Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Münden | Patrozinium: Paul Gerhardt (seit 2009) | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Dorf am Südwesthang des Kaufunger Waldes, 1518 im Lehnsbuch des Hzg. Otto von Braunschweig genannt. Fsm. Göttingen (Amt Münden). Escherode hatte um 1900 über 300 Einwohner, die insbesondere in den nahen Ziegeleien und Steinbrüchen auf dem Steinberg sowie in der Leinweberei beschäftigt waren. Mit den benachbarten früheren Waldarbeiterdörfern entwickelte sich Escherode nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend zur Wohn- und Pendlergemeinde von Kassel. – Seit 1973 Ortsteil der Gemeinde Staufenberg.
Escherode ist die südlichste KG der Landeskirche. Ihre urkundlich nachweisbare Geschichte beginnt 1329 mit Iohannes plebanus in Esicherode1, eine Kirche wird 1425 erstmals erwähnt. Elisabeth von Calenberg ließ 1542 im Fsm. Göttingen die Reformation einführen. Noch im gleichen Jahr führte Antonius Corvinus eine Visitation der KG des Amts Münden durch.2
Bis zum Dreißigjährigen Krieg soll Escherode über eine eigene Pfarre verfügt haben. Grund für die Aufhebung der Pfarrstelle war wohl die Zerstörung des Pfarrhauses durch kaiserliche Truppen (1629) und der allgemeine Bevölkerungsrückgang infolge des Krieges. Escherode war seither mater combinata von Uschlag. 1737 kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen den Gemeinden wegen der Unterhaltskosten für das Uschlager Pfarrhaus. Nach Beschwerden über die mangelhafte seelsorgerliche Betreuung der Außendörfer gab es 1799 erstmals Überlegungen, die Verbindung zu lösen. Der Neubau eines Pfarrhauses ermöglichte schließlich 1829 die Trennung und Errichtung einer eigenen Pfarrstelle.
Die heute mit Escherode verbundene Gemeinde Nieste war hessischer und welfischer Gemeinbesitz. Durch Staatsvertrag vom 23. Dezember 1831 wurde Nieste gegen die bisher hessische Enklave Laubach ganz an Hessen abgetreten, die Kirche aber weiterhin durch den in Escherode amtierenden P. von Uschlag versorgt. Nach der Verselbständigung der KG Escherode ging sie an die dortige Gemeinde über. Von 1852 bis 1866 war ein hessischer Vikar zur Verwaltung von Nieste eingesetzt. Durch Umpfarrungsdekret vom 22. Juli und 7. August 1873 wurde die bis dahin selbständige Pfarrei Nieste aufgehoben und als KapG nach Escherode eingegliedert. Nieste war allerdings die mit Abstand größte Ortschaft innerhalb der Parochie (1968: etwa 1.200 Gemeindeglieder in Nieste, 700 in Escherode, 275 in Dahlheim, 300 in Nienhagen). Zum 1. April 1970 wurde daher die KapG Nieste wieder in eine KG umgewandelt und mit Escherode pfarramtlich verbunden.3 Zur Parochie gehörten neben dem Kirchort Escherode das Dorf Dahlheim und zu Nieste die KapG Nienhagen. Mit dem 1. Januar 2011 wurden die KG Escherode und Nieste zur Ev.-luth. Dreieinigkeits-KG Escherode-Nieste zusammengelegt.4

Umfang

Die Dörfer Escherode, Dahlheim, Nieste (1873-1970 KapG, ab 1. April 1970 pfarramtliche verbundene KG) und Nienhagen (KapG); die Försterei Nonnenholz/Kleinalmerode (Hessen, zu Escherode); die Forsthäuser Rottebreite und Buntebock (zu Nieste); das Steinberghaus und die Försterei Steinberg (zu Nienhagen).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat von St. Peter zu Fritzlar, Erzdiözese Mainz. – Seit Wiedererrichtung der KG 1829 zur Insp. (1924: KK) Münden.

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Rechteckiger, verputzter Saalbau unter Satteldach, im Kern mittelalterlich, wohl 1684 wesentlich verändert. Nordportal datiert 1720. Auch die Strebepfeiler aus Sandstein wurden nachträglich angefügt. Tonnengewölbe. Doppelstöckige Westempore (Orgelempore). Sanierung 1970/71 und 1999/2000.

Turm

Eingezogener Chorturm (im Kern wohl noch aus dem 15. Jh., nach anderen Angaben als ehemaligen Wehrturm bis in das 10. Jh. datiert), die Fachwerkpartie ist in den beiden Obergeschossen an der Süd- und Westseite verschiefert. Bekrönung mit quadratischem Glockenhelm und geschlossener Laterne.

Ausstattung

Zweigeschossiges Barockretabel mit Schnitzwerk des Meisters Böhrmann aus Münden (1686); Altarbilder zur Lebensgeschichte Jesu von Joh. D. Sarrazin zur Blume (1694): Kreuzigung, Anbetung der Hirten, Auferstehung; darüber Christi Himmelfahrt, in der Predella das heilige Abendmahl. – Sandsteintaufe aus zwei Blöcken, Kuppa zwischen 1686 und um 1694; der Sockel 1970 neu ergänzt.

Orgel

1777 Neubau durch Johann-Wilhelm Schmerbach den Älteren (Frieda), 13 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1913 Neubau des Werks durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 16 II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen. 1956 grundlegend erneuert, 1993 wegen irreparabler Schäden abgebaut. 1999/2000 Neubau nach dem Vorbild der Schmerbach-Orgel durch die Orgelbaufirma Werner Bosch (Niestetal), 13 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Der barocke Prospekt blieb erhalten.

Geläut

Zwei LG, I: c’’ (Bronze, Gj. 1636, Gottfried Kohler, Kassel); II: cis’’ (Bronze, Gj. 1794, Georg Christian Carl Henschel, Kassel).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1968, ersetzte den Vorgängerbau von 1824/26).

Friedhof

Im Süden außerhalb der Ortslage (Hilgenschläde). Eigentum der KG. FKap (Bj. vor 1968; Eigentum der Gemeinde Staufenberg). – In Dahlheim, Nienhagen und Nieste befinden sich kommunale Friedhöfe.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 3248-3258 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 481 u. 487 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 2311-2315 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 665-668 (Visitationen).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 108, Nr. 100; Dehio; Bremen/Niedersachsen, S. 453; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Münden, S. 256 f.; Gemeindebuch KKV Münden, S. 36-41.
B: Erwin Käse: Unsere Orgel. Information zur Wiederinstandsetzung der Escheröder Orgel, [Escherode 1998]; Adolf Kraft: Aus der Geschichte der Kirche Nienhagens und der Mutterkirche Escherode, Nienhagen 2004.


Fußnoten

  1. UB Mariengarten, Nr. 174.
  2. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 248, Anm. 503.
  3. KABl. 1970, S. 3.
  4. KABl. 2011, S. 69 f.