Sprengel Osnabrück, KK Bramsche | Patrozinium: Martin und Katharina | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Barkhausen wird als Ort (Berchuson) um 1000 erstmals erwähnt1 und unterstand bis zum Ende des Alten Reichs der Landesherrschaft der Fbf. von Osnabrück (Amt Wittlage). – Seit 1972 Ortsteil der Gemeinde Bad Essen.

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1915

Kirche, Ansicht von Nordwesten, 1915

Die Kirche ist eine mindensche Gründung, war zunächst Filial (Kapelle) von (Preußisch-) Oldendorf und kam später zur Parochie Lintorf. Wohl noch im 13. Jh. wurde die Pfarre verselbständigt. 1302 wird Barkhausen als Ksp. erwähnt.2 Die Gemeindeteile Rabber und Brockhausen waren ursprünglich gleichfalls nach Lintorf eingepfarrt und wurden vor 1460 als KapG der Kirche in Barkhausen zugeordnet. Mit dieser Erweiterung des Pfarrsprengels war wohl auch die Vergrößerung des alten KapGb zu einer Pfarrkirche verbunden. Neben den heiligen Martin von Tours trat als neue Hauptpatronin der Kirche die heilige Katharina. Die Aufsicht über die Kirche oblag seiner Entstehung gemäß zunächst dem Bm. Minden. Die Osnabrücker Bf., die nach dem Bau der Burg Wittlage die Landesherrschaft über das Freigericht der Angelbecker Mark erlangten, zogen später auch die geistliche Hoheit an sich. Lediglich das Patronat des Moritzklosters in Minden blieb bestehen.
Der erste Geistliche erscheint 1223 mit dem Pleban Widekindi […] in Barchusen .3 Weitere Geistliche waren: Lůtbertus (1307/164); Johann vom Stemmen (1358); Johann Velebern/Velbern (1391/14105); Johann Niddendorp (1408, wohl nur Vizekaplan des vorigen); Albert Schrader/Sartorius (1472/99). Die Reformation fand wohl 1543 mit der KO des Hermann Bonnus Eingang. Als erster luth. Geistlicher wird 1550 P. Johann Danckmeyer genannt († nach 1607). 1609-1627 war Wilhelm Hofrogge Pfarrer, gleichfalls ein Anhänger des Augsburgischen Bekenntnisses und von Ministerium in Oldenburg ordiniert. Er wurde während des Dreißigjährigen Krieges (Pfingsten 1625) abgesetzt, konnte sich aber wohl bis 1627 halten und wurde erst nach der Besetzung des Amts Wittlage durch Tillysche Truppen endgültig vertrieben.6 Die Versorgung der Pfarre wurde einem kath. Priester aus Minden übertragen. Die Einwohner hielten jedoch vielfach am luth. Bekenntnis fest und besuchten die ev. GD im mindenschen Levern. Mit der schwedischen Okkupation des Osnabrücker Landes (1633) wurde die Pfarre wieder luth. Sie blieb es gemäß Art. 21 der Capitulatio perpetua auch nach dem Westfälischen Frieden.

Kirche, Blick zum Altar, 1980

Kirche, Blick zum Altar, 1980

Die Gemeinde stand Mitte des 19. Jh. unter dem Einfluss der Minden-Ravensberger Erweckung. 1851 wurde ein Posaunenchor gegründet, der heute als ältester Gemeindeposaunenchor der hannoverschen Landeskirche und einer der ältesten in Deutschlands gilt. Nur ein Jahr später entstand ein Kirchenchor (2013 aufgelöst).
Sitz des Pfarrers war ursprünglich Barkhausen, obwohl schon im 17. Jh. die Mehrzahl der Gemeindeglieder in Rabber lebte. Nachdem die kleine Marienkapelle in Rabber (Abbruch 1902) 1911/12 durch eine größere Kirche ersetzt worden war, wurde der Pfarrsitz mit dem 1. Januar 1912 dorthin verlegt.7 Das ehemalige Pfarrhaus in Barkhausen (errichtet Ende des 16. Jh., wohl der älteste ländliche Fachwerkbau des früheren Kreises Wittlage) wurde an die Stadt Bremerhaven verkauft und in ein Schullandheim umgewandelt.8 Als Gemeindehaus in Barkhausen dient heute die 1876 erbaute Alte Schule. In Rabber wurde 1977 ein eigenes Gemeindehaus eingeweiht.
Mit dem 1. Januar 1986 wurde die KapG Rabber-Brockhausen aufgehoben9, zugleich aber der bisherigen Marienkapelle in Rabber der Status einer Gemeindekirche verliehen. Die Kirchengemeinde Barkhausen-Rabber bildet jetzt gemeinsam mit den KG Bad Essen (Essen) und Lintorf eine Region innerhalb des KK Bramsche.
Seit 1993 besteht eine Partnerschaft mit der Gemeinde Chatsworth der Evangelical Lutheran Church in Southern Africa (KwaZulu-Natal, Südafrika).

Umfang

Das Dorf Barkhausen, die Bauerschaften Brockhausen, Büscherheide, Linne und Rabber (bis 1986 KapG), das Landgut Krittenstein. Büscherheide wurde später (vor 1853) teilweise nach Bohmte und nachher in die (westfälische) KG Börninghausen umgegliedert.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Lübbecke der Diözese Minden. – Barkhausen unterstand vor der Einführung der Insp.-Einteilung im Fsm. Osnabrück der Aufsicht des Amts Wittlage und Hunteburg. 1821 kam es zur 2. Insp. (Buer, ab 1924: KK Buer; 1973 umbenannt in KK Melle). Mit dem 1. Januar 2013 in den KK Bramsche umgegliedert.

Patronat

Der Abt des Benediktiner-Klosters St. Mauritii et Simeonis in Minden. 1696 ging das Patronatsrecht auf den Landesherrn (Brandenburg-Preußen) über.10 1818 wurde es vertraglich von Preußen an Hannover abgetreten. 1871 erloschen.

Kirchenbau – Barkhausen
Kirche, Grundriss, 1915

Kirche, Grundriss, 1915

Der erste Sakralbau (Kapelle) wurde im 15. Jh. zur heutigen Katharinenkirche erweitert. Reste des früheren KapGb sind in der Bausubstanz noch erhalten. Einschiffiger Saalbau zu zwei quadratischen Jochen, 3/8-Chorschluss (erste Hälfte 13. Jh.). Ein weiteres, schmales Westjoch wurde wohl im Zusammenhang mit dem Neubau des Turms 1783 angefügt. Südportal von 1729. Renovierung 1915/16. Die Ausmalung des Kunstmalers Koch (Hannover) aus dem Jahr 1916 wurde bei der Renovierung von 1991 wiederhergestellt. Innen gegliedert durch zwei Emporen.

Turm

Westturm mit ins Achteck überführtem Schieferhelm (1783).

Ausstattung

Barocker Schnitzaltar im Knorpelstil (1671). – Kanzel aus der ersten Hälfte des 17. Jh. mit Stifterwappen (1671 gestiftet von Hedwig von dem Bussche-Ippenburg). – Taufengel (1. Viertel 18. Jh.), später zu einem Verkündigungsengel umgestaltet – Gotisches Chorgestühl, wohl aus dem Mauritiuskloster in Minden. – Pastorengrabsteine des 17. Jh. im Turm.

Blick in den Chor

Blick in den Chor

Orgel

Eine Orgel wird 1625 als „alt“ bezeichnet11, 1632 durch einen Neubau ersetzt und unter P. Johann Heinrich Schloymann (amt. 1683-1698) vom Chorraum auf den Orgelboden verlegt. Spätbarocker Prospekt von 1721 über dem Altar, wahrscheinlich von Christian Vater. 1772 Neubau durch den Orgelbauer Berner (Osnabrück). 1914/16 Neubau des Werks durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 18 (davon 2 Transmissionen), pneumatische Traktur, Taschenladen. 1970 Neubau durch Firma Hans Wolf (Verden), 7 I/-, mechanische Traktur, Schleifladen. 1973 Erweiterung (II. Bauabschnitt) um ein Pedalwerk auf 11 I/P durch Firma Hillebrand (Altwarmbüchen). 2007 Instandsetzung durch Uwe Knaak (Melle).

Geläut

Drei LG, I: es’ (Bronze, Gj. 2000, Firma Petit & Gebrüder Edelbrock, Gescher); II: ges’ (Bronze, Gj. 2000, Firma Petit & Gebrüder Edelbrock, Gescher); III: d’’ (Bronze, Gj. 1739, Joh. Philipp Kg.). – Früherer Bestand: 1942 wurden die große und mittlere LG (I: Gj. 1927; II: Gj. 1792, beide Bronze) abgegeben und 1949 durch zwei Eisenhartgussglocken der Firma J. F. Weule (Bockenem) in es’ und ges’ ersetzt (beide 1999 stillgelegt).

Kirchenbau – Rabber

Rabber.

Friedhof

Friedhof, ursprünglich Eigentum der KG. Anfang der 1930er Jahre durch die politischen Gemeinden Barkhausen und Linne erweitert. Übergang der Verwaltung auf die damalige Samtgemeinde Barkhausen. FKap (Bj. 1971).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 3 Nr. 36-43 (Kons. Osnabrück, Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 121 und 123 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 508-514 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 2791 (Visitationen); D 41 (EphA Melle).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 237, Nr. 8; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 189; Dühne, Osnabrück, S. 119-124; Nöldeke, KD Kr. Wittlage und Bersenbrück, S. 9-12; Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 192 f.
B: Wilhelm Bettinghaus: Zur Heimatkunde des Osnabrücker Landes mit besonderer Berücksichtigung des Kirchspiels Barkhausen, Hannover 1880; Fritz-Wilhelm Renzelberg: Die ev.-luth. Kirchengemeinde Barkhausen-Rabber, in: Die Gemeinde Bad Essen in Vergangenheit und Gegenwart, [Bad Essen 1975], S. 186-188; Rudolf Schuster: Geschichte der Glocken, [Barkhausen-Rabber um 1992], Willi vom Hofe: Reformation in Bad Essen, Barkhausen-Rabber, Lintorf, 1625-1650 [Osnabrück 1975].


Fußnoten

  1. Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 94.
  2. Westfälisches UB X, Nr. 41.
  3. Westfälisches UB VI, Nr. 1503.
  4. Westfälisches UB X, Nr. 498.
  5. Hoyer UB I, Nr. 388.
  6. Wöbking, Konfessionsstand, S. 121 f.
  7. KABl. 1911, S. 104 f.
  8. Renzelberg, S. 187.
  9. KABl. 1986, S. 3.
  10. Bettinghaus, S. 69.
  11. Bericht Lucenius, zit. nach Hofe, S. 14.