Sprengel Osnabrück, KK Bramsche | Patrozinium: Johannes der Täufer1 | KO: Keine Kirchenordnung

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Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich lässt sich das Dorf, heute Ortsteil von Bad Essen, erstmals im Jahr 1227 als Linthorst nachweisen.2 Ursprünglich gehörte Lintorf zum Territorium des Hochstifts Minden, kam jedoch um die Mitte des 14. Jh. in den Besitz des Hochstifts Osnabrück, wo es zum Amt Wittlage zählte. Seit Ende des Dreißigjährigen Krieges regierten abwechselnd ein kath. Bf. und ein luth. Bf. das Hochstift Osnabrück, letzterer stammte jeweils aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg.3 Nach den Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 wurde das Hochstift als Fsm. Osnabrück Teil des Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Hannover). Unter französischer Herrschaft gehörte Lintorf zum Kanton Essen, der 1807 zum Distrikt Osnabrück des Departements Weser im Kgr. Westphalen zählte und ab 1811 zum Arrondissement Osnabrück des Departements Obere Ems im Kaiserreich Frankreich. Nach der Niederlage Napoleons kam Lintorf, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Wittlage, das 1815 mit Hunteburg zum Amt Wittlage-Hunteburg vereinigt wurde (1859 Amt Wittlage). Nach der preußischen Annexion von 1866 blieb die Ämterstruktur zunächst bestehen und bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam Lintorf zum Kr. Wittlage (1972 Lkr. Osnabrück). Die Samtgemeinde Lintorf setzte sich seit 1852 aus den Landgemeinden Dahlinghausen, Heithöfen, Hördinghausen, Lintorf und Wimmer zusammen. Im Jahr 1972 wurde Lintorf nach Bad Essen eingemeindet.

Kirche, Ansicht von Nordosten, vor 1915

Kirche, Ansicht von Nordosten, vor 1915

Kirchlich zählte Lintorf zunächst zum Kirchspiel Oldendorf (1806/15 Preußisch Oldendorf). Eine eigene Kirche lässt sich 1227 belegen, als Bf. Konrad von Minden das Patronatsrecht über die ecclesiam in Linthorst an den Archidiakon von Lübbecke abtrat.4 Die um die Kirche gruppierten Fachwerkhäuser (Kirchhöfer) lassen bis heute die Struktur einer geschlossenen Kirchhofssiedlung erkennen.5 Mit Hermannus blebanus in Linthorp ist für das Jahr 1298 erstmals der Name eines Geistlichen überliefert (noch 1307 als Urkundenzeuge belegt).6 Wohl im 13. Jh. trennte sich Barkhausen vom Kirchspiel Lintorf und wurde zu einer eigenständigen Gemeinde erhoben (1298: parrochias Leveren, Linthorpe, Barchusen), zu der vermutlich auch seinerzeit bereits Rabber und Brockhausen zählten.7
Der Osnabrücker Bf. Franz von Waldeck ließ 1543 die Reformation in den Städten und Dörfern des Hochstifts einführen. Ohne Mitwirkung des Domkapitels hatte er den Lübecker Sup. Hermann Bonnus damit beauftragt, eine luth. Kirchenordnung zu erarbeiten. Diese Kerckenordnung vor de landkercken des stifts Osenbrugge verbreitete Bonnus in den einzelnen Gemeinden, prüfte die jeweiligen Pfarrer und setzte mitunter neue Geistliche ein.8 Das Domkapitel zwang den Bf. jedoch 1548, die Reformation zurückzunehmen, allerdings gelang keine vollständige Rekatholisierung. Die kirchlichen Verhältnisse im Hochstift blieben vorerst ungeklärt. In Lintorf lässt sich mit P. Johann Mölmann (amt. 1565, 1570) erstmals ein luth. Geistlicher nachweisen. Als der Jesuit Albert Lucenius die Gemeinde während des Dreißigjährigen Krieges im März 1625 visitierte, hielt er über den damaligen P. Heinrich Hülsmann (amt. 1621-1625) fest: Uxorem habet cum prolibus. Augustanae confessionis sectatorem se aperte asserebat, dicebatque se Wittenbergae quinque annis studuisse. (Er hat eine Frau und Kinder. Er erklärte offen, dass er Anhänger der Augsburger Konfession sei und sagte, er habe fünf Jahre lang in Wittenberg studiert).9 P. Hülsmann musste Lintorf daraufhin verlassen und die Gemeinde erhielt mit P. Zacharias Richter wieder einen kath. Geistlichen, der sich jedoch nicht lange halten konnte.10 Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde 1650 in der Capitulatio perpetua Osnabrugensis festgeschrieben, welche der Gemeinden im Osnabrücker Land luth. und welche kath. war; ausschlaggebend sollte die konfessionelle Zugehörigkeit im ‚Normaljahr‘ 1624 sein. Das Protokoll des Albert Lucenius war eine Entscheidungsgrundlage dafür und im Falle Lintorfs war die Lage klar: Das Dorf blieb luth.11

Kirche, Ansicht von Südwesten, 1980

Kirche, Ansicht von Südwesten, 1980

Das Pfarrhaus der Gemeinde brannte 1699 ab und erneut beim Ortsbrand 1755, der auch den Kirchturm teilweise zerstörte. In der zweiten Hälfte des 18. Jh. erhielt die Kirche eine neue Ausstattung (Altarretabel, Kanzel). Im späten 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jh. waren die Pfarrer der Gemeinde von Aufklärung und Rationalismus geprägt. P. Heinrich Günther Block (amt. 1797-1825), der von Lintorf als Sup. nach Buer wechselte, verbot 1825 den pietistisch geprägten Hauskreis, der sich um den Schneider Wilhelm Claus geb. Depke gesammelt hatte.12 Knapp anderthalb Jahrzehnte später fand sich in Wimmer ein neuer Hauskreis zusammen, der sich zum Kern der Erweckungsbewegung im Kirchspiel entwickelte. Anfang der 1850er Jahre veranstaltete der Hermannsburger Pfarrer Louis Harms ein Missionsfest in Lintorf. Mit P. Heinrich Carl Ludwig Biermann (amt. 1863-1883) und P. Hans Karl Ludwig Theodor Heintze (amt. 1883-1922) wirkten zwei Geistliche in der Gemeinde, die der Hermannsburger Mission nahestanden. Anfang der 1880er Jahre schlossen sich mehrere Familien der Hermannsburger Separation an, die ihren Ursprung im Widerstand gegen die Einführung der obligatorischen Zivilehe gehabt hatte (1874). Sie errichteten in Rabber eine eigene Kapelle (heute SELK); einige Familien wandten sich auch den Missouriern zu (Kapelle in Hördinghausen).13 Trotz dieser Abspaltung erhielt sich die Gemeinde den Charakter einer Erweckungsgemeinde, die auch eng mit der Hermannsburger Mission verbunden blieb (jährliche Missionsfeste gemeinsam mit KG Barkhausen-Rabber). In seinem Bericht über die Visitation fasste der Sup. des KK Buer 1931 zusammen: „Lintorf ist die kirchlichste Gemeinde im Kirchenkreise. Hier herrscht wirklich noch kirchl. und christl. Sitte. Hier kann man noch Freude haben an den schönen Gottesdiensten, die auch an gewöhnlichen Sonntag zahlreich besucht werden und sich durch frischen und kräftigen Gemeindegesang auszeichnen. Hier finden sich nur wenige unkirchliche Familien. Hier wird noch fast in allen Häusern das gemeinsame Tischgebet gehalten, und es gibt auch noch mehrere Familien, in denen die Hausväter oder Hausmütter ihres priesterlichen Amtes walten und Hausandachten halten. Hier ist wirklich Missionssinn zu finden, auch in dieser schweren Notzeit werden in Missionsstunden oft über 100.- RM für Hermannsburg gesammelt. Hier findet sich auch noch eine Jugend, die nach dem Herrn fragt und Freude findet an schönem Gesang und edler Geselligkeit“. Der Sup. bemerkte jedoch auch Anzeichen dafür, dass das Erbe der Erweckungsbewegung an Lebendigkeit verliere: „Es zeigt sich auch viel totes gesetzliches Wesen, aus dem der Geist Christi, der Geist der Liebe ausgezogen ist.“ Für die „weibliche Jugendpflege“ hatte die Gemeinde Anfang der 1930er Jahre eine „Pfarrgehilfin“ angestellt.14

Kirche, Blick zur Orgel, vor 1960

Kirche, Blick zur Orgel, vor 1960

Während der NS-Zeit hatte P. Wilhelm Heinemeyer (amt. 1922-1945) das Lintorfer Pfarramt inne. Er war nach eigenen Angaben „von Anfang an Mitglied der Bekenntnisgemeinschaft und Gegner der NSDAP. und der D.C.“15 Bei der Wahl zum Kirchenvorstand 1933 konnten sich die Kandidaten der DC nicht durchsetzen. In den Unterlagen zur Visitation 1937 gab P. Heinemeyer an, dass „doch eine Reihe von Deutsch[en] Christen vorhanden“ sei.16 In seinen Antworten zum „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ schrieb er rückblickend: „die Mehrzahl der Gemeinde [hat] sich bewusst und entschlossen gegen die Partei und die DC. entschieden.“ Allerdings habe der Kirchenkampf „die Gleichgültigen und Harmlosen nicht aufgerüttelt“, sondern lediglich jene, „die noch religiösen Besitz hatten“.17
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war aufgrund des Zuzugs Geflüchteter die Zahl der Katholiken im Kirchspiel stark angestiegen (1949: 450). Seit Ostern 1946 stellte die Gemeinde daher ihre Kirche für kath. Gottesdienste zur Verfügung.18 Die Erweckungsbewegung blieb auch in der zweiten Hälfte des 20. Jh. noch prägend für Lintorf: 1961 charakterisierte sie der Sup. als „stark traditionsgebundene Erweckungsgemeinde“ und nach der Visitation 1974 lobte der LSup. das reiche gottesdienstliche Leben der KG.19 In Lintorf blieb der altlutherisch geprägte Katechismus von 1862 bis in die späten 1980er Jahre hinein in Gebrauch und bildete die Grundlage des Konfirmandenunterrichts. Zudem überreichte die KG jedem Brautpaar ein Exemplar des Katechismus als Hausbuch. Schon 1974 hatte der Meller Sup. angemerkt, dies sei „vielleicht einzigartig in der Landeskirche“.20

Umfang

Das Dorf Lintorf, die Bauerschaften Dalinghausen und Hördinghausen sowie Heithöfen und Wimmer (KapG).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Lübbecke der Diözese Minden. – Die Gemeinde unterstand nach der Reformation zunächst der Aufsicht des Amtes Wittlage und Hunteburg. Bei der Neuorganisation der Aufsichtsbezirke im Fsm. Osnabrück 1821 kam Lintorf zur 2. Insp., Sitz der Suptur. war zunächst Lintorf selbst, seit 1825 Buer. 1924 KK Buer, Sitz der Suptur. 1973 nach Melle verlegt, seitdem KK Melle.21 Zum 1. Januar 2013 umgegliedert in den KK Bramsche.22

Patronat

Bis 1227 Bf. von Minden, dann der Archidiakon von Lübbecke.23 Später Domdekan bzw. Domkapitel von Minden.24 Nach Aufhebung des Domkapitels 1803 fiel das Patronatsrecht an die preußische Regierung. Seit 1818 der jeweilige Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, vor 1915

Kirche, Grundriss, vor 1915

Einschiffiger Saalbau mit dreiseitigem Chorschluss und Sakristeinanbau an Nordseite des Chores, errichtet wohl im 15. Jh. (Inschrift an Pfeiler der Südseite: „A[nn]o D[omi]ni MID Hinrich Edeler het düt maket“, Im Jahr des Herrn 1499 hat Heinrich Edeler dies gemacht).25 Satteldach, über dem Chor abgewalmt, Sakristei mit Schleppdach; verputztes Bruchsteinmauerwerk, weit hervortretende Strebepfeiler, hohe Spitzbogenfenster mit Maßwerk, an Schiff und Vorchor zweibahnig, am Chorschluss dreibahnig; flachbogiges Nordportal, zweiseitige, geschwungene Treppe zum darüberliegenden Emporeneingang. Im Innern Kreuzrippengewölbe (Schlussstein im Chor mit Kopf Johannes des Täufers), Emporen an West- und Nordwand, im Westen Doppelempore; gemalte Weihekreuze und vergitterte Sakramentsnische im Chor; Inschrift über vermauerter Südtür „Clarus Johanne Molmann hac pastor in aede curavit fieri largiter hasce fores“ (Der berühmte Johannes Mölman, Prediger dieser Kirche, hat diese Tür machen lassen). Westempore 1598 erbaut (altes Werk), Nordempore 1618 (neues Werk), Chorprieche vielleicht 1741.26 Renovierung 1883 (Wand- und Deckengemälde entdeckt und übermalt).27 Sanierung 1906 (u. a. neue Strebepfeiler, Zuganker und Entlastungsbögen zur Gewölbesicherung).28 Renovierung 1960/61. Kirchensanierung 1989 (Deckengemälde mit Himmelfahrtsszene restauriert).

Turm

Quadratischer Westturm, im unteren Teil vielleicht 12. Jh., oberer Teil nach Turmbrand 1756 neu errichtet. Turmhelm mit quadratischem Ansatz und achteckig ausgezogener Spitze, bekrönt mit Kugel und Kreuz. Verputztes Bruchsteinmauerwerk, flach- und rundbogige Schallöffnungen nach Westen, Norden und Süden, Uhrziffernblätter nach Westen, Norden und Süden; Portal nach Westen. Turmhalle mit Kreuzgratgewölbe, verzierte Kämpfer (u. a. Masken, gesatteltes Pferd, Waffen).29

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, August 1962

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, August 1962

Ausstattung

Altar aus Sandsteinmensa und gemauertem Stipes. – Barockes Altarretabel (um 1784/85)30, zweistöckiger, architektonischer Aufbau; im Hauptfeld Gemälde mit Szene der Emmausgeschichte (Lk 24,13-35), flankiert von gedrehten Säulen und schräggestellten Pilastern; oberhalb des Gebälks Gemälde mit Himmelfahrtsszene; darüber Gottesauge im Strahlenkranz; in Predella Medaillons mit Ähren und Trauben. – Hölzerne Kanzel mit Schalldeckel (um 1781/83, Tischlermeister August Böning), Kanzelkorb verziert mit gedrehten Säulen. – Reich verzierte Holztaufe (um 1750), achtseitiges Becken, runder Schaft, achtseitiger Fuß; verziert mit Putten und Blattwerk; Deckel bekrönt mit Taube.31 – Beichtstuhl (1742). – Chorgestühl (1741), in den Füllungen Namen der Pastoren seit 1570. – Gabelkruzifix mit Reliquienfach im Kopf des Korpus (erste Hälfte 13. Jh.). Ehemalige Ausstattung: Fragment eines Altarretabels (Ende 15. Jh., wohl Stephan Lochner, 1934 bei Renovierungsarbeiten entdeckt, 1973 gestohlen).32 – Zwei Epitaphien (Holz, 17. Jh.).

Kirche, Blick nach Westen, Foto: Ernst Witt, Hannover, August 1962

Kirche, Blick nach Westen, Foto: Ernst Witt, Hannover, August 1962

Orgel

Ursprünglich im Chor aufgestellt. 1691 Neubau auf Westempore, vielleicht ausgeführt von Hinrich Klausing (Herford), Gehäuse erhalten. Neubau des Orgelwerks 1861, Firma Rohlfing (Osnabrück). Umbau 1926/27 und 1936, 18 II/P pneumatische Traktur, Kegelladen. Reparatur und Dispositionsänderungen 1951, ausgeführt von Orgelbauer Gustav Brönstrup (Hude). Vorschlag zu Umbau und Umsetzung auf Chorempore 1959, alte Orgel bei Renovierung 1960/61 abgebaut.33 Neubaupläne 1964 ausgeführt von Orgelbau Hans Wolf (Verden), 18 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen, historisches Gehäuse wiederverwendet, Instrument auf Chorempore aufgestellt. Unter Verwendung des historischen Orgelgehäuses und des vorhandenen Pfeifenmaterials Neubau 1980, ausgeführt von Firma Gustav Steinmann (Vlotho), 18 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Prospekt denkmalgeschützt.

Geläut

Drei LG, I: e’, Inschrift: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort“ (Bronze, Gj. 1949, F. Otto, Bremen-Hemelingen); II: g’, Inschrift: „Ein göttlich Zorngericht entris uns hier drey Glocken, liess uns durch Feuersbrunst zu seyner Gnade locken. Nun segne uns hinfort des Hoechsten Gnadenhand und schone Gottes Haus, Gemeind und Vaterland“ (Bronze, Gj. 1760), im Ersten und Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, nicht eingeschmolzen; III: a’, Inschrift: „Dienet dem Herrn mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken“ (Bronze, Gj. 1949, F. Otto, Bremen-Hemelingen). – Früherer Bestand: Große Glocke vor Mai 1671 geborsten, daher Neuguss einer LG (Bronze, Gj. 1671, Joseph Micholsen, Osnabrück). Glocken bei Turmbrand 1755 zerstört. Guss zweier kleiner Glocken: heutige LG II sowie eine LG, Inschrift wohl: „Siebzehnhunderfünfundfünfzig sangen wir nur Klagelieder bei der großen Feuersbrunst am Tag der Siebenbrüder, da 3 Glocken, Turm und Wehdum und über vierzig Häuser fielen nieder. 1756 schenket uns das Kirchspiel Lintorf unser Gotteshaus wieder“ (Bronze, Gj. um 1760). Eine LG, Inschriften u. a.: „Soli Deo gloria“, Gott allein die Ehre, sowie „Ex donatione C. Relleri. Sub cura H. L. Pagenstecher. Anno 1778, 1ten Octobris“ (Bronze, Gj. 1778, Friedrich Moritz Rincker, Osnabrück), finanziert aus testamentarischer Schenkung von Carl Reller, im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeliefert.34 Eine große LG, Inschrift: „Petit und Edelbrock haben mich gegossen 1863. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ (Bronze, Gj. 1863, Petit und Edelbrock, Gescher), im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeliefert. Wohl in den 1920er Jahren zwei neue Glocken angeschafft, im Zweiten Weltkrieg große und mittlere LG zu Rüstungszwecken abgeliefert, mittlere 1947 zurück (jetzige LG II). Eine kleine LG (Bronze) 1949 beim Kauf der neuen LG I und III abgegeben.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1797). – Gemeindehaus (Bj. 1964). – Neues Küsterhaus (Bj. 1957/58). – Alte Apotheke (Bj. 1755), Ende der 1960er Jahre gekauft.

Friedhof

Kommunaler Friedhof am Nordrand des Ortes. FKap.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 3 Nr. 264-272 und 462 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 5052-5056 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 2809 (Visitationen); A 12e Nr. 13 und 68 (GSuptur. Hannover); D 41 (EphA Melle); L 5f Nr. 31, 190-191, 263 (LSuptur. Osnabrück); S 2 Witt Nr. 4 (Fotosammlung); S 11a Nr. 7673 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 157-158, Nr. 191; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 855-856; Mittelstädt/Mosebach, Kirchen & Kirchenburgen, S. 102-107; Meyer, Pastoren II, S. 84; Nöldeke, KD Kr. Wittlage und Bersenbrück, S. 33-35; Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 202-203; Wrede, Ortsverzeichnis Fürstbistum Osnabrück II, S. 21-23.
B: Wilhelm Heinemeyer: Gottes Spuren in Lintorf, hrsg. von Ludwig Heinemeyer, Lintorf 1952; Willi vom Hofe (Hg.): Reformation in Bad Essen Barkhausen-Rabber Lintorf. 1625-1650, Osnabrück 1975; Walter Komber: Lintorf. Unser Dorf im Wandel der Jahrhunderte, Melle 1986; Heinrich Münter: Aus der Geschichte des Kirchspiels Lintorf und seiner Kirche, in: Die Gemeinde Bad Essen in Vergangenheit und Gegenwart, hrsg. von der Gemeinde Bad Essen, Osnabrück 1975, S. 181-185; Elly Wübbeler: Die Reformation und ihre Folgen in der Lintorfer Kirchengemeinde, in: Heimat-Jahrbuch Osnabrücker Land 2017, S. 34-37.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien II, S. 97.
  2. Osnabrücker UB II, Nr. 224.
  3. Feldkamp, Bedeutung, S. 79 ff.
  4. Osnabrücker UB II, Nr. 224; Übersetzung bei Kober, S. 9.
  5. Mittelstädt/Mosebach, Kirchen & Kirchenburgen, S. 103.
  6. Osnabrücker UB IV, Nr. 527; Westfälisches UB X, Nr. 229.
  7. Westfälisches UB VI, Nr. 1610. Wrede, Ortsverzeichnis Fürstbistum Osnabrück I, S. 93 und ebd. II, S. 144.
  8. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 215 f. und 222 ff.
  9. Bär, Protokoll Albert Lucenius, S. 267; Hofe, S. 15. Zur Visitation des Albert Lucenius vgl. Steinwascher, Wildwuchs, S. 215 ff.
  10. Hofe, S. 22 ff., Heinemeyer, S. 8 f.
  11. Wöbking, Konfessionsstand, S. 121.
  12. Vgl. zum Folgenden die anekdotenreiche Schilderung bei Heinemeyer, S. 18 ff.
  13. LkAH, L 5f, Nr. 263 (Visitation 1926). Im Jahr 1926 zählten zehn bis zwölf Familien zu den Separierten. Zur Hermannsburger Separation vgl. kurz Krumwiede, Kirchengeschichte II, S. 371 ff.
  14. Alle Zitate: LkAH, L 5f, Nr. 263 (Visitation 1931).
  15. LkAH, S 1 H III Nr. 912, Bl. 36.
  16. LkAH, L 5f, Nr. 31 (Visitation 1937).
  17. LkAH, S 1 H III Nr. 912, Bl. 36, 39 und 38.
  18. LkAH, S 1 H III Nr. 912, Bl. 38 und LkAH, L 5f, Nr. 31 (Visitation 1949).
  19. LkAH, L 5f, Nr. 31 (Visitation 1961); ebd., Nr. 190 (Visitation 1974). Siehe auch ebd. Nr. 31 (Visitation 1955).
  20. LkAH, L 5f, Nr. 190 (Visitation 1974); ebd. Visitation 1980 und ebd., Nr. 191, Visitation 1987. Die verbindliche Einführung des Katechismus hatte 1862 im ganzen Kgr. Hannover Widerstand unter liberalen Protestanten hervorgerufen und war im August des gleichen Jahres zurückgenommen worden. Die einzelnen Gemeinden konnten nun selbst über Einführung oder Nichteinführung entscheiden; zum Katechismusstreit vgl. kurz Krumwiede, Kirchengeschichte II, S. 334 ff.
  21. KABl. 1973, S. 149.
  22. KABl. 2012, S. 177 f.
  23. Osnabrücker UB II, Nr. 224.
  24. Bindel, Polizei-Ordnung, S. 131: Patronat „hat zwar daß Thumpcapittel in Minden, gehet aber per thurnum, undt ist jetziger Zeit der Herr Probst Herr Johannes Henricuß Vincke zu Levern“ (1662). Vincke war gleichzeitig Domherr in Minden, das Patronatsrecht scheint also nicht an eine bestimmte Domherrenstelle gebunden gewesen zu sein, sondern ist jeweils von einem der Domherren ausgeübt worden (vgl. dagegen Wrede, Ortsverzeichnis Fürstbistum Osnabrück II, S. 22: „Domdechant in Minden im Wechsel mit Stift Levern“).
  25. Heinemeyer, S. 7.
  26. Heinemeyer, S. 11.
  27. Komber, S. 56 f.
  28. Komber, S. 125 f.
  29. Abbildungen: Hofe, S. 18; Heinemeyer, S. 5; Nöldeke, KD Kr. Wittlage und Bersenbrück, S. 35.
  30. Komber, S. 80; Teile des Vorgängeraltars 1741 verkauft, ebd., S. 56.
  31. Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 157, Nr. 191.
  32. Komber, S. 57.
  33. LkAH, L 5f, Nr. 31 (Visitation 1961).
  34. Komber, S. 80.