Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen | Patrozinium: Martin von Tours1 | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Schriftlich ist der heutige Stadtteil Göttingens erstmals im Jahr 1055 als Gesmaria in der Gründungsurkunde des Kollegiatstifts Nörten belegt.2 Das Dorf gehörte zum Erzstift Mainz.3 Im Jahr 1366 verpfändete Ebf. Gerlach von Mainz (amt. 1346/53–1371) „unsirs Stiftis Dorf Geysmar bie Gottingen gelegen“ an die Familie von Hardenberg.4 Die Hardenberger wiederum verpfändeten Geismar 1417 an die Stadt Göttingen und lösten das Dorf 1537 wieder ein. Die welfischen Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg waren über ihre Amtleute in Friedland bemüht, landesherrliche Ansprüche in Geismar durchzusetzen. Als das Ebm. Mainz 1607 die Pfandschaft über Geismar ablösen wollten, widersetzte sich die Familie von Hardenberg mit Unterstützung der Welfen; 1609 gab das Erzbistum seine Versuche auf („Die Ablösung der Pfandschaft war keine Rechtsfrage mehr, sondern eine Machtfrage geworden“5). Territorial gehörte Geismar mit der Herrschaft Hardenberg seitdem zum welfischen Teilfsm. Calenberg-Göttingen („Kernlande Hannover“, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover); die Gerichtsbarkeit lag bei der Familie von Hardenberg (Patrimonialgericht Geismar, Hoch- und Niedergerichtsbarkeit). Seinen Anspruch auf die Landesherrschaft über Geismar hielt das Erzbistum Mainz noch bis 1744 aufrecht. In französischer Zeit gehörte Geismar von 1807 bis 1813/14 zum Kgr. Westphalen (Kanton Grone, Distrikt Göttingen, Leine-Departement). Seit 1815 zählte das Dorf, nun im Kgr. Hannover, erneut zum restituierten Patrimonialgericht Geismar und kam bei dessen Auflösung 1839 zum Amt Göttingen. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Geismar 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam der Ort zum Lkr. Göttingen (neugebildet 1973 und 2016). 1964 wurde Geismar in die Stadt Göttingen eingemeindet. Um 1810 lebten gut 700 Menschen in Geismar, um 1900 rund 1.400, 1939 fast 3.290, 1950 knapp 4.710 und 2024 etwa 17.950.
Die St.-Martin-Kirche in Geismar zählt zu den ältesten der Region (Altpfarrei).6 Vermutlich war Geismar Vorort einer wohl im 9. Jh. entstandenen Villikation des Ebf. von Mainz. Die Kirche ist dementsprechend als erzbischöfliche Eigenkirche anzusehen. Schriftlich belegt ist die Kirche im Jahr 1055: Der Mainzer Ebf. Luitpold I. (amt. 1051–1059) stiftete in diesem Jahr ein Kollegiatstift in Nörten und überließ den Kanonikern die Pfarrkirchen in Geismar und Nörten (duas ecclesias matrum) und die Kapelle in Steina (Marienstein).7 Die Kirche war, wohl seit Mitte des 12. Jh., Sitz eines Archipresbyters (Erzpriester), der ein Aufsichtsrecht über die umliegenden Pfarrkirchen ausübte, zu denen auch die Göttinger Stadtkirchen gehörten (sedes Geismar im Archidiakonat Nörten, belegt 1330).8 Die Rechte an der Pfarrkirche Geismar hatte das Nörtener Stift vermutlich bis zur zweiten Hälfte des 13. Jh. wieder verloren oder aufgegeben.9 Mit Magister Johannes, plebanus in Geysmaria ist 1321 und 1329 erstmals ein Pfarrer belegt.10 Im Jahr 1330 ist ein Kaland in Geismar nachweisbar; er war im Besitz der Georgskapelle in Göttingen.11
Gegen Ende des 14. Jh. war die Pfarrkirche in Geismaria prope Gotingen im Besitz von Ditmarus Berneburg. Er wechselte 1399 auf die Pfarre in Spangenberg und der dortige Pfarrer Gerwicus Mugkewin übernahm die Pfarre Geismar. Vermutlich überließ er den eigentlichen Pfarrdienst einem Vikar, denn gleichzeitig mit dem Pfarrkirchentausch bat er an der römischen Kurie um drei Kanonikerpfründen (St. Severi Erfurt, Speyer, St. Maria im Felde Mainz).12 Aus der ersten Hälfte des 15. Jh. finden sich in den vatikanischen Archiven mehrere Kleriker mit Bezug zur Pfarrkirche Geismar: Bereits 1401 ist Henricus Schotler (Schötteler) als Pfarrer in Geismar genannt.13 1417 erbat Ludolphus Lange die Geismarer Pfarre, da Schotler an die Göttinger Kirche St. Johannis gewechselt sei. Spätestens seit 1420 führten die beiden Kleriker einen Rechtsstreit um die Pfarrpfründe; in diesem Kontext bezeichnete Schötteler einen Dytmarus de Milsungen als vorherigen Inhaber der Pfarre.14 Schötteler ist noch 1423 als Pfarrer von Geismar erwähnt, Lange nannte sich 1424 rector parochialis ecclesiae in Geysmar.15 In den folgenden Jahren bemühten sich zwei Kleriker, ihn aus dem Pfarramt zu verdrängen und gaben jeweils an, ihm fehlten die nötigen Weihegrade (1425: Bernhardus Koddeken; 1427: Heynricus Strecker).16 Sie waren anscheinend erfolglos, denn 1429 bat Johannes Engelken um das Pfarramt im Dorf Geismar (in villa Geysmar); die Stelle sei vakant, da Ludolphus Lange gestorben sei.17 P. Engelken wiederum starb anscheinend im Herbst 1438; um seine Nachfolge bemühten sich die Kleriker Theodericus Lengelern (November 1438) und Hermannus Hildebrandi (März 1439).18 1459 ist Friedrich Gresser urkundlich als Pfarrer in Geismar belegt.19 1479 war Helmold Saldermann sedis Gheysmar vicerector.20 Mindestens von 1506 bis 1515 hatte Johann Etze des Pfarramt Geismar inne; als seine Vizeerzpriester sind Heinrich Wischemann (1501, 1506) und Nikolaus Eggestein (1506/07, 1515, 1517) nachweisbar.21 Zwischen 1525 und 1529 ist Johann Armbostmaker (Balistarii) als Geismarer Pfarrer belegt.22
Bis 1537 befand sich das Dorf Geismar im Pfandbesitz der Stadt Göttingen, die Ende 1529 zur luth. Lehre gewechselt war. Wohl nicht zuletzt aus diesen konfessionellen Gründen löste die Familie von Hardenberg die Pfandschaft 1537 ab – auf Befehl des Mainzer Erzbischofs, wie es später heißt.23 Das Dorf und seine Geistlichen blieben vorerst altgläubig. Zwischen 1531 und 1534 war Henricus Steffan Pfarrer in Geismar.24 Im Jahr 1540 sind neben Pfarrer Johan Pollen auch zwei Geismarer Kirchenälteste (Alterlude) namentlich belegt: Kristian Kerl und Jasper Brandes.25 1542 erscheint Christoffel Pollmann als „rechter belehnter besitzer der Pfar Geißmer“.26 Als der Mainzer Ebf. Albrecht (amt. 1514–1545) am 7. März 1543 Andreas Mündermann († 1553/54) zum neuen Pfarrer in Geismar berief, nannte er allerdings Johannes Pollen als Vorgänger; dieser habe das Amt freiwillig aufgegeben.27 1549 soll P. Mündermann für Geismar einen luth. Geistlichen als Vikar eingestellt haben.28 Mit Dominus Gotfridus Bilichman ist 1566 ein kath. Pfarrer in Geismar nachgewiesen.29 Die Familie von Hardenberg wechselte in den 1570er Jahren zur luth. Lehre.30
Eine Quelle aus dem Jahr 1597 nennt ohne zeitliche Details fünf Geistliche, die in Geismar luth. gepredigt hätten: Justus Molanus, Johann Fabri, Gottschalk von Erfurt, Gabriel Halbritter und Andreas Koch.31 Letzterer sei vor 17 Jahren, also etwa 1580, zum kath. Glauben konvertiert. Allerdings blieb er verheiratet und habe 1597 die Abendmahlsliturgie zwar lateinisch gesprochen, das Abendmahl jedoch in beiderlei Gestalt ausgeteilt.32 Bei der Visitation 1588 war die Parochie Geismar zum Amtssitz nach Friedland vorgeladen, erschien jedoch nicht. 1590 und erneut 1595 versuchte der Sup. der Insp. Dransfeld wiederum, die Gemeinde zu visitieren, scheiterte jedoch beide Male: Unter Verweis auf die mainzische Landeshoheit wehrten Pastor, Gemeinde und Familie von Hardenberg die Visitation durch einen Amtsträger des Fsm. Göttingen erfolgreich ab.
Nachdem P. Koch am 21. August 1597 an der Pest gestorben war, handelte der Friedländer Amtmann rasch und veranlasste die Einsetzung eines luth. Predigers: Bereits am 7. September hielt P. Reiner Fabricius (amt. 1597–1603) eine Probepredigt (man „öffnete die Kirche, indem jemand durchs Fenster einstieg“). Am nächsten Tag ordinierte ihn GSup. Johann Sötefleisch (amt. 1589–1600) und führte ihn in das Pfarramt Geismar ein.33 Das Ebm. Mainz protestierte, war jedoch nicht in der Lage, seine hoheitlichen Rechte in dem komplett von welfischem Territorium umgebenen Dorf zu wahren. P. Fabricius ließ drei Kisten mit „heiligthumb“, etliche Knochen sowie den Patron Martin und die Jungfrau Maria aus dem Kirchenraum entfernen. Im Jahr 1603 setzte das Konsistorium Wolfenbüttel P. Fabricius wegen Ehebruch ab und führte kurz darauf P. Justus Bornemann (amt. 1603–1628, 1632–1645) als Nachfolger ein. Aus seiner Amtszeit ist ein erstes Schulprotokoll erhalten (1637).34
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) unternahm das Ebm. Mainz einen Versuch, Geismar zu rekatholisieren: P: Bornemann musste sein Pfarramt verlassen und mit P. Jacob Meyer (amt. 1628–1632) erhielt das Dorf für einige Jahre wieder einen kath. Geistlichen. Nachdem prot. Truppen 1632 Göttingen eingenommen hatten, konnte P. Bornemann nach Geismar zurückkehren. In der Amtszeit seines Nachfolgers P. Christoph Fahlbusch (amt. 1645–1668) visitierten im Jahr 1652 der Calenberger GSup. Justus Gesenius (amt. 1650–1673) und der Göttinger GSup. Christophorus Specht (amt. 1646–1656) das Kirchspiel Geismar. Im kurzen Protokolleintrag heißt es u. a.: „Wegen Schul- und Gottesdienstes war nichts zu klagen.“35 Eine erste, wohl schematisierte Ansicht der Geismarer Kirche ist auf einer Landkarte aus dem Jahr 1720 überliefert.36
1726 erlangte die Familie von Hardenberg das Patronatsrecht über die Kirche in Geismar. In der Folgezeit verweigerten sie dem zuständigen Superintendenten das Recht, Schule und Kirche in Geismar zu visitieren und behielten sich auch die Rechnungsprüfung vor.37 Zwischen 1737 und 1743 ließ die Patronatsfamilie ein neues Kirchengebäude errichten; sie bestritt „unter Zuhilfenahme des Kirchenvermögens alle Geldausgaben“ und die Gemeinde leistete alle Hand- und Spanndienste; nach Fertigstellung der neuen Kirche wies die Kirchkasse ein Defizit von 1.000 Talern auf.38
Im 19. Jh. agierte P. Philipp Sander (amt. 1833–1874) während seiner langen Amtszeit neben seinem Pfarramt auch als Bevollmächtigter der Gutskäufer, die 1827 gemeinschaftlich das Gut Geismar erworben hatten.39 In dieser Funktion war er maßgeblich beteiligt an der Aufhebung der Dienstpflicht (1837), der Aufteilung der Gutsländereien (1837), der Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit (1839) und der Ablösung des Zehnten (1843).40 Die Gutskäufer schenkten ihm und seinen Erben im Gegenzug das Patronatsrecht über die Kirche (1840).41 P. Sander war überdies politisch aktiv und teilte im Hannoverschen Verfassungskonflikt 1837 die Ansichten der Göttinger Sieben.42 Er veröffentlichte zwei Aufsätze zu der Frage und musste nach einem Disziplinarverfahren 1841 eine Geldstrafe wegen Verletzung des Zensurgesetzes zahlen. Von 1849 bis 1855 war P. Sander Abgeordneter in der Ersten Kammer der Allgemeinen Ständeversammlung.43 Er zählte zu Gründern des Göttinger Missionsvereins, war im Gustav-Adolf-Verein aktiv, gründete 1838 in Geismar eine Bibelgesellschaft, war 1840 Mitinitiator eines Mäßigkeitsvereins in Göttingen und publizierte Texte zu landwirtschaftlichen Fragen (etwa: Die Landwirtschaft als Culturmoment, Göttingen 1864).44
Seit 1924 gehörte auch die neuangelegte Wohnsiedlung Treuenhagen zum Gebiet der Kirchengemeinde und 1937 vergrößerte sie sich um die benachbarte „Frontkämpfersiedlung“ (etwa 1.000 Gemeindeglieder).45 Während der NS-Zeit hatte P. Karl Kayser (amt. 1925–1939, als P. i. R. bis 1948) das Pfarramt Geismar inne. Im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ gab er an, er habe weder der NSDAP noch den DC noch der Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft angehört.46 Zur Neuwahl des KV schrieb er knapp: „1933 wurden die alten bewaehrten Kirchenvorsteher wiedergewaehlt.“ Insgesamt 271 Gemeindeglieder traten zwischen 1933 und 1945 aus der Kirche aus. In den Unterlagen zur Visitation 1940 bezeichnete P. Kayser Geismar als eine „Hochburg des Nationalsozialismus“ und fügte an, hier habe der „Sieg der Partei einen gewaltigen Rückgang des kirchlichen Lebens zur Folge gehabt“.47
Aufgrund des Zuzugs Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Zahl der Gemeindeglieder von 3.300 im Jahr 1939 auf etwa 4.050 im Jahr 1953 an.48 In der ev. Kirche St. Martin fanden nun auch kath. Messen statt (ab 1944/45, seit 1955 alle zwei Wochen).49 1960/61 erbaute die kath. Gemeinde ihre eigene Kirche Maria Königin des Friedens.50 Die ev. Gemeinde baute das ehemalige Stallgebäude der Pfarre 1952 zu einem Gemeindesaal um. Im Oktober des gleichen Jahres hielt mit Sprengelvikarin Marie von Grote (amt. 1942–1963) erstmals eine Frau einen Gottesdienst in der St.-Martins-Kirche.51
Bis 1964 war die Zahl der Gemeindeglieder auf gut 7.830 angestiegen.52 Zum 1. Januar 1965 gab die Martinsgemeinde Göttingen-Geismar nördliche und östliche Gemeindegebiete an die neu errichtete Stephanus KG Göttingen-Geismar ab und war kurzzeitig beschränkt auf das Altdorf Geismar und die Siedlung Treuenhagen.53 Die Neuziehung der Grenze im Jahr 1969 – etwa in der Mitte zwischen beiden Kirchen – vergrößerte das Gemeindegebiet wieder.54 Neben dem alten Dorfkern umfasste sie nun erneut vorstädtisch geprägte Neubaugebiete. Gemeinsam übernahmen beide Gemeinden 1974 die Trägerschaft der ev. Kindertagesstätte Bornbreite (ab 1989 Martinsgemeinde allein).55
1969 hatte die St.-Martini-KG eine zweite Pfarrstelle erhalten und in Treuenhagen ein zweites Pfarrhaus erworben. Erster Pfarrstelleninhaber war P. Heinz Perschke (amt. 1969–1980). Statt der angemieteten Gemeinderäume kaufte sie 1980 das Gebäude gegenüber dem Pfarrhaus und richtete es als Gemeindehaus ein. Treuenhagen hatte sich „zu einem ‚Nebenzentrum‘ der Martinsgemeinde“ entwickelt.56 1981 errichtete das Landeskirchenamt Hannover eine dritte Pfarrstelle in Geismar (beantragt 1971), die Pn. Elisabeth Fischer (amt. 1981–1989) übernahm. Sie arbeitete bereits seit 1972 als Pastorin in der Martinsgemeinde und im seinerzeit neu eröffneten Wohnstift der Gemeinschaft Deutsche Altenhilfe.57 Ihr Ehemann, P. Hans-Dieter Fischer (amt. 1972–1981) hatte die erste Geismarer Pfarrstelle inne.58
Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche hatte die Martinsgemeinde Kontakte zur Jakobikirchgemeinde in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) geknüpft.59 Diese Partnerschaft ging 1965 auf die neue Stephanus-KG über. Die St. Martinsgemeinde erhielt als neue Partnergemeinde zunächst den dritten Pfarrbezirk der Matthäuskirchgemeinde in Karl-Marx-Stadt und ab 1977 die Kirchgemeinde Kemtau-Eibenberg im Erzgebirge.
Nach der Visitation 1986 hob der Sup des KK Göttingen-Süd die „Vielseitigkeit und Intensität“ der Gemeindearbeit hervor. Er beschrieb die St.-Martini-KG als eine „sensible Gemeinde, die in ihrer geographischen, soziologischen, politischen und sonstigen Ausdehnung und Differenziertheit kaum zusammenzuhalten bzw. zusammenzubringen“ sei.60 Im Osten des Gemeindegebiets ließ die Gemeinde 1992/93 ein Pfarr- und Gemeindehaus erbauen (Charlottenburger Straße, neben der ev. Kindertagestätte).
2013 trat die St.-Martini-KG dem „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Göttingen-Nord-Süd“ bei, der die Trägerschaft des gemeindeeigenen Kindergartens übernahm (2026 aufgegangen im „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Göttingen-Münden“).61 Seit 2014 kooperiert die Martinsgemeinde in einer Arbeitsgemeinschaft mit ihren Nachbargemeinden Stephanus und Kreuz. 2024 zählte die Martinsgemeinde knapp 3.710 Gemeindeglieder. Seit 2025 gehört sie zum „Ev.-luth. KGV Region Gleichen/Göttingen-Süd“.62

Pfarrstellen

I: vorref. – II: 1969. 1995 in eine halbe Stelle umgewandelt.63 Ab 2002 dauervakant, als solche 2013 aufgehoben.64. – III: 1981.65

Umfang

Geismar mit Gartemühle, Garteschenke, Kiesseekarree, Landwehrschenke, Stegemühle, Treuenhagen und Werderhof. Bis 1965 auch der nordöstliche Teil Geismars (dann zur neuen Stephanus-KG); zwischen 1965 und 1969 war die St.-Martini-KG beschränkt auf das Altdorf Geismar und die Siedlung Treuenhagen. Die Neuziehung der Grenze zwischen St. Martini und Stephanus 1969 führte zum jetzigen Umfang.66 In vorref. Zeit gehörte auch Reinshof zur Parochie Geismar (dann zur KG Niedernjesa).67

Aufsichtsbezirk

Sedeskirche und Sitz eines Erzpriesters des Archidiakonats Nörten der Erzdiözese Mainz. – 1588 zur neu errichteten Insp. Dransfeld, seit Verlegung des Superintendentursitzes 1636/37 Insp. Göttingen (Sitz an St. Johannis in Göttingen). 1796 zur neu errichteten Insp. Göttingen II (Sitz an St.-Jacobi in Göttingen). 1924 wechselte die KG zur Insp. bzw. zum KK Göttingen I, 1937 umbenannt in KK Göttingen-Stadt. Zum 1. Oktober 1977 umgegliedert in den KK Göttingen-Süd.68 Ab 1. Januar 2001 KK Göttingen.69 Seit 1. Januar 2023 KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen.70

Patronat

Ebf. von Mainz, zunächst wohl als Eigenkirchenherr, später als Landesherr. 1597 eignete sich der Fs. des Fsm. Calenberg-Göttingen das Patronatsrecht an.71 1726 überließ der Landesherr das Geismarer Patronatsrecht der Familie von Hardenberg und erhielt dafür das Patronat über Hohnstedt. Das Patronat Geismar war dem „Gut und Gericht Geismar“ inkorporiert (dingliches Patronat). 1801 kam es mit Kauf des Gutes an die Familie von Uslar-Gleichen, 1826 an die Gemeinde Geismar und 1827 an die Gutskäufer („Genossenschaftspatronat“). Die Gutskäufer schenkten das Patronat 1840 P. Philipp Sander (amt. 1833–1874). Erst 1856 genehmigte das Konsistorium die Schenkung und legte fest, dass die Familie Sander das Besetzungsrecht über die Pfarrstelle insgesamt zweimal ausüben dürfe (Familienpatronat). Danach sollten die Rechte an den Landesherrn fallen. Das Patronat der Familie Sander erlosch 1889 mit der Präsentation von P. Georg Friedrich Konrad Hinrichs (amt. 1889–1924).

Kirchenbau

Barocker Zentralbau auf Grundriss eines griechischen Kreuzes, erbaut 1737/38, eingeweiht 1743. Kreuzdach, über den Kreuzarmen abgewalmt. Verputztes Mauerwerk mit Eckquaderung; Fenstergewände und Portalrahmungen aus rötlichem Sandstein. Nach Norden, Osten und Westen an den Stirnseiten der kreuzarme je ein zentrales Portal, flankiert von zwei rundbogigen Sprossenfenstern, nach Westen ein zentrales rundbogiges Sprossenfenster, an der Südseite des westlichen Kreuzarmes ein kleines rundbogiges Sprossenfenster; am Giebel des Nordportals Wappen der Familie von Hardenberg, darüber Inschriftentafel mit zwei Chronogrammen (1737 und 1738): „Vt CVLtVI InserVIat DeI hoMInIsqVe saLVtI haec aedes destrvcta vetere fvnditvs nova extrvcta adeste mortales vt discite ex verbo dei immortalis viam salvti vestrae Ipse Vero DeVs effICIet Vt VerbVM proferat frVCtVs“ (Um die Anbetung Gottes und dem Heil der Menschen zu dienen, ist diese Kirche nach Abbruch der alten von Grund auf neu errichtet worden. Stellt euch ein, ihr sterblichen Menschen! Lernt aus dem Worte des unsterblichen Gottes den Weg, der zu eurer Rettung führt! Gott selbst wird bewirken, daß sein Wort Frucht bringt).72 Im Innern flache Decke mit Vouten und Stuckverzierung, vier freistehende Pfeiler mit abgeschrägten Ecken (Turmstützen); Emporen im nördlichen, südlichen und westlichen Kreuzarm. 1843 Innenrenovierung. 1861 Renovierungsarbeiten, u. a. Turmpfeiler verkleinert. 1932 Putz erneuert. 1965 Innenrenovierung. 2010 barrierefreier Zugang angelegt.

Turm

Dachreiterartiger, achtseitiger Zentralturm mit geschwungener Haube und offener Laterne, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne (Jahreszahl: 1739), kupferverkleidet. Nach Norden, Osten und Westen je ein rundbogiges Schallfenster, nach Süden ein segmentbogiges, darüber Uhrziffernblatt. 1779 Schäden am Turm festgestellt. 1780 Glockenhaus an der Nordseite des Kirchhofs genutzt und Glocken umgehängt. 1849 Glocken wieder in den Turm gehängt. 1858 Glockenhaus abgebrochen. 1882 neue Turmuhr erworben. 1961 Kupferdeckung.

Vorgängerbau

Mittelalterlicher Steinbau mit Turm, kleinen Fenstern und gewölbtem Innenraum.73 Ab 1403/04 Turm von der Stadt Göttingen als Wartturm genutzt (Landwehr). 1687 Turmuhr repariert. 1734 Kirche als zu klein und zu dunkel beschrieben. 1737 Kirche abgebrochen.

Ausstattung

Vorref. Sandsteinaltar (eingeritzte Weihekreuze) und barockes Kanzelaltarretabel (1743, Johann Christian Hartig), weiß, gold und grau gefasst, polygonaler Kanzelkorb, flankiert von geschnitzten Fruchtgehängen (Ähren und Trauben), vor den Ecken des Kanzelkorbs Volutenschnitzereien; links und rechts je zwei korinthische Säulen, die verkröpftes Gebälk tragen; auf dem Gebälk zwei hölzerne Kelche; Auszug mit Inschriftenmedaillon „Friede sei mit euch“ (bis 1967: „Ehre sei Gott in der Höhe“74) und Segmentbogengiebel. – Taufstein (1968, Siegfried Zimmermann, Hannover), Muschelkalk, kreuzförmiger Grundriss. – Ehemalige Ausstattung: Dreiteiliges Flügelretabel mit farbig gefassten Schnitzfiguren (1499, Bartold Kastrop, Göttingen), im Schrein Marienkrönung, flankiert von zwei Figuren (Evangelist Johannes, Erzengel Michael), in den Flügeln ursprünglich je drei Figuren, links: St. Martin, St. Dorothea fehlt, St. Margarethe, rechts: St. Katharina, St. Barbara, St. Sebastian; auf den Außenseiten der Flügel zwei Gemälde: Mariä Verkündigung und Geburt Christi; Inschrift hinter der Marienkrönung: „Anno D[omi]ni m cccc lxxxxix [com)]pletu[m] e[st] in gottinge[n] p[er] me bartold[us] kastrop de north[e]n“; Retabel stand seit dem Neubau der Kirche 1737/38 bis in die 1860er Jahre hinter dem Kanzelaltar, 1894 befand es sich zerlegt im Orgelgehäuse; 1894/95 restauriert und ergänzt von Friedrich Grape (Göttingen), als Depositum an das städtische Museum Göttingen abgegeben; 1959 restauriert von Kurt Mannig (Göttingen).75 – Taufe (1881), gestiftet von Konfirmanden; seit Ende der 1960er Jahre im Museum am Thie.76

Orgel

1777 erster Orgelbau, ausgeführt von Nicolaus Kahlert (Duderstadt), 14 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen; den „Grundstock zur Anschaffungssumme für die Orgel bildete jenes Geld, das die Gemeinde für die Einquartierung hessischer Truppen erhielt, die auf dem Weg nach Amerika waren“77; 1861 Instrument abgebaut. 1861 Orgelneubau, ausgeführt von Ph. Furtwängler & Sohn (Elze), 22 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen (Opus 58)78, Prospekt der Vorgängerorgel wieder verwendet. 1917 Zinnerne Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken abgegeben, 1919 durch Zinkpfeifen ersetzt. 1970/71 Restaurierung, Paul Ott (Göttingen), 22 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1973 Erweiterung, ausgeführt von Paul Ott (Göttingen), 23 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 2008 Restaurierung, Jörg Bente (Helsinghausen), 23 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.79 Denkmalorgel (seit 1968).

Geläut

Drei LG, I: f’, Inschrift: „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir“ und „Den Gefallenen der ersten und zweiten Weltkrieges zum Gedenken“, Bild: drei Kreuze; II: as’, Inschrift: „Freuet euch in dem Herrn allewege“, Bild: Christusmonogramm; III: b’, Inschrift: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!“, Bild: Stern (alle Stahl, Gj. 1950, Bochumer Verein).80 – Früherer Bestand: Eine große LG (Bronze), Gewicht 36 Zentner, beim Trauergeläut für Kg. Georg I. von Großbritannien, Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg († 1727) geborsten und umgegossen zu einer neuen großen LG (Bronze, Gj. 1738), Glocke 1848 geborsten und umgegossen zu einer neuen großen LG (Bronze, Gj. 1849, G. Schneider, Göttingen), Inschriften: „Aus der 1738 beim Bau der Kirche von den Vorfahren gestifteten und 1848 zersprungenen Glocke zum Meistertücke gegossen durch G. Schneider in Göttingen. Ph. Sander, Pastor. Herman Eggers, Schullehrer. Chn. Sebode, H. Zimmermann, Ch. Sebode und H. Freise Kirchenvorsteher. Auf einmütigen Beschluß der Gemeinde Geismar 1849 F. Hinterthur, Bauerm[eister], Chr. Schachtebeck, Rechn[ungs]f[ührer], L. Sternberg, F. Knüllig, H. Schüddekopf, L Schüddekopf, Gemeindevorst[eher]. 1738. Zur neuen Kirch die sie schufen zu ihrem Heil und Gottes Ehr sollt auch die neue Glocke rufen drum stellten sie die Väter her. Manch Jahr hat sie seitdem geklungen Gebet und Feier angesagt ist zu der Freude froh geschwungen und hat in manches Grab geklagt. 1848. Doch was der Mensch schuf hat nie Dauer wie herrlich es ihm auch gelang das sagt die Glocke unsrer Trauer als sie in jenem Jahr zersprang. In welchem rings in allen Landen erschüttert von der Völker Streit mit alten Rechtes, alten Banden sich lösete die alte Zeit. 1849. Bedachten sie die alte Lehre daß Einigkeit des Volkes Kraft in deutschen Landen recht so wäre die neu Ordnung längst geschafft. Die neue Glocke soll bekunden daß die Gemende dies bedacht in Christeneinigkeit verbunden hat sie das Werk so bald vollbracht. Die neue Glocke aber klinge zu Gottes Ehr viel hundert Jahr wenn sie zur Andacht ruft so bringe sie stets zu Hauf ein heilge Schaar. Wenn sie in Noth zur Hülfe schreiet so rühre rasch sich jede Hand die freude werd durch sie geweihet und Trost dem Schmerze zugewandt“, Glocke geborsten und umgegossen zu einer neuen großen LG (Bronze, Gj. 1882, Firma Radler, Hildesheim), im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben; eine neue große LG (Bronze, Gj. 1932, Firma Radler, Hildesheim), Inschrift: „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Zum Gedächtnis ihrer im Weltkriege (1914–18) gefallenen 64 Brüder. Die Gemeinde Geismar“, Glocke im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. Eine mittlere LG (Bronze, Gj. 1656, Henrich Lüttken, Göttingen), Inschriften: „H. Christophorus Vahlbusch, pastor Ecclesiae Geismariensis. H Nicolaus Quentin, Gieseler Kerll, Schulze. Hans Rümenap sen., Christofel Teipel sen., Kirchenväter. Antonius Schüddekopf, Henrich Windhausen, Christian Magerhans, Vorsteher. Valtentin Scheide, Johann Hoffmann Aeditus und die ganze Gemeine in Geismar. M[eister] Henrich Lutken gos mich MDCLVI“, „Zur Ehre Gottes. Also hat Gott die Welt geliebet, daß Er seinen eingebornen Sohn gab, auf das alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“, Bilder: Geburt Christi und Christus mit Weltkugel, mit Beischrift: „Ego sum via et veritas et vita“ (Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben), Glocke geborsten und umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1884, Firma Radler, Hildesheim), da sie klanglich nicht zur großen und kleinen LG passte; im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben; eine neue mittlere LG (Bronze, Gj. 1924, Firma Radler, Hildesheim), Inschrift: „1917 dem Vaterland geopfert. 1923 von Gemeindegliedern wieder geschenkt“, Glocke im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. Eine kleine LG (Bronze, Gj. in vorref. Zeit), Inschrift etwa: „Hec nola sit resonans cv[m] divine faciei nos replet i[n]tvitv[s] filii [peds]“ (Diese Glocke soll erklingen, wenn der Anblick des göttlichen Gesichts des […] Sohnes uns erfüllt)81, Glocke aus klanglichen Gründen umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1882, Firma Radler, Hildesheim), 1950 zur Finanzierung des neuen Stahlgeläuts verkauft an die KG Stadtoldendorf. Die Glocken hingen von 1780 bis 1849 in einem Glockenhaus neben der Kirche, da 1779 Schäden am Turm festgestellt worden waren. Eine SG (Bronze, Gj. 1882), im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus I (Bj. 1726; zweistöckiger Fachwerkbau).82 – Gemeindesaal (Bj. 1726; ursprünglich Stallgebäude, 1952 zu Gemeindesaal umgebaut). – Pfarrwitwenhaus, „Latüchte“ (Bj. 1747; ab 1964 Jugendhaus, 2007 saniert und umgebaut). – Pfarrhaus II, Wilhelm-Raabe-Straße (Bj. 1936, erworben 1969). – Gemeindehaus II, Wilhelm-Raabe-Straße (Bj. 1936, erworben 1980). – Begegnungsstätte (Pfarr- und Gemeindehaus), Charlottenburger Straße (Bj. 1992/93).

Friedhof

Ehemaliger Friedhof bei der Kirche; erhalten sind einzelne Grabdenkmäler sowie die Denkmäler für die Kriege von 1866, 1870/71 und 1914–18. Neuer kirchlicher Friedhof am Mühlenweg (heute Kiesseestraße), angelegt 1887, an die Kommune abgegeben 194683, geschlossen 1982, nach Protesten wieder eröffnet 1986; FKap (Bj. 1951).84 Göttinger Stadtfriedhof am Junkerberg, eröffnet 1976.

Liste der Pastoren (bis 1940)

1549(?) Justus Molanus. – 15..–15.. Johannes Fabri. – 15..–15.. Gottschalk von Erfurt. – 15..–1580(?) Gabriel Halbritter. – 1580–1597 Andreas Koch (Cocus; um 1580 zum kath. Glauben konvertiert). – 1597–1603 Reiner Fabricius. – 1603–1628 und 1632–1645 Justus Bornemann (1628–1632 amt. der kath. Priester Jacob Meyer). – 1645–1668 Christoph Fahlbusch. – 1668–1672 Christoph Fischer. – 1672–1695 Brandanus Klinge. – 1696–1705 Christoph Lüdemann. – 1705–1711 Christian Ludwig Bernwardt. – 1712–1746 Johann Philipp Oldenburger. – 1746–1773 Justus Albrecht. – 1773–1803 Heinrich David Wedekind. – 1803–1832 Philipp Wilhelm Heinrich Niemann. – 1833–1874 Bernhard Friedrich Philipp Heinrich Sander. – 1875–1888 Georg Konrad Daniel Schramm. – 1889–1924 Georg Friedrich Konrad Hinrichs. – 1925–1939 Heinrich Wilhelm Hermann Karl Kayser (amt. als P. i. R. bis 1948).

Angaben nach: Meyer, Pastoren I, S. 307 und III, S. 21

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 3577–3589 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 2627–2633 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 763Digitalisat, 764Digitalisat, 765Digitalisat, 766Digitalisat (Visitationen); B 2 G 9 Nr. 1027–1031 (Baupflege und Bauwesen); B 18 Nr. 171 (Orgelsachverständiger); S 06 Nr. 242 (Handschriften); S 09 rep Nr. 1126 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7712 (Findbuch PfA); S 11a Nr. 8140 (Findbuch EphA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1645
Trauungen: ab 1645
Begräbnisse: ab 1645
Kommunikanten: ab 1732 (Lücken: 1772–1803, 1805–1838, 1867–1875; unvollständig: 1804)
Konfirmationen: ab 1719

Literatur & Links

A: Bielefeld, Orgeln, S. 53–55 und S. 268–276; Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 149–152; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 490; Eichenberg, KK Göttingen-Süd, S. 25–33; Gmelin, Tafelmalerei, S. 516–518, Kat.-Nr. 174; Meyer, Pastoren I, S. 307 und III, S. 21; Mithoff, Kunstdenkmale II, S. 61; Petke: Wie kam die Kirche ins Dorf, S. 49–50; Rüttgerodt-Riechmann, Denkmaltopographie Göttingen, S. 106–108.

B: Die St. Martinskirche zu Geismar [Eine Festschrift zur Glockenweihe in Geismar im Jahre 1950], Geismar 1950; Festschrift zur Wiedereinweihung der restaurierten Furtwängler-Orgel in der Martinskirche Göttingen-Geismar am 7. September 2008 [.pdf online]; Ewald Dawe: Geismar. Platz der sprudelnden Quellen. I: Von den Anfängen bis 1946, Göttingen-Geismar 1987; Rudolf Engelhardt: Philipp Sander, Pastor. Rede anläßlich der Enthüllung einer Gedenktafel am 11. August 1981 im Ortsteil Geismar, Mitteldorfstraße 4 (Pfarrhaus), in: Göttinger Jahrbuch 30 (1982), S. 204–205; Walther Hellige: Der Geismarer Marienaltar. Ein frühes Werk des Göttinger Meisters Bartold Kastrop, in: Göttinger Jahrbuch 1970, S. 65–76; Vera Lenz: 1000 Jahre St. Martin Geismar. Geschichte und Geschichten einer Kirche, Göttingen 1990; Vera Lenz & Karl Semmelroggen: 950 Jahre Geismar. Geschichte & Geschichten. 1055 – 2005, Duderstadt 2005, darin bes.: Konstanze Schiedeck: Die drei Kirchen von Geismar, S. 77–124; Heinrich Lücke: An den Ufern der Garte. Historisches und Literarisches aus der Südostecke des Göttinger Landes, Duderstadt 1927 (ND 1989), bes. S. 149–174; Heinrich Lücke: Gegenreformation in Geismar [bei Göttingen], in: Südhannoverscher Heimatkalender 1969, S. 62–64; Antje Middeldorf Kosegarten: Das Marienretabel aus St. Martini in Göttingen-Geismar, in: Noll/Warncke, Kunst und Frömmigkeit, S. 138–161; Heinz Perschke: Zur Geschichte der Evgl.-Luth. Kirchengemeinde St. Martin in Göttingen-Geismar. 1970–1980, Geismar [1981] [Typoskript]; Wilhelm Sander: Pastor Philipp Sander in Geismar und die Göttinger Sieben, in: Göttinger Blätter 4 (1938), Heft 3, S. 36–51; Hans Tütken: Geschichte des Dorfes und Patrimonialgerichtes Geismar bis zur Gerichtsauflösung im Jahre 1839 (= Studien zur Geschichte der Stadt Göttingen 7), Göttingen 1967, bes. S. 47–112 und S. 302–328.

Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche und Ausstattung; Denkmalatlas Niedersachsen: Kirche, Pfarrhaus, Stall, Kirchenanlage.

GND

2110611-3, Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Martin Geismar.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 152.
  2. Mainzer UB I, Nr. 296. Zum Namen und für weitere Nachweise vgl. Casemir/Menzel/Ohainski, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 149.
  3. Zur Dorfgeschichte: Tütken, S. 1 ff.
  4. Wolf, Hardenberg Bd. II, Urkundenbuch, Nr. 16; Vigener, RggEbMz Nr. 2138, in: Die Regesten der Mainzer Erzbischöfe, http://www.ingrossaturbuecher.de/id/source/5857, 16.09.2025.
  5. Tütken, S. 109.
  6. Petke, Wie kam die Kirche ins Dorf, S. 49 f.; Tütken, S. 47 ff.; Petke, Begriffe, S. 96 (vgl. ebd., S. 89 ff. zum problematischen Begriff der ‚Urpfarrei‘). Lenz, S. 16 f.
  7. Mainzer UB I, Nr. 296.
  8. Tütken, S. 61 f. UB Göttingen I, Nr. 121 [Digitalisat]. Zum Umfang des sedes-Gebiet um 1519: Bruns, Archidiakonat Nörten, S. 167 f.
  9. Tütken, S. 84.
  10. Tütken, S. 93; UB Walkenried II, Nr. 1045.
  11. UB Göttingen I, Nr. 121 [Digitalisat]; Prietzel, Kalande, S. 270 ff.
  12. RG Online, RG II 02180, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/2/2180, 16.09.2025.
  13. RG Online, RG II 02647, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/2/2647, 16.09.2025.
  14. RG Online, RG IV 10323, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/4/10323 und RG Online, RG IV 05070, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/4/5070, 16.09.2025. Siehe auch Tütken, S. 93 f.
  15. 1423: StadtA GOE B 1 Nr. 628; 1424: RG Online, RG IV 05070, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/4/5070, 16.09.2025.
  16. 1425: RG Online, RG IV 00929, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/4/929, 16.09.2025. 1427: RG Online, RG IV 05144, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/4/5144, 16.09.2025.
  17. RG Online, RG IV 07242, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/4/7242 und RG Online, RG V 04440, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/5/4440, 16.09.2025.
  18. 1438: RG Online, RG V 08636, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/5/8636, 16.09.2025. 1439: RG Online, RG V 03345, http://rg-online.dhi-roma.it/RG/5/3345, 16.09.2025.
  19. NLA HA Cal. Br. 1 in Nr. 153.
  20. Dieser und die folgenden Namen bei Tütken, S. 94.
  21. Zu Nikolaus Eggestein vgl. auch Prietzel, Kalande, S. 572, Nr. 28.
  22. Tütken, S. 95; Prietzel, Kalande, S. 605 f.
  23. Tütken, S. 97. Zur Reformationszeit in Geismar vgl. ebd., S. 96 ff.
  24. Tütken, S. 95 und S. 97.
  25. StadtA GOE B 7.1 Nr. O 115.
  26. Zit. bei Tütken, S. 98.
  27. Prietzel, Kalande, S. 590 (Nr. 83), Tütken, S. 98. Vgl. zu Pollen: Prietzel, Kalande, S. 594 (Nr. 93); die Nachricht, der Geismarer Pfarrer Johannes Pollen sei Pfingsten 1540 „vor dem Tore erschossen, als er abends vom Biere heimkehrte“ (Tütken, S. 97), ist nach Prietzel wohl falsch.
  28. Tütken, S. 99.
  29. Tütken, S. 99.
  30. Wolf, Petersstift, S. 233 f. [Digitalisat].
  31. Zum Folgenden: Tütken, S. 100 ff.; Lücke, Gegenreformation, S. 62 ff.
  32. Tütken, S. 100 f.
  33. Detailliert: Tütken, S. 102 ff.
  34. Lenz, S. 122.
  35. Kayser, Generalvisitation Gesenius, S. 196.
  36. NLA HA Kartensammlung Nr. 22 d Geismar 2 m (mit Digitalisat).
  37. Tütken, S. 302 f. Die Familie von Hardenberg beanspruchte für Geismar die gleichen, außerordentlich umfangreichen Patronatsrechte, die sie in den Parochien der Herrschaft Hardenberg besaß.
  38. Tütken, S. 304 f., S. 323 und S. 326; Lenz, S. 69 ff.
  39. Dawe, S. 179 ff. Zu P. Sander vgl. Lenz, S. 158 ff., Sander, S. 36 ff., Engelhardt, S. 204 f.
  40. Lenz, S. 117 f. 1827 waren es 48 Gutskäufer, später 39.
  41. Tütken, S. 313 ff.
  42. Vgl. dazu den Text seines Enkels Wilhelm Sander, S. 36 ff., Engelhardt, S. 204 f., Böhme, Denecke u. a., Göttingen II, S. 579 f., und Tütken, S. 314 f. P. Sander verfasste 1837 einen kurzen Aufsatz, der anonym erschien: „Schreiben aus dem Hannoverschen“, in: Politisches Journal 58,2, (1837), S. 1099–1102 [Digitalisat] und in: Altonaischer Mercurius, 04.12.1837, Sp. 3660–3661 [Digitalisat]. 1838 folgte der Text „Die hannoversche Frage und die hannoversche Geistlichkeit“, in: Politisches Journal 59,2 (1838), S. 482–505 [Digitalisat]. P. Sander vertrat die Ansicht, es hätte 1837 „von Kirche und kirchlicher Wissenschaft gegen die Eidesentbindung aus reiner Machtvollkommenheit protestiert werden müssen“ (Sander, S. 43; gemeint ist die Entbindung der Staatsdiener vom Eid, den sie auf das nun aufgehobene Staatsgrundgesetz von 1833 geleistet hatten).
  43. Kempf, Wahlen, S. 496. P. Sander war einer der vier Deputierten der ev. Geistlichkeit und vertrat den kirchlichen Wahlbezirk 2 (Landdrostei Hildesheim und Berghauptmannschaft Clausthal), vgl. ebd., S. 504. Zum Wahlverfahren ebd., S. 98 ff.
  44. Cordes, Aktion, S. 89 f.
  45. LkAH, L 5c, unverz., Geismar, Visitation 1940.
  46. LkAH, S 1 H III, Nr. 412, Bl. 36 (dort auch das folgende Zitat). Allgemein zum Fragebogen vgl. Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
  47. LkAH, L 5c, unverz., Geismar, Visitation 1940. P. Kayser führt mehrere Beispiele an für die „unerhörte[] ganz offen betriebene[] Hetz“ gegen Kirche und Christentum an.
  48. LkAH, S 1 H III, Nr. 412, Bl. 36; LkAH, L 5c, unverz., Geismar, Visitation 1953.
  49. LkAH, S 1 H III, Nr. 412, Bl. 37v; Lenz, S. 153.
  50. Schiedeck, in: Lenz & Semmelroggen, S. 94 ff.
  51. Lenz, S. 149.
  52. LkAH, L 5c, unverz., Geismar, Visitation 1964.
  53. KABl. 1965, S. 4.
  54. KABl. 1969, S. 109. Vgl. auch Perschke, S. 5: Vor Neuziehung der Grenze wohnten zahlreiche Gemeindeglieder der Stephanus-KG näher an der St.-Martini-Kirche als an der Stephanus-Kirche.
  55. Lenz, S. 137; Perschke, S. 28 ff.
  56. Perschke, S. 8.
  57. Lenz, S. 136 und S. 170 f. Perschke, S. 20.
  58. Vgl. dazu Perschke, S. 14 ff.
  59. Perschke, S. 39 f. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  60. LkAH, L 5c, unverz., Geismar, Visitation 1986.
  61. KABl. 2013, S. 150 ff.; KABl. 2025, S. 275.
  62. KABl. 2025, S. 75 ff. Folgende KG gehören zum KGV Region Gleichen/Göttingen-Süd: KG Diemarden, Apostel KG Gleichen, Kreuzweg-KG Gleichen, Kreuz-KG Göttingen, Stephanus-KG Göttingen-Geismar, St. Martins-KG Göttingen-Geismar, KG Lengder Burg und KG Reinhausen.
  63. KABl. 1969, S. 13; KABl. 1995, S. 75.
  64. KABl. 2010, S. 156 ff. (Kirchengesetz zur Änderung des Finanzausgleichsgesetzes (FAG) und anderer Kirchengesetze, Art. 6).
  65. KABl. 1981, S. 84.
  66. KABl. 1965, S. 4; KABl. 1969, S. 109. Vgl. auch Perschke, S. 5.
  67. Tütken, S. 107.
  68. KABl. 1977, S. 134.
  69. KABl. 2000, S. 150 f.
  70. KABl. 2022, S. 189 ff.
  71. Zum Folgenden: Tütken, S. 102 ff. und S. 302 ff. (dort auch Zitat).
  72. Übersetzung nach Lenz, S. 78.
  73. Tütken, S. 324 ff.
  74. Lenz, S. 88.
  75. Ausführlich: Kosegarten, S. 138 ff. Vgl. auch DI 19, Stadt Göttingen, Nr. 57 (Werner Arnold), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di019g001k0005704, Gmelin, Tafelmalerei, S. 516 ff., Hellige, S. 65 ff.
  76. Lenz, S. 92.
  77. Tütken, S. 327. Vgl. auch Lenz, S. 93.
  78. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 85.
  79. Siehe bente-orgelbau.de/ref_geis.htm, 15.09.2025.
  80. Zu diesen und den früheren Glocken vgl. Lenz, S. 101 ff.; Glockenweihe 1950, [S. 12 f.].
  81. DI 19, Stadt Göttingen, Nr. 3† (Werner Arnold), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di019g001k0000307.
  82. Zu den kirchlichen Gebäuden: Lenz, S. 59 ff.
  83. Lenz, S. 115.
  84. Schiedeck, S. 143. Insgesamt zu den Friedhöfen vgl. ebd., S. 125 ff.