Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen | Patrozinium: Martin | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

1189 als Bischoppeshusen erstmals erwähnt (Fälschung des 13. Jh.); 1258 Biscopeshusen.1 Bischhausen gehörte zum Gericht Garte, das seit dem späten Mittelalter als welfisches Lehen den Herren von Kerstlingerode unterstand (seit 1521 mit Zentrum auf dem Gutshof in Rittmarshausen). Nach dem Aussterben des Geschlechts 1641 wurde das Lehen durch den Landesherrn (Fsm. Göttingen) eingezogen. 1707 gelangte das Gut Rittmarshausen mit den Rechten in den Gartedörfern in den Besitz des Kammerpräsidenten Friedrich Wilhelm von Schlitz, genannt von Goertz. Mit dem Verzicht der Gf. von Goertz-Wrisberg auf die Gerichtsbarkeit wurde das Gericht Garte 1839 dem Amt Reinhausen einverleibt.

Kirche, Ansicht von Norden

Kirche, Ansicht von Norden

Nach den Antiquitates Kerstlingerodanae von Johann Wilhelm Heise (Pfarrer in Bischhausen von 1712 bis 1726) soll Ritter Heiso V. von Kerstlingerode 1004 an der Stelle eines vorchristlichen Kultplatzes die dem heiligen Martin geweihte Kapelle fundiert und einen Priester Namens Gotthard dort angestellt haben.2 Zumindest die Datierung gilt jedoch als unsicher. Filial von Bischhausen war die Nikolaikirche in Weißenborn.3 1266/68 wird Theodericus de Biscopeshusen als sacerdos bzw. plebanus genannt.4 Als ersten luth. Geistlichen führt Meyer P. Johann Pflug (Amtszeit unbekannt).5 Nach Heise hat Christian Breithaupt 1554 zum ersten Mal luth. gepredigt und das Abendmahl in beiderlei Gestalt gereicht. Er starb 1573; Nachfolger wurde P. Christian Rohden († 1598), den GSup. Sotefleisch 1592 aufforderte, die KO anzuerkennen. 1641 brannte das Oberdorf samt der Pfarre nieder.
Der bis 1939 amtierende P. Max Beckmann war Mitglied der DC, schied dann aus der Landeskirche aus und wurde hauptamtlicher Gauhauptstellenleiter der NSV in Hannover. Seither war die Pfarre nur noch mit Kriegsvertretungen besetzt. Gruppen, Kreise und Einrichtungen bestanden nicht. Die ev. Schule wurde in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sank die Zahl der Gemeindeglieder auf wenig mehr als 700 (1975: 712). Die KG Bischhausen wurde daher mit dem 1. Juli 1976 mit den KG Weißenborn und Bremke unter dem Pfarramt in Bremke pfarramtlich verbunden.6 Zum 1. Juli 2011 wurden die drei Gemeinden zur Ev.-luth. Kreuzweg-KG in Gleichen zusammengeschlossen.7

Umfang

Das Dorf Bischhausen. Die luth. Bewohner der sogenannten „Neuen Schenke“ vor Bremke wurden mit dem 1. Januar 1933 aus der KG Bischhausen in die KG Bremke umgepfarrt.8

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Geismar9) der Erzdiözese Mainz. – 1588/89 zur neu errichteten Insp. Dransfeld, nach Verlegung des Suptur.-Sitzes 1636/37 Insp. Göttingen und 1796 zur daraus ausgegliederten Insp. (1924: KK) Göttingen II (mit Sitz an St. Jacobi). 1. April 1937 KK Göttingen-Süd.10 Seit 1. Januar 2001 KK Göttingen.

Patronat

Der Besitzer des Guts Rittmarshausen (dingliches Patronat). Die von Kerstlingerode, dann der Landesherr und die Frhr. (ab 1726 Gf.) von Schlitz, genannt von Goertz. Im Zuge der Verbindung mit den KG Weißenborn und Bremke erfolgte eine gesonderte Vereinbarung auf gemeinsame Ausübung des Präsentationsrechts durch die Patronatsinhaber von Bischhausen und die Freiherrn von Uslar-Gleichen als Inhaber des Patronats in Bremke. Die mit dem Patronat verbundenen Rechte und Pflichten blieben auch nach der Vereinigung zur ev.-luth. Kreuzweg-KG in Gleichen erhalten.11

Kirchenbau

Martinikirche, 1740/42 unter Carl Friedrich Frhr. von Schlitz nach Entwurf von Jost Philipp Leichtweiß an Stelle des mittelalterlichen Vorgängerbaus errichtet. Dreiachsiger, verputzter, barocker Bruchsteinsaalbau mit Eckquaderung auf niedrigem Sandsteinsockel. Dreiseitiger Ostschluss. Hohe rundbogige Sprossenfenster. Flache Holztonne. Orgelempore im Westen.

Turm

Quadratischer Westturm. Auf dem Dach ein oktogonaler verschieferter Dachreiter mit welscher Haube. Bekrönung durch Kugel, Wetterfahne und Kreuz.

Altaraufsatz, nach der Neufassung 1961, Foto: Lichte-Pfannkuche, Göttingen, 1961

Altaraufsatz, nach der Neufassung 1961, Foto: Lichte-Pfannkuche, Göttingen, 1961

Ausstattung

Blockaltar mit bäuerlich-barockem Retabel (um 1740), in das ein, vermutlich aus der Vorgängerkirche übernommener, spätgotischer Flügelaltar (südniedersächsisch, um 1500/10, in der ersten Hälfte des 18. Jh. barock eingefasst, 1988/89 restauriert) eingearbeitet wurde. Der Schrein zeigt geschnitzte Passionsszenen, im Zentrum die Kreuzigung; auf den Innenseiten der Flügel je sechs Heilige in zwei Reihen; außen zwei gemalte Szenen aus der Martinslegende und je drei Apostel. – Barocke Gipsstein-Taufe auf quadratischer Plinthe mit ovaler Kuppa (um 1740, gestiftet durch C. F. Frhr. von Schlitz genannt Goertz). – Mehrere Heiligenfiguren in Nischen an den Langhauswänden (u. a. Anna Selbdritt, Mondsichelmadonna, heilige Martin; wohl 17. Jh.). – Sandsteinrelief mit dem Allianzwappen der von Schlitz und der von Goertz sowie, Chronogramm für das Jahr 1741 an der Ostwand hinter dem Altar. – Barockepitaph für den Amtmann Andreas Bahren († 1694).

Orgel, während der Neufassung 1961

Orgel, während der Neufassung 1961

Orgel

Erbaut 1795/96 durch Johann Wilhelm Schmerbach (Frieda/Hessen) für die (nach dem Zweiten Weltkrieg abgebrochene) Oberkirche St. Nikolai in Groß Schneen, ursprünglich 14 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1967 in Bischhausen eingelagert und dort 1969 durch die Firma Albrecht Frerichs (Göttingen) mit 8 I/P aufgebaut. 1985/86 Restaurierung und Ergänzung auf die früheren 14 Reg., ebenfalls durch Albrecht Frerichs. Denkmalorgel.

Geläut

Drei LG, I: a’; II: c’’; III: d’’ (alle Bronze, Gj. 1957, Gebrüder Bachert, Friedrichshall). – Früher nur zwei Glocken, I: b’ (Bronze, Gj. 1718, J. Heinrich Luttken, Göttingen); II: es’’ (Eisen, Gj. 1923, Firma Ulrich & Weule, Apolda-Bockenem).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus, neben der Kirche. Nach Aufhebung der Pfarrstelle zum Gemeindehaus und Tagungsheim mit Übernachtungsmöglichkeit umgebaut.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1075-1083 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 844-848 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 224-226 (Visitationen); B 18 Nr. 143 (Orgelsachverständiger).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 75, Nr. 44; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 225; Eichenberg, KK Göttingen-Süd, S. 37 f.; Gmelin, Tafelmalerei, Kat.-Nr. 203; Heise, Antiquitates; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Duderstadt, S. 256.
B: Otto Fahlbusch: Die lateinischen Inschriften an den Kirchen zu Beienrode, Weißenborn und Bischhausen, in: Göttinger Jahrbuch 1959, S. 121-126.


Fußnoten

  1. Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 52.
  2. Heise, Antiquitates, S. 299.
  3. Heise, Antiquitates, S. 306.
  4. UB Mariengarten, Nr. 16, 23 u. 25.
  5. Meyer, Pastoren I, S. 97.
  6. KABl. 1976, S. 119.
  7. KABl. 2011, S. 188 f.
  8. KABl. 1932, S. 146.
  9. Kayser, Registrum II, S. 277.
  10. KABl. 1937, S. 135.
  11. LKA, G 15/Bischhausen.