Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: Pancratius1 | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Eimsen ist ab 1178 durch Nennung des gleichnamigen edelfreien Geschlechts sicher bezeugt. Vor 1221 war der Bf. von Hildesheim einer der Grundherren, daneben die Gf. von Ravensberg und als deren Rechtsnachfolger die Gf. und Hzg. von Jülich. Hzg. Wilhelm von Jülich belehnte 1476 Ernst von Wrisberg mit der Hälfte von Eimsen (Patronatsinhaber).2 Den anderen Teil hatten die von Reden-Reden als Lehen des Hildesheimer Moritzstifts. Über Grundbesitz in Eimsen verfügten auch das Kloster Gandersheim, das die von Steinberg damit belehnte. Eimsen war Teil des stiftshildesheimischen Amts Winzenburg, das im Quedlinburger Rezess (1523) an die Welfen (Braunschweig-Wolfenbüttel) fiel. 1643 zurück an Hildesheim. In hannoverscher Zeit 1836 zum Amt Alfeld.
Das Gründungsjahr der Kirche ist unbekannt. Geweiht war sie dem heiligen Pancratius oder dem heiligen Gangolf.3 Mit dem Pleban Johannes wird 1321 der erste Geistlicher in Eimsen namentlich genannt.4 1364/86 erscheint Conradus plebanus in Eymessen als Urkundenzeuge.5 Die Einführung der Reformation wurde 1542 während der Besetzung des Fsm. Wolfenbüttel durch die Truppen des Schmalkaldischen Bundes vollzogen. P. (mercenarius) war Heinrich Wackenrode, Inhaber der Pfarrpfründe Curt Lutken, Kanonikus im Moritzstift zu Hildesheim.6 1568 war Heinrich Müller P.7 1575 bis 1682 wurde die Pfarre von Langenholzen aus mitverwaltet, von 1698 bis 1730 sowie 1753 bis 1758 war das Dorf mit Limmer verbunden. Später wurde Eimsen mater combinata von Röllinghausen.
1838 wurde die alte Kirche wegen Baufälligkeit geschlossen, aber erst 1855 abgebrochen. Zwischen 1855 und 1857 entstand ein romanisierender Neubau nach Entwürfen von Friedrich August Ludwig Hellner (Einweihung 26. Juli 1857). Die Finanzierung erfolgte hauptsächlich aus den Ersparnissen Pfarrvakanz von 1842 bis 1857. Ein Pfarrhaus war nicht vorhanden und wurde erst 1922 angekauft. Die Geistlichen wohnten vorher (seit 1731) in Alfeld zur Miete. 1722 erhielt Eimsen eine eigene Schule (vorher Schulbesuch in Langenholzen). 1819 bis 1822 wurde das Schulhaus neu erbaut und 1874 sowie 1910 erweitert.
Die pfarramtliche Verbindung mit Röllinghausen wurde zum 1. April 1989 gelöst und die KG Eimsen durch das Pfarramt Limmer mit der KG Limmer (KK Alfeld) verbunden.8 Mittlerweile ist die Gemeinde pfarramtlich mit der KG Am Sackwald verbunden und 2019 wurde diese pfarramtliche Verbindung um die St.-Andreas-und-St.-Urbani-KG Alfeld erweitert.

Umfang

Die Dörfer Eimsen und Wettensen (KapG).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Alfeld der Diözese Hildesheim. – Kam bei der Neuorganisation der kirchlichen Aufsichtsbezirke 1542 zur Suptur. Alfeld, 1569 zur Suptur. Wrisbergholzen der Generaldiözese Alfeld9, später (vor 1819) wieder Insp. (1924: KK) Alfeld. Seit 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld.

Patronat

1476 wurden die von Wrisberg durch die Gf. von Jülich mit einem Teil von Eimsen und dem Patronat über die Kirche belehnt. Ein weiterer Teil befand sich im Besitz des Moritzstifts in Hildesheim, das seinerseits die von Reden belehnte. Bis 1866 bestand ein Kompatronat der von Wrisberg und von Reden.10 1954 durch Verzicht des Gf. Georg von Goertz-Wrisberg erloschen.11

Kirchenbau

Neuromanischer Bau von 1855–57 mit eingezogenem, polygonalem Chor. An jeder Längsseite vier schmale, hohe Fenster. Zwei Anbauten seitlich des Chors (der südliche als Sakristei genutzt). U-förmige Empore. Flachgedeckter Innenraum, Altarraum eingewölbt. Die alte Ausmalung wurde 1957 überstrichen.

Turm

Quadratischer Westturm mit achtseitigem Helm.

Ausstattung

Gemauerter Blockaltar mit Schnitzfiguren (heilige Sippe) aus einem spätgotischen Altarschrein (um 1500). – Kanzel an der Südseite, an der Brüstung Apostelfiguren, die vermutlich aus einem früheren Altar stammen. – Schlichter, zylindrischer Taufstein mit Fischrelief (1968). – Ehemalige Ausstattung: Geschwungene, hölzerne Taufe (Anfang 19. Jh.).

Orgel

1859 Neubau durch Heinrich Schaper (Hildesheim), 12 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen (Ersatz durch Zinkpfeifen). Veränderung des Prospekts 1921/22. 1956 Instandsetzung und Änderung der Disposition durch Lothar Wetzel (Hannover). 1996 Instandsetzung durch F. Schmidt (Langenhagen). – Denkmalorgel. Der Schaper-Prospekt ist mit Veränderungen erhalten.

Geläut

Zwei LG, I: c’’ (Bronze, Gj. 1777, P. A. Becker, Hannover); II: e’’ (Bronze, Gj. 1920, Firma J. J. Radler, Hildesheim). – Früherer Bestand: Eine Glocke wurde im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben.

Kapelle in Wettensen.

Friedhof

Der alte Begräbnisplatz auf dem Kirchhof, der 1843 noch um einen Teil des Pfarrgartens vergrößert wurde12, wird nicht mehr belegt. Neuer Friedhof am östlichen Ortsrand (Heimbergstraße). Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2753–2756 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 9 und 12 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 2054–2068 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 552–554 (Visitationsakten); D 43 (EphA Alfeld).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 428; Graff, Geschichte Kr. Alfeld, S. 366–373; Kiecker/Graff, KD Kr. Alfeld, S. 125–128; Müller, Kirchenbauten, S. 139 f.; Pape, Schaper, S. 115 f.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien II, S. 40: Gangolf.
  2. Hartmann, Regesten I, Nr. 84.
  3. Krumwiede verweist dagegen nach einer Urkunde im Gräflich Goertzschen Archiv zu Wrisbergholzen auf den heiligen Gangolf als Patron (1504). Vgl. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien II, S. 40.
  4. UB S Hildesheim I, Nr. 724.
  5. Lüntzel, Ältere Diöcese Hildesheim, S. 241.
  6. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 226.
  7. Spanuth, Quellen, S. 276.
  8. KABl. 1989, S. 33.
  9. Reller, Kirchenverfassung, S. 226.
  10. Kiecker/Graff, KD Kr. Alfeld, S. 126.
  11. LKA, G 15/Eimsen.
  12. LkAH, D 43, Spec. Eimsen 590.