Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: Andreas | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Mit einem Landerwerb des Klosters Fulda in Föhrste kurz nach dessen Gründung 742 gehört Föhrste zu den frühestbelegten Ortschaften der Region. Grundherren waren später u. a. das Moritzstift in Hildesheim, das 1151/1302 dort eine Villikation und den Zehnten besaß, und die von Steinberg auf Wispenstein, die auch die Gerichtsherrschaft ausübten. Eine Kirche ist seit dem 13. Jh. nachweisbar. 1221 erscheint als Geistlicher Bernhardus sacerdos in Vorsethe in einer Urkunde des Bf. Siegfried von Hildesheim.1 Am 29. Dezember 1240 zeugt (wohl derselbe) Bernardus plebanus Vorsatensis in einer Urkunde des Bf. Conrad II.2 Mit dem Amt Winzenburg kam Föhrste nach der Hildesheimer Stiftsfehde 1523 unter die Landeshoheit des Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel. Die Reformation wurde im Zuge der Visitation vom Herbst 1542 unter dem Regiment des Schmalkaldischen Bundes vollzogen.3 Pastor verus war Konrad Bertram, der auch die Pfarrstelle der Nachbargemeinde Röllinghausen versah und wohl 1576 in Föhrste verstarb. 1576 bis 1584 war sein Sohn Borchert Bertram im Amt. 1643 kehrte Föhrste unter die stiftshildesheimische Regierung zurück. Wenig später erscheint in den Kirchenrechnungen erstmals eine Schule (1663), wobei der Unterricht zunächst im Küsterhaus stattfand. Erst 1801 errichtete die Gemeinde ein eigenes Schulgebäude.
Von alters her bestand eine pfarramtliche Verbindung zwischen Föhrste und der KG Gerzen. Als sich Warzen und Gerzen nach dem Zweiten Weltkrieg mehr und mehr zu Vororten der Stadt Alfeld entwickelten, wurden die Beziehungen zwischen Gerzen und Föhrste lockerer. Dazu machte sich die zwischen den Dörfern verlaufende Bundesstraße trennend bemerkbar.4 Mit dem 1. April 1960 wurde daher die Verbindung mit Gerzen einschließlich der KapG Warzen aufgehoben und Föhrste stattdessen mit der KG Imsen verbunden.5 Am 1. Januar 2012 erfolgte die Zusammenlegung mit der KG Imsen zur St.-Andreas-und St.-Urbani-KG in Alfeld.6

Pfarrstellen

I: Vorreformatorisch, 1. April 2007 aufgehoben.7 – II: 1. April 1991 (Pfarrstelle mit eingeschränktem Dienst)8; seit 1. April 2007 erste Pfarrstelle.

Umfang

Das Dorf Föhrste.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Alfeld der Diözese Hildesheim. – Föhrste wurde bei der Neuorganisation der kirchlichen Aufsichtsbezirke 1542 der Insp. Alfeld zugeteilt und kam etwa 1569 zur Insp. Wrisbergholzen. Seit 1651/52 Insp. (1924: KK) Alfeld. Seit 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld.

Patronat

Die Besitzer des Gutes Wispenstein: ehemals die von Steinberg-Brüggen, die schon im Mittelalter in den Besitz des Kirchlehens gelangten, dann die Freiherren von Cramm in Brüggen. Carmen Freifrau von Cramm verzichtete unter dem 1. Juli 1958 auf das Patronatsrecht, das damit erloschen ist.9

Kirchenbau

Das Kirchengebäude wurde 1824-27 neu erbaut und am 4. November 1827 eingeweiht. Fünfachsiger rechteckiger Saalbau in Nord-Süd-Ausrichtung. Mauerwerk aus Bruchsteinen (Selterdolomit) mit Werksteingliederung. Portale an den Langseiten und im Süden. Für das Südportal stiftete 1985 ein Gemeindeglied eine Tür mit Bronzereliefs von Siegfried Zimmermann (Szenen aus dem Gleichnis vom großen Abendmahl, Lk 14,15-24). Der Innenraum wird von einer Voutendecke geschlossen. Emporen befinden sich gegenüber dem Altar und auf der Hälfte der Langseiten. Renovierungen 1884 und 1966 (u. a. Neuausmalung durch den Kirchenmaler Nauwald, Holzminden).

Turm

Turm an der Nordseite der Kirche, im unteren Teil aus dem 13. Jh., der Aufbau von 1831/32. Geschweiftes Dach mit achtseitigem verschiefertem Aufsatz und Spitzhelm.

Grablege

Grablege der Patronatsfamilie unter dem Turm.

Ausstattung

Kanzelaltarwand (wohl aus der Erbauungszeit der Kirche unter Verwendung von Fragmenten eines älteren Altars aus der Mitte des 17. Jh., 1884 instand gesetzt). Beiderseits des Altars zwei Schnitzbilder, die auf den alten und neuen Bund verweisen (Moses und Jesus). – Pokalförmige Biedermeiertaufe auf quadratischer Plinthe, aus Tannen- und Lindenholz, mit Nussbaum furniert; Taufschüssel aus Messing (nach 1824). – An der Nordwand eine Tafel zum Gedächtnis des Reformationsjubiläums von 1842.

Orgel

1843/44 Neubau durch Heinrich Schaper (Alfeld), 14 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen. Nachdem die Schaper-Orgel um 1970 nicht mehr bespielbar war, wurde sie vorübergehend durch ein Elektronium ersetzt. 1991/92 Neubau hinter dem historischen Prospekt durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 14 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Drei LG, I: h’ (Bronze, Gj. 1966, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); II: cis’’ (Bronze, romanisch/frühgotisch, Andreas Hyms)10; III: e’’ (Bronze, Gj. 1966, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg) – Eine SG in g’’ (Eisenguss). – Früherer Bestand: 1860 Umguss einer Glocke durch Johann Jacob Radler (Hildesheim).

Weitere kirchliche Gebäude

Das Pfarrhaus (zweigeschossiger Fachwerkbau auf Bruchsteinsockel; Anbau 1893) stammt aus dem Jahr 1769. Ein älterer Pfarrhausbau ist 1741 niedergebrannt. Das Pfarrwitwenhaus, erbaut vor 1762, wurde 1887 verkauft). Gemeindehausanbau (Bj. 1910).

Friedhof

In Trägerschaft der KG. Ein älterer Begräbnisplatz lag am Weg nach Wispenstein östlich der Bahntrasse (1936 geschlossen). Bereits war 1913 war westlich der Bahn ein neuer Friedhof angelegt worden. FKap (Bj. 1950/51).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 3433 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 6 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 2490-2501 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 722-725 (Visitationen); D 43 (EphA Alfeld).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 112 f., Nr. 109; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 474; Graff, Geschichte Kr. Alfeld, S. 318-325; Kiecker/Graff, KD Kr. Alfeld, S. 136-140; Pape, Schaper, S. 42-46.
B: 1250 Jahre Föhrste. 742-1992. Eine Heimatgeschichte, [Lamspringe 1992]; Heinrich Schulze: St.-Andreas-Kirche Föhrste, in: Zwölf Kirchen im Leinetal, [Alfeld 2004], S. 17-19.


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim I, Nr. 767.
  2. UB St. Hildesheim I, Nr. 162.
  3. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 225.
  4. LkAH, B 2 K 1/Alfeld I, Bl. 60 (LSup. für Hildesheim-Harz an LKA, 24.02.1958).
  5. KABl. 1960, S. 60.
  6. KABl. 2011, S. 305-307.
  7. KABl. 2007, S. 195.
  8. KABl. 1991, S. 14.
  9. LkAH, B 1 A Nr. 11161, Bl. 61.
  10. Drömann, Glocken Lkr. Hildesheim, S. 47 f.