Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Harlingerland | Patrozinium: – | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte

Das allmähliche Eindringen des Christentums um 850 lässt sich aus dem archäologischen Befund eines sächsisch-friesischen Gräberfeldes bei Dunum ablesen, das teilweise schon nach christlichen Bestattungsriten angelegt ist und Beigaben mit christlicher Symbolik enthält. Wohl mit dem Fortschreiten des Christianisierungsprozesses wurde es aufgegeben und im Zuge des Baus der ältesten Kirche nach Nord-Dunum verlagert.1 Die älteste durch Grabungsbefund nachweisbare Holzkirche auf der Kirchwarft wird auf die Zeit um 1000 datiert. Dorf und KG werden jedoch erst um 1420 im Bremer Dekanatsregister urkundlich erwähnt.2 Die Kirche in Dunum war eine Tochterkirche der Sendkirche in Stedesdorf.

Dunum, Kirche außen

Kirche von Südosten, 2010. Foto: Michael Salefsky

In der zweiten Hälfte der 1520er Jahre zählte der Dunumer P. Richardus Hicco (amt. etwa 1525-1533) zusammen mit den Pfarrern in Burhafe und Ardorf zu den ersten ev. Predigern im Harlingerland.3 Hzg. Karl von Geldern, dem Balthasar von Esens (amt. 1522-1540) die Herrlichkeit Esens zu Lehen aufgetragen hatte, um einen Verbündeten gegen Gf. Enno II. von Ostfriesland zu gewinnen, versuchte einige Jahre später, das Gebiet zu rekatholisieren. P. Hiccos Nachfolger in Dunum, P. Popken (amt. 1533), musste sein Pfarramt daher aufgeben. Die Gegenreformation war jedoch letztlich nicht erfolgreich. Um 1538/39 machte Landesherr Balthasar von Esens den ehemaligen Pfarrer von Burhafe, Johannes Fisbeck, zum Sup. und ließ die einzelnen Gemeinden seines Herrschaftsgebiets visitieren. Von Anfang an war die Reformation im Harlingerland luth. ausgerichtet; ref. Strömungen konnten im Gegensatz zur Gft. Ostfriesland keinen nennenswerten Einfluss gewinnen. Im 16. und 17. Jh. blieben die Dunumer Pfarrer jeweils über mehrere Jahrzehnte in ihrem Amt: P. Tiarcko Haionis (amt. 1546-1586), P. Bernhard Höckerus (amt. 1586-1629), P. Tjard Menssen (amt. 1629-1657) und P. Bernhard Essenius (amt. 1657-1693).4 Aus der Amtszeit von P. Essenius ist das älteste Kirchenbuch Dunums erhalten; es beginnt am 10. Oktober 1670 mit einem Taufeintrag. Im Jahr 1666 lassen sich Reparaturen an der alten Pastorei nachweisen (laut Rechnungsbuch Lieferung eines neuen Fensterrahmens) und um 1715 wurde schräg gegenüber der Kirche an der Ecke Hauptstraße/Tränkeweg ein neues Pfarrhaus errichtet. Die damit verbundene Pfarrscheune wurde 1900 als abgängig abgebrochen und 1901 an ihrer Stelle die heutige Pastorei errichtet. Der alte Wohnteil des früheren Pfarrhauses wurde 1958 beseitigt. Ab 1960 wurde die ehemalige Schule (errichtet 1863 als Küsterhaus) Schritt für Schritt zum Gemeindehaus umgebaut (bis 1971).
Der 1879 gegründete Posaunenchor ist der älteste im Harlingerland und zweitälteste in Ostfriesland.

Umfang

Die ehemaligen Dörfer Dunum (Ost-, Süd- West- und Nord-Dunum) und Brill (ohne Neu-Brill, das zur KG Middels gehört).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des bremischen Domscholasters (Sedes Stedesdorf). – Unterstand 1631 bis 1643 dem luth. Coetus in Esens und ab 1643 unmittelbar dem luth. Konsistorium in Aurich. 1766 zur 7. (später 8.) luth. Insp. in Ostfriesland mit Sitz in Esens. 1924 KK Esens (1. Januar 1974 mit dem KK Wittmund zum KK Harlingerland vereinigt).

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Dunum, Kirche innen

Altarraum, Erntedank 2009. Foto: Michael Salefsky

Das heutige KGb entstand um 1220/30. Es gehört jedenfalls zu den frühesten Steinkirchen Ostfrieslands und diente als ursprünglich einziger Massivbau am Ort auch zu Versammlungs- und Fluchtzwecken. Der romanische Backsteinsaalbau ruht auf einem Fundament aus Granitfindlingen (um 1200) und schließt im Osten mit einer eingezogenen halbrunden Apsis. Auf vorref. Zeit verweist ein jetzt vermauertes, aber noch sichtbares Hagioskop. Die Westseite der Kirche wurde 1712 erneuert, zugleich eine Quermauer vor dem Chor abgebrochen und durch ein Holzgitter ersetzt. Nicht zweifelsfrei belegbar ist eine Erweiterung des Schiffs nach Westen.5 Orgelempore um 1762, bemalt 1764 mit floralen Motiven auf den Brüstungsfeldern. Der von Anfang an flach gedeckte Innenraum wurde 1860 neu gestaltet; u. a. die großen Fenster eingebrochen und das marode Apsisgewölbe abgetragen und neu aufgemauert. Bemalung der Balkendecke mit geometrischen Mustern (1980, nach Vorbild der Balkendecke im Ledenhof, Osnabrück). Weitere umfassende Renovierungsarbeiten 1954 und 1997-2001, innen 1978-81 und 2005/06.

Turm

Südwestlich der Kirche ein eingeschossiger Glockenturm des geschlossenen Typs auf quadratischem Grundriss (13. Jh.). 1989 Mauerwerk saniert und Glockenaufhängung erneuert.

Grablege

Beim Einbau einer Heizungsanlage wurden 1954 vier Gräber des 15. bis 18. Jh. freigelegt, vermutlich Bestattungen von Priestern und Pastoren der Dunumer Kirche.6

Ausstattung

Den Altartisch decken zwei massive Platten aus rotem (vermutlich Odenwälder) Sandstein mit fünf Weihekreuzen. Über dem Altar erhebt sich ein Kruzifix aus einem alten Mühlenbalken (1954, Klaus Bücking, Bremen). Ein früherer Schriftaltar ging verloren (Texte im Pfarrarchiv) – Hölzerne Kanzel mit Schalldeckel (1769/70), Holzarbeit von Zimmermann Gerdt Behrens (Esens), Bemalung (Christus als Salvator Mundi und die vier Evangelisten) von Claes Röttgers (Wittmund, Schwiegervater des Orgelbauers Hinrich Just Müller). – Zylindrische Granittaufe mit vier Halbfiguren (um 1200). – Ehemaliges Weihwasserbecken aus Granit (um 1200). – Ein Kreuz von einem älteren Altar (dat. 1864), angebracht unterhalb der Orgelempore an der Westwand. – An der Nordwand zwei Sarkophagdeckel aus Sandstein (wohl 12. Jh., eventuell schon vor 1100).

Dunum, Glocke

Glocke von 1501, 2009. Foto: Michael Salefsky

Orgel

Die Orgel wurde nach einem Vermächtnis des Berend Gerdes († 1758, Inschrift auf der Orgelempore) zugunsten eines Orgelneubaus 1760/65 von Hinrich Just Müller (Wittmund) erbaut und 1860 von ihrem ursprünglich Standort an der Ost- an die Westseite verlegt. Instandsetzungen nahmen 1900 Johann Diepenbrock (Norden) und 1935 P. Furtwängler & Hammer (Hannover) vor. Furtwängler & Hammer ergänzten zugleich das Werk um ein selbständiges Pedal mit einem Subbass 16’ auf 10 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Restaurierung 1978-81, ausgeführt von der Firma Martin Haspelmath (Walsrode), Pedalregister entfernt, ursprüngliche Disposition wiederhergestellt, 8 (9) I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. Denkmalorgel.7

Geläut

Drei LG, I: h’ (Bronze, Gj. 1959, Gebrüder Rincker, Sinn), II cis’’ (Bronze, Gj. 1935, Firma M & O Ohlsson, Lübeck, 1958 von einem Altwarenhändler in Wilhelmshaven erworben); III: h’’ (Bronze, Gj. 1501, wohl seit Mitte des 16. Jh. in Dunum, eventuell aus einem aufgelösten Kloster). – Bis 1958 war nur diese kleine Glocke vorhanden.

Friedhof

Der Friedhof auf der Kirchwarft von Dunum wurde um 1000 mit der ersten Kirche angelegt und 1915 geschlossen und nach 1945 wieder geöffnet. Neuer Friedhof am Tränkeweg 1907 eingeweiht; Eigentum der KG. Kommunale Leichenhalle (1987) im Bereich der Kirchwarft.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 5 Nr. 224 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1895-1899 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 12 d (GSuptur. Aurich); B 18 Nr. 157 (Orgelsachverständiger); D 54 (EphA Esens).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 413; Haiduck, Architektur, S. 140; Haiduck, Kirchenarchäologie, S. 150; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 94-95; Meinz, Sakralbau Ostfriesland, S. 126; Meyer, Pastoren I, S. 219-220; Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 55 f.; Noah, Kirchen Harlingerland, S. 52-59; Otte/Rohde, Ostfriesland I, S. 295-297; Reershemius, Predigerdenkmal, S. 386-387; Reershemius, Predigerdenkmal Nachtrag, S. 46; Rogge, Kirchen, S. 56.
B: Die Ausgrabungen in der Kirche zu Dunum. Unter Priestergräbern die Kirchwarf erforscht, in: Unser Ostfriesland, 16/1954; Detlef Kiesé und Luise Böök: Ortschronik Dunum und Brill, [Dunum 2010]; Peter Schmid: Das frühmittelalterliche friesische Gräberfeld von Dunum, in: Frühes Christentum zwischen Weser und Ems im Spiegel der sächsisch-friesischen Gräberfelder Drantum und Dunum. Ausstellung in der Burg Arkenstede, [Cloppenburg 1968].

Weitere Bilder

Vielen Dank an P. i. R. Michael Salefsky, der wesentlich zu diesem Artikel beigetragen hat.


Fußnoten

  1. Schmid. Vgl. auch Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 21 f.
  2. Hodenberg, Stader Copiar, S. 52.
  3. Vgl. zur Reformation im Harlingerland: Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 155 f.; Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 357 ff.
  4. Meyer, Pastoren I, S. 219.
  5. Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 55; Noah, Kirchen Harlingerland, S. 56.
  6. Ausgrabungen.
  7. KABl. 1952, S. 160; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).