Frühere Gemeinde | KapG der Laurentii-KG Freden (1997-2008), Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: Anna1 | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Das kleine Dorf ist erstmals 1321 in einem Güterverzeichnis des Hildesheimer Klosters St. Michael schriftlich erwähnt: Das Kloster besaß in Meynerhusen I montem qui dicitur de Meygerbarch (einen Berg, der Meygerberg heißt).2 Ein zehn Jahre jüngeres Güterverzeichnis nennt den Ort als Meyneshusen.3 Darüber hinaus waren die jeweiligen Inhaber des örtlichen Ritterguts die wesentlichen Grundbesitzer in Meimerhausen. Seit dem späten Mittelalter besaß die Familie von Rauschenplat das Gut. Als Kunkellehen konnte es auch in weiblicher Linie vererbt werden: 1606 kam es an die Familie von Stöckheim (Limmer), um 1650 war es im Besitz der Familie von Rössig (um 1650) und fiel in der nächsten Generation an die Familie von König.4 1861 erwarb die Familie von Steinberg Meimerhausen und ab 1911 wurde das Rittergut aufgelöst, das Land parzelliert und verkauft.5 Die Besitzer des Ritterguts übten auch grundherrliche Rechte aus: Im Winzenburger Erbregister von 1578 heißt es: „Der Adeliche Sitz Meimerhausen gehöret den Ruscheplaten sambt dem dorffe mit dem Unter Gerichte biß 120 Schuhe außerhalb dorffes“.6 Die Obergerichtsbarkeit lag beim Amt Winzenburg, das bis zum Ende der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) zum Hochstift Hildesheim gehörte und dann an das welfische Teilfsm. Braunschweig-Wolfenbüttel fiel. 1643 kehrte es unter stifthildesheimische Landesherrschaft zurück (Restitution des Großen Stifts). Nach den Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 fiel das Gebiet des Hochstifts an das Kgr. Preußen. In der Zeit des französischen Satellitenkgr. Westphalen zählte Meimerhausen zum Kanton Alfeld im Distrikt Hildesheim des Departements Oker. 1815 kam das Dorf, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Winzenburg, das in den 1820er Jahren mit dem Amt Bilderlahe vereinigt wurde. Ab 1836 gehörte Meimerhausen zum neuen Amt Alfeld. Seit der Annexion von 1866 wieder preußisch, kam Meimerhausen 1885 zum neuen Lkr. Alfeld (1977 Lkr. Hildesheim). 1974 wurde das Dorf nach Freden eingemeindet. Meimerhausen war lange landwirtschaftlich geprägt; 1958 schrieb der Pfarrer von Imsen und Meimerhausen, seine Pfarrdörfer seien „durch die Industrialisierung mehr Wohnbezirke als wirkliche Gemeinden geworden“.7 Um 1810 zählte Meimerhausen gut 190 Einwohner, 1925 knapp 190 und 1961 gut 270. Im Jahr 2014 lag die Einwohnerzahl bei 140.

Kapelle, Ansicht von Nordosten, um 1960

Kapelle, Ansicht von Nordosten, um 1960

Das Archidiakonatsverzeichnis des Bistums Hildesheim (zweite Hälfte 15. Jh.) nennt als Kirchenpatrone in Memerhußen die Herren von Rauschenplat, die Besitzer des Ritterguts.8 Der gleiche Name findet sich 1523 im Verzeichnis der Pfarren, die nach Ende der Stiftsfehde an das Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel fielen.9 Namen vorref. Geistlicher sind nicht bekannt. Da im Erbregister von 1578 ein St. Annenacker erwähnt ist, war die Kirche möglicherweise St. Anna geweiht und trägt daher auch heute diesen Namen.10
Zur Zeit der Reformation gehörte Meimerhausen zum Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel und erlebte somit eine erste Einführung des neuen Glaubens, nachdem die Truppen des Schmalkaldischen Bunds 1542 den kath. Hzg. Heinrich den Jüngeren vertrieben hatten. Eine Statthalterregierung, eingesetzt von Lgf. Philipp von Hessen und Kfs. Johann Friedrich von Sachsen, ordnete im gleichen Jahr eine Visitation der Geistlichen und der Gemeinden an, erließ 1543 die Christlike kerken-ordening im lande Brunschwig, Wulffenbüttels deles und schickte 1544 erneut Visitatoren los.11 In den Visitationsprotokollen findet sich unter den Dörfern und Junkerdörfern des Gerichts Winzenburg jedoch kein Eintrag zu Meimerhausen.12 Bereits 1547 gelang Hzg. Heinrich die Rückkehr und er begann, Braunschweig-Wolfenbüttel zu rekatholisieren. Sein Sohn und Nachfolger Hzg. Julius jedoch, der 1568 die Regierung übernahm, führte erneut die Lehre Luthers ein, ließ die Gemeinden wiederum visitieren und verkündete 1569 die später sogenannte Calenberger Kirchenordnung.13 In Meimerhausen, so berichteten die Visitatoren, versähe Elias Wendelinus den Pfarrdienst als mercenarius (Mietling), der zugleich Lehrer der Guts- und Patronatsfamilie und zudem noch nicht ordiniert wäre; eigentlicher Inhaber der Pfarrstelle war mit Franz Rauschenplat der Patron selbst.14
Das kleine Meimerhausen hatte nach der Reformation nur selten einen eigenen Pfarrer. In der Regel war es als mater combinata mit einer der umliegenden Gemeinden pfarramtlich verbunden: mit Everode (etwa 1608 bis 1650), Klein Freden (wohl ab 1654), Groß Freden (1697), Föhrste (ab 1704), Eimsen (ab 1730), Imsen (ab 1766), Eimsen (ab 1771) und wieder mit Everode (ab 1807).15 Wenn Meimerhausen einen eigenen Pfarrer hatte, hatte dieser zumeist noch ein anderes Amt inne: P. Johann Christoph Panzerbieter (amt. 1697-1704) war gleichzeitig Schulrektor in Alfeld16 und P. Johann Heinrich zur Linde (amt. 1735-1766) Subkantor in Alfeld.17 In einer Beschreibung der luth. Dörfer des kath. Hochstifts Hildesheim heißt es um 1730 zu Meimerhausen: „Indem die Intraden schlecht sind, so ist diese Pfarre die meiste Zeit mit kleinen Freden combiniret gewesen.“18

Kapelle, Blick zum Altar, um 1960

Kapelle, Blick zum Altar, um 1960

Unter der neuen Patronatsfamilie von Steinberg auf Brüggen, die das Gut Meimerhausen 1861 erworben hatte, begann 1878 der Neubau der Kirche. Die Pläne für den neugotischen Backsteinbau hatte der Konsistorialbaumeister Conrad Wilhelm Hase (1818-1902) entworfen. Der Kirchenpatron übernahm die Kosten für das Kirchenschiff (8.000 Mark), die Gemeinde finanzierte den Kirchturm (400 Mark).19 1880 konnte die Gemeinde ihre neue Kirche einweihen.
Nach der Kirchenwahl 1933 bestand der Kirchenvorstand in Meimerhausen „zur Hälfte aus prominenten Vertretern“ der NSDAP; sie traten 1935 wieder aus.20 Von Ende der 1930er bis Anfang der 1940er Jahre betreute der Pfarrer von Klein Freden Meimerhausen, da der Everoder P. Ernst Krüer (amt. 1937-1951) zur Gemeinde „kein gutes Verhältnis finden“ konnte.21 Von 1952 bis 1960 war Meimerhausen wieder pfarramtlich mit Imsen verbunden22, dann wieder mit Klein-Freden).23 Diese Verbindung geschah unter Protest und 1964 hielt der Ortspfarrer in den Unterlagen zur Visitation fest: „Meimerhausen ist seit 1961 mit St. Laurentius-Freden verbunden. Die Einsprüche von Pfarramt und KV St. Laur. Freden liegen in den Akten vor und werden nach wie vor aufrecht erhalten.“24 Es kam jedoch nicht zu einer erneuten Umgliederung, hatte der Alfelder Sup. doch bei der gleichen Visitation schon festgehalten, dass „der häufige Wechsel der pfarramtlichen Verbundenheit dieser Gemeinde mit den umliegenden Pfarrämtern“ das kirchliche Leben in Meimerhausen nicht fördere.25
1997 gab Meimerhausen seinen Status als Kirchengemeinde auf, wurde in eine KapG umgewandelt und in die Laurentii-KG Freden eingegliedert.26 Die Ev.-luth. Annen-KapG Meimerhausen bestand jedoch nicht lange: Zum 1. Juli 2008 löste sie sich auf, Rechtsnachfolgerin wurde die Laurentii-KG Freden.27

Umfang

Meimerhausen, Mölmerhagen, Eisumer Mühle.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Wetteborn der Diözese Hildesheim28, 1523 beim Archidiakonat Detfurth genannt.29 – Um 1542/44 zur Insp. Alfeld, 1569 zur Insp. Dietrichholtensen (Wrisbergholzen).30 Ab 1651/52 Spezialinsp. des GSup. Alfeld (Insp. Alfeld, 1924 KK Alfeld).

Patronat

Die Besitzer des Gutes Meimerhausen: 1481, 1568 die Herren von Rauschenplat, 1606 von Stöckheim, um 1650 von Rössing, dann bis 1861 von König, dann die Familie von Steinberg-Brüggen. 1914 gegen eine Zahlung von 10.000 Mark an die KG abgelöst. Letzte Patronin war Gisela von Hardenberg geb. von Steinberg.31

Kirchenbau

Neugotischer Bau mit dreiseitigem Chorschluss, errichtet 1878-80, Architekt Conrad Wilhelm Hase. Backsteinmauerwerk auf Sandsteinsockel; Satteldach, über dem Chor abgewalmt; weit hervortretende Strebepfeiler; breite, dreibahnige Spitzbogenfenster. Im Innern gewölbte Decke, Westempore. Sanierung 1961-62.

Turm

Kleiner, rechteckiger Westturm, oberhalb des Glockengeschosses niedriger, achtseitiger Aufsatz mit verschiefertem Pyramidendach, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne. Hohe, spitzbogige Schallfenster.

Vorgängerbau

Fachwerkkirche, laut Glockeninschrift Ende des 18. Jh. erbaut oder umgebaut. Kein Kirchturm.32

Ausstattung

Barocker Altar (um 1685), im Mittelfeld geschnitzte Kreuzigungsgruppe, flankiert von je zwei gewundenen Säulen mit Laubbändern; im oberen Feld Wappen des Patrons, flankiert von zwei Engeln. – Mit Schnitzwerk verzierte Kanzel auf gedrehter Säule (17. Jh.). – Taufstein in Pokalform (1839).

Orgel

1873 Orgel aus Ohrum gekauft, erbaut von Lindrum (Goslar). 1915 Neubau hinter altem Prospekt von Lindrum, ausgeführt von Firma Faber (Salzhemmendorf), 10 (davon drei Transmissionen) II/P, pneumatische Traktur, Fabersche Transmissionslade. Mitte der 1940er Jahre „notdürftig repariert“ und „spielbar gemacht“33, 1970 in schlechtem Zustand.34 1979 Elektronenorgel angeschafft (Firma Ahlborn, Modell C 16 mit Pedal).

Geläut

Eine LG, as’’, Inschrift: „Kommet herzu, lasset uns den Herrn frohlocken. Ps X C V v I“ und „Heinrich Johann Raban von König. Johanna Maria Elisabetha von König, Gebohr von König Gerichts Herr und Erbfrau auf Meimerhausen Vienenburg Lochtem etc. Haben gezeuget nächstehende annoch lebende XII Söhne. I: I H L V K. II: W C G V K. III: W U V K. IV: J L V K. V: G C V K. VI: F V K. VII: H A V K. VIII: E R V K. IX: F L V K. X: C E V K. XI: J W V K. XII: F W V K. Allerseits XII Gebrüder.“ (Bronze, Gj. 1798, C. A. Becker, Hildesheim). – Früherer Bestand: Eine LG, b’, Inschrift: „Leopold Heinrich Ernst von König Marie Charlotte Ferdinande. Treuverbundene Herzen die sich zaertlich liebten. Durch ihr vereintes Bemühen rissen sie 1790 Meimerhausen aus dem Concurse. Durch Bezahlung grosselterlicher Schulden. Und verschönerten es durch neun neue Gebeude und Kirchenbau Ps 103 V 1. Andenken meines lieben Vetters Heinrich Ferdinand von Gadenstedt. Aus dieser glücklichen Ehe entsprossen zwei Söhne fünf Töchter. Christiane Philippi – Rosemun. Josepha – Friederike Cristi. – Leopol. – Victo. Drei gute liebe Töchter Leben noch, Gottes Seegen über sie“ (Bronze, Gj. 1798, C. A. Becker, Hildesheim), im Zweiten Weltkrieg zu Kriegszwecken abgegeben.35 Seit Nachkriegszeit Pläne für neue zweite Glocke.

Friedhof

Alter Friedhof rund um die Kirche. Neuer kirchlicher Friedhof, 1874/75 am Ostrand des Dorfes angelegt, 1962 erweitert, seit 2009 in Trägerschaft des Ev.-luth. Gemeindeverbandes Region Freden.36

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

D 43 (EphA Alfeld); S 11a Nr. 8022 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 937; Graff, Geschichte Kr. Alfeld, S. 411-415; Kiecker/Graff, KD Kr. Alfeld, S. 241-243; Meyer, Pastoren II, S. 133-134; Reden-Dohna, Rittersitze, S. 43-44.
B: Christoph Schomerus: Das von Steinberg’sche Kirchenpatronat zu Meimerhausen, in: Gemeindeblatt für den Kirchen-Kreis Alfeld 6 (1933), S. 18-19.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 126.
  2. UB HS Hildesheim IV, Nr. 638 (S. 351).
  3. UB HS Hildesheim IV, Nr. 1155.
  4. Reden-Dohna, Rittersitze, S. 43.
  5. Kiecker/Graff, KD Kr. Alfeld, S. 241.
  6. Junker, Winzenburger Erbregister, S. 294.
  7. LkAH, L 5h, unverz., Imsen Meimerhausen, Visitation 1958.
  8. Kleinau, Neuer Text, S. 92.
  9. Machens, Archidiakonate, S. 387; Graff, Geschichte Kr. Alfeld, S. 413.
  10. Junker, Winzenburger Erbregister, S. 298; Graff, Geschichte Kr. Alfeld, S. 413.
  11. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 4 und 22 ff.; Butt, Herrschaft, S. 42 ff.
  12. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 219 ff.
  13. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 5 und 83 ff.; Butt, Herrschaft, S. 58 ff.
  14. Spanuth, Quellen, S. 276: „Elias Wendelinus mercenarius zu Meimerßhausen, verus pastor Frantz Rauschenplat, haben auch die güter der pfarr inne, und versehen die pfar durch irer kinder paedagogum. Ist noch nicht ordinirt.“
  15. Meyer, Pastoren II, S. 133; LkAH, D 43, Spec. Evr. Nr. 100.
  16. Evangelischer Kirchenstaat, S. 65.
  17. Meyer, Pastoren II, S. 134.
  18. Evangelischer Kirchenstaat, S. 65.
  19. Graff, Geschichte Kr. Alfeld, S. 413.
  20. LkAH, S 1 H III Nr. 311, Bl. 19.
  21. LkAH, L 5h, unverz., Everode, Visitation 1939/40.
  22. KABl. 1952, S. 138.
  23. KABl. 1960, S. 60 f.
  24. LkAH, L 5h, unverz., Freden, St. Laurentius, Visitation 1964.
  25. LkAH, L 5h, unverz., Freden, St. Laurentius, Visitation 1964.
  26. KABl. 1997, S. 220. Ein entsprechender Vorschlag findet sich schon Ende der 1930er Jahre: vgl. LkAH, L 5h, unverz., Everode, Visitation 1939/40.
  27. KABl. 2008, S. 61 f.
  28. Kleinau, Neuer Text, S. 92.
  29. Machens, Archidiakonate, S. 389.
  30. Reller, Kirchenverfassung, S. 112, 168 f. und 226.
  31. Schomerus, S. 18 f.
  32. Mithoff, Kunstdenkmale III, S. 202; Schomerus, S. 18.
  33. LkAH, L 5h, unverz., Everode, Visitation 1946.
  34. LkAH, L 5h, unverz., Freden, St. Laurentius, Visitation 1970.
  35. Reden-Dohna, Rittersitze, S. 44.
  36. KABl. 2009, S. 202.