Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Peine | Patrozinium: Katharina | KO: Calenberger KO von 1569

Karte wird geladen, bitte warten...
Orts- und Kirchengeschichte

Das Bauerndorf Harber ist schriftlich erstmals in einem Güterverzeichnis des Klosters Fulda von 802/842 erwähnt, es wird dort Heriborea genannt.1 Harber gehörte im 13. Jh. zur Großen Grafschaft (später das Große Freie), die als Lehen der Bf. von Hildesheim im Besitz der Grafen von Roden war und Mitte des 13. Jh. an die Welfen kam. Das Kloster Wienhausen hatte seit dem 13. Jh. umfangreichen Besitz in Harber und 1320 übertrugen die Welfen dem Kloster auch die Vogtei über das Dorf. Zeitweise stritten sich die Bf. von Hildesheim und die Hzg. von Braunschweig um die Gerichtshoheit. 1512 fiel Harber an das Fsm. Lüneburg und 1515 bestätigte Hzg. Heinrich der Mittlere von Braunschweig-Lüneburg die Rechte des Klosters Wienhausen. Seit Ende der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) konnten die Welfen ihre Herrschaft stärker durchsetzen. Harber gehörte zur Amtsvogtei Ilten. Von 1810 bis 1813 war Harber Teil des Kantons Ilten im Distrikt Hannover des Departements Aller im Kgr. Westphalen, 1813 kam es wieder zur Amtsvogtei (1852: Amt) Ilten, nun im Kgr. Hannover. 1859 ging das Amt Ilten im Amt Burgdorf auf und nach der preußischen Annexion Hannovers 1866 wurde 1885 der Lkr. Burgdorf eingerichtet. 1974 wurde Harber nach Hohenhameln im Lkr. Peine eingemeindet. Harber war stets ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Der Ort hatte 1605 knapp 60 Einwohner, 1811 gut 400, 1905 gut 480, nach dem Zweiten Weltkrieg gut 700 und 2016 gut 460.

Kirche, Ansicht von Nordwesten, Postkarte, Ausschnitt, 1939

Kirche, Ansicht von Nordwesten, Postkarte, Ausschnitt, 1939

Kirchlich gehörte Harber bis 1260 vermutlich zu Hohenhameln,2 der Turm der heutigen Kirche stammt nach dem Baustil zu urteilen ebenfalls aus dieser Zeit. 1379 lässt sich mit Pfarrer Hildebrand, „Perrer to Hertbere“3, der erste Geistliche in Harber nachweisen. Seit Mitte der 1520er Jahre unterstützte Hzg. Ernst der Bekenner, Fs. von Lüneburg, in seiner Residenzstadt Celle die Reformation und 1527 beschlossen die Landstände auf dem Landtag in Scharnebeck den Wechsel zum ev. Bekenntnis. Das in diesem Jahr gedruckte Artikelbuch diente dabei, obwohl die Landstände es abgelehnt hatten, als Leitfaden.4 Im Großen Freien setzte sich der neue Glaube in den 1530er Jahren durch. Erster luth. Geistlicher (und möglicherweise gleichzeitig der letzte kath.) war laut Lüneburgischem Pfründenregister von 1534 P. Ludolf Meiger.5 Während der Generalvisitation von 1543 war P. Johannes Grassouw in Harber tätig und Visitator Martin Ondermark charakterisierte ihn als mediocriter doctus, also leidlich gebildet.6 Seinerzeit zählte auch Klein Lobke zum Kirchspiel Harber, erscheint jedoch bei der Visitation von 1588 wieder bei Groß Lobke. Um 1630 ist der Küster von Harber Reinhold Woltorff auch als Schulmeister nachgewiesen, bis Anfang der 1930er Jahre blieben die beiden Ämter verbunden, auch das Orgelspiel gehörte zu den Aufgaben des jeweiligen Inhabers. 1652 schenkte Hzg. Christian Ludwig von Braunschweig-Lüneburg, seit 1648 Fs. von Lüneburg, der Gemeinde von Harber eine Bibel, die bis heute erhalten ist. P. Johann Erich Nohrius (amt. 1663-1681) begann 1676 mit der Kirchenbuchführung und hatte bereits 1674 eine Pfarrchronik angelegt. Allerdings verfasste erst sein Nachfolger P. Johann Franz Tileus (Thylaeus) (amt. 1681-1688) die ersten Einträge. Schon 1778 klagte die Gemeinde darüber, dass die Kirche in Harber zu klein und zu dunkel sei.7 Die Visitationen in der zweiten Hälfte des 19. Jh. bekräftigen diese Klage: die Kirche „entspricht nicht den Anforderungen, welche man auch nur billiger Weise daran stellen möchte“8, sie mache „einen traurigen Eindruck“9 und sei „alt und schlecht“10. 1872 begannen unter Architekt Boes aus Braunschweig schließlich die Vorbereitungen zum Neubau, aber erst im Januar 1875 feierte die Gemeinde den letzten GD in der alten Kirche.11 Der Grundstein wurde im Juli 1875 gelegt, am 18. März 1877 kam die Gemeinde zum Einweihungsgottesdienst zusammen.12 Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jh. mussten die Pfarrer in Harber neben ihrem Amt auch Landwirtschaft betreiben, ein „großer Uebelstand“13, wie die Visitatoren 1856 anmerkten.
Nachdem P. Adolf Firnhaber (amt. 1892-1934) emeritiert worden war, blieb die Pfarrstelle in Harber bis 1945 unbesetzt. Sein Nachfolger nannte ihn 1946 einen Gegner der NSDAP14, sein Sohn Walter, P. in Hänigsen, gehörte zur BK. Der 1933 gewählte KV bestand nur aus Mitgliedern der NSDAP. P. Kokemüller aus Haimar, der seinerzeit für die Vertretung in Harber zuständig war, klagte bei der Visitation 1939 über die „eine Unmenge Zeit raubenden Ariernachweise“15. Während des Krieges wurde die ev. Schule in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt. 1946 erhielt die KG mit dem Ostpfarrer P. Hans Staffehl wieder einen eigenen Pfarrer. Seit 1962 war die Pfarrstelle abermals vakant und nach der niedersächsischen Gebietsreform wurde Harber zum 1. April 1977 vom KK Burgdorf (Sprengel Hannover) in den KK Ölsburg (Sprengel Hildesheim) umgegliedert.16 Harber teilte sich nun mit der KG Clauen einen Pfarrer und ist seit 2011 mit den KG Clauen und Mehrum (mit Equord) pfarramtlich verbunden. Das alte Pfarrhaus, errichtet 1733, dient heute als Gemeindehaus.

Umfang

Das Dorf Harber mit der Ohemühle. 1543 auch Klein-Lobke.17

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Hohenhameln der Diözese Hildesheim. – 1543 visitierte Martin Ondermark, GSup. des Fsm. Lüneburg die Gemeinde. 1575 Insp. (1924 KK) Burgdorf. 1977 in KK Ölsburg (vormals Groß Solschen) umgegliedert18, dieser ging zum 1. Januar 1999 im KK Peine auf.19

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Kirchenschiff erbaut 1875-1877, neugotischer Ziegelbau mit weit vorspringenden Strebepfeilern und dreiseitigem, eingezogenem Chor, hohe spitzbogige Langhausfenster, zweibahnige Maßwerkfenster im Chor. Im Innern sechsteiliges Rippengewölbe. Sanierung 1972. Sanierung und Dacherneuerung 1990.

Turm

Quadratischer Westturm, 13. Jh., Bruchstein mit Eckquaderung, verputzt, gekuppelte, spitzbogige Schallöffnungen, achteckiger Helm mit Schieferdeckung, Ziffernblätter der Turmuhr nach Norden, Osten, Süden und Westen, Auslegestuhl der Uhrschlagglocke nach Südwesten, flachbogige Tür verbindet Schiff und Turm. Turmuhr repariert 1674 (Meister Hans Schaer, Hildesheim), 1774 ebenso; Turmreparatur 1676 nachgewiesen, 1711 neu gedeckt, 1858 Reparatur nach Blitzeinschlag, 1911 Turm neu gedeckt, 1990 Turm neu verputzt.20

Vorgängerbau

Steiler Ostgiebel mit Rundbogenfenstern; spitzbogiges Portal zum Schiff an Südseite, Eingangshalle diente auch zur Aufbahrung der Verstorbenen. Im Innern Priechen an Nord- und Westwand, hohe Prieche neben Altar; Kanzel an Südseite; 1685-1696 renoviert: Gewölbe und Ausmalung erneuert, neue Kanzel (Gemälde am Kanzelkorb gestiftet), neue Priechen, neuer Altar (Kreuzigungsbild sowie Abendmahls-, Auferstehungsszene), Taufengel von Meister Daniel Bartels, Hildesheim (gestiftet). Die Kirchentür des 17. Jh. ist erhalten.

Ausstattung

Gemauerter Altar mit Sandsteinmensa, seitlichen Schranken und gotisierendem Eichenholzaufsatz (Kruzifix und Evangelisten, 1877). – Kanzel aus Eichenholz (1877). – Quadratische Bronzetafel mit Darstellung der Kreuzestragung an Ostwand neben dem Chor.

Orgel

Orgel

Orgel

Für die alte Kirche 1773 Orgel angeschafft,21 nach den Visitationsberichten aus der Mitte des 19. Jh. war seinerzeit keine Orgel mehr vorhanden.22 1876/77 Neubau durch Ph. Furtwängler & Söhne (Elze), 9 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1911 Reparatur durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover). 1961/62 Umbau und Änderung der Disposition durch die Hildesheimer Orgelbauwerkstatt/Ernst Palandt, 9 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Denkmalorgel.

Geläut

Zwei LG, I: e’ (Bronze, Gj. 1767, Johann Heinrich Christian Weidemann, Hannover); II: f’ (Bronze, Gj. 1717, Thomas Rideweg, Hannover). – Eine SG: e’’ (Bronze, 15. Jh.) – Früherer Bestand: 1670 neben der SG zwei LG genannt. 1697 Umguss der beschädigten großen LG (Gj. 1697, Jobst Hinrich Lampen, Hildesheim); 1700 Umguss beider LG (Gj. 1700, Eggert Christoph Beckern, Hildesheim), 1716 kleine Glocke geborsten und Umguss zur heutigen LG II. Große Glocke 1741 geborsten, Umguss (Justus Andreas Meyfeld, Hannover), 1767 wiederum geborsten und Umguss zur heutigen LG I.23

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1733, Fachwerk mit Ziegeldach, zweigeschossiger Wohntrakt, eingeschossiger Scheunenanbau, 2010 Dachsanierung).

Friedhof

Kirchlicher Friedhof rund um die Kirche.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 4631-4641 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 3281-3288 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 931-932 (Visitationen); D 21 (EphA Ölsburg/Groß Solschen); D 52 (EphA Burgdorf); S 11a Nr. 7401 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Ahrens, KK Ölsburg, S. 7-26 und 74-75; Boetticher, Ortsverzeichnis Lkr. Peine, S. 113-116; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 647 f.; Kayser, Kirchenvisitationen, S. 488 f.; Meyer, Pastoren I, S. 460 f.; Meyer/Rose, Große Freie; Pape, Palandt, S. 332-334; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 42-45.
B: Karl Backhaus: Generalkirchenvisitation im Großen Freien Anno 1668, in: Unser Kreis. Heimatblätter für den Kreis Burgdorf 16 (1964), Nr. 19-25 (bes. 23: Harber); Friedrich Friehe: Harber. Chronik einer Landschaft und eines Dorfes, [Harber ca. 1973]; Fritz Garbe: Die Geschichte der St. Katharinenkirche zu Harber, [Hermannsburg i. Hann. 1935].


Fußnoten

  1. Dronke, Trad. Fuld. § 41, 58.
  2. Friehe, S. 112 (ohne Beleg).
  3. Boetticher, Ortsverzeichnis Lkr. Peine, S. 114, Urkunde zit. bei Garbe, S. 14.
  4. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 484 und 492 ff.
  5. Salfeld, Pfründenregister, S. 102.
  6. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 488. Garbe, S. 14.
  7. Garbe, S. 38.
  8. LkAH, A 9 Nr. 931, Visitation 1853.
  9. LkAH, A 9 Nr. 931, Visitation 1856.
  10. LkAH, A 9 Nr. 932, Visitation 1862.
  11. Garbe, S. 34 f.
  12. Garbe, S. 40 ff.
  13. LkAH, A 9 Nr. 931, Visitation 1856.
  14. LkAH, S 1 H III Nr. 511, Bl. 31.
  15. LkAH, L 5d, unverz., Harber, Visitation 1939.
  16. KABl. 1977, S. 61
  17. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 489.
  18. KABl. 1977, S. 61.
  19. KABl. 1998, S. 212.
  20. Garbe, S. 24 f., 31 f.
  21. Garbe, S. 34.
  22. LkAH, A 9 Nr. 931 f.
  23. Garbe, S. 32 f.