Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Münden | Patrozinium: – | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte
Kanzelaltar, um 1953

Kanzelaltar, um 1953

Ortschaft westlich des Kaufunger Waldes, angeblich 811 in einer Urkunde Karls des Großen erstmals erwähnt und seit alters her welfischer Besitz. Die in der Nähe des Dorfes bald nach 1370 als Grenzposten gegen Hessen angelegte Burg Sichelnstein war Mittelpunkt eines calenbergischen Amts- und Gerichtsbezirks, der vielleicht schon seit 1370, sicher aber seit dem 16. Jh. von Münden aus verwaltet wurde (Oberamt Münden). Während des Dreißigjährigen Krieges fiel das Dorf beinahe wüst, jedoch stieg die Einwohnerzahl von 1689 an wieder auf über 270 an. Neben der Landwirtschaft (Schafzucht) dominierte bis ins 19. Jh. als Handwerk die Schuhmacherei. Heute ist Benterode als Pendlergemeinde nach Kassel orientiert und seit 1973 Ortsteil der Gemeinde Staufenberg.
Benterode soll schon 1019 eine zur Dechanei Dietmelle (Kirchditmold bei Kassel) gehörige Kirche mit Pfarrer gehabt haben, die eine gemeinsame Pfarrgemeinde mit Sichelnstein bildete. Wohl mit Einführung der Reformation im Fsm. Calenberg (1542) wurde sie der Parochie Landwehrhagen untergeordnet. 1675 wird Benterode als filia von Landwehrhagen bezeichnet. Es verfügte damals über einen eigenen Schulmeister, der auch die Gemeinde Sichelnstein versorgte.1 Ab 1917 war Benterode mit Uschlag pfarramtlich verbunden, dann wohl vorübergehend wieder mit Landwehrhagen und ab 1. April 1931 endgültig mit Uschlag.2

Umfang

Benterode und Sichelnstein.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat St. Peter zu Fritzlar.3 – 1588/89 zur Insp. (1924: KK) Münden.

Kirchenbau

Der rechteckige, barocke Bruchsteinsaal mit Eckquaderung aus Sandstein wurde 1786/87 an Stelle des abgängigen Vorgängerbaus nach dem Vorbild der Kirche in Varlosen errichtet. Als Baumaterial diente teilweise Abbruchmaterial der Burg Sichelnstein. Giebel in Sichtfachwerk. Gliederung des Innenraums durch eine dreiseitige Emporenanlage. 1982/84 Innenrenovierung.

Turm

Aus einem risalitartigen Vorbau im Süden aufsteigender Turm, im Obergeschoss in Fachwerk, mit geschweifter Schieferhaube und achtseitiger verschieferter Laterne.

Ausstattung

Hölzerner Kanzelaltar. Zwischen Mensa und Kanzelkorb ein Altargemälde mit der Grablegung Christi von Prof. Rudolf Siegmund (Kassel), ursprünglich an der Empore der Kirche in Uschlag abgebracht und nach deren Verkürzung Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahren nach Benterode verbracht. – Achteckige Sandsteintaufe mit ornamentalen Verzierungen.

Kirche, Blick zur Orgel, um 1953

Kirche, Blick zur Orgel, um 1953

Orgel

1797 barocker Neubau durch Stephan Heeren (Gottsbüren), wohl 14 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen, Pedal als Transmission aus dem Manualwerk. Die Zahl der klingenden Stimmen wird je nach Gutachten auch mit 11 und 13 angegeben.4 1917 Ausbau der Prospektpfeifen (später durch Zinkpfeifen ersetzt). 1958 Instandsetzung und Wiederherstellung der ursprünglichen Disposition durch Paul Ott (Göttingen). 1993 durch die Firma Werner Bosch (Niestetal) restauriert; 15 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Denkmalorgel.5

Geläut

Drei LG, I: b’ (Bronze, Gj. 1634, Gottfr. Kohler, Kassel); II: g’ (Bronze, Gj. 1977, Gebrüder Bachert, Bad Friedrichshall); III: c’’ (Gj. 1989, A. Bachert, Heilbronn; Taufglocke). – Früherer Bestand: Eine 1380 gegossene kleine Glocke ist später geborsten und wurde für einen Neuguss eingeschmolzen.6 Ebenso wurde 1897 eine LG von 1786 durch einen Neuguss ersetzt. Sie wurde im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeliefert. 1925 erhielt die Gemeinde als Ersatz eine Gussstahlglocke der Firma Schilling & Lattermann (Apolda); 1970 wegen eines Risses stillgelegt und jetzt auf dem Friedhof aufgestellt. 1977 und 1989 um zwei weitere LG ergänzt.

Weitere kirchliche Gebäude

Gemeindehaus neben der Kirche (Bj. 1982/83).

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof. 1870 legte die KG an der Straße nach Sichelnstein einen neuen Friedhof an, der sich bis heute in kirchlichem Eigentum befindet. FKap (Bj. 1967/68).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 6806-6809 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 493 (Spec. Landeskons.); A 8 (CB); B 18 Nr. 140 (Orgelsachverständiger).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 208; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Münden, S. 254.
B: Karl Linß und Armin Zuschlag: Aus der Geschichte des Dorfes Benterode. Ein chronologischer Überblick von der karolingischen Urkunde bis zur Einheitsgemeinde Staufenberg, 1986.


Fußnoten

  1. Althaus, Generalvisitation II, S. 100 und 103.
  2. KABl. 1931, S. 79.
  3. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 170.
  4. LkAH, B 2 G 9 B/Benterode.
  5. KABl. 1952, S. 160; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).
  6. Linß/Zuschlag.