Sprengel Osnabrück, KK Bramsche | Patrozinium: Nikolaus | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Um 1068/1074 übereigneten die Adeligen Gieselbert und Cuniza Bf. Benno II. von Osnabrück gegen die Gewährung einer Lebensrente u. a. den Hof Essene (urkundlich Ersterwähnung)1, doch lässt sich die zugehörige Siedlung vermutlich bis in karolingische Zeit zurückführen. Landesherr war der Fbf. von Osnabrück (Amt Wittlage). Das 1447 in Betrieb genommene Salzwerk schuf Ende des 19. Jh. die Grundlage für die Entwicklung zum Kurbad mit zunehmender Wohn- und Gewerbeansiedlung (1860 Neuerschließung einer Salzquelle und Gründung eines „Trink- und Badeanstaltsverein“; 1863 Errichtung der Kuranlage und des Badehauses). 1902 wurde dem Ort die Bezeichnung „Bad“ verliehen. Im Zuge der Gebietsreform vom 1. Juli 1972 (Osnabrück-Gesetz) entstand die Einheitsgemeinde Bad Essen mit heute 17 Ortsteilen.
Die Kirche entstand wohl um 1100 als Eigenkirche (Kapelle) des Meierhofs. Mutterkirche war Ostercappeln. Wann Essen zur eigenständigen Parochie erhoben wurde, ist unbekannt. 1224 bestätigte Kardinallegat Konrad von Urach dem Dechanten von St. Johann in Osnabrück die Archidiakonatsgerichtsbarkeit über die Kirche, die damit urkundlich erstmals urkundlich nachweisbar ist.2
Von den vorref. Geistlichen erscheint 1244 Ludolfus et Sybodo utriusque ecclesie plebani3 sowie 1488 Johan von dem Kampo (als Priester am Altar an der Südseite der Kirche). Pfarrer Johannes Rosenthal, der 1593 sein Amt niederlegte, wird in der Series pastorum als erster luth. Geistlicher geführt.4 Er amtierte in einer Phase des Umbruchs, aber wohl erst mit der Berufung seines Nachfolgers, des bisherigen Kaplans David Flote, dürfte in Essen endgültig die Reformation Einzug gehalten haben. Flote war 1585 vom geistlichen Ministerium in Herford ev. ordiniert worden.5 Nach der Visitation des kath. Generalvikars Lucenius wurde er vor Ostern 1625 abgesetzt und aus Essen vertrieben, konnte aber nach der schwedischen Besetzung des Landes 1633 zurückkehren und starb 1638. Gemäß Art. 21 der Capitulatio perpetua verblieb Essen 1650 den Lutheranern. 1662 lebten im Ksp. 1.961 luth. und 14 kath. Einwohner
Zum Ksp. gehörten früher drei Kapellen: Eine der Jungfrau Maria geweihte Kapelle auf der Klus am Weg zwischen Essen und Wittlage wird 1485 bis 1515 erwähnt. Erbaut und dotiert wurde sie wohl Ende des 15. Jh. Bf. Konrad von Osnabrück übertrug das Patronat 1505 seinem Rat Johann von dem Bussche-Ippenburg und Albert von dem Bussche sowie deren Nachkommen. 1515 präsentierte Albert von dem Bussche Paul Kevell als Nachfolger für den verstorbenen Wilhelm Fryghaus. Wann die Kapelle eingegangen ist, ist unbekannt, vielleicht im Zuge der Reformation Nach dem Bericht des Lucenius von 1625 war die Kapelle, „die einstmals innerhalb der Parochie existierte, […] durch die adligen Bussches von Grund auf zerstört“.6 Aus ihren Einkünften finanzierte sich in nachref. Zeit die Schullehrerstelle. – Eine zweite Kapelle befand sich in Hünnefeld (Patronat: die von dem Bussche-Hünnefeld). Papst Johannes XXII. (1316-1334) gewährte um 1320 für ihren Besuch einen Ablass. Unter den Geistlichen wird 1536 der (noch kath.) Kaplan Teppe Stottemann genannt. Im Folgenden amtierten dort luth. Hausgeistliche der von dem Bussche-Hünnefeld, deren erster mit Wilhelm Hofrogge (bis 1608/09, nachher P. in Barkhausen-Rabber) genannt wird. – In Ippenburg bestand eine weitere, 1419 oder 1421 durch Johann von dem Bussche-Ippenburg gestiftete und durch Schenkungen später reich dotierte Kapelle auf dem castrum des Ritterguts/Schlosses. Nach Einführung der Reformation amtierten dort ebenfalls eigene ordinierte Hausgeistliche (bis 1808). Von 1723 bis 1808 wurde für Ippenburg außerdem ein eigenes Kirchenbuch geführt.
Von den Essener P. ist besonders Ludwig Peithmann (amt. 1688-1731) zu erwähnen, der vor seinem Dienstantritt in Essen als Feld- und Stabsprediger bei den Venezianern zur Unterstützung beigegebenen braunschweig-lüneburgischen Truppen in Morea (Griechenland) stand und 1696 zum Konsistorialrat ernannt wurde.
Die Gemeinde wurde Mitte des 19. Jh. durch die Erweckungsbewegung berührt. In Essen und auf Schloss Ippenburg fanden großen Missionsfeste statt. Zu den Förderern der Mission in der Gemeinde gehörte die Gfn. Else von dem Bussche-Ippenburg, die der Gemeinde auch das Ippenburger Pflegehaus (später Altenheim in Eielstädt) stiftete.
Seit den 1950er Jahren pflegte die KG Bad Essen eine Partnerschaft mit den Kirchengemeinden Neustadt/Sachsen, Liebethal, Lichtenhain und Papstdorf im KK Pirna, später nur noch mit Neustadt und Papstdorf. Zur weiteren Förderung der Beziehungen wurde 1982 ein „Arbeitskreise Partnerschaft DDR“ eingerichtet. Seit den 1970er Jahren bestanden auch Beziehungen zu Gemeinden in Südafrika.

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1840; ab 1921 vakant.

Umfang

Das Dorf Essen, die Bauerschaften Eielstädt, Harpenfeld, Hüsede, Lockhausen, Rattinghausen und Wehrendorf, die Vorburg Wittlage, die Landgüter Buddemühlen, Hünnefeld, Ippenburg und Senfdam.

Aufsichtsbezirk

Bf. Adolf von Osnabrück übertrug die Archidiakonatsgerichtsbarkeit dem Dekan des Stifts St. Johann in Osnabrück (Bestätigung durch Kardinallegat Konrad von Urach 29. November 1224).7 – Vor Einführung der Insp.-Einteilung im Fsm. Osnabrück unterstand Essen der Aufsicht des Amts Wittlage und Hunteburg. Im Zuge der Neuorganisation der kirchlichen Aufsichtsbezirke kam es 1821 zur 2. Insp. (Buer, 1924: KK Buer, 1. Oktober 1973 umbenannt in KK Melle). Am 1. Januar 2013 wurde die KG Essen in den KK Bramsche umgegliedert.

Patronat

Kompatronat der Gf. von dem Busche-Ippenburg und Frhr. von dem Busche-Hünnefeld. Die Ausübung wird von den beiden Familien intern festgelegt.

Kirchenbau

Das erste KGb, eine einschiffige gotische Saalkirche mit einem dreijochigen Langhaus und gerade geschlossenem Chor (um 1200), wurde nach seiner Zerstörung in einer Fehde zwischen den Bf. von Minden und Osnabrück (1436) in der zweiten Hälfte des 15. Jh. erneuert. Albert von dem Bussche (Wappen als Gewölbeschlussstein) ließ zwischen 1446 und 1475 den Chorraum neu errichten, der anschließend mit Gewölbemalereien (Christus in der Mandorla zwischen Maria und Johannes als Fürbitter) ausgemalt wurde. Wiedereinweihung der Kirche war 1487. Bereits zu Beginn des 17. Jh. hatten die von dem Bussche als Patronatsherren eine Renovierung der Kirche veranlasst. Um auch die luth. Gemeindeglieder der kath. gewordenen Dörfer (u. a. des mehrheitlich von Evangelischen bewohnten Schledehausen) aufnehmen zu können, wurde sie 1662 unter Clamor Eberhard von dem Bussche im Süden um einen Anbau (sogenannte Neue Kirche) erweitert. 1786 folgte der Anbau der Sakristei. Im Zuge einer Generalsanierung wurde die Kirche 1964/65 im Innern nach Vorschlägen von Prof. Ernst Witt umgestaltet (Entfernung der meisten Emporen, Abbruch des Anbaus am Ostchor, Restaurierung der Fresken des 15. Jh.). Erneute Innenrenovierung 1998.

Turm

Quadratischer Westturm, 1491 vollendet. 1705 neuer Turmhelm mit achtseitiger geschlossener Laterne und geschweifter, spitz auflaufender Haube.

Grablege

Patronatsgruft unter der Kirche, nach der letzten Beisetzung 1796 aufgegeben. Ein 1752 errichtetes Totenhaus der von dem Bussche-Hünnefeld am Kirchplatz wurde 1936 der Gemeinde Bad Essen überlassen und später zur Gedenkhalle für die Gefallenen der Weltkriege umgestaltet.

Ausstattung

Im Innern wurde die Kirche 1602-14 neu gestaltet (neuer Altar, Kanzel und Chorgestühl). Eine weitere grundlegende Umgestaltung erfuhr sie bei der Sanierung von 1964/65. Das zweigeschossige Renaissance-Retabel von 1614 mit dem Abendmahl als Hauptbild und einer Kreuzigungsdarstellung darüber steht heute auf einem neuen Altarblock (1965). – Kanzel (1614) mit Wappendarstellung sowie zwei Engelsgestalten als Allegorie von fides (Glaube) und pax (Friede); gestiftet durch die Familie von dem Bussche-Hünnefeld. Die Kanzel stammt ursprünglich aus der Schlosskapelle in Ippenburg, kam wohl nach 1808 nach Essen, wurde 1905 durch eine neugotische Kanzel ersetzt und im Zuge der Renovierung von 1964/65 wieder in der Kirche von Bad Essen aufgestellt. – Barocke Sandsteintaufe von 1735, auf der von zwei geflügelten Putten getragenen Kuppa das Wappen der Familie von dem Bussche. – Bilder der P. ab 1797 (in der Sakristei). – Vier prunkvolle doppelstöckige Renaissance-Epitaphien in Stein, u. a. für Gerhard Clamor von dem Bussche-Hünnefeld (1614). – Totenschilde von Angehörigen der Patronatsfamilien. – Außen an der Kirche mehrere Grabsteine aus dem 15. bis 17. Jh., u. a. für Jasper von Varendorf, Drost zu Wittlage und Herr auf Buddemühlen († 1576), Margarethe von Bar, Besitzerin von Langelage und eines Teiles von Arenshorst († 1576), Doppelgrabstein für Albrecht von dem Bussche († 1662) und Heilwig von Münnichhausen († 1636), Clamor Eberhard von dem Bussche († 1666) sowie P. Johannes Grimmeus († 1637 an der Pest).

Orgel

War schon vor dem Dreißigjährigen Krieg vorhanden. Neubau 1610 und 1692. 1770/71 Instandsetzung durch den Orgelbauer Berner (Osnabrück), 1775 durch den Orgelbauer Isverding. 1853 Neubau durch den Orgelbauer Pieper (Hünnefeld/Essen). 1890 durch Firma Rohlfing (Osnabrück) repariert. 1940 Umbau zu 22 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1968 Neubau des Werks und Verlegung des ursprünglich hinter dem Altar aufgebauten Gehäuses durch Firma Herm. Hillebrand (Altwarmbüchen). Disposition von Alfred Hoppe (Verden), 21 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 2001 Renovierung durch Martin ter Haseborg (Südgeorgsfehn). Der Prospekt steht unter Denkmalschutz. – Eine weitere Orgel in der FKap, 1969 von Herm. Hillebrand (Altwarmbüchen), 5 I/-, mechanische Traktur, Schleiflade.

Geläut

Drei LG, I: d’; II: f’; III: g’ (alle Bronze, Gj. 2000, Firma Petit & Gebrüder Edelbrock, Gescher). – Früherer Bestand: 1610 sind zwei LG nachgewiesen, die 1741 wohl um eine dritte ergänzt wurden (Neuguss bei einem Osnabrücker Glockengießer). 1781 wurde die kleine oder mittlere Glocke durch den Glockengießer Oldenburg (Sachsenhagen) umgegossen. 1792 und 1835 folgten weitere Umgüsse durch Alexius Petit. Die dritte LG war Eigentum der Bauerschaft Essen. Sie wurde später abgenommen und kam auf den Essener Berg. Für die beiden anderen nahm J. J. Radler 1883 einen weiteren Umguss vor und ergänzte das Geläut wieder auf drei LG (Schlagtonreihe: c’, es’, g’). Hiervon wurden beiden größeren 1917 eingeschmolzen, die dritte (von 1883) blieb erhalten. 1920 wurde das Geläut wieder ergänzt. Nach erneutem Kriegsverlust beschaffte die Gemeinde 1949 drei Stahlglocken des Bochumer Vereins in d’; f’ und g’, die 2000 durch das jetzige Geläut ersetzt wurden.

Weitere kirchliche Gebäude

Das Pfarrhaus wurde nach Brandzerstörung von Pfarre und Küsterei (1668) neu errichtet. Weiterer Neubau 1804, 1956 instandgesetzt und 1987 zum Gemeindehaus umgebaut. Das zweite Pfarrhaus (Lindenstraße 28, Bj. 1841) wurde 1957 verkauft und auf anderem Grundstück ein Ersatzbau erstellt. Neubau eines KiGa 1954/55 an der Lutherstraße (1985 saniert und umgebaut) 1971 übernahm die KG von der politische Gemeinde auch den KiGa in Wehrendorf. Beide werden heute noch als ev.-luth. Kindertagesstätten durch die KG betrieben. 1957/58 entstand an der Lutherstraße nach Plänen von Werner Johannsen (Osnabrück) ein Jugendheim, das 1959/60 zum Gemeindehaus erweitert (Lutherhaus, Einweihung 7. Februar 1960) und 1985 zugunsten einer Vergrößerung des KiGa abgerissen wurde. 1984 eröffnete das Altenpflegeheim „Simeon und Hanna“. 1985 wurde im ehemaligen Hausmeisterhaus des Altenpflegeheims die Sozialstation für den Altkreis Wittlage eröffnet (in der Trägerschaft der ev. Kirchengemeinden in Kooperation mit den kath. Kirchengemeinden, dem DRK und dem Ev. Dorfhelferinnenwerk).

Friedhof

Bis 1808 auf dem Kirchhof, jetzt weiter nördlich an der Gartenstraße/Harpenfelder Weg. FKap (Bj. 1961) nach Entwurf von Werner Johannsen (durch die KG mit Unterstützung der Samtgemeinde Bad Essen. Ging 1972 in die Verwaltung der Samtgemeinde über).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 3 Nr. 153-168 (Kons. Osnabrück, Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 112 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 2327-2338 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 2798 (Visitationen); D 41 (EphA Melle).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 62 f., Nr. 18; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 148 f.; Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 190; Wrede, Ortsverzeichnis Fürstbistum Osnabrück I, S. 155-157
B: Albers: St.-Nikolai-Kirche Bad Essen, Bad Essen 1992; Albrecht von dem Bussche: Die ev.-luth. Kirchengemeinde Bad Essen St. Nikolai 1894-1988, Bad Essen 1988; Otto Dökel: Geschichtliche Mitteilungen über das Fürstentum Osnabrück, besonders über das Kirchspiel Essen, 1919; E. Hessing: Die Kirche zu Bad Essen, Bad Essen 1938; Willi vom Hofe: Ein Rundgang durch die St.-Nikolai-Kirche in Bad Essen, in: Die Gemeinde Bad Essen in Vergangenheit und Gegenwart, [Bad Essen 1975], S. 176-180; Willi vom Hofe: Reformation in Essen, Barkhausen-Rabber, Lintorf. 1625-1975, Bad Essen 1975.


Fußnoten

  1. Osnabrücker UB I, Nr. 157.
  2. Osnabrücker UB II, Nr. 190.
  3. Osnabrücker UB II, Nr. 447.
  4. Meyer, Pastoren I, S. 276.
  5. Bär, Protokoll Albert Lucenius, S. 265 f.
  6. Nach Hofe, Reformation, S. 14 und 16.
  7. Schwarz, Papsturkunden, Nr. 170.