Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Emden-Leer | Patrozinium: Antonius1 | KO: Ostfriesische KO von 1716

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Orts- und Kirchengeschichte

Schriftlich ist das Dorf im früheren Emsigerland erstmals als Pettinghem bzw. Padinghem im Urbar der Abtei Werden belegt; der älteste Teil des Urbars lässt sich auf das 10. Jh. datieren.2 1364 findet sich die Schreibweise Pectium.3 Petkum bildete das Zentrum einer kleinen Herrlichkeit, zu der bis in die 1430er Jahre hinein auch die Dörfer Ditzum und Pogum zählten. Während die Stadt Emden mehrere benachbarte Herrlichkeiten erwarb blieb Petkum eigenständig und wurde auch nicht gänzlich in die Ämterstruktur der Gft. Ostfriesland integriert. Südwestlich der Kirche befand sich ein befestigter Wohnsitz, angelegt vielleicht im frühen 14. Jh., dessen Überreste 1817 abgebrochen wurden. Die frühen Herren von Petkum sind unbekannt und auch die Herkunft der namentlich bekannten Häuptlinge ist nicht gänzlich klar, sie entstammten wohl einer niederrheiderländischen Familie.4 Ende des 15. Jh. kam die Herrlichkeit an die Familie Kankena, Mitte des 16. Jh. an die Familie Ripperda und in der ersten Hälfte des 18. Jh. an die niederländische Familie Torck van Rozendaal. Nachdem die Gft. Ostfriesland 1744 an Preußen gefallen war, wurde Petkum zeitweise gemeinsam mit der Herrlichkeit Oldersum verwaltet (bis 1781). In französischer Zeit zählte Petkum ab 1807 zum Kgr. Holland, ab 1810 zum Kaiserreich Frankreich (Département Ems-Oriental, Arrondissement Emden, Kanton Oldersum), ab 1813 wieder zum Kgr. Preußen, ab 1815 zum Kgr. Hannover und nach der Annexion Hannovers 1866 erneut zum Kgr. Preußen. Seit 1817 war Petkum Teil des Amtes Emden und kam bei Einführung der Kreisverfassung 1885 zum Lkr. Emden, 1932 zum Lkr. Leer. 1972 wurde das Dorf in die Stadt Emden eingemeindet. Nach Einschätzung des Ortspfarrers setzte sich die Bevölkerung Petkums 1959 aus „Bauern, Handwerkern, Kaufleuten, Beamten, Angestellten und Arbeitern“ zusammen, wobei die „dominierende Stellung der Bauern […] gänzlich gebrochen“ sei.5 1965 heißt es: „Alles sucht seinen Erwerb auswärts“6 und 1991 charakterisierte der LSup. Petkum als eine „Stadtrandgemeinde, die sich noch viele dörfliche Züge erhalten hat“.7 Neubaugebiete entstanden in den 1960er und in den 1990er Jahren. Im Jahr 1821 lebten gut 440 Menschen in Petkum, 1905 etwa 690, 1946 insgesamt 915 und 2010 gut 1.040.

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1962

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1962

Zu den ältesten Zeugnissen der örtlichen Kirchengeschichte zählen zwei romanische Grabplatten wohl aus dem 12. Jh., der Taufstein aus der ersten Hälfte des 13. Jh. und die um 1300 gegossene große Glocke. Die ältesten Teile des Kirchengebäudes selbst gehen ebenfalls auf das 13. Jh., zurück (östlicher Abschnitt der südlichen Langhausmauer). Ein schriftlicher Beleg ist aus dem Jahr 1367 überliefert: Gemeinsam hatten die beiden Pfarrer der Petkumer Kirche Folkmar und Embo eine Urkunde besiegelt (sigilla […] domini Folcmari et domini Embonis rectorum ecclesie in Pectium).8 Auch für das Jahr 1403 sind mit Aggo und Meinhard zwei Geistliche an der Kirche in Petkum belegt (sigillis […] domini Aggonis et domini Menardi curatorum in Petkum).9 Fünf Jahre später übertrugen die Patrone und Einwohner von Petkum das Patronatsrecht über ihre Kirche an die Johanniterkommende Muhde (patroni et cives in Patyun ius patronatus ecclesie in Patyun hospitalariis sacre domus in Muda […] dederunt).10 Die Pfarrer von Petkum waren jeweils auch für die Kapelle in Widdelswehr zuständig (erstmals belegt als Uuiggeldasgihueruia im 10./11. Jh.).11 Weitere vorref. Geistliche in Petkum waren 1415 Onno, 1453 Enno, 1488 heer Hero, kerekheer tho Petkum, heer Wibbo, vicarius darsulffs sowie um 1500 der Vikar Martin und der Benefiziar Poppo.12 Um 1470 hatte vermutlich Häuptling Gerd von Petkum († 1478) die romanische Kirche um den bis heute erhaltenen Chor mit seinem spätgotischen Netzgewölbe erweitern lassen. Seine Ehefrau Ocka Kankena verfügte später die Gründung eines Augustinerklosters in Petkum, das mit Pfründen für acht Chorherren ausgestattet werden sollte (monasterium ordinis sancti Augustini […] octo presbyteri perpetui beneficiati). Ihre Erben erlangten jedoch 1502 von Papst Alexander VI. die Erlaubnis, statt des Klosters drei Pfründen an der Petkumer Kirche zu stiften (in dicta ecclesia tria perpetua simplicia beneficia ecclesiastica).13
Die Reformation breitete sich in Ostfriesland seit den 1520er Jahren aus. Her Wybo Concurat [Mitpastor] van Petkum nahm 1526 auf ev. Seite an der Oldersumer Disputation teil.14 Gf. Edzard I. († 1528) duldete die Ausbreitung der neuen Lehre, griff jedoch nicht lenkend ein.15 Es entstand ein Nebeneinander verschiedener prot. Richtungen. Versuche Gf. Ennos II. († 1540), die kirchlichen Verhältnisse einheitlich und eher luth. zu gestalten, scheiterten (u. a. 1529 „Bremer KO“ von Johann Timann und Johann Pelt, 1535 „Lüneburger KO“ von Martin Undermarck und Matthäus Ginderich). Ebenso erfolglos blieb letztlich das Bemühen Gfn. Annas († 1575), die ostfriesische Kirche zusammen zu halten und ihr eine eher ref. Form zu geben (u. a. 1542 Johannes a Lasco als Sup. berufen, 1544 Coetus begründet). Während der gemeinsamen und konfliktvollen Regierungszeit von Annas Söhnen, dem ref. Gf. Johann († 1591) und dem luth. Gf. Edzard II. († 1599), verfestigte sich das Nebeneinander ref. und luth. Gemeinden in Ostfriesland und die Konkordate von 1599, geschlossen zwischen den Landständen und dem Landesherrn, schrieben den Konfessionsstand der einzelnen ostfriesischen Gemeinden schließlich fest. Im Gegensatz zur Stadt Emden, in der sich die ref. Lehre etabliert hatte, war die Herrlichkeit Petkum luth.: „H[err] Gvilhelmus zu Petkum“ (amt. 1526–1580) sei 1554 beständig geblieben und nicht zum ref. Bekenntnis gewechselt, heißt es im 1590 verfassten Wahrhafftigen Gegenbericht der rechtgläubigen Predicanten in Ostfrießlandt.16 P. Aibo Inen Reershemius (amt. 1575–1617) zählte 1593 zu den Unterzeichnern der luth. Marienhafer KO.17 Die Bevölkerung des Dorfes war jedoch nicht ausschließlich luth., nach dem Prinzip der einparochialen Gemeinde zählten und zählen allerdings auch die ref. Einwohner des Dorfes mit allen Rechten und Pflichten zur luth. KG (in den 1970er Jahren waren etwa ein Viertel der Gemeindeglieder ref.).
In der Herrlichkeit Petkum regierte seit 1554 die Familie Ripperda. Vermutlich war das Patronatsrecht über die Kirche schon vor der Reformation an ihre Vorgänger, einen Zweig der Familie Kankena, gekommen, spätestens jedoch 1561 mit der Aufhebung der Johanniterkommende Muhde. Darüber hinaus besaßen die Petkumer Häuptlinge auch in Ditzum und Pogum kirchliche Hoheitsrechte. Die drei Dörfer bildeten bis zur Mitte des 17. Jh. „so etwas wie eine selbständige kleine lutherische Landeskirche, in der die Herren von Petkum bis 1640 unbestritten den Summepiskopat innehatten“.18 Der Inhaber der ersten Pfarrstelle in Petkum (Oberpastorei) fungierte als Sup. Mitte des 17. Jh. drängten die Gf. von Ostfriesland die Häuptlinge von Petkum schrittweise zurück: Um 1640 verloren sie ihren Einfluss über Ditzum, das später zum ref. Bekenntnis wechselte, nach 1666 auch über Pogum, das jedoch luth. blieb. Bis in die zweite Hälfte des 17. Jh. hinein besuchten auch die Lutheraner aus Emden den Gottesdienst in Petkum – bevor sie 1685 in der Emder Vorstadt einen eigenen Gottesdienstraum einweihen konnten.
Auch nach der Reformation betreuten noch lange Zeit zwei Pfarrer die Gemeinde Petkum. Zuletzt hatten die Zwillingsbrüder P. Friedrich (amt. 1693–1742) und P. Johann Dammeier (amt. 1703–1738) die beiden Stellen inne. nach Johanns Tod 1738 blieb die zweite Pfarrstelle (Unterpastorei) unbesetzt; Friedrich starb vier Jahre später. Er war bei seinem Tod hoch verschuldet und nachdem sein Hausrat versteigert war musste auch seine umfangreiche Bibliothek verkauft werden, um die Gläubiger auszahlen zu können. Nach einer ersten Zählung kurz nach Dammeiers Tod umfasste seine Bibliothek 374 Bände, ein wenig später angelegter Katalog listet 429 Titel – darunter Luthers sämtliche deutsche Schriften (Wittenberger Ausgabe, Erstausgabe) sowie pietistische Schriften von u. a. Philipp Jacob Spener, August Hermann Francke und Veit Ludwig von Seckendorff.19
Nach den Brüdern Dammeier übernahm P. Johann Michael Weitz (amt. 1742–1782) als alleiniger Pfarrer die Gemeinde Petkum. In seine Amtszeit fällt die umfassende Erneuerung der Kirche, bei der die Mauern des Langhauses größtenteils neu aufgemauert wurden und das Gebäude gleichzeitig verkürzt wurde.20 Mit P. Ludwig Röntgen (amt. 1783–1793) erhielt die Gemeinde gegen Ende des 18. Jh. einen Anhänger der Aufklärungstheologie, der mit Johann Caspar Lavater befreundet war und mit dem Dichter Jean Paul in Briefwechsel stand. Er verwandte Mittel der vakanten Unterpastorei, um das Schulwesen in Petkum zu fördern. P. Röntgen geriet jedoch in Konflikt mit seiner Gemeinde, da er Freimaurer war und sich in der Emder Freimaurerloge betätigte. Er wechselte 1793 – auch aus finanziellen Gründen – nach Esens.21 Während der Amtszeit seines Nachfolgers, P. Gerhard Zimmermann (amt. 1793–1822) stürzte 1794 der Glockenturm neben der Kirche teilweise ein und die Gemeinde ließ 1802 einen neuen Turm errichten. Die Kirche selbst diente 1795 einige Zeit als Lazarett für britische Soldaten.22 Als die Pfarrstelle nach P. Zimmermanns Tod einige Monate unbesetzt blieb, waren u. a. auch ref. Pastoren mit der Vertretung beauftragt.23
Während der NS-Zeit war zunächst noch P. Albrecht Julius Emanuel Hafermann (amt. 1899–1934) in Petkum tätig und später P. Hermann Andreas Brunken (amt. 1936–1938). In den übrigen Jahren war die Pfarrstelle vakant und wurde von Emden bzw. von Juist aus betreut. Im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ gab der Emder P. Erich Cramer rückblickend an: „Sämtliche Geistliche, die in Petkum amtierten, waren Gegner des Nationalsozialismus“. Die DC scheiterten nach seinen Angaben mit dem Versuch, in Petkum eine Ortsgruppe zu gründen und der 1933 neu gewählte KV, von dessen vier Mitgliedern zwei der NSDAP angehörten, stand „treu zum Bekenntnis unserer Kirche“.24
Mit dem Zuzug Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs kamen auch einige kath. Familien nach Petkum; die ev. Gemeinde stellte ihnen zeitweise den Konfirmandenraum als Gottesdienstsaal zur Verfügung.25 Noch in den 1950er Jahren unterhielt die KG Petkum zusammen mit der ref. KG. Jarßum eine gemeinsame Gemeindeschwesternstation; 1964 richteten die politischen Gemeinden Petkum und Widdelswehr eine Schwesternstation ein.26 Die KG Petkum baute eine Partnerschaft zur sächsischen Kirchgemeinde Oberottendorf-Rückersdorf in der Ephorie Pirna auf, die sich in den 1980er Jahren intensivierte. Angesichts sinkender Gemeindegliederzahlen verhandelte die Gemeinde 2007 mit der benachbarten ref. KG Jarßum über eine gemeinsame Pfarrstelle, die abwechselnd ref. und luth. zu besetzen gewesen wäre; die Planungen konnten jedoch letztlich nicht verwirklicht werden. Seit 2010 war die Pfarrstelle vakant und seit 2013 ist Petkum pfarramtlich mit der Markusgemeinde Emden verbunden.

Pfarrstellen

I: vorref., Oberpastorei, seit 2010 vakant, 2013 aufgehoben. – II: vorref., Unterpastorei, seit 1738 vakant, 1889 aufgehoben.27

Umfang

Die Ortschaft Petkum und bis 1827/28 das Dorf Widdelswehr (dann eingepfarrt in ref. KG Jarßum).28

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Friesland der Diözese Münster (Propstei Emden).29 – Als Herrlichkeitsgemeinde stand Petkum außerhalb der kirchlichen Jurisdiktion der Grafen von Ostfriesland. Seit 1766 Insp. des Amtes Leer (5., später 6. Insp.). 1868 zur 2. Insp. in Ostfriesland. 1924: KK Emden. Seit 1. Januar 2013 KK Emden-Leer.30

Patronat

Zunächst vermutlich Gemeindepatronat.31 Ab 1408 das Johanniterordenshaus Muhde.32 Das Patronatsrecht ging vor der Reformation an die Häuptlinge von Petkum über33 und ist an den Besitz der Herrlichkeit bzw. des Gutes Petkum gebunden (dingliches Patronat): Inhaber waren seit Ende des 15. Jh. die Familie Kankena, seit 1554 die Familie Ripperda, seit etwa 1724 die niederländische Familie Torck van Rozendaal und später deren Erben, die Familie von Pallandt. 1926 erwarb Landwirt Julius Dammeyer einen Großteil des Gutes Petkum und das Patronat über die Kirche. Patronin ist gegenwärtig seine Tochter (2019).

Kirchenbau

Rechteckiger, ostsüdöstlich ausgerichteter Backsteinbau mit einem etwas höheren, fünfseitigen Chor, errichtet im 13. Jh., 1470/80 um Chor erweitert, Schiff 1750 erneuert. Satteldach, über dem Chor abgewalmt und mit Kreuz bekrönt; Strebepfeiler am Chor; schmale Spitzbogenfenster am Langhaus; breite, dreibahnige Spitzbogenfenster mit Fischblasenmaßwerk am Chor; rundbogige Portale an Nord- und Westseite; Jahreszahl 1750 an westlicher Giebelseite; östlicher Teil der Südwand noch mit mittelalterlichem Mauerwerk. Im Innern flach gewölbte Holztonne, darunter Zugbalken; im Chor Netzgewölbe mit hängendem Schlussstein, im Gewölbe Rankenmalereien und verschiedene Halbfiguren; spitzer Triumphbogen zwischen Chor und Schiff; L-förmige Empore. Häuptling Gerd von Petkum († 1478) veranlasste um 1470/80 den Bau des Chors; Fenster im 15. Jh. vergrößert. 1749/50 Außenwände größtenteils neu aufgemauert, Kirche gleichzeitig verkürzt und neue westliche Giebelwand errichtet.34 1908 hoher Dachreiter über westlichem Chorgiebel abgebrannt.35 Glasfenster gegen Ende des Zweiten Weltkriegs teilweise zerstört. Chorraum war 1949 „bis zur Unbenutzbarkeit verwahrlost“, wie der spätere Konsistorialbaumeister Ernst Witt urteilte.36 1955–65 in mehreren Bauabschnitten Sanierung und Neugestaltung Innenraum: u. a. hölzerne, gotische Chorschranke sowie Orgelempore davor entfernt, Orgel auf Westempore versetzt, im Chor Gewölbeausmalung des späten 15. Jh. freigelegt bzw. restauriert (florale Rankenmalerei; in den Gewölbezwickeln verschiedene Halbfiguren, u. a. wohl vier Kirchenväter, in der Mittelachse Christus als Weltenrichter); Chorfenster neu verglast, dabei vermauerte Bogenfelder freigelegt und Maßwerk im unteren Teil der Fenster ergänzt.37 1985 mittleres Chorfenster rekonstruiert; Grabplatten aus dem Fußboden des Chors entfernt und im Chor aufgestellt. 2005 wegen Feuchtigkeitsschäden Sanierungsarbeiten im Chor. 2008 Drainagearbeiten im Chor. 2010 Gewölbemalereien im Chor gesichert.

Fenster

Fünf Buntglasfenster im Chor (1985–1990, Wilhelm Buschulte, Unna), Gesetz, Geißelung, Kreuzigung, Auferstehung, Pfingsten.38

Grablege

Unter dem Chor 1961 die Särge von Bolo Ripperda († 1680) und seiner Schwester Maria Ripperda († 1691) entdeckt.

Turm

Freistehender Turm an der Nordwestecke, erbaut 1802, als Ersatz für den 1794 eingestürzten Vorgängerbau. Backsteinmauerwerk, vierseitiges Pyramidendach mit offener Laterne und geschwungener Haube, bekrönt mit zwei Kugeln und Schwan; je zwei rundbogige Schallöffnungen nach Osten und Westen. An Ostwand Wappen mit Inschrift „Sigism-Alex-Fridr Baron von Torck. Herr zu Petkum 1802“. 1879 Reparatur des Dachs. 1989 neues Dach.

Ausstattung

Schlichter, gemauerter Altar mit Sandsteinmensa (neu aufgemauert bei Neugestaltung des Innenraums in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre).39 – Taufstein Bentheimer Typs (erste Hälfte 13. Jh.), rundes, verziertes Becken getragen von vier stark stilisierten Löwen. – Hölzerne Kanzel an der Südseite des Schiffs (um 1959). – Sandsteinrelief („Epitaph von Petkum“) u. a. mit Kreuzigungsszene und Strahlenmadonna (spätes 15. Jh., 1960 neue Farbfassung, restauriert 2001–03), zeitweise in Ostwand eingesetzt, anstelle des mittleren Chorfensters. – Zwei romanische Grabplatten (12. Jh.). – Mehrere Grabsteine 15.–18. Jh., u. a. Gerd von Petkum († 1478), Juncker Ocko († 1490), P. Johann Pynghum († 1575), P. Engelbert van Willen (amt. 1580–1598), P. Aibo Ihnen Reershemius (amt. 1575–1617), Predigerin Magdalena Sophie Friderike Zimmermann († 1795), Ehefrau des P. Gerhard Zimmermann (amt. 1793–1822). – Ehemalige Ausstattung: Kanzel mit Schalldeckel, an den Wandungen des Kanzelkorbs Gemälde der vier Evangelisten (wohl Mitte 18. Jh., um 1955 abgebaut, Einzelteile erhalten).40

Orgel

1626 Johann Kirchhof als Organist belegt.41 Neue Orgel, erbaut etwa 1694/99 von Valentin Ulrich Grotian (Aurich); aufgestellt auf der Empore zwischen Chor und Schiff, vermutlich 15 II/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. Reparatur 1837, Gerd Sieben Janssen (Aurich). Bei Brand des Dachreiters 1908 beschädigt, Reparatur und Dispositionsänderungen 1911, ausgeführt von Christian Klaassen Bruns (Norden). Im Ersten Weltkrieg Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken abgegeben, ersetzt 1927. Zustand 1948: 13 II/aP, mechanische Traktur, Schleifladen (zwei Reg. vakant). 1957–62 Instrument von Alfred Führer (Wilhelmshaven) restauriert und auf Westempore versetzt; 15 II/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. 2019 Restaurierung in Planung. Denkmalorgel.

Geläut

Zwei LG, I: es’ (Bronze, Gj. um 1300), gotische Form, ohne Inschrift;42 II: ges’ (Bronze, Gj. 1970, F. Otto, Bremen-Hemelingen), Inschrift: „Zum Gedenken an die Opfer beider Weltkriege 1914–1918 1939–1945. Gegossen von F. Otto Bremen-Hemelingen“. – Früherer Bestand: Eine Lg (Bronze, Gj. 1772, Claudius Fremy).43 Eine LG, umgegossen aus einer vorhandenen LG (Bronze, Gj. 1865, Mammeus Fremy, Burhafe), Inschrift: „Vivos voco, mortuos plango, fulgura frango. Petkum 1865“ (Lebende rufe ich, Tote beklage ich, Blitze Breche ich), 1917 zu Rüstungszwecken abgegeben.44 Eine Sg (Bronze), hing im Dachreiter über dem Chor, bei Brand 1908 wohl nicht zerstört; Verbleib unklar.45

Weitere kirchliche Gebäude

Gemeindehaus (Bj. 1979/80). – Pfarrhaus (Bj. 1973, seit 2012 vermietet).

Friedhof

Alter, kirchlicher Friedhof bei der Kirche. Neuer kirchlicher Friedhof am östlichen Rand des historischen Ortskerns, angelegt 1974.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 5 Nr. 216, 219 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 6696–6700 (Pfarrbestellungsakten); A 8/Petkum (CB); A 12d Nr. 89/1, 366, 486 (GSuptur. Aurich); D 51 (EphA Emden); L 5i Nr. 32, 189–190, 600, 631 (LSuptur. Aurich); S 11a Nr. 7372 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1093; Fastenau, Bau- und Kunstdenkmäler II, S. 25–39; Haiduck, Archäologie, S. 198–207; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 197–198; Meyer, Pastoren II, S. 270–271; Otte/Rohde, Ostfriesland II, S. 491–493; Reershemius, Predigerdenkmal, S. 286–294; Reershemius, Predigerdenkmal Nachtrag, S. 30.
B: Petkum, in: Historische Ortsdatenbank für Ostfriesland, 09.09.2019 [Artikel unfertig]; Rieke Gerjets Janßen: Petkum. Geschichte und Geschichten aus der Vergangenheit und Gegenwart des ostfriesischen Warfendorfs an der Ems, Leer 2002; Robert Noah: Die Kirche in Petkum (= Ostfriesischer Kunstführer 15), Aurich 1990; Heinrich Reimers: Das Papsttum und die freien Friesen, in: De Vrije Fries 28 (1928) S. 402–436 [online, 19.09.2019]; Johannes C. Stracke & Manfred Meinz: Die Kirche zu Petkum (= Ostfriesische Kunstführer Heft 2), Aurich [1964].


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 214.
  2. Ostfriesisches UB II, Anhang A, I, 1, 4, 12, 16; Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 33.
  3. Ostfriesisches UB I, Nr. 101.
  4. Lengen, Emsigerland I, S. 237 f.
  5. LkAH, L 5i, Nr. 189 (Visitation 1959).
  6. LkAH, L 5i, Nr. 189 (Visitation 1965).
  7. LkAH, L 5i, Nr. 190 (Visitation 1989).
  8. Ostfriesisches UB I, Nr. 106. Weiterer Beleg für Pfarrer Embo 1369, ebd. Nr. 112.
  9. Ostfriesisches UB I, Nr. 190.
  10. Ostfriesisches UB I, Nr. 209; vgl. auch ebd. Nr. 231. Zum Kloster Muhde vgl. Dolle, Klosterbuch III, S. 1066 ff.
  11. Janßen, S. 144 f.; Ostfriesisches UB II, Anhang A, I, 9; Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 33.
  12. Ostfriesisches UB I, Nr. 247 (Onno), ebd. Nr. 666 (Enno), ebd., II, Nr. 1222 und 1249 (Hero und Wibo); ebd. III Nr. 743 (Martin und Poppo).
  13. Reimers, S. 411 und 434 ff. (Text der päpstlichen Urkunde, Zitate ebd.); Janßen, S. 28; Lengen, Emsigerland, S. 242; Noah, S. 3.
  14. Tielke, Oldersumer Disputation, S. 166.
  15. Zur Reformation in Ostfriesland vgl. knapp Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 312 ff.; ausführlich: Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 114 ff.
  16. Garrelts, Reformation, S. 111.
  17. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 723; vgl. auch Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 244: Die Marienhafer KO ist als Versuch des Landesherrn Gf. Edzard II. anzusehen, „endlich […] die Kirche in ganz Ostfriesland ausschließlich lutherisch zu gestalten“.
  18. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 294. Zum Folgenden vgl. ebd.
  19. Janßen, S. 152 ff., zur Bibliothek ebd., S. 155 ff. Neben dem Katalog seiner Bücher hat sich auch ein komplettes Verzeichnis des versteigerten Hausrats erhalten (PfA Petkum, A. 203).
  20. Ausführlich: Janßen, S. 127 ff.
  21. Röntgen war Sohn bzw. Bruder der Neuwieder Möbeltischler Abraham und David Röntgen; laut den Erinnerungen seiner Tochter hatte er die Pfarrstelle in Petkum nicht zuletzt deswegen angenommen, weil der Rentmeister das Gehalt irrtümlich mit „2 bis 3000 fl.“ statt mit „2 bis 300 fl.“ angegeben hatte (zit. bei Janßen, S. 163 und 164); ausführlich zu Roentgen: ebd., S. 160 ff. (dort auch weitere Literatur und Quellen); kurz: Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 397; zur Petkumer Schule: Janßen, S. 254 ff. Röntgen publizierte u. a.: Geschichte der Entstehung, Fortpflanzung, Ausbreitung, und innern politischen sowol, als kirchlichen Verfassung der Maerisch-Herrnhutischen Brüder-Gemeine, 1r Theil, Aurich 1790.
  22. Janßen, S. 109 ff.
  23. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 438.
  24. Beide Zitate: LkAH, S 1 H III Nr. 1012, Bl. 21.
  25. LkAH, L 5i, Nr. 32 (Visitation 1952).
  26. LkAH, L 5i, Nr. 32 (Visitation 1952); ebd., Nr. 189 (Visitation 1965).
  27. KABl. 1889, S. 49. Das Vermögen der Unterpastorei wurde aufgeteilt auf die Küsterei und die Oberpastorei.
  28. Janßen, S. 147.
  29. Ostfriesisches UB II, Nr. 961 (S. 67).
  30. KABl. 2013, S. 31.
  31. Lengen, Emsigerland, S. 241 f.; Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 79.
  32. Ostfriesisches UB I, Nr. 209; vgl. auch ebd. Nr. 231.
  33. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 101; Meyer, Pastoren II, S. 270.
  34. Janßen, S. 127 ff., korrigiert nach Auswertung der Akten im Pfarrarchiv die Ansicht, die Kirche habe 1749/50 lediglich eine neue „Backsteinhaut“ erhalten (u. a. Noah, S. 3).
  35. Abb. der Kirche mit Dachreiter bei Janßen, S. 116 f.
  36. LkAH, B 2 G 9/Petkum Bd. I, Bl. 2.
  37. Noah, S. 12 f. und S. 16. Zeichnung des ehemaligen Lettners in: LkAH, B 2 G 9/Petkum Bd. II, Bl. 111–112. Konsistorialbaumeister Witt hatte 1954 notiert, die spätgotischen Chorschranken ließen sich „wieder herstellen und hinter dem Chorbogen zur Bildung eines Sakristeistuhls verbinden“, ebd. Bd. I, Bl. 31. Im Jahr 1972 versuchte das Amt für Bau- und Kunstpflege Hannover vergeblich, den Verbleib des Lettners zu klären. Das Amt bedauerte auch den teilweisen Verlust der Renaissancekanzel, des Kanzelzugangs, des Deckels auf dem Taufstein und einiger Priechenteile, vgl. ebd., Bl. 174–176.
  38. Janßen, S. 123.
  39. LkAH, B 2 G 9/Petkum Bd. I, Bl. 2: „Da ein Altar nicht mehr vorhanden ist, wäre ein neuer auf dem alten Altarfundament zu errichten, der sehr einfach gehalten sein kann“.
  40. LkAH, B 2 G 9/Petkum Bd. II, Bl. 175.
  41. Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 197.
  42. Rauchheld, Glockenkunde, S. 176.
  43. Janßen, S. 33.
  44. Rauchheld, Glockenkunde, S. 60.
  45. Janßen, S. 105.