Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Harlingerland | Patrozinium: Florian | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Ansicht von Süden, um 1964

Kirche, Ansicht von Süden, um 1964

Ort im Harlingerland; seit 1972 Stadtteil von Wittmund. – Ein hölzerner Kirchenbau an der Stelle der heutigen Kirche wurde 1971/73 von Hermann Haiduck durch Grabungsbefund nachgewiesen. Vermutlich fiel er einem Brand zum Opfer. Im 12. Jh. wurde auf der erhöhten Kirchenwarft eine Tuffsteinkirche (romanischer Apsissaal mit breitem Fundament aus Bruchsteinen) errichtet. Die Anlieferung des Tuffsteins erfolgte über einen jetzt verlandeten Priel, der wohl mit der Harlebucht in Verbindung stand. In der zweiten Hälfte des 13. Jh. wurde der alte Kirchenbau abgebrochen und durch einen Backsteinbau (drei fast quadratische Gewölbejoche, wahrscheinlich nicht eingewölbter Westteil, eingezogene Apsis) ersetzt. Der erste urkundliche Nachweis findet sich um 1420 im Bremer Dekanatsregister (Stader Copiar): Burhoua X grossos.1 Erster bekannter Geistlicher war Mammo tor Burhove kerkhere, der am 12. Juni 1442 den Friedensvertrag zwischen den Brüdern Kankena und dem Häuptling Ulrich von Norden sowie der Stadt Hamburg bezeugte2 (auch 1448 erwähnt). 1452 war Folf kerkhere to Burhove.3 In Burhafe wirkte auch M. Johannes Fischbeck (Visbeck), der 1525 gemeinsam mit den Pfarrern von Dunum und Ardorf die Reformation des Harlingerlandes einleitete. P. Heinrich Essenius (amt. 1623-1640) war während des Dreißigjährigen Krieges Seelsorger der Gemeinde. Von ihm ist u. a. eine Bußpredigt zum Abzug der Mansfeldischen Truppen im Januar 1624 im Druck erschienen.
Im Zuge der Moorkolonisation um Burhafe und Negenbargen siedelten sich nach 1763 vermehrt Kolonisten im Bereich der KG an. Das KGb wurde im Laufe der Zeit zunehmend marode. 1811 drohte ein Einsturz der Gewölbe. 1820/21 errichtete die Gemeinde einen klassizistischen Neubau.
Mit dem 1. Januar 1968 wurde die die bisherige KG Blersum in eine KapG umgewandelt und in den Verband der KG Burhafe eingegliedert. Die beiden Pfarrstellen wurden vereinigt.4

Umfang

Die Dörfer Abens, Bassens, Burhafe, Negenbargen, Upstede und Warnsath; die Höfe Barkhausen, Burhafer Feldstrich, Falster, Fluß, Hammrichhausen, Hauenhausen, Heidriege, Hieskebarg, Kattrepel, Kippens, Lavey, Mullbarg, Oldehusen, Oldendorf, Ovelgönne, Poggenburg, Struckhausen und Warnsather Feldstrich. Seit 1968 auch das Gebiet der früheren KG Blersum.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des bremischen Domscholasters (Sedes Stedesdorf). – Unterstand 1631 bis 1643 dem luth. Coetus in Esens und ab 1643 unmittelbar dem luth. Konsistorium in Aurich. Mit Erlass der ostfriesischen Insp.-Ordnung von 1766 zur 6. (später 8. und vor 1819 9.) luth. Insp. mit Sitz in Wittmund, ab 1924 KK Wittmund (1. Januar 1974 mit dem KK Esens zum KK Harlingerland vereinigt).

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Glockenturm, Foto: Ernst Witt, Hannover, Mai 1954

Glockenturm, Foto: Ernst Witt, Hannover, Mai 1954

Siebenachsige klassizistische Backsteinsaalkirche mit geradem Ostschluss (1820/21). Rundbogige Sprossenfenster. Holzdecke. Empore von 1796 aus der Vorgängerkirche. An Stelle der ursprünglichen Eingänge im Norden und Süden des Kirchenschiffs wurde nach Abbruch des an die Kirche angrenzenden Schulgebäudes (1933) ein neuer Zugang von Westen her geschaffen.

Turm

Glockenturm aus Backstein südwestlich der Kirche (14. Jh.); 1942 durch Blitzschlag beschädigt und nach dem Zweiten Weltkrieg durch einen neuen Glockenträger aus Stahlbeton ersetzt (1951/52, 1964 verbrettert). Wetterschwan als Bekrönung.5

Ausstattung

Altarretabel mit Schnitzwerk von Meister Habbo Cröpelin (Esens), auf dem Altarbild das heilige Abendmahl (Stiftung des Jabbe Oltmans, dat. 1744). Das Retabel von Cröpelin ersetzte einen älteren dreiteiligen Flügel-/Schriftaltar. – Schlichte klassizistische Kanzel (1821). – Achteckige, barocke Holztaufe in Kelchform mit Deckel (1657, gestiftet durch Gertrud von Windesheim). – Unter der Empore ein geschnitzter Gedenkschrein für die Gefallenen der Weltkriege (1924).

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juni 1959

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, Juni 1959

Orgel

Bei der Kirchenvisitation von 1698 wird der Organist und Schulmeister Enne Johannsen genannt. Als Orgel verfügt die Kirche anfangs nur über ein Positiv im Osten vor dem Chor. 1794/95 Neubau an der Westseite der Kirche durch Johann Gottfried Rohlfs (Esens). Die Orgel wird beim Neubau der Kirche übernommen und 1821/26 wieder eingebaut. 1905 Umbau bzw. Neubau6 im romantischen Stil unter weitgehender Erhaltung des historischen Prospekts durch Johann Martin Schmid (Oldenburg), Pfeifenmaterial wird teilweise übernommen, 8 I/P, Manual mit mechanischer Spieltraktur, Pedal mit pneumatischer Spieltraktur; Registertraktur pneumatisch; Kegelladen. 2009 Restaurierung und weitgehende Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes einschließlich Balganlage durch Harm Dieder Kirschner (Stapelmoor).

Geläut

Eine LG in f’ (Bronze, Gj. 1815, M. Fremy und A. H. van Bergen, Burhafe; Umguss aus einer älteren Glocke). – Aus dem historischen Bestand sind außerdem eine St.-Florians-Glocke (Gj. 1559) und eine 1703 neu gegossene Glocke bekannt (beide nicht mehr vorhanden).

Friedhof

Die Kirchenwarft wird nachweislich seit dem 12. Jh. als Begräbnisplatz genutzt. Eigentum der KG (Dotation Pfarre).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 1360-1362 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 12 d (GSuptur. Aurich); D 57 (EphA Wittmund).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 89, Nr. 70; Diederichs-Gottschalk, Schriftaltäre, S. 183-186; Haiduck, Kirchenarchäologie, S. 145-149; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 82 f.; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 42 f.; Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 49.
B: Lore und Reinhard Schnettler: Ev. Kirche St. Florian zu Burhafe im Kirchenkreis Harlingerland. Kleiner Kirchenführer, Westerbur, 1994.


Fußnoten

  1. Hodenberg, Stader Copiar, S. 52.
  2. Ostfriesisches UB I, Nr. 543.
  3. Ostfriesisches UB I, Nr. 652.
  4. KABl. 1968, S. 9.
  5. Lübben, Wetterschwäne, S. 26.
  6. Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 83.