Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Harlingerland | Patrozinium: Maria | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte

Das Geestdorf Buttforde (seit 1972 Ortsteil der Stadt Wittmund), wohl schon vor 800 gegründet und früher an der jetzt verlandeten und eingedeichten Harlebucht gelegen, wird 1420 im Stader Copiar (Bremer Dekanatsregister) erstmals erwähnt.1 Es war Sitz eines Häuptlingsgeschlechts, als dessen erster namentlich bekannter Vertreter 1455 Eibe to Buttforde erscheint.2 Das Dorf fiel 1600 mit dem Harlingerland an das Fsm. Ostfriesland und teilte seither dessen Geschichte (Amt Wittmund).

Kirche, Ansicht von Südosten, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1955

irche, Ansicht von Südosten, Foto: Ernst Witt, Hannover, 1955

Die auf einer Warft im Ortszentrum gelegene Kirche entstand als Tochterkirche der Sendkirche in Stedesdorf. Als Datum der Ersterwähnung gilt ebenfalls der Eintrag im Stader Copiar von 1420.3 Als erster Geistlicher erscheint 1452 her Gomel.4 Wann die Reformation eingeführt wurde ist unklar. Als frühester bekannter ev. P. wird der 1578 verstorbene Erasmus Hermanni geführt, dem P. Siebrand Oncken († 1580) und der frühere Rektor in Esens Johann Conrad Grashusius (amt. 1580-1646) folgten. Seit Anfang des 17. Jh. gab es im Ort eine Küsterschule (Bau der Küsterei 1686). Ende des 17. Jh. stand die Gemeinde unter dem Einfluss pietistischer Strömungen. Der aus Danzig stammende und von Woquard nach Buttforde versetzte P. Aegidius Lindenberg schuf 1713 einen eigenen, stark vom Calvinismus beeinflussten Katechismus. Er wurde aber wegen seiner Neigung zur ref. Tauf- und Abendmahlslehre schon 1716 seines Amtes enthoben und wechselte nach Emden, wo er im darauffolgenden Jahr starb.5

Die seit jeher vergleichsweise kleine KG umfasste 1967 noch rund 530 Gemeindeglieder. Die Pfarrstelle war vakant, eine Wiederbesetzung nicht mehr zu erwarten. Das LKA bemühte sich deshalb um die Umwandlung der KG in eine KapG und ihre Eingliederung in den Verband der KG Burhafe. Der KV sprach sich jedoch gegen eine Aufhebung als KG aus. Mit dem 1. Juli 1978 wurde die KG Buttforde durch das Pfarramt Funnix mit der KG Funnix pfarramtlich verbunden.6 Mit dem 1. August 2005 wurde die pfarramtliche Verbindung mit Funnix gelöst und Buttforde stattdessen mit der KG Werdum verbunden.7 Die alte Pastorei wurde zum Gemeindehaus umgebaut.

Umfang

Die Dörfer Buttforde, Neudorf und Neuwarfen; die Höfe Haus Buttforde, Buttforder Kleine Riege, Diepenbrock, Deichhammer, Endzetel, Erichswarfen, Flintenburg, Finkerei, Hofmeisterinnenburg, Kamphusen, Kippens, Pockens, Schwarzehörn und Surenburg.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des bremischen Domscholasters (Sedes Stedesdorf). – Unterstand von 1631 bis 1643 dem luth. Coetus in Esens und ab 1643 unmittelbar dem luth. Konsistorium in Aurich. Mit Erlass der ostfriesischen Insp.-Ordnung von 1766 zur 6. (später 8. und vor 1819 9.) luth. Insp. mit Sitz in Wittmund, ab 1924 KK Wittmund (1. Januar 1974 mit dem KK Esens zum KK Harlingerland vereinigt).

Patronat


Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, um 1964

Kirche, Blick zum Altar, um 1964

Rechteckige romanische Saalkirche aus Granitquadern und Ziegelmauerwerk im sogenannten märkischen Verband, mit eingezogener halbrunder Chorapsis (Ostfriesischer Apsissaal), errichtet zwischen 1220 und 1250.8 Vor 1636 wurde die schadhafte Apsis in Backsteinen ausgebessert. Die Westwand wurde 1636 aus Backsteinen neu aufgeführt und gleichfalls im Westen 1672 ein niedrigerer Vorbau ergänzt, der den neuen Zugang bildete. Frühere Portale an den Längsseiten wurden vermauert. Innen trennt ein dreijochiger steinerner Lettner aus spätgotischer Zeit (zwischen Anfang des 15. und Anfang des 16. Jh.) den Chorraum vom Schiff. Das Schiff wurde zufolge des Befunds anlässlich der Innenrenovierung von 1980 Jahren früher durch ein dreijochiges Gewölbe geschlossen, das vor 1636 entfernt und durch flache Decke ersetzt wurde.9 Für den Bau der Orgel auf dem Lettner wurde der darüber liegende Teil der Decke durch eine Holztonne erhöht. 1955 erfolgte eine Renovierung der Kirche unter der Leitung von Konsistorialbaumeister Ernst Witt.

Turm

Vor der Südwestecke der Kirche ein zweigeschossiger freistehender Glockenturm des geschlossenen Typs aus rotem Ziegelmauerwerk auf einem Granitunterbau (13. Jh.).

Ausstattung

Geschnitzter Flügelaltar aus Eichenholz, im ältesten Teil aus dem 15. Jh. mit einem Marienzyklus (im Schrein die Anbetung der Könige, auf den Flügeln Christi Geburt und die Darstellung im Tempel), im Baldachin mit drei Stücken aus dem Katechismus Luthers beschriftet.10 Das Schnitzwerk an den Seiten wurde 1652 ergänzt. Der Buttforder Marienaltar gilt als ältester Altar Ostfrieslands.11 – Kanzel in Spätrenaissance-Formen, gestiftet von Christopher Grothans und seiner Frau Etta von Spangenberg (1655), am Kanzelkorb neben dem Stifterwappen Gemälde des Evangelisten Johannes und Martin Luthers; die übrigen Evangelisten an der 1695 hinzugefügten Treppe; fünf Propheten an der Galerie. – Schlichte Granittaufe (Ende 12. Jh.). – Drei Holzskulpturen: Thronende Madonna (Eichenholz, Mitte 14. Jh.); Pietà (Eiche, zweite Hälfte 15. Jh.) und Madonna auf der Mondsichel (zweite Hälfte 15. Jh.). – Westempore mit bemalter Brüstung (sogenannter Junkerstuhl der Patronatsfamilie von Specht 1703). – Hölzerne Empore auf dem Lettner. Biblische Szenen auf der Emporenbrüstung. Auf der Empore die Orgel. – Drei Gemälde (Bekehrung des Paulus, Daniel in der Löwengrube, Porträt Christi, 18. Jh.) – Grabstein des P. J. Conrad Grashusius († 1646). – Epitaphe der Anna Magdalena Hoyer († 1682) und Margaretha Brunken († 1691). – Kastengestühl mit farbiger Fassung und friesischen Hausmarken (17. Jh.).

Kirche, Blick zum Altar, vor 1955

Kirche, Blick zum Altar, vor 1955

Orgel

Auf dem Lettner. 1681/82 Neubau mit barockem Gehäuse durch Joachim Richborn (Hamburg), 9 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. 1803 Umbau des Gehäuses durch Gerhard Janssen Schmid (Leer). 1949/51 Instandsetzung, Umbau und Veränderung der Disposition durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven). 2011/12 Restaurierung durch Hendrik Ahrend (Leer-Loga). Die Richborn-Orgel in Buttforde gilt als eine der besterhaltenen Orgeln des 17. Jh. und steht seit 1952 unter Denkmalschutz.12

Geläut

Eine LG in e’ (sogenannte Marienglocke, Bronze, Gj. unsicher, meist mit 1475 angegeben, auch 1470 (Otten) oder 1474 (Noah 2003), Gießer: Berend Klinghe, Bremen; umgegossen aus einer älteren Glocke).

Friedhof

Auf dem Kirchhof. Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 1380-1383 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 12 d (GSuptur. Aurich); B 18 Nr. 147 (Orgelsachverständiger); D 57 (EphA Wittmund).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 330; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 84 f.; Meinz, Sakralbau Ostfriesland, S. 123 f.; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 43 f.; Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 49 f.; Noah, Kirchen Harlingerland, S. 59-66; Robra, Holzplastik, passim; Rogge, Kirchen, S. 63; Vogel u. a., Orgeln Niedersachsen, S. 136 f.
B: Wilfried Janssen: Aus der Geschichte von Buttforde, in: Harlinger Heimatkalender 2003, S. 35-37; Robert Noah: Die Kirche St. Marien in Buttforde. Neue Erkenntnisse zu ihrer Baugeschichte, in: Jahrbuch der Gesellschaft für Bildende Kunst und Vaterländische Altertümer zu Emden 61 (1981), S. 91-96; Robert Noah: Die Marienkirche zu Buttforde. Der Bau und seine Ausstattung, in: Harlinger Heimatkalender 2003, S. 57-66; Paul Otten: Buttforde und seine Kirche, in: Harlinger Heimatkalender 1977, S. 19-25; Wiebold Wurpts: Der Lettner „unser leven Vrouwen to Butaforda“, in: Unser Ostfriesland 54/1950.


Fußnoten

  1. Janssen, S. 35.
  2. Ostfriesisches UB II, Nr. 985.
  3. Hodenberg, Stader Copiar, S. 52.
  4. Ostfriesisches UB I, Nr. 652.
  5. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 377.
  6. KABl. 1978, S. 83.
  7. KABl. 2005, S. 194.
  8. Noah, Marienkirche, S. 66.
  9. Vgl. zuletzt Noah, Marienkirche, S. 60. Noah hatte das Vorhandensein eines Gewölbes 1959 noch verneint.
  10. Diederichs-Gottschalk, Schriftaltäre, S. 142-150; Robra, Holzplastik, S. 25 f.
  11. Rödiger/Wilkens, Friesische Kirchen, S. 68.
  12. KABl. 1952, S. 160; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).