Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen | Patrozinium: Matthias | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Ort am Rand des unteren Eichsfelds (seit 1973 Ortsteil der Gemeinde Gleichen), als Bredenbiche für das Jahr 1022 in zwei Urkundenfälschungen des 12. Jh. erstmals nachgewiesen.1 Frühere Erwähnungen in den Corveyer Traditionen können sich auch auf das gleichnamige Dorf im Landkreis Holzminden beziehen. Bremke gehörte im 10. und 11. Jh. zum Leinegau, dem Amtsbezirk der Gf. von Reinhausen und Gleichen, der 1122 durch Erbgang an die Gf. von Winzenburg und nach deren Erlöschen 1152 an Heinrich den Löwen und seine Erben fiel. Mit der Auflösung der Gauverfassung im 13. Jh. stand Bremke dauerhaft unter der Herrschaft der Welfen. 1361 treten die Edelherren von Plesse als Lehnsherren der Vogtei und des Zehnten des ehemals Sommerschenburger Erbguts in Bremke in Erscheinung und die von Uslar als ihre Vasallen. Sie waren seither die wichtigsten Grundherren und übten die Vogtei und Gerichtsbarkeit über die zehntpflichtigen Kirchengüter in Bremke aus. Nach dem Erlöschen der Edelherren von Plesse 1571 erbten die Landgrafen von Hessen Vogtei und Zehnten und belehnten ihrerseits 1668 und 1711 wiederum die von Uslar damit. Schon 1451 verkauften die von Uslar auf Neuengleichen den vierten Teil des Dorfes Bremke, der angeblich nicht unter braunschweigischer Landeshoheit stand, an die Landgrafen von Hessen. Bremke wurde zu einem sogenannten Mengedorf, in dem Kirche und Schule den welfischen und hessischen Untertanen gemeinsam gehörten. Erst 1817 fielen der hessische Teil sowie die Vogtei mit dem Zehnten an das Kgr. Hannover und wurde ungeteilt dem Gericht Altengleichen überweisen (ab 1852 zum Amt Reinhausen). – Seit 1973 Ortsteil der Gemeinde Gleichen.

Kirche, Ansicht von Nordwesten

Kirche, Ansicht von Nordwesten

Die Kirche ist eine Stiftung der von Uslar und entstand vermutlich schon im 13. Jh. Nachgewiesen ist sie jedoch erst 1382 durch die von den von Uslar gestifteten Glocken. Das Dorf wurde 1396 durch Soldaten des Landgrafen von Thüringen niedergebrannt. Ob dabei auch die Kirche beschädigt wurde, ist nicht bekannt.2 Im Dezember 1542 wurde das Amt Reinhausen im Auftrag der Hzgn. Elisabeth von Calenberg durch Antonius Corvinus visitiert. Wann sich das neue Bekenntnis in Bremke letztlich durchsetzte, ist unsicher. Erster bekannter luth. Geistlicher war P. Johann von Gellern (amt. vor 1589-1623).
Der 1925/26 in Bremke amtierende P. Heinrich Weidemann war später (1934-1944) DC-Lbf. von Bremen.3 In Bremke selbst amtierten mit Lic. Wilhelm Thomas (bis 1934) und W. Schröder (1939/40) zwei BK-Pfarrer. Gegen den Protest des Pfarramts wurde der KV 1933 ausschließlich aus Parteimitgliedern gebildet, hat sich letztlich aber dennoch kirchlich bewährt.
Bis 1976 bestand eine KapG in Ischenrode, die zum 1. Juli 1976 aufgehoben und mit der KG Bremke vereinigt wurde. Zugleich wurde Bremke mit den KG Bischhausen und Weißenborn pfarramtlich verbunden.4 Mit dem 1. Juli 2011 wurden die KG Bremke, Bischhausen und Weißenborn zur Ev.-luth. Kreuzweg-KG in Gleichen vereinigt.5

Umfang

Die Dörfer Bremke und Ischenrode (mit dem Hof Waldhaus) sowie die Landgüter Appenrode, Elbickerode, Sennikerode und Vogelsang. Mit dem 1. Januar 1933 wurden die luth. Bewohner der sogenannten Neuen Schenke vor Bremke aus der KG Bischhausen in die KG Bremke umgepfarrt.6

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Geismar7) der Erzdiözese Mainz. – 1588/89 zur neu errichteten Insp. Dransfeld, wobei die Aufsichtsrechte des Sup. offenbar erst 1607/09 durchgesetzt wurden. 1639 wird Bremke unter den Pfarren der Insp. geführt8, die seit 1636/37 ihren Sitz in Göttingen hatte (Insp. Göttingen); ab 1796 zur daraus ausgegliederten Insp. (1924: KK) Göttingen II (mit Sitz an St. Jacobi). Bei der Neuordnung der Göttinger Aufsichtsbezirke am 1. April 1937 KK Göttingen-Süd9; seit 1. Januar 2001 KK Göttingen.

Patronat

Die von Uslar bzw. Frhr. von Uslar-Gleichen als Lehnsinhaber der Vogtei und Stifter der Kirche (bis heute). Das Patronat über die pfarramtlich verbundene KG wird mit dem Patronatsherrn von Bischhausen und Weißenborn gemeinsam ausgeübt. Die mit dem Patronat verbundenen Rechte und Pflichten blieben auch nach der Vereinigung zur Kreuzweg-KG Gleichen erhalten.

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, um 1953, Postkarte

Kirche, Blick zum Altar, um 1953, Postkarte

Ursprünglich frühgotischer Saalbau aus unregelmäßigem Buntsandsteinmauerwerk mit 3/8-Chorschluss und im Osten abgewalmtem Mansarddach. Der Innenraum wird durch eine hölzerne Tonne geschlossen. Erneuerung/Sanierung u. a. 1779 und 1964/66.

Fenster

Zwei Fenster (u. a. der triumphierende Christus; Wappenschilde der Familie von Uslar-Gleichen) der Berliner Königlichen Glasmanufaktur, gestiftet von Detlev Frhr. von Uslar-Gleichen (1864/65).

Turm

Gedrungen wirkender, annähernd quadratischer Westturm mit oktogonaler Haube über dem Westgiebel, im Kern vielleicht aus der Erbauungszeit der Kirche Ende des 13. Jh. 1812 erneuert.

Grablege

Unter der Kirche befindet sich eine im 19. Jh. geschlossene Grablege der Herren von Uslar-Gleichen, die 1965 bei Renovierungsarbeiten wiederentdeckt und anschließend vermauert wurde.

Ausstattung

Barockes Altarretabel mit der Darstellung des Gekreuzigten (17. Jh., wohl zwischen 1736 und 1742 in die Kirche überführt); auf dem Aufsatz zwei ältere gotische Schnitzfiguren, die vermutlich aus einem früheren Altar in Bremke stammen. – Kanzel (16. Jh., seit 1779 in der Kirche) mit vier Evangelistenfiguren von Donato Diez. – Blockartiger rechteckiger Taufstein. – Holzskulptur Johannes des Täufers von Donato Diez (1992).

Orgel, vor 1967

Orgel, vor 1967

Orgel

1848 Neubau durch Orgelbauer A. von Werder (Northeim), 11 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Ob es vorher bereits eine Orgel gab, ist unklar. 1926/27 Instandsetzung. 1933 Umbau durch Paul Ott (Göttingen). 1967/68 Neubau in neuem Gehäuse durch Albrecht Frerichs (Göttingen), 10 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen, wobei der alte Pfeifenbestand teilweise wieder verwendet wurde. 2002 Renovierung durch Firma Elmar Krawinkel (Trendelburg).

Geläut

Zwei LG, I: b’ (Bronze, Gj. 1636, David Fobbe, Göttingen); II: f’’ (Bronze, gotisch, Mitte/Ende 13. Jh.). – Früherer Bestand: 1382 kauften die von Uslar vom Kloster Reinhausen auf Wiederkauf zwei Glocken aus der Kirche des wüsten Dorfs Bernesrode, die dem Kloster seit einiger Zeit verpfändet waren.10 Die kleinere ist die heutige LG II. Der Verbleib der größeren ist unbekannt (eventuell Umguss zur heutigen LG I).

Weitere kirchliche Gebäude

Die Pfarrwohnung befand sich früher in der jetzigen Pfarrscheune. 1698 Neubau eines zweistöckigen Pfarrhauses, das 1881 durch einen Fachwerkneubau ersetzt wurde. – Küsterschulhaus (Bj. 1841).

Friedhof

Ursprünglich bei der Kirche. 1824 Einweihung des neuen Friedhofs außerhalb des Dorfs am Haspel (genutzt bis 1865, 1905 aufgelassen und beräumt). Bereits 1832 wurde ein weiterer Begräbnisplatz an der Straße nach Reinhausen (Heiligenstädter Straße) angelegt. Mehrfach erweitert. FKap (Bj. 1973).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 1151-1160 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 308-314 (Visitationen).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 295 f.; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Duderstadt, S. 258; Schickhaus, Orte Familiengeschichte, S. 56-64.
B: Leopold Ziemann: Die Geschichte der Evangel.-luth. KG Bremke, Bremke 1978.


Fußnoten

  1. Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 76.
  2. Schickhaus, Orte Familiengeschichte, S. 61.
  3. Klee, Personenlexikon, S. 661.
  4. KABl. 1976, S. 119.
  5. KABl. 2011, S. 188 f.
  6. KABl. 1932, S. 146.
  7. Kayser, Registrum II, S. 277.
  8. Meyer, Inspektionseinteilung, S. 211.
  9. KABl. 1937, S. 135.
  10. UB Reinhausen, Nr. 165.