Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Harlingerland | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Ostansicht

Kirche und Glockenhaus, Blick von Südosten, 2015, Foto: fentjer, CC BY-NC-ND 4.0

Ardorf entstand als planmäßig angelegtes Haufendorf einer Bauerngenossenschaft um den Dorfplatz, gehörte im Mittelalter vielleicht zum Besitz des Klosters Burmönken1, später zur ostfriesischen Amtsvogtei Aurich (bis 1817, dann Amt Wittmund) und wurde 1972 in die Stadt Wittmund eingemeindet. Die auf einer Warft an der südlichen Schmalseite des Dorfplatzes gelegene Kirche wird auf die erste Hälfte des 13. Jh. datiert. Nachrichten über ihre Gründung und die Frühzeit der Gemeinde liegen nicht vor. Erster luth. Geistlicher war Mammo Folkardus, der schon während seines Studiums in Beziehung zu Luther trat und 1523 in Ardorf ev. predigte. 1537 wurde er von Berent van Hackfort, den durch den Junker Balthasar aus Esens ins Land gerufenen Generalstatthalter von Geldern, abgesetzt.2 Nächste bekannte Prediger waren Laurentius Stavus (amt. 1612–1617) und Aemilius Mammen (amt. 1617–1636). Dem letzteren folgte 1636 der wegen theologischer Differenzen als Propst von Itzehoe abgesetzte M. Detlef Meier, wechselte aber schon nach zwei Jahren auf die zweite, nachher erste Pfarrstelle in Aurich.3

Kirche, Ansicht von Nordosten, um 1953

Kirche, Ansicht von Nordosten, um 1953

Bei der Wahl des KV im Juli 1933 erhielt Ardorf einen fast ausschließlich deutsch-christlichen KV, der nach wenigen Jahren den Dienst allerdings kaum noch wahrnahm und scharfe Opposition gegen den 1937 in Ardorf eingeführten Hilfsgeistlichen Brahms bezog. Nachdem KV-Sitzungen nur noch sporadisch stattfanden, wurde im April 1940 der gesamte KV durch den KKV in Wittmund seines Amtes enthoben und „Beauftragte des Kreiskirchenvorstandes“ ernannt, womit wieder eine geregelte Arbeit ermöglicht wurde.4 Die Zahl der Gemeindeglieder belief sich 1947 auf 1.609, davon 481 Flüchtlinge.5 Die Pfarrstelle in Ardorf wurde mit dem 1. Mai 2000 in eine Pfarrstelle mit eingeschränktem Dienst (Hälfte eines vollen Dienstes) umgewandelt.
Die Pastorei wurde 1908 neu erbaut. Für die Gemeindearbeit wurde 1995/96 ein eigenes Gemeindehaus errichtet. Das alte Küsterhaus (Bj. 1884) wurde 1980 abgebrochen.6

Umfang

Die Dörfer Ardorf, Borgholt und Heglitz, die Kolonie Collrunge und die Höfe Utarp und Wehle [1823]. Die Ortschaften Ardorf, Dumhusen, Hohebarg, Wehle, Wittmundhafen, Webershausen, Heglitz, Utarp, Borgholt, Collrunge und Neucollrunge [1947].

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des Bremer Domscholasters. – Unterstand von 1631 bis 1643 dem luth. Coetus in Esens und wurde 1643 unmittelbar dem luth. Konsistorium in Aurich unterstellt. Mit Erlass der Insp.-Ordnung von 1766 zur I. luth. Insp. in Ostfriesland, um 1819 zur IX. luth. Insp. mit Sitz in Wittmund; ab 1924 KK Wittmund (1. Januar 1974 mit dem KK Esens zum KK Harlingerland vereinigt).

Patronat

Genossenschaftspatronat der Gemeinde (Interessentenwahlrecht).

Kirchenbau
Kirche, Südwestansicht

Kirche, Blick von Südwesten, 2015, Foto: fentjer, CC BY-NC-ND 4.0

Rechteckiger, romanischer, von einer Balkendecke geschlossener, Backsteinsaalbau auf Granitfundament (um 1220/40), ursprünglich mit einer stark eingezogenen halbrunder Ostapsis. Walmdach. Orgelempore an der Westseite. Der Zugang wurde im 16. Jh. an die Westseite verlegt, Nord- und Südportal vermauert. Apsis und Giebel an der Ostseite wurden 1844 abgetragen.

Turm

Nördlich der Kirche kleiner geschlossener Glockenturm aus rotem Backstein, ursprünglich aus dem 13. Jh., 1807 erneuert. Zeltdach mit Wetterschwan.7

Kirche, Blick zum Altar, um 1964

Kirche, Blick zum Altar, um 1964

Ausstattung

Altartisch (Unterbau und Mensa) aus Sandstein; modernes Altarbild aus acht Bildtafeln, 1997 geschaffen durch den Künstler Hermann Buß (Norden), 1998 durch die KG angekauft. Ein früherer gotischer Flügelaltar ging nach 1915 verloren. – Kanzel (um 1600, 1999 restauriert); ursprünglich aus der Ludgeri-Kirche in Norden.8 – Aus Backsteinen gemauerte Taufe (13. Jh., 1987 restauriert). – Lesepult mit Hausmarke des Stifters (1650).

Orgel

Nach CB von 1766 war eine Orgel noch nicht vorhanden. Neubau 1844/47 auf einer Empore über dem Chor durch Gottfried Arnold Rohlfs (Esens), 10 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. 1903 Verlegung an die Westseite, Instandsetzung und Veränderung der Disposition durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover). 1929 Ersatz der (wohl im Ersten Weltkrieg ausgebauten) Prospektpfeifen. 1954/55 Instandsetzung und Umdisponierung im Sinn der Orgelbewegung durch Alfred Führer (Wilhelmshaven). 2003 Restaurierung und Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes durch Martin ter Haseborg (Südgeorgsfehn).

Geläut

Eine LG in fis’ (Bronze, Gj. 1921, M & O Ohlsson, Lübeck). – Früherer Bestand: 1766 war eine 1584 in Emden gegossene Glocke in Gebrauch.9

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof, später an die Hohebarger Straße verlegt. Eigentum der KG.

Liste der Pastoren (bis 1940)

Vor 1525–1537 Mammo Folcardus. – 1612–1617 Laurentius Stavus. – 1617–1636 Emilius Mammen. – 1636–1638 Magister Detlef Meier. – 1639–1652 Hilderich Gerlacus. – 1652–1667 Henrich Fischbeck. – 1668–1701 Johann Lübbinus (Lübbing). – 1701–1703 Haro Caspar Feidler. – 1704–1708 Johann Bischof Holzapfel. – 1708–1720 Hajo Henrich Connring. – 1720–1731 Johann Augustin Bluhm. – 1732–1737 Johann Bernhard Conerus. – 1737–1764 Peter Gerhard Wessels. – 1764–1771 Gottfried Christian Fastenau. – 1771–1772 Christoph Bernhard Barenhorst. – 1772–1777 Johann Lammen Büning. – 1777–1805 Eberhard Diederich Bödeker. – 1806 Gerd Lüken Saathoff. – 1807–1839 Hermann Friedrich Meier. – 1840–1853 Siebold Friedrich Möhlmann. – 1853–1899 Ernst Julius August Adolf Bracklo. – 1899–1933 Hajo Friederich Weitz. – 1934–1935 Franz Heinrich Johannes Herkens.
Angaben nach: Meyer, Pastoren I, S. 30

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 5 Nr. 932 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 287–288 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 12 d (GSuptur. Aurich); D 57 (EphA Wittmund).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 137; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 56 f.; Meinz, Sakralbau Ostfriesland, S. 119; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 27; Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 37 f.; Rogge, Kirchen, S. 65.
B: Wilfried Janssen: Kleine Geschichte der Ortschaft Ardorf, in: Harlinger Heimatkalender 2008, S. 35–39.


Fußnoten

  1. Salomon, Geschichte Harlingerland, S. 35; Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 39.
  2. Reershemius, Predigerdenkmal, S. 127.
  3. Reershemius, Predigerdenkmal, S. 112–114.
  4. Delbanco, Kirchenkampf, S. 40.
  5. LkAH, L 5i, Nr. 93 (Ardorf , Visitation 1947).
  6. LkAH, B 2 G 9/Ardorf, Bl. 187 ff.
  7. Lübben, Wetterschwäne, S. 26.
  8. Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 27.
  9. LkAH, A 8/Ardorf (Corpus bonorum 1766).