Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Peine | Patrozinium: – | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Seit 1974 Ortsteil der Gemeinde Hohenhameln. – Die Haufensiedlung Clauen wird 1151 in einer Urkunde des Hildesheimer Bf. Bernhard für das Moritzstift erstmals erwähnt.1 Im 12./13. Jh. ist ein Ministerialengeschlecht von Clauen nachweisbar. Der Ort war Mittelpunkt einer Villikation, die 1221/46 durch den Hildesheimer Bf. Konrad II. (zurück-)erworben wurde. Seit dem 16. Jh. gehörte das Dorf zur Vogtei Hohenhameln des Amtes Peine, das im Quedlinburger Rezess nach der Hildesheimer Stiftsfehde (1523) beim Hochstift Hildesheim verblieb.
Die Kirche in Clauen ist möglicherweise eine Gründung der Hildesheimer Bf. auf eigenem Besitz. Ihre Entstehungszeit ist unbekannt. 1288 wird mit Hermannus sacerdos de Clowen, der als Urkundenzeuge der Herren von Escherde auftritt, der erste Geistliche genannt.2 Das Amt Peine war seit 1526 an die Stadt Hildesheim verpfändet (bis 1551), die 1542/43 die Einführung der Reformation durchsetzte. Auch in dem nachfolgenden Pfandinhaber Adolf von Schleswig-Holstein (1556-1603) fand das luth. Bekenntnis einen lebhaften Befürworter. Erster luth. P. in Clauen war Johannes Stenzi (amt. 1542-1548), sein Nachfolger Heinrich Drewes.3 Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Gemeinde vorübergehend rekatholisiert (1628). P. Stephan Fries (amt. seit 1589) musste die Pfarre verlassen, konnte aber 1632 zurückkehren. Von größeren Kriegsschäden blieben die Dörfer des Ksp. damals wohl verschont.
Die NS-Zeit hatte nur geringe Auswirkungen auf das Gemeindeleben. Während des Kirchenkampfs bildete sich eine engagierte Kerngemeinde heraus. Die Frauenhilfe bestand ununterbrochen fort, die weibliche Jugendarbeit wurde 1938 neu aufgenommen. Männerarbeit und männliche Jugendarbeit bestanden nicht. 1942 wurde die ev. Schule in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt.
Der Gebäudebestand umfasste neben der Kirche früher nur das Pfarrhaus (Neubau 1839/40) und das Pfarrwitwenhaus (erbaut zwischen 1770 und 1800, 1874 verkauft). 1962 mietete die KG für Konfirmandenunterricht, Kirchenchor, Frauenhilfe und Bereiche der Gemeindearbeit einen Raum in einer Gastwirtschaft an. 1984/85 wurden neue Gemeinderäume im Pfarrhaus eingerichtet. Für Zwecke der Jugendarbeit wurde 1985/86 das ehemalige Wirtschaftsgebäude des Pfarrhauses (Pfarrscheune) umgebaut.
Seit 2011 ist die KG Clauen mit den KG Harber, Mehrum und Equord pfarramtlich verbunden.

Umfang

Die Dörfer Bründeln und Clauen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Hohenhameln der Diözese Hildesheim. – Clauen kam 1561 zur neu errichteten Insp. Peine und war nach der Aufhebung der Suptur. 1612 dem Geistlichen Ministerium des Amtes Peine (ohne festen Sitz des Seniors) unterstellt.4 1831 zur neu errichteten Insp. (1924: KK) Groß Solschen, mit Verlegung der Suptur. am 1. Oktober 1965 zum KK Ölsburg, der am 1. Januar 1999 im KK Peine aufging.

Patronat

Der Bf. von Hildesheim; wohl seit Ende des 17. Jh. der Landesherr (bis 1871). Die Zuständigkeit war beim Tod des P. Lehnhardt 1697 noch nicht abschließend geklärt.

Kirchenbau

Einschiffige, fünfachsige Saalkirche aus unverputztem Kalkbruchstein (Neubau von 1796). Dreiseitiger Chorschluss. Tür- und Fenstergewände sowie Sockel aus Sandsteinquadern. Das Satteldach nach Osten abgewalmt. Das Schiff ist mit einer flachen, verputzten Schaldecke geschlossen, mit breiten Vouten an der Nord-, Süd- und Ostseite. Ausmalung von 1888 (1994 wiederhergestellt). An der Decke mittig eine allegorische Darstellung der Tugenden „Glaube, Liebe, Hoffnung“ von Karl Grote (Bründeln). Die Orgelempore wurde 1796 aus der Schlosskirche zu Wolfenbüttel übernommen. Renovierungen 1888, 1958 und 1992/94.

Fenster

Beiderseits des Altars Buntglasfenster mit den Motiven „Krieg“ (Kampf des Erzengels Michael mit dem Drachen) und „Frieden“, gestiftet 1915 durch die Kinder des P. Friedrich Carl Grussendorf (amt. 1884-1906). Entwurf von Kunstmaler Ferdinand Weitlich (Köln). Das Fenster an der Nordseite („Auferstehung zum ewigen Leben“) wurde durch den Künstler Hans Matschinski (Braunschweig) geschaffen und ist eine Stiftung von Erna Behmann zur Erinnerung an ihren gefallenen Sohn (1955). Ein weiteres Fenster 1994 nach Entwurf von Helge Michael Breig (Hannover) mit dem Motiv „Ich bin das Licht der Welt“. In den Fenstern über den Eingängen befinden sich seit 1928 Porträts Luthers und Melanchthons (Entwurf: Kunstmaler Lauterbach, Hannover).

Turm

Romanischer Westturm auf quadratischem Grundriss aus der ersten Hälfte des 13. Jh. Mauerwerk aus Bruch- und Feldsteinen; Kranzgesims aus Sandstein (15./16. Jh., in dieser Zeit wurde der Turm wohl etwas erhöht). Ins Achteck überführte Spitze. Die Turmhalle hatte ursprünglich zwei Kreuzgewölbe, die 1796 zugunsten einer Balkendecke für die Bälge der Orgel aufgegeben wurden.

Ausstattung

Klassizistischer Kanzelaltar mit eingeschossigem, durch vier kannelierte korinthische Säulen gegliederter, architektonischer Aufbau (1796, 2008 restauriert). – Farbig gefasste, sechseckige Sandsteintaufe. – Gedenktafel für die Gefallenen von 1870/71. – Osterleuchter aus Lindenholz, versilbert/vergoldet (um 1725/50). – Zwölfarmiger Kronleuchter (1754).

Orgel

Auf der Westempore. 1725/26 Neubau mit Barockprospekt durch Johann Andreas Graffe (Wolfenbüttel) im Auftrag Hzg. August Wilhelms von Braunschweig-Wolfenbüttel. Die Orgel, die auch wesentliche Teile einer Vorgängerorgel von Gottfried Fritsche (Dresden) aus den Jahren 1622/25 enthält, stand ursprünglich in der Schlosskirche des Schlosses zu Wolfenbüttel; wohl 16 (17) II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Nach Abbruch der Schlosskirche wurde das Instrument 1796 nach Clauen verkauft. 1818/19 und 1825 sind Instandsetzungsarbeiten nachgewiesen. Nach Beschädigungen durch einen Blitzschlag wurde sie 1878 und 1908 durch die Firma Schaper (Hildesheim) repariert und 1908 auch in der Disposition verändert. Bereits 1902 wurde sie im Pedal um einen Prinzipalbass 8’ erweitert. Die 1917 zu Rüstungszwecken abgegebenen Prospektpfeifen wurden 1932 ersetzt und das gesamte Werk durch die Gebrüder Dutkowski (Braunschweig) instand gesetzt. 1959 weitere Instandsetzung und Ergänzung durch Firma Emil Hammer (Arnum). 1992/95 Restaurierung durch Bernhardt Edskes (Wohlen, Schweiz), 18 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Denkmalorgel.5

Geläut

Drei LG, I: dis’; II: fis’; III: a’ (alle Stahl, Gj. 1921, Bochumer Verein). – Eine SG in fis’’ (Bronze, 19. Jh., außen am Turmhelm). – Früherer Bestand: Von ursprünglich zwei LG ist die größere in der ersten Hälfte des 19. Jh. geborsten und wurde 1821 durch H. L. Damm (Hildesheim) umgegossen. 1889 wurden drei neue LG in d’, fis’ und a’ bei der Firma Radler (Hildesheim) beschafft. Die beiden größeren wurden 1917 eingeschmolzen, die verbliebene kleine Glocke 1921 verkauft und dafür drei neue Glocken des Bochumer Vereins erworben. 1962 Einbau einer elektrischen Läuteanlage.

Friedhof

Eigentum der KG. Ursprünglich auf dem Kirchhof, 1894 an den heutigen Standort Peiner Landstraße Ecke Am Gallenkamp verlegt und 1956/57 erweitert. FKap (Bj. 1903, 1967 Abbruch und Neubau).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1796-1799 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1481-1487 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 389-391 (Visitationen); D 21 (EphA Ölsburg/Solschen).

Literatur

A: Boetticher, Ortsverzeichnis Lkr. Peine, S. 63-65; Juergens u. a.: KD Kr. Peine, S. 18-21; Pape, Orgeln Kr. Peine, S. 5-7; Pape, Schaper.
B: Chronik der Kirchengemeinde Clauen, Clauen 1999.


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim I, Nr. 275.
  2. UB HS Hildesheim III, Nr. 789.
  3. Meyer, Pastoren I, S. 170.
  4. Meyer-Roscher, Streiflichter, S. 123.
  5. KABl. 1952, S. 160; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).