Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen | Patrozinium: Johannes der Täufer1 | KO: Calenberger KO von 1569
Orts- und Kirchengeschichte
Schriftlich ist der Ort erstmals als Kyrstingeroth in einer Urkunde erwähnt, die angeblich aus der Zeit zwischen 1118 und 1137 stammt; es handelt sich allerdings um eine Fälschung aus dem 13. Jh.2 Mit Gerlacus der Kirstelingerode um 1260 und Hermannus de Kirstelingerode 1263 ist Kerstlingerode als Herkunftsname belegt.3 Kerstlingerode gehört zu den fünf Gartedörfern (Gericht Garte), mit deren Vogtei Hzg. Ernst I. zu Braunschweig-Lüneburg († 1367) im Jahr 1326 die Familie von Kerstlingerode belehnt haben soll.4 Territorial waren die Gartedörfer anscheinend Teil des welfischen Teilfsm. Göttingen.5 Nachdem die Göttinger Linie der Welfen mit Hzg. Otto Cocles († 1463) in männlicher Linie ausgestorben war, wurde das Territorium 1495 bzw. 1512 Teil des Fsm. Calenberg-Göttingen („Kernlande Hannover“, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover). Ende des 16. Jh. versuchte der Mainzer Erzbischof, die Landeshoheit über das Gericht Garte zu erlangen, scheiterte jedoch. Als welfisches Lehen blieben die Gartedörfer „mit allen hohen und bürgerlichen Gerichten und aller Gerechtigkeit an Zehnten, Zinsen usw., dem Patronat, dem Vogthafer und den freien Krügen“ bis 1641 bei der Familie von Kerstlingerode. Nachdem sie in männlicher Linie ausgestorben war, kam das Gericht nach mehreren Besitzwechseln (von Hopfgarten, von Feuerschütz, von Hammerstein, von Uslar) im Jahr 1707 an die Familie von Schlitz, genannt von Görtz (später von Görtz-Wrisberg). In französischer Zeit gehörte Kerstlingerode von 1807 bis 1813/14 zum Kgr. Westphalen (Kanton Bremke, Distrikt Göttingen, Leine-Departement). Seit 1815 zählte der Ort, nun im Kgr. Hannover, wieder zum restituierten Patrimonialgericht Garte, das bei seiner Aufhebung 1839 im Amt Reinhausen aufging. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Kerstlingerode 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam der Ort zum Lkr. Göttingen (neugebildet 1973 und 2016). 1973 wurde Kerstlingerode Teil der neuen Gemeinde Gleichen. Zur Sozialstruktur der Gemeinde notierte der Ortspfarrer 1965: „50 % Bauern […], 45 % Pendler und 5 % Handwerker“.6 Um 1810 lebten gut 320 Menschen in Kerstlingerode und 2024 gut 210.
Zur mittelalterlichen Kirchengeschichte Kerstlingerodes ist wenig bekannt. Der Bischhäuser P. Johann Wilhelm Heise (amt. 1712–1726) schrieb in seinen 1724 gedruckten Antiquitates Kerstlingerodanae, ein Ritter Heise V. von Kerstlingerode habe Kirche und Pfarre im Jahr 1089 gleichzeitig mit dem Dorf erbauen lassen.7 Urkundlich belegen lässt sich diese Behauptung nicht. Mit dominum Heinricum de Crebecke, plebanum in Kirstelingerade ist 1315 erstmals ein Pfarrer in Kerstlingerode urkundliche nachgewiesen.8 Im Jahr 1361 war dominus Ludolfus Wigandi rector ecclesie parochialis in Kerstelingerade und die Zeugenliste einer Urkunde von 1383 nennt den Pfarrer Hildebrand in Kerstlingerode.9 Wohl bereits in vorref. Zeit gehörten Rittmarshausen und Beienrode als Tochtergemeinden (filia) zum Kirchspiel Kerstlingerode.10 Nördlich des Dorfes am Weg nach Rittmarshausen soll vor der Reformation „in klein Oratorium, oder Clause“ gestanden haben, in der sich ein Bildnis von St. Anna, der Mutter Marias, befand.11
Im Fsm. Göttingen führte Hzgn. Elisabeth zu Braunschweig-Lüneburg († 1558) die luth. Lehre ein: 1542 setzte sie die von Antonius Corvinus verfasste Kirchenordnung in Kraft und 1542/43 ließ sie die Gemeinden, Stifte und Klöster des Fürstentums visitieren.12 Im Jahr 1545 übernahm ihr nunmehr volljähriger Sohn als Hzg. Erich II. die Regierungsgeschäfte und wechselte 1547 zum kath. Glauben. Die Calenbergischen Stände widersetzten sich jedoch seinen Rekatholisierungsbestrebungen und konnten 1553/55 die Beibehaltung der luth. Lehre in den Kirchspielen des Fürstentums sicherstellen. Nach dem Tod Erichs II. fiel das Fsm. Calenberg-Göttingen 1584 an Braunschweig-Wolfenbüttel und Hzg. Julius († 1589) führte seine 1569 aufgestellte ev. KO auch hier ein.13 1588 ließ er die Gemeinden visitieren. Die Gartedörfer blieben in den Protokollen dieser Visitation unerwähnt.
Gut ein Jahrzehnt nachdem Hzgn. Elisabeth im Fsm. Göttingen die luth. Lehre eingeführt hatte, berief Margarethe von Kerstlingerode geb. von Bischhausen zwei ev. Prediger für die fünf Gartedörfer.14 P. Johann Polle (amt. 1554–1597) war der erste luth. Pastor in den drei verbundenen Gemeinden Kerstlingerode, Beienrode und Rittmarshausen. Im Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig, angelegt um 1600, sind die beiden letztgenannten als filiæ in Kerstlingeroda bezeichnet.15 Aus der Amtszeit von P. Johann Koler (amt. 1598–1624) stammt das älteste erhaltene Ausstattungsstück der Kerstlingeröder Kirche: Der Taufstein aus dem Jahr 1606. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) betreute mit P. Valentin Arend (amt. 1629–1632) kurzzeitig wieder ein kath. Geistlicher die Parochie. In den folgenden Jahren versah der Bischhäuser Pastor das Kirchspiel Kerstlingerode mit.
Im Jahr 1635 erhielten die drei Gemeinden wieder einen eigenen Prediger. P. Petrus Lieb (amt. 1635–1669) setzte sich bei der Visitation 1652 dafür ein, dass Beienrode und Rittmarshausen eigene Lehrer erhielten, „weil darin viel Kinder, in jedem Dorf bei 40“ seien.16 Zudem predigte er in den beiden Filialdörfern nicht mehr alle zwei Wochen, sondern – wie auch in Kerstlingerode selbst – an jedem Sonntag.17 Hinzu kamen halbjährliche Abendmahlsgottesdienste für die luth. Familien im ref. Etzenborn (bis 1927).18 In P. Liebs Amtszeit fiel 1650 die Instandsetzung der Kirche in Kerstlingerode.
Im Jahr 1733 errichtete die Gemeinde unter Einbeziehung von Resten des Vorgängerbaus eine neue Kirche, von der sich der Kirchturm bis heute erhalten hat. Ein Chronikeintrag von P. Johann Heinrich Ludolf Henke (amt. 1835–1876) aus dem Jahr 1837 gewährt einen kleinen Einblick in den Innenraum der Kirche: „Der Altar ist mit künstlichen geschmackvollem Schnitzwerk in Blumen und Arabesken aus verschiedenen Holzarten geziert und fasst ein recht gutes Bild auf Leinen die Verkündigung Mariens darstellend. Schade, dass dies Bild so wenig vor Nägeln verschont geblieben ist, an denen die Totenkronen aufgehängt sind, wovon man nur vorsichtig und nach und nach die ganz alten und schon verwesten hinwegräumen oder umhängen durfte.“19 Das Kirchenschiff ließ die Gemeinde 1857 abbrechen und einen neoromanischen Neubau errichten. Mitte November 1858 weihte sie ihre neue Kirche ein. 1931 gründete sich ein Posaunenchor.
Während der NS-Zeit hatten nacheinander P. Eugen Mattiat (amt. 1928–1933) und P. Günther Helmke (amt. 1934–1940) das Pfarramt Kerstlingerode inne; ab 1940 war die Pfarrstelle vakant. Im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ ist zur politischen und kirchenpolitischen Einstellung bei P. Mattiat vermerkt: „SS-Führer, Ober-Pg. u[nd] DC.“, bei P Helmke: „war erst DC., trat dann aus“.20 Zu P. Mattiat heißt es weiter, er habe nach seinem Weggang aus Kerstlingerode das Dorf häufig besucht, „war inzwischen selber aus der Kirche ausgetreten, dafür SS-Gruppenführer, ließ seine Kinder nicht mehr taufen und bezeichnete die, die noch zur Kirche gingen, mehr oder weniger deutlich als Kamele“.21 Zur Zusammensetzung des 1933 neu gewählten KV findet sich im Fragebogen lediglich der Satz: „Die Bauern sind immer dieselben geblieben.“22 Zur Hebung des kirchlichen Lebens in den Gemeinden beschloss der KV bei der Visitation 1936, es solle „versuchsweise an jedem 3. Sonntag in allen 3 Kirchen statt des bisherigen Predigtgottesdienstes eine gottesdienstliche Feier gehalten werden, in deren Mittelpunkt die Kinderlehre steht“.23
Aufgrund des Zuzugs Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Zahl der Gemeindeglieder von 310 im Jahr 1936 auf fast 570 im Jahr 1947 an (Rittmarshausen: 465 und 1.065, Beienrode: 265 und 445).24 Mit dem Ostgeistlichen P. Günther Böhme (amt. 1946–1955) hatte Kerstlingerode wieder einen eigenen Geistlichen erhalten. Neben den Gottesdiensten in den drei Kirchen hielt P. Böhme seit 1948 auch alle zwei Wochen einen luth. Gottesdienst im ref. Etzenborn (in der Schule, 1959 nicht mehr).25 Ab 1950 bestand in Etzenborn ein eigener, ev.-luth. KV, der 1957 wegen „Wegzug ganz treuer Lutheraner“ nicht neu aufgestellt wurde.26
Nach der Visitation 1977/78 merkte der Sup. des KK Göttingen-Süd an: „Überraschend war das übereinstimmende Bekenntnis aller Kirchenvorstände und Kirchenvorsteher, daß die drei Gemeinden eine Einheit bilden.“27 Von Rivalitäten zwischen Beienrode, Kerstlingerode und Rittmarshausen sei nichts zu spüren. Ab 1985 teilte sich das Ehepaar P. Gottfried Haferburg (amt. 1981–1998) und Pn. Christiane Haferburg (amt. 1985–1998) die Pfarrstelle. Zum 1. Juli 1998 wandelte das Landeskirchenamt die gemeinsame Pfarrstelle der drei Gemeinden in eine halbe Stelle um.28 Ein Pastor im Ehrenamt unterstützte die kirchliche Arbeit in den drei Dörfern.
Zur gemeinsamen Erfüllung kirchengemeindlicher Aufgaben gründete die St.-Johannes-der-Täufer-KG Kerstlingerode zusammen mit den benachbarten KG Beienrode, Benniehausen, Gelliehausen, Rittmarshausen und Wöllmarshausen zum 1. Januar 2009 den „Ev.-luth. KGV Oberes Gartetal“.29 Drei Jahre später fusionierten die sechs Gemeinden zur „Ev.-luth. Apostel-KG Gleichen“.30
Umfang
Kerstlingerode.
Aufsichtsbezirk
Archidiakonat Nörten der Erzdiözese Mainz (sedes Geismar).31 – 1588 zur Insp. Dransfeld, seit Verlegung des Superintendentursitzes 1636/37 Insp. Göttingen (Sitz an St. Johannis in Göttingen), bei deren Teilung 1796/97 zur neuen Insp. Göttingen Zweyter Teil. 1924 zum KK Göttingen II, 1937 zum KK Göttingen-Süd.32 Ab 1. Januar 2001 KK Göttingen.33 Seit 1. Januar 2023 KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen.34
Patronat
Die Besitzer des Gutes Rittmarshausen (dingliches Patronat): Bis 1641 die Familie von Kerstlingerode, nach mehrfachem Besitzwechsel (von Hopfgarten, von Feuerschütz, von Hammerstein, von Uslar) seit 1707 die freiherrliche Familie von Schlitz, genannt von Görtz (später von Görtz-Wrisberg).35 Das Patronat blieb bei Aufhebung der Kirchengemeinde 2012 bestehen (Kompatronat für die neue Apostel-KG Gleichen).36
Kirchenbau
Neoromanischer Rechteckbau mit eingezogenem Rechteckchor, Vorbau an der Südseite des Chors sowie zwei Eckrisaliten im Westen, erbaut 1857/58. Satteldächer über Schiff und Chor, Pultdach über dem Anbau, Querdächer über den Eckrisaliten, alle ziegelgedeckt. Mauerwerk aus Sandsteinquadern, rundbogiger Trauffries, Eckpfeiler an den Ostecken des Schiffs, Ecklisenen im Osten des Chors und an den Eckrisaliten. An den Längsseiten des Schiffs je drei große, rundbogige Sprossenfenster, an Nord- und Südseite des Chors gekuppelte Rundbogenfenster mit Teilungssäulchen, nach Osten dreiteilige, rundbogige Fenstergruppe mit Teilungssäulchen, im Giebel Kreisfenster; Rundbogenportale an den Eckrisaliten, darüber Kreisfenster; rundbogiges Nebenportal am südlichen Choranbau. Im Innern u-förmige Emporenanlage, flache Decken über den Seitenemporen und an den Längsseiten des Chors, in der Mitte Tonnengewölbe; runder Triumphbogen zwischen Chor und Schiff. 1979/80 Renovierung.
Turm
Vierseitiger Westturm mit welscher Schieferhaube und offener, achtseitiger Laterne, bekrönt mit Kugel, Wetterfahne und Kreuz, erbaut 1733. Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung, Fenster mit Werksteineinfassung. Im Glockengeschoss an jeder Seite ein segmentbogiges Schallfenster, darüber nach Norden, Süden und Westen Uhrziffernblatt. In den übrigen beiden Geschossen je ein segmentbogiges Fenster nach Norden, Süden und Westen. 2011 Neudeckung Turmhelm.
Vorgängerbauten
Vorref. Kirchengebäude nach Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) im Jahr 1650 instandgesetzt. In der Kirche befand sich die Gruft der Familie von Kerstlingerode; bei Öffnung der Gruft 1704 stand dort u. a. der Zinnsarg von Otto Christoph von Kerstlingerode († 1641).37 1733 Neubau von Kirche und Turm unter Einbeziehung von Resten des Vorgängerbaus.38 1812 Instandsetzung.
Ausstattung
Barockes Altarretabel, verziert mit Akanthusschnitzwerk (1730), ursprünglich Kanzelaltar, im Mittelfeld Gemälde (Mariä Verkündigung), flankiert von korinthischen Säulen, die verkröpftes Gebälk mit Segmentbogengiebel tragen; im oberen Feld Wappen flankiert von Voluten, Inschrift: „Gott allein die Ehre, darüber Segmentbogengiebel, bekrönt mit Vasen sowie strahlenumkränzten Medaillon mit hebräischem Gottesnamen (יהוה); in der Predella Inschriften: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Matth XI,28“ und „Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben Joh. VI,54“; kastenförmiger Altar mit seitlichen Schranken; links und rechts des Retabels segmentbogige Durchgänge; 1958 Altargemälde restauriert. – Barocke Kanzel mit Schalldeckel (1730), ursprünglich Teil des Altars, leicht bauchiger Kanzelkorb auf einer Rundsäule. – Pokalförmige Sandsteintaufe (1606), rundes Becken, sechsseitiger Schaft mit Engelsköpfen, sechsseitiger Fuß; Inschriften am Becken: „Wer da glavbt v[ndt] getavft wird der wird selig wer nit glavb [et]c[etera]. Marci am 16“ und „Iohan Koler Pastor, H Degenhart, H Romer Anno 1606“.39 – Ehemalige Ausstattung: Altar (1603), Inschrift: „Anno 1603. hat diese Taffel der T. U. E. Hanß Wilhelm von Kerstlingeroda in die Kirche Kerstlingeroda zu Gottes Ehren verehret. So ist nun solche Taffel von s[eine]r Gestrengen nachgelassener Witwen der Edlen und viel Tugendsahmen Frau Maria von Kerstlingeroda Gebohrne von Minnigeroda nach Verfertigung zu Kerstlingeroda gesetzet“, 1724 noch vorhanden. – Kanzel (1586), verziert mit Schnitzwerk, 1618 farbig gefasst „reichlich verguldet“40, Inschrift: „1586. Johann Wilhelmus, Vir praestans atque fidelis, Kerstlingrodorum praeclara stirpe creatus, Nobilis, & fama multis memoratus in oris Hoc fieri fecit, nec non huc ponere jussit: At postquam aethereas vitam dispersit in auras, Duraque quem dederat cursum fortuna peregit, Sic poni, & pingi curat dulcissima conjux, Quam Deus omnipotens coeli dignetur honore 1618“ (etwa: 1586. Johann Wilhelm, ein hervorragender und treuer Mann, aus dem vornehmen Geschlecht von Kerstlingerode geboren, edel und in vielen Ländern durch seinen Ruf bekannt, ließ dies errichten und veranlasste, es hier zu setzen. Und nachdem er sein Leben in die himmlischen Lüfte entsandt hatte und das harte Schicksal vollendet hatte, das ihm beschieden war, sorgte die süßeste Gattin dafür, dass es so aufgestellt und gemalt werde – möge der allmächtige Gott sie im Himmel ehren. 1618), 1724 noch vorhanden. – Holzskulptur, Johannes der Täufer mit Lamm, 1724 noch vorhanden. – Gedenkstein, aufgestellt nach Renovierung der Kirche 1650, wohl bei Neubau der Kirche 1857/58 entfernt, Inschrift: „Heis Otto und Johann Wilhelm auß alten Stam Der von Christlingerod erhitzet von der Flam Der wahren Gottes Lieb bedachten dieses Hauß In welchem Christus selbst theilt seine Güter auß Auß Edler Mildigkeit mit einer reichen Steuer Auch brand das Hertze von der Milde gleichen Feuer Ott Christoph Ältesten des Ältern Bruders Sohn Des haben alle drey im Himmel grossen Lohn Und ob mit diesem schon ins finstre Grab sich legte Der Christlingrödisch Nahm doch solches Feuer hegte Biß an ihr Ende Frau Beata seine Rieb Fieng auch zu wenden an was Geber jener lieb An diese Kirch Henrich Christopff von Hopffgarten Und sein Gemahlin Ann Marie keine Kosten sparten Biß es so fertig war im grossen Freuden=Jahr Da unser Vatterland des Friedens habhafft war 1650“.41 – Epitaph für Johann Wilhelm von Kerstlingerode († 1603) und Maria von Minnigerode († 1619), 1857/58 zusammen mit dem Zinnsarg von Johann Wilhelm von Kerstlingerode verlorengegangen.42 – Kirchstuhl der Patronatsfamilie von Kerstlingerode mit drei Gemälden (Jakob mit Himmelsleiter, Christus und Samariterin am Brunnen, Jakobs Kampf mit dem Engel), bei Neubau der Kirche 1857/58 verlorengegangen.43
Orgel
Um 1650 Orgelneubau, Orgelbauer unbekannt. Um 1735/36 Neubau eines „Positivs“, Orgelbauer unbekannt, wahrscheinlich Johannes Creutzburg (Duderstadt). 1806 und 1814 Reparaturen. Zustand 1842: 12 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1860 Orgelneubau, ausgeführt von Carl Heyder (Heiligenstadt), 13 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen (Opus 42). 1966 Umbau, ausgeführt von Albrecht Frerichs (Göttingen), 14 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 2006 Restaurierung, Orgelbau Waltershausen, 13 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.
Geläut
Drei LG, I: gis’ (Bronze, Gj. 1970, Gebrüder Bachert, Bad Friedrichshall), Inschrift: „Herr Gott, du bist unsere Zuflucht fuer und fuer. Unseren Gefallenen“ sowie die Namen des Kirchenvorstandes, Bild: Kreuz; II: ais’ (Bronze, Gj. 1926, Firma Rincker, Sinn), 1970 „etwas nachgestimmt“44; III: cis’’ (Bronze, Gj. 1970, Gebrüder Bachert, Bad Friedrichshall), Inschrift: „O Land, Land, Land, hoere des Herrn Wort“, Bild: Kreuz. Eine SG, a’’ (Bronze, Gj. um 1900). – Früherer Bestand: Im Jahr 1724 waren drei Glocken vorhanden: I: größte Glocke (Bronze, Gj. vorref.), Inschrift: „Ave Maria gratia plena“ (Sei gegrüßt Maria, Gnadenreiche), Glocke zwischen 1724 und Ende des 19. Jh. umgegossen45; II: mittlere Glocke (Bronze, Gj. 1608, Hans Reuther, Göttingen), Inschriften: „Mit Gottes Hulfe goß mich Hanß Reuter zu Gottingen. Psallite Domino in buccinis et sono tubae“ (Lobpreiset den Herrn mit Hörnern und dem Klang der Trompete), „Johann Tornarius Superintendens Johann Coelerus Pastor loci Henrich Wessel Ober Ambtmann im Lande Göttingen Anno salutis 1608“ und „Zu der Ehre JESU Christi hat die Edle und Viel=Tugendsahme Frau Maria von Kerstlingeroda Witwe XXIV Taler Gefen“, Glocke Ende des 19. Jh. nicht mehr vorhanden46; III: kleine Glocke (Bronze, Gj. 1440), Inschrift: „Lucas. Marcus. Matthaeus. Johannes. Anno Domini MCCCCXL circa festum S[ancti Bonifacii“ (Im Jahr des Herrn 1440 um das Fest des heiligen Bonifatius), Bild: Maria, Glocke 1712 geborsten, 1812 zur Finanzierung von Reparaturarbeiten an der Kirche verkauft an Glockengießer Heinrich Gabel (Freyenhagen).47 Zwei Glocken im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben.
Weitere kirchliche Gebäude
Pfarrhaus (Bj. 1967). – Küsterhaus (Bj. 1763).
Friedhof
Ehemaliger kirchlicher Friedhof bei der Kirche. Neuer kirchlicher Friedhof am südöstlichen Ortsrand, FKap (Bj. 1974).
Liste der Pastoren (bis 1940)
1554–1597 Johann Polle. – 1598–1624 Johann Coeler (Koler). – 1624–1629 Conrad Essegerus. – 1629–1632 Valentin Arend (kath.). – 1635–1669 Petrus Lieb. – 1670–1679 Christoph Coeler (Köhler). – 1679–1708 Christoph Heise. – 1708–1725 Gottlieb Christoph Heise. – 1726–1744 Friedrich Hille(n). – 1744–1792 Ernst August Heise. – 1793–1833 Theodor Friedrich Moritz Reinmann (Reinemann). – 1835–1876 Johann Heinrich Ludolf Henke (Bild). – 1877–1886 Justus Heinrich Wilhelm Meyer. – 1887–1899 Adolf August Merker. – 1899– 1904 Johann Friedrich Christian Christoph Schünemann. – 1904–1911 Carl Louis Arthur Rabe. – 1911–1917 Ernst Karl Adolf Eduard Ubbelohde. – 1917–1927 August Theodor Hermann Friedrich Harries. – 1928–1933 Eugen August Bernhard Mattiat. – 1934–1940 Gustav Rudolf Hermann Günther Helmke.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 11–12
Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)
A 1 Nr. 6456–6466 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 295 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 4376–4381 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1269
, 1270
, 1271
, 1272
, 1273
, 1274
(Visitationen); B 2 G 9 Nr. 1727–1729, 3396 (Baupflege und Bauwesen); B 2 G 9 B Nr. 369 (Orgel- und Glockenwesen); S 09 rep Nr. 1543 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 8015 (Findbuch PfA); S 11a Nr. 8140 (Findbuch EphA).
Kirchenbücher
Taufen: ab 1636 (Lücken: 1641, 1670–Okt. 1679)
Trauungen: ab 1636 (Lücken: 1641, 1670–Okt. 1679)
Begräbnisse: ab 1636 (Lücken: 1641, 1670–Okt. 1679)
Kommunikanten: ab 1706 (Lücken: 1754–15. n. Tr. 1755, 1755, 1789–1792)
Konfirmationen: ab 1794
Vgl. Beienrode, Rittmarshausen
Literatur & Links
A: Bielefeld, Orgeln im Umland, S. 169–174; Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 236–237; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 794; Eichenberg, KK Göttingen-Süd, S. 43–47; Lücke, Burgen und Gutshöfe, S. 176–182; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Duderstadt, S. 272–274; Meyer, Pastoren II, S. 11–12; Mithoff, Kunstdenkmale II, S. 118–119.
B: Trauregister aus den Kirchenbüchern Südniedersachsens Teil 18: 1801–1850. Göttingen Ost: Beienrode, Bischhausen, Bremke, Ischenrode, Kerstlingerode, Rittmarshausen, Weißenborn, hrsg. von der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Göttingen e. V., Norderstedt 2020; Johann Wilhelm Heise: Antiquitates Kerstlingerodanae Oder Alte Kerstlingerödische Denckwürdigkeiten, Frankfurt und Leipzig 1724 [Digitalisat], bes. S. 281–292; Wolfgang Ollrog: Das Gericht Garte mit seinen fünf Dorfschaften Rittmarshausen, Kerstlingerode, Beienrode, Weißenborn und Bischhausen. Ein Beitrag zur Geschichte der Landschaft, des Rittersitzes, der fünf Dörfer und der beiden Kirchen des Gerichts Garte nach Niederschriften der Pastoren Theodor Friedrich Moritz Reinmann (1793–1833) und Ludolph Henke (1835–1876), beide frühere Pfarrherrn der Parochie Kerstlingerode, o. O. 1955, bes. S. 25–30.
Internet: Denkmalatlas Niedersachsen: Kirche; Wikipedia: St. Johannes der Täufer (Kerstlingerode).
Fußnoten
- Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 158, und II, S. 73.
- Mainzer UB I, Nr. 615 [Digitalisat]; UB Reinhausen, Nr. 3. Für weitere Belege und zum Ortsnamen vgl. Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 236 f.
- UB Eichsfeld, Nr. 413 und Nr. 442.
- Zur Besitzfolge: Lücke, Burgen und Gutshöfe, S. 177 ff.; Ollrog, S. 15 ff.
- Insgesamt: Pischke, Landesteilungen, bes. S. 45 ff., S. 75 ff. und S. 180 ff.
- LkAH, L 5c, unverz., Kerstlingerode, Visitation 1965.
- Heise, Antiquitates, S. 287 [Digitalisat].
- UB Mühlhausen, Nr. 681 [Digitalisat].
- UB Hilwartshausen, Nr. 221. UB Reinhausen, Nr. 172.
- Bruns, Archidiakonat Nörten, S. 167.
- Heise, Antiquitates, S. 289 [Digitalisat].
- Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 708 ff.; Butt, S. 47 ff.
- Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 83 ff.
- Ollrog, S. 9 f.; Heise, Antiquitates, S. 291 [Digitalisat] und S. 301 [Digitalisat].
- LAW, V 231, Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig…, S. 59.
- Kayser, Generalvisitation Gesenius, S. 193.
- Ollrog, S. 26.
- LkAH, L 5c, unverz., Kerstlingerode, Visitation 1947.
- Jeweils teilweise zit. bei Ollrog, S. 28, und in LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 369, Bl. 8.
- LkAH, S 1 H III, Nr. 414, Bl. 17. Allgemein zum Fragebogen vgl. Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
- LkAH, S 1 H III, Nr. 414, Bl. 17v; LkAH, B 7 Nr. 3830; Klee, Personenlexikon, S. 395; Böhme, Denecke u. a., Göttingen I, S. 418 und S. 622 ff. Mattiat war 1934 Landeskirchenrat in Hannover und wechselte dann als Referent ins Reichswissenschaftsministerium. Gleichzeitig übernahm er – ohne Promotion oder Habilitation – ein Extraordinariat für Praktische Theologie und Volksunde in Berlin, 1938 eines für Deutsche Volkskunde in Göttingen. Während Kriegsgefangenschaft und Internierung (bis 1948) näherte er sich der Kirche wieder an, war ab 1950 Gemeindehelfer bei P. Bruno Benfey in der Göttinger St. Mariengemeinde. Nach einem Kolloquium 1952 kehrte er ins Pfarramt zurück (1953 Clausthal-Zellerfeld, 1960 Dorste).
- Dies und das folgende Zitat: LkAH, S 1 H III, Nr. 414, Bl. 17.
- LkAH, L 5c, unverz., Kerstlingerode, Visitation 1936.
- LkAH, L 5c, unverz., Kerstlingerode, Visitationen 1936 und 1947.
- LkAH, L 5c, unverz., Kerstlingerode, Visitationen 1954 und 1959.
- LkAH, L 5c, unverz., Kerstlingerode, Visitation 1959.
- LkAH, L 5c, unverz., Kerstlingerode, Visitation 1977/78.
- KABl. 1998, S. 101.
- KABl. 2009, S. 128 f.
- KABl. 2011, S. 299 ff.
- Bruns, Archidiakonat Nörten, S. 167.
- KABl. 1924, S. 86; KABl. 1937, S. 135.
- KABl. 2000, S. 150 f.
- KABl. 2022, S. 189 ff.
- Lücke, Burgen und Gutshöfe, S. 178 f.
- KABl. 2011, S. 299 ff.
- DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 379† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0037908.
- Ollrog, S. 27.
- DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 282 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0028203.
- Heise, S. 287 [Digitalisat].
- DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 403† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0040302.
- DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 321† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0032105 und DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 269† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0026907.
- DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 272† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0027207.
- LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 369, Bl. 80.
- DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 104† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0010404.
- DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 286† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0028601.
- DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 43† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di066g012k0004306; Ollroge, S. 27.