Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen | Patrozinium: Michael | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Diemarden liegt im unteren Teil des Gartetals südöstlich von Göttingen und ist seit 1973 Ortsteil der Gemeinde Gleichen. 1022 wird es in der Stiftungsurkunde des Hildesheimer Michaelisklosters als Timertha erstmals erwähnt.1 Das Kloster besaß damals 80 Hufen und einen Hof in Diemarden, von denen 1234 der größere Teil an das Kloster Hilwartshausen veräußert wurde. Das Kloster Hilwartshausen erwarb auch die Vogtei über Diemarden, die bisher den Edelherren von Plesse zustand, und brachte Anfang des 14. Jh. weitere Teile des Dorfes in seinen Besitz (Schenkungen der Herren von Rusteberg 1305 und des Hzg. Albrecht von Braunschweig und Lüneburg 1318). Aus einem Außenhof des Klosters ging das spätere Klostergut hervor. Weitere Grundherren in Diemarden waren das Kloster Reinhausen, die von Bodenhausen, die von Dransfeld und die von Uslar, die Ende des 14. Jh. ein von den Edelherren von Plesse verpfändetes Gut besaßen. Die Landesherrschaft lag bei den Welfen (Fsm. Göttingen, Amt Friedland, ab 1815 zum Amt Reinhausen). Die Untergerichtsbarkeit lag noch bis 1850 beim Klosteramt Diemarden als Rechtsnachfolger des Klosters Hilwartshausen und ging mit dessen Aufhebung ebenfalls auf das Amt Reinhausen über.

Kirche, Ansicht von Südosten

Kirche, Ansicht von Südosten

Die Kirche hat zur Zeit der Ersterwähnung des Dorfes 1022 bereits bestanden. Vermutlich war sie eine adelige Eigenkirche, bevor sie in den Besitz der Hildesheimer Kirche und dann des Michaelisklosters kam.2 Als vorref. Geistliche sind belegt: Godefridus de Dimerthen (Pleban, 1272)3; her Heinrich bzw. Henricus plebanus in Dymerde (1322/23)4; Iohannes plebanus in Dymerde (1343)5; to Dymerden […] her Albrecht perner darsulvest (1457)6; Albrecht Apel, pernhere to Dymerden (1484).7
Die Einführung der Reformation erfolgte 1542 unter Elisabeth von Calenberg (Visitation des Amts Friedland durch Antonius Corvinus im Dezember 1542).8 Als erster luth. Geistlicher gilt Wilhelm Krummel. Sein Nachfolger Johann Gödeke kam 1555 ins Amt. Vor 1588 wurde Diemarden mater combinata von Reinhausen, blieb jedoch Pfarrsitz. 1961 wurde der Pfarrsitz von Diemarden nach Reinhausen verlegt.9
Unter den P. ist besonders bemerkenswert: Johann Christian Dille (amt. 1794–1805, später Sup. in Hedemünden und Diepholz; mehrere Beiträge in Salfelds Nachrichten von Kirchen- und Schulsachen).10
Der 1933 gewählte KV bestand ausschließlich aus Mitgliedern der NSDAP, darunter auch der Ortsgruppenleiter. Sie wurden abgesetzt, als sie sich weigerten, den Klingelbeutel zu tragen. Sup. Lic. Hoppe (ab 1937) war seit 1933 Mitglied der BK. Ein christlicher Jungfrauenverein stellte 1933 seine Tätigkeit ein. Die ev. Schule wurde stillschweigend in eine Bekenntnisschule umgewandelt. Im Übrigen hatte der Kirchenkampf keine größeren Auswirkungen.

Umfang

Das Dorf Diemarden mit den Vorwerken Albeshausen und Bettenrode.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Geismar11) der Erzdiözese Mainz. – 1588/89 zur General- und Spezial-Insp. Münden. Nach 1636 wurde Diemarden der Insp. Göttingen und 1796 der neu gebildeten Insp. (1924: KK) Göttingen II (mit Sitz an St. Jacobi) zugelegt. Bei der Neuordnung der Göttinger Aufsichtsbezirke zum 1. April 1937 wurde Diemarden Suptur.-Sitz für den neu gebildeten KK Göttingen-Süd.12 Seit 1. Januar 2001 KK Göttingen.

Patronat

Um 1022 das Michaeliskloster in Hildesheim, ab 1234 das Kloster Hilwartshausen. Nach dessen Übergabe an die Universität Helmstedt 1629/33 übte dieselbe auch das Patronatsrecht aus. 1650 zog es die herzogliche Regierung an sich und ließ es durch das Konsistorium ausüben (landesherrlich bis 1871).13

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar

Kirche, Blick zum Altar

Das KGb wird 1707 in einem Gutachten als baufällig bezeichnet. 1732/33 wurde es abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Der endgültige Innenausbau erfolgte aus Geldmangel erst 1774. Dreiachsige, verputzte Saalkirche mit Eckquaderung aus Sandstein. Dach mit Krüppelwalm im Osten. Innenraum durch eine Segmentbogentonne geschlossen. Renovierung der Kirche 1933 zum 200jährigen Jubiläum, dabei u. a. Erweiterung der Orgelempore für den Kirchenchor. Weitere Renovierung 1962/65.

Turm

Westturm aus rotem Bruchsandstein, wohl mittelalterlich (um 1400). 1747 renoviert. Verschieferter Aufsatz mit geschweifter Haube aus der zweiten Hälfte des 18. Jh.

Ausstattung

Der Altartisch stammt noch aus der Vorgängerkirche. Dahinter erhebt sich eine spätklassizistische Kanzelaltarwand mit einem von vier ionischen Säulen getragenen Architrav (1839/41). – Spätgotisches Altarretabel (jetzt an der Wand aufgehängt) mit bemalten Flügeln und Schnitzfiguren im Mittelschrein. Auf den Außenseiten vier Szenen aus dem Marienleben vom Göttinger Meister Heinrich Heisen (um 1520); im Schrein zwölf Apostel, die Bartold Kastrop (um 1520) zugeschrieben werden. Weitere spätgotische Figuren am Kanzelaltar (heiliger Michael und Christophorus) sowie an der nördlichen Saalwand. – Sechseckiger Taufstein mit figürlichen Reliefs und einem gotischen Bogenfries (um 1400, 1966 restauriert und wieder in der Kirche aufgestellt. Sockel ergänzt).

Blick zur Orgel, nach 1965

Blick zur Orgel, nach 1965

Orgel

Alte Orgel von 1833. 1930/31 Neubau hinter dem historischen Prospekt durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 16 (davon 4 Transmissionen) II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen. 1995 Restaurierung durch Franz Rietzsch (Hiddestorf).

Geläut

Zwei LG, I: d’’ (Bronze, Gj. 1736, Johann Arnold Geyer, Nordhausen); II: e’’ (Bronze, Gj. 1379, angeblich 1642 auf dem Eichsfeld gekauft). – Früherer Bestand: Das ältere Geläut wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Eine 1631 oder 1632 beschaffte Glocke ist 1735 gesprungen und wurde im darauf folgenden Jahr umgegossen (LG I).

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof. 1950 Anlage des neuen Friedhofs am westlichen Ortsrand. FKap (1965). In Trägerschaft der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2145–2156 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 293 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1698–1706 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 443–444 (Visitationen).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 387; Eichenberg, KK Göttingen-Süd, S. 34 f.; Gmelin, Tafelmalerei, Kat.-Nr. 195; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Duderstadt, S. 262; Pape, Palandt, S. 375–379.
B: Diemarden im Wandel der Zeit 1874–1988, [Diemarden 1989]; Otto Fahlbusch: Dorf und Klostergut Diemarden, in: Göttinger Jahrbuch 1962, S. 82–102; Heinrich Lücke: An den Ufern der Garte, Duderstadt 1927 [ND 1989], S. 175–183.


Fußnoten

  1. MGH DD H II 479; UB HS Hildesheim I, Nr. 67. Vgl. auch Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 97.
  2. Petke, Niederkirchenstiftungen, S. 55.
  3. UB Weende, Nr. 31.
  4. UB Reinhausen, Nr. 103; UB Hilwartshausen, Nr. 166.
  5. UB Mariengarten, Nr. 191.
  6. UB Reinhausen, Nr. 274.
  7. UB Reinhausen, Nr. 369.
  8. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 249, Anm. 503.
  9. KABl. 1961, S. 169.
  10. Rotermund, Das gelehrte Hannover I, S. 461.
  11. Kayser, Registrum II, S. 277.
  12. KABl. 1937, S. 135.
  13. Brauch, Klöster, passim.