, der neue KV habe sich „im Großen u[nd] Ganzen bewährt, zerfiel dann aber schließlich“. 1934 schaffte die Gemeinde die bezahlten Kirchenstühle ab.22

Kirche, Blick zum Altar und zur Orgel, 1952

Kirche, Blick zum Altar und zur Orgel, 1952

Mit dem Zuzug Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Zahl der Gemeindeglieder von knapp 1.060 im Jahr 1936 auf etwa 1.400 im Jahr 1948 an.23 Nach der Visitation 1955 notierte der Mündener Sup., er habe den Eindruck, dass „das Mißtrauen zwischen Kirche und Sozialdemokratie weithin überwunden ist“.24 Mitte der 1950er Jahre existierte eine „starke Gemeinschaftsbewegung“ in der Uschlag, die zum „Christlichen Gemeinschaftsverband Mühlheim/Ruhr“ gehörte; die Gemeinschaft hielt eigene gottesdienstliche Veranstaltungen ab, betrieb eigene Jugendarbeit und „nahm nur in Ausnahmefällen am kirchlichen Leben“ der KG teil.25 Die Gruppe war in der Nachkriegszeit aus der Pfingstbewegung hervorgegangen. Im Jahr 1958 eröffnete die KG Uschlag im neu erbauten „Paul-Gerhardt-Haus“ einen ev. Kindergarten; das Gebäude diente gleichzeitig als Gemeindehaus.26 Vermögensrechtliche Auseinandersetzungen zwischen politischer Gemeinde, Realgemeinde und Kirchengemeinde konnten 1964 in einer gemeinsamen Vereinbarung beigelegt werden; die lang andauernden Verhandlungen und Diskussionen – der Streit um die Nutzung der Pfarrwiese reichte zurück in die 1930er Jahre – hatten sich „vergiftend auf die Atmosphäre“ im Dorf ausgewirkt.27
Die Kirche in Uschlag erfuhr Ende der 1960er Jahre eine grundlegende Neugestaltung, seit 1990 trägt sie den Namen Johannis-Kirche.28 Im Jahr 1992 schaffte die Gemeinde Einzelkelche für das Abendmahl an.29 Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche knüpfte die KG Uschlag Kontakte zur Kirchgemeinde Mohorn (heute OT der Stadt Wilsdruff).30
Schon im Visitationsbericht 1970 merkte der Mündener Sup. an, dass zu seinem späteren Zeitpunkt ein Zusammenschluss der pfarramtlich verbundenen KG Uschlag und Benterode mit ihrer Nachbargemeinde Escherode diskutiert werden müsse – oder gar die Fusion aller „Kirchengemeinden des Obergerichts zu einer Großgemeinde mit mehreren Pfarrstellen“.31 Verwirklicht wurden diese Überlegungen nicht. Seit dem 1. Januar 2013 erweiterte das LKA Hannover den Pfarrverbund Uschlag-Benterode um die KG Lutterberg; Sitz des Pfarramtes ist weiterhin Uschlag. Im gleichen Jahr ging die Trägerschaft des ev. Kindergartens Uschlag auf den Ev.-luth. Kindertagesstättenverband im Kirchenkreis Münden über.32

Umfang

Uschlag.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Fritzlar (sedes Ditmold) der Erzdiözese Mainz.33 – 1588 GSuptur. Fsm. Göttingen bzw. Spezialsuperintendentur über Stadt und Gericht Münden.34 Seit Teilung der Insp. Münden 1742 gehörte Uschlag zur Insp. Münden Erster Theil bzw. Hedemünden Erster Theil (Sitz der Suptur. 1742–1772, 1789–1820 und 1859–1911 in Hedemünden, 1772–1789, 1820–1859 und ab 1911 in Münden). Ab 1924 KK Münden. Seit 1. Januar 2023 KK Göttingen-Münden (Amtsbereich Münden).35

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Dreiachsiger, verputzter Rechteckbau, errichtet 1725. Mansarddach, im Westen abgewalmt. Korbbogige Sprossenfenster; vor der Westseite risalitartiger Vorbau mit Dreiecksgiebel und Barockportal, gerahmt von Pilastern und Sprenggiebel, im Sturz Inschriftenstein „1725“; oberhalb des Portals Ovalfenster. Im Innern Tonnengewölbe, L-förmige Empore an West- und Nordwand, Inschrift am Triumphbogen: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“. 1903 Südempore nach Osten verlängert. 1945 Kirche und Turm durch Artilleriebeschuss beschädigt, 1948/49 Reparatur. 1951 Renovierung. 1968–69 Sanierung und Umgestaltung (u. a. statische Sicherung, Neudeckung Dach, Eingänge an Nord- und Südseite zu Fenstern umgebaut, zwei korbbogige Fenster nach Westen geschlossen, neuer Haupteingang und Windfang vor Westseite errichtet, Südportal dorthin versetzt, Sakristei an Nordseite errichtet, Ost- und Südempore entfernt, Nordempore verkürzt, Orgel versetzt auf Westempore; Umgestaltung schon 1958 in Planung).36 1988 Innensanierung (u. a. Inschrift am Triumphbogen restauriert).

Turm

Im Osten Chorturm mit achteckigem, teilweise verschiefertem Fachwerkobergeschoss und geschwungener Haube mit doppelter, geschlossener Laterne, bekrönt mit Kugel, Wetterfahne und Kreuz, erbaut 1725 zusammen mit der Kirche.37 Sakristeianbau an Nordseite. Acht rechteckige Schallfenster an oberer und vier an unterer Laterne. 1780 neue Turmuhr. 1985 neue Turmuhr. 2009/10 Turmsanierung.

Vorgängerbau

1425 belegt, keine Beschreibung überliefert.

Ausstattung

Blockaltar aus Sandstein (1969) mit rekonstruiertem Renaissanceretabel (1986), am Retabel sechs Gemälde (1649, Wulf Ernst Lindemeyer)38, im Hauptfeld Abendmahlsszene, links Gethsemane, rechts Auferstehung, im oberen Feld Himmelfahrtsszene, in der Predella die vier Evangelisten; Gemälde waren ursprünglich Teil eines Altarretabels, 1951 „ein wenig willkürlich in einen neuen Altaraufbau eingesetzt“39, Gemälde 1956 restauriert, 1970 im Altarraum aufgehängt, zwischen 1986 in rekonstruierten Altar angebracht. – Hohe Holzkanzel mit Schalldeckel, Kanzelkorb mit Eckpilastern und geschnitzten Engelsköpfen unterhalb der Brüstung. – Taufstein (1612), mit modernem Schaft und Fuß (1990, Michael Düchting, Soest); Inschrift am achteckigen, kelchförmigen Becken: „HA [oder AH] 1612“; Taufstein von 1934 bis 1955 leihweise im Stadtmuseum Münden.40 – Kruzifix, geschnitzter Korpus (16./17. Jh.) aus Südtirol, nach 1970 erworben und am Altar angebracht, seit 1985 an Nordwand. – An der Emporenbrüstung 14 Gemälde mit Szenen aus dem Leben Jesu (1920, Rudolf Siegmund, Kassel), weitere Bilder dieses Zyklus’ im Pfarrhaus, eins in Benterode.41 – Grabstein für P. Justus Mesolt (amt. 1623–1660), Inschrift: „Alhier rvhet in Gott der ehrwürdige fürachtbar vnd wohlgelahrte ehr Jvstvs Mesoldvs Mundensis weiland Pastors alhier. Avch Escherode, Nienhagen. Nieste und Dalheimb. Welcher 1582 am Tage Matthias gebohren vnd 1660 am 16. Decemb. diese Weld gesegnet. Damaln des ehrw. Mnisterii des Ambts Münden Senior seines Alters 78 Jahr, nach dem er Gotte im Predigtambt gedienet zv Bvschfelde 4, Lvtterbergen 8, vnd dieser Pfar 36, in sv[mm]a 48 Jahr. Gott verleye dem Cörper eine fröhliche Auferstehung. Amen“ und „Text Timoth […] Die Zeit meines Abschiedens ist verhanden. Ich habe einen gvten Kampf gekempffet, ich habe den Lavff vollendet“; 1968 bei Renovierungsarbeiten entdeckt und in der Kirche aufgestellt. – Außen: Mehrere barocke Sandsteinepitaphe.

Orgel

Orgelneubau 1730, ausgeführt von Johann Wilhelm Dibelius (Kassel), 9 I/P.42 1795 Orgelreparatur. 1840 Orgelneubau, ausgeführt von Friedrich Melchior Zindel (Kassel), 17 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen; zinnerne Prospektpfeifen im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben (1917), 1919 durch Zinkpfeifen ersetzt; zwei Dispositionsänderungen, Zustand 1944: 16 II/P. 1968 Orgel abgebaut, 1972/73 Restaurierung und Wiederaufbau auf der neuen Westempore, Arbeiten ausgeführt von Albrecht Frerichs (Göttingen). 2015 Restaurierung, Werner Bosch (Kassel), 17 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Denkmalorgel.

Geläut

Vier LG, I: gis’ (Bronze, Gj. 1636, Gottfried Kohler, Kassel), Inschriften: „Gottfriedt Kohler in Cassel gos mich, in Evischlacht gehere ich Anno 1636“ und „Friderich Beumeler, Iost Sidigen, Henrich Gundel, Casper Dumer, Henerich Wolfer, Anna Hildebrandt, Hans Fesel, Iost Wacker“, Glocke im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, nicht eingeschmolzen und 1947 zurück in Uschlag; II: h’ (Bronze, Gj. 1953, Rincker, Sinn), Inschrift: „Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben“; III: cis’’ (Bronze, Gj. 1953, Rincker, Sinn), Inschrift: „O Land, Land Land, höre des Herren Wort“; IV: e’’ (Bronze, Gj. 1832, Georg Christian Carl Henschel, Kassel), Inschriften: „Umgegossen für die Gemeinde Ausschlacht von Henschel zu Cassel 1832“ und „H. C. Schaefer, Bauermeister I. H. Bäumler U. H. L. Sachtleben“. – Früherer Bestand: 1626 drei Glocken von kaiserlichen Truppen geraubt.43 Eine große LG (Bronze, Gj. 1636, Gottfried Kohler, Kassel), Inschrift: „Gottfriedt Kohler in Cassel gos mich, Enschlacht gehere ich Anno 1636“ und „Justuts Mesoldus Pastor, Hans Rische Grefe, Hans Scheffer, George Schefer, H. Ge. Ludowic Bischof, Hans Ulrich, Ludowic Kleine, Jost Mohr und Anna seine Hausfrau, Hans Schefer, Hans Rische der Jungere, Gabriel Müller, Christian Schefer, Hans Müller der Eltere, Christian Witzel“, Anfang des 19. Jh. gerissen, Riss ausgesägt, Glocke im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben (im Turm zerschlagen).44 Eine neue große LG, f’ (Bronze, Gj. 1922, Franz Schilling & Söhne, Apolda), Geschenk „des nach Amerika ausgewanderten Herrn Louis Dümer“, im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben und eingeschmolzen.45 Eine „historisch sehr wertvolle“ Patenglocke des’’ (Bronze, Gj. 1594, Hans Monnick), Inschrift: „M[eister] Hans Monnick. LI Psalm. Lobet den Hern mit hellen Cimbelen lobet in mit wolklingenden Cimbeln. 1594“, Bilder: zwei Kreuzigungsgruppen; Leihglocke aus Skórka (früher Schönfeld in Pommern, Lkr. Flatow), 1952 montiert und kurze Zeit später wegen eines Risses stillgelegt, 1953 geschweißt (Firma Lachenmeyer, Nördlingen) und nach Dransfeld abgegeben.46

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1664). – Gemeindehaus (Bj. 1696, ehemalige Pfarrscheune, 1998 umgebaut). – Gemeindehaus „Paul-Gerhardt-Haus“ (Bj. 1958/59), mit Kindergarten, Ende der 1990er Jahre verkauft. – Küsterhaus (Bj. 1813), Ende der 1990er Jahre verkauft.

Friedhof

Ehemaliger kirchlicher Friedhof rund um die Kirche, genutzt bis zur ersten Hälfte des 17. Jh., Erbbegräbnisse bis 1873. Alter kirchlicher Friedhof am Benteröder Weg.47 Neuer kommunaler Friedhof nordöstlich des Dorfes, angelegt 1947.

Liste der Pastoren (bis 1940)

1565–1597 Christian Rischius (Ruschius). – 1598–1618 Georg Hetlingus. – 1618–1623 Georg Berckmann. – 1623–1660 Justus Mesolt. – 1660–1668 Hermann Persius. – 1668–1676 Heinrich Klötzer. – 1676–1720 Heinrich Julius Ballauf. – 1720–1763 Heinrich Christoph Ballauf. – 1763–1799 Johann Dietrich Hagedorn. – 1799–1800 Johann Heinrich Christoph Hilmer. – 1800–1827 Christian Heinrich Schilling. – 1827–1829 Christian Ludwig Meyer. – 1829–1838 Johann Heinrich Karl Enneccerus. – 1839–1852 Heinrich Friedrich Arnecke. – 1852–1860 Ernst Friedrich Hermann Ahrens. – 1861–1869 Wilhelm Otto Ferdinand Twele. – 1870–1876 Georg Christian Meyer. – 1877–1880 Karl Heinrich Friedrich Christian Weber. – 1882–1883 Gerhard Menno Bunjes. – 1888–1898 Hermann Ernst Prossen. – 1898–1910 Rudolf Julius Jung. – 1911–1917 Johann August Otto Semler. – 1918–1927 Friedrich Christian Georg Wolperding. – 1928–1938 Johann Theodor Ludwig Otto Ernst. – 1939–1953 Franz Georg Hermann Honig.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 445–446 und III, S. 43

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 11088–11103 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 8207–8209 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 2292Digitalisat, 2293Digitalisat, 2294Digitalisat, 2295Digitalisat, 2296Digitalisat, 2297Digitalisat (Visitationen); B 18 Nr. 244, 367 (Orgelsachverständiger); S 09 rep Nr. 2148 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7355 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1637
Trauungen: ab 1636 (Lücken: 1673)
Begräbnisse: ab 1636
Kommunikanten: ab 1874 (Lücken: Mich. 1875–1876, 1881)
Konfirmationen: ab 1655 (Lücken: 1656, 1665, 1735, 1736)

Literatur

A: Gemeindebuch KKV Münden, S. 71–72; Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 399–400; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1284; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Münden, S. 266–268.
B: 950 Jahre Uschlag. 1019–1969, Heiligenrode 1969, bes. S. 12–17; Walter Blum: Die Johannis-Kirche zu Uschlag. Beiträge aus der Geschichte der ev.-luth. Kirche zu Uschlag. 1725–2000, Uschlag [2000]; Walter Blum: Uschlag. 975 Jahre. 1019–1994. Dokumente und Bilder zur Geschichte unseres Dorfes, Uschlag 1995; Günther Kaerger, Walter Blum & Justus Mohr: Die Flurnamen der Gemarkungen Uschlag und Dahlheim, Staufenberg 1989.

GND

1164401106, Johanniskirche (Uschlag)


Fußnoten

  1. MGH DD H II 406b (Fälschung) und 406a (Original) [Digitalisat]. Zum Ortsnamen: Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 399 f.
  2. Zum Kloster Kaufungen vgl. „Benediktinerinnenkloster Kaufungen, Gemeinde Kaufungen“, in: Klöster, https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/kl/id/7758 (Stand: 29.11.2021).
  3. NLA HA Hann. 74 Münden, Beschreibung; Eisenträger & Krug, Territorialgeschichte, Nr. 1 (S. 248 ff.).
  4. 950 Jahre, S. 8 f.
  5. Gemeindebuch KKV Münden, S. 71.
  6. Demandt, Fritzlar, Nr. 411,I (S. 558).
  7. RG Online, RG IX 04315, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/9/4315, 13.06.2022.
  8. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 708 ff.; Butt, Herrschaft, S. 47 ff.
  9. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 83 ff.
  10. Zum Folgenden: Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 155.
  11. LAW, V 231, Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig…, S. 52.
  12. Althaus, Generalvisitation I, S. 137.
  13. 950 Jahre, S. 15; Gemeindebuch KKV Münden, S. 71.
  14. Althaus, Generalvisitation I, S. 143. Zu 1646 siehe: Kayser, Generalvisitation Gesenius, S. 160.
  15. Althaus, Generalvisitation I, S. 139.
  16. Blum, Johannis-Kirche, S. 8 f.
  17. KABl. 1931, S. 79
  18. 950 Jahre, S. 16.
  19. Alle Zitate: LkAH, S 1 H III, Nr. 419, Bl. 37.
  20. LkAH, L 5c, unverz., Uschlag, Visitation 1936.
  21. LkAH, L 5c, unverz., Uschlag, Visitation 1936.
  22. Blum, Johannis-Kirche, S. 33.
  23. LkAH, L 5c, unverz., Uschlag, Visitationen 1936 und 1949.
  24. LkAH, L 5c, unverz., Uschlag, Visitation 1955.
  25. LkAH, L 5c, unverz., Uschlag, Visitationen 1955 und 1949.
  26. Gemeindebuch KKV Münden, S. 71.
  27. 950 Jahre, S. 16 f.
  28. Blum, Johannis-Kirche, S. 10 und S. 52.
  29. Blum, Johannis-Kirche, S. 52.
  30. LkAH, L 5c, unverz., Uschlag, Visitation 1988. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  31. LkAH, L 5c, unverz., Uschlag, Visitation 1970.
  32. KABl. 2013, S. 155 ff.
  33. Demandt, Fritzlar, Nr. 411,I (S. 558).
  34. Steinmetz, GSup. Göttingen I, S. 109.
  35. KABl. 2022, S. 189 ff.
  36. Blum, Johannis-Kirche, S. 10 f.
  37. Blum, Johannis-Kirche, S. 4.
  38. Blum, Johannis-Kirche, S. 6. Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 184: 1646.
  39. LKA, G 9 B, Uschlag Bd. 1, Bl. 25.
  40. DI 66, Lkr. Göttingen, A1, Nr. 56 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di066g012a1005605; Blum, Johannis-Kirche, S. 48.
  41. Blum, Johannis-Kirche, S. 10.
  42. LkAH, B 18, Nr. 244.
  43. 950 Jahre, S. 14.
  44. Kaerger, Blum & Mohr, S. 32; 950 Jahre, S. 14 und S. 17 f.
  45. Blum, Johannis-Kirche, S. 15.
  46. LKA, G 9 B, Uschlag Bd. 1, Bl. 12, 15 und 19–21.
  47. Kaerger, Blum & Mohr, S. 32.