Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Harlingerland | Patrozinium: Maria Magdalena | KO: Ostfriesische KO von 1716

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Orts- und Kirchengeschichte

Ortschaft im Harlingerland, bis 1744 zur Westeraccumer Vogtei, später zum Amt Esens, das 1885 im Kreis Wittmund aufging. Seit 1972 Ortsteil von Holtgast. Das Dorf unterteilte sich früher in Groß- und Klein Fulkum.1 Die in Groß Fulkum gelegene Kirche war Filial der Sendkirche in Stedesdorf und wird im Stader Copiar 1420 erstmals erwähnt.2 Als erster namentlich bekannter Geistlicher erscheint 1475 her Foke kerkher in einer Glockeninschrift. Um 1560 ist ein luth. P. namens Leonhard in Fulkum tätig gewesen, 1568 Johann Fontinius.
Frühester Kirchenbau war eine im 11. Jh. im östlichen Bereich der jetzigen Kirchenwarft errichtete kleine Holzkirche, die 1990 archäologisch nachgewiesen wurde. Sie wurde bis ins 12. Jh. zweimal nach Brandzerstörung erneuert und nach einer Erhöhung der Warft wohl in der zweiten Hälfte des 13. Jh. durch eine ursprünglich in drei Jochen eingewölbte, später flach gedeckte Backsteinsaalkirche mit halbrunder Apsis ersetzt. 1853 wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten im Innern vorgenommen.3 Acht Jahre später wurde die Kirche wegen Einsturzgefahr abgebrochen. Der Neubau wurde 1862 eingeweiht.
Fulkum gehörte seit jeher zu den eher kleinen Pfarren im Lande. In der ersten Hälfte des 19. Jh. stand zeitweilig eine pfarramtliche Verbindung mit Roggenstede zur Diskussion (nicht umgesetzt). Erst ab 1919 war die Pfarrstelle dauerhaft vakant und wurde meist von Esens, zeitweise auch von Roggenstede aus verwaltet. Das nicht mehr benötigte und zuletzt vermietete Pfarrhaus befand sich 1947 bereits in einem „trostlosen Zustand“4 und wurde nach 1966 abgebrochen. Die Gemeinde bewahrte bis nach dem Zweiten Weltkrieg ihren überwiegend ländlich-bäuerlichen Charakter und umfasste 1966 noch 317 Gemeindeglieder.5 Mit dem 1. Januar 1978 wurde die Pfarrstelle der KG Fulkum mit der dritten Pfarrstelle der St.-Magni-KG Esens vereinigt und die KG Fulkum mit der St.-Magni-KG Esens pfarramtlich verbunden.6 Zum 1. Oktober 1998 wurde in den pfarramtlich verbundenen KG eine vierte Pfarrstelle errichtet.7

Umfang

Die Dörfer Fulkum und Uppum sowie die Höfe Hartsgast.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des bremischen Domscholasters (Sedes Stedesdorf). – Unterstand von 1631 bis 1643 dem luth. Coetus in Esens und ab 1643 unmittelbar dem luth. Konsistorium in Aurich. Mit Erlass der Insp.-Ordnung 1766 zur 7. (später 8.) luth. Insp. in Ostfriesland mit Sitz Esens, ab 1924 KK Esens (1. Januar 1974 mit dem KK Wittmund zum KK Harlingerland zusammengeschlossen).

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Schlichte einschiffige Saalkirche aus Ziegelmauerwerk (1862) mit einer halbrunden Apsis im Osten. Wände der Längsseiten durch je drei Rundbogenfenster gegliedert. Den Innenraum schießt eine flache Balkendecke ab. 1990/92 renoviert.

Turm

Freistehender Glockenturm aus Ziegelmauerwerk (wohl 15. Jh.).

Ausstattung

Blockaltar; darauf ein weinlaubumranktes Altarbild mit dem Gekreuzigten im Stil der Bauernmalerei. – Schmucklose hölzerne Kanzel mit Schalldeckel aus der Erbauungszeit der Kirche (um 1862). – Runde Granittaufe aus dem 12. Jh.; jüngerer Holzdeckel (1636). – Ehemaliges Altarbild („Christus segnet Brot und Wein“). – Zwei Gedenktafeln für die Gefallenen der beiden Weltkriege. – Barocker Kronleuchter (1696). – Holzskulptur zum Thema „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ (2000).

Orgel

1805 kaufte die Gemeinde von dem Lehrer Neddersen in Arle ein Orgelpositiv und stellte es auf einer Prieche vor dem Chor auf. Die Orgel war 1858 „in einem so schlechten Zustande […], daß sie kaum mehr geschlagen werden kann.“8 Obwohl sie damals schon als irreparabel galt, wurde das Instrument beim Abbruch der alten Kirche (1861) durch den Orgelbauer Rohlfs (Esens) in das Schulgebäude umgesetzt und nach Vollendung des Kirchenneubaus wieder in der Kirche (Westempore) aufgebaut. Erst 1866 erhielt die Kirche einen Orgelneubau von Arnold Rohlfs (Esens), 6 I/P.

Geläut

Eine LG in a’ (Bronze, Gj. 1834, Mammeus und Claudius Fremy, Bremen).9 – Früherer Bestand: Eine LG wurde 1475 durch Berend Klinghe (Bremen) in Fulkum gegossen und später an die Kirche in Buttforde abgegeben. Eine weitere LG soll 1574 gegossen worden sein. Laut Bericht des Glockenrevisors Hardege verfügte sie Kirche wohl seit jeher nur über eine Glocke.10

Friedhof

Auf dem Kirchhof. Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 2529-2532 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 12 d (GSuptur. Aurich); D 54 (EphA Esens).

Literatur

A: Haiduck, Kirchenarchäologie, S. 164-167; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 122; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 94; Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 65.
B: Harm Poppen: Die Entwicklung des Geestdorfes Fulkum, in: Friesische Heimat 1/1961; Lore und Reinhard Schnettler: Maria-Magdalenen-Kirche zu Fulkum. Kleine Beschreibung einer Warftkirche im Harlingerland, [Westerburg 1993].


Fußnoten

  1. Arends, Erdbeschreibung, S. 469.
  2. Hodenberg, Stader Copiar, S. 52.
  3. LkAH, A 8/Fulkum (Corpus bonorum 1858).
  4. LkAH, L 5i, Nr. 82 (Gutachten des Baumeisters Hinrichs, Fulkum, 10.06.1947).
  5. LkAH, L 5i, Nr. 324 (Visitation 1966).
  6. KABl. 1978, S. 5 f.
  7. KABl. 1998, S. 158.
  8. LkAH, A 8/Fulkum (Corpus bonorum 1858).
  9. Poppen.
  10. LkAH, L 5i, Nr. 324 (Bericht über die amtliche Glockenrevision).