Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen | Patrozinium: Bartholomäus | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Beienrode unterstand dem Gericht Garte, das sich bis 1641 im Besitz der Herren von Kerstlingerode befand. Die Landesherrschaft war wohl noch 1592 zwischen den Welfen und dem Ebf. von Mainz strittig1, fiel jedoch letztlich an die Welfen (Fsm. Göttingen). Nach dem Erlöschen der von Kerstlingerode wurde das Lehen 1641 durch den Hzg. eingezogen und 1707 dem Kammerpräsidenten Friedrich Wilhelm von Schlitz, genannt von Goertz übertragen. 1728 fiel es an dessen Enkel Carl Friedrich von Goertz(-Wrisberg) .2 Mit dem Verzicht der Gf. von Goertz-Wrisberg auf die Untergerichtsbarkeit (1839) wurde Beienrode in das Amt Reinhausen eingegliedert. – Seit 1973 Ortsteil der Gemeinde Gleichen.

Kirche, Ansicht von Süden, um 1953

Kirche, Ansicht von Süden, um 1953

Die Gründung der Kirche wird von Johann Wilhelm Heise auf das Jahr 1432 datiert.3 Sie war Filial von Kerstlingerode mit zeitweilig zweiwöchentlichem, um 1724 wöchentlichem Sonntags-GD. Beienrode galt als „eine von den reichesten Kirchen auff der Garte“.4 Unter der Verwaltung des Rudolf Johann von Wrisberg (als Vormund für Carl Friedrich von Goertz-Wrisberg) wurde das von einem Blitz beschädigte KGb 1732 wieder aufgebaut (inschriftlich dat. an der Kirche), der Turm 1740 ausgebessert und erhöht.
Zum 1. Januar 2009 wurden die KG Beienrode, Benniehausen, Gelliehausen, Kerstlingerode, Rittmarshausen und Wöllmarshausen zum Ev.-luth. KG-Verband „Oberes Gartetal“ zusammengeschlossen5 und mit dem 1. Januar 2012 zur Ev.-luth. Apostel-KG in Gleichen vereinigt.6

Umfang

Das Dorf Beienrode.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Geismar) der Erzdiözese Mainz. – 1588/89 zur General- und Spezial-Insp. Münden; nach 1636 der Insp. Göttingen und 1796 der neu gebildeten Insp. (1924: KK) Göttingen II (mit Sitz an St. Jacobi) zugelegt. Bei der Neuordnung der Göttinger Aufsichtsbezirke zum 1. April 1937 KK Göttingen-Süd. Seit 1. Januar 2001 KK Göttingen.

Kirchenbau

Spätbarocke, verputzte Saalkirche; innen durch eine flache, segmentbogige Holztonne geschlossen. 1983/85 renoviert.

Turm

Laternenbekrönter Westturm.

Grablege

Im Gewölbe unter dem Turm befand sich das Begräbnis des Amtmanns Johann Conrad Piepenbrink († 1735) und seiner Familie, die bei Renovierungsarbeiten 1922 auf den Friedhof umgebettet wurden.

Ausstattung

Dreigeschossiges Altarretabel mit einem architektonischen Aufbau aus der Zeit der Spätrenaissance. In der Predella ein Gipsrelief mit der Darstellung des heiligen Abendmahls (1603), im Hauptbild die Auferweckung des Lazarus (19. Jh.). Säulenstellung flankiert von Figuren der Tugenden Fortitudo, Justitia und Castitas (links) sowie Caritas, Fides und Prudentia (rechts). Das Retabel stammt ursprünglich aus Kerstlingerode und kam wohl beim Neubau der dortigen Kirche nach Beienrode. – Hölzerne Kanzel mit Figuren der Evangelisten in Muschelnischen in den Brüstungsfeldern (wohl 1618). – Runde, Kelchförmige Sandsteintaufe mit Putten- und Blumendekor (Anfang 17. Jh.).7

Orgel

Ihre erste Orgel erhielt die Kirche vermutlich Ende des 18. Jh. 1878 Neubau durch Carl Heyder (Heiligenstadt). 1963 Umbau durch Firma Paul Ott (Göttingen), 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. – Denkmalorgel.

Geläut

Zwei LG, I: h’ (Bronze, Gj. 1970, Firma Bachert); II: cis’’ (Bronze, Gj. 1811, Christoph Gabel, Freienhagen). – Eine SG in es’’’ (Bronze, um 1800).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 6464-6466 (Pfarroffizialsachen).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 204; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Duderstadt, S. 252.
B: Otto Fahlbusch: Die lateinischen Inschriften an den Kirchen zu Beienrode, Weißenborn und Bischhausen, in: Göttinger Jahrbuch 1959, S. 121-126; Heinrich Lücke: An den Ufern der Garte: Historisches und Literarisches aus der Südostecke des Göttinger Landes, Mecke 1989.


Fußnoten

  1. Lücke, S. 64.
  2. Fahlbusch, S. 121.
  3. Heise, Antiquitates, S. 298.
  4. Heise, Antiquitates, S. 298.
  5. KABl. 2009, S. 128 f.
  6. KABl. 2011, S. 299-302.
  7. Mathies, Taufbecken, S. 114.