Sprengel Lüneburg, KK Lüchow-Dannenberg | Patrozinium: Bartholomäus | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Der Flecken zwischen Lüchow und Uelzen, entstanden um 700/800 als bäuerliche Ansiedlung nahe einer slawischen Befestigungsanlage, ist der älteste urkundlich belegte Ort im Wendland. Erstmals genannt wird Clenze am 24. August 956 in einer Schenkungsurkunde des Kg. und späteren Ks. Otto I., der dem Reichsstift in Quedlinburg das Dorf Klinizua in der Mark Lipani überließ.1 Die Zugehörigkeit zu Quedlinburg war wohl nur vorübergehend, denn es befand sich später wieder im Besitz des Gf. Wichmann II. aus der Familie der Billunger (Clenze war nach Wichmanns Beteiligung an einem Aufstand gegen den Kg. eingezogen worden), wurde aus dessen Erbe nach 967 dem Kloster Kemnade übergeben und kam – als dort 1146 Corveyer Mönche einzogen – vermutlich unter die Verwaltung des Klosters Corvey. Um 1320 fiel Clenze unter die Lehnsherrschaft der Hzg. von Braunschweig und Lüneburg. Im frühen 16. Jh. erhielt es Fleckensrechte. 1592 bis 1671 gehörte es zur welfischen Sekundogenitur Dannenberg, danach wieder zum Fsm. Lüneburg (Amt Warpke, 1548 ab Amt Lüchow, 1852–59 Amt Clenze, danach wieder zu Lüchow).
Die Kirche entstand vermutlich auf dem altslawischen Burgplatz, auf dem auch die (später zerstörte) Burg der welfischen Ministerialenfamilie von Clenze errichtet worden sein soll.2 Urkundliche Nachrichten über das Ksp. liegen seit der ersten Hälfte des 14. Jh. vor. 1325 verzichtete Pfarrer Ludolf aus Clenze zugunsten des Klosters Diesdorf gegen einen Getreidezins aus zwei Höfen in Starrel und Zeetze auf die Rechte an den Kirchen/Kapellen in Bülitz und Zeetze.3 Derselbe war noch 1341 im Amt.4 Als weiterer Geistlicher wird unter dem 20. März 1471 der Pleban Dietrich (Didericus) erwähnt.5 Schon in vorref. Zeit war Clenze mater combinata von Bussau.
Außer der Pfarrkirche gab es im Norden des Fleckens vor dem Schwendeltor eine Kapelle Zum Heiligen Leichnam (erbaut zwischen 1350 und 1400, in der Reformationszeit abgebrochen, 1977/79 bei Grabungen lokalisiert und freigelegt). Ihre Geistlichen hatten ihren Sitz in Dalitz.6
Die Reformation wurde im Fsm. Lüneburg 1527 eingeführt (Landtag zu Scharnebeck). Über die Durchführung in Clenze liegen keine Angaben vor. Erste luth. P. waren Johannes Dithmar (genannt 15347, 1543), Christoph Busse (bis 1558) und Johann Plötzker (um 1568). Eine Schule ist im Visitationsbericht von 1671 erstmals nachgewiesen. Nach der Dannenberger Schulordnung von 1687 umfasste der Schulbezirk auch die Ortschaften Dalitz, Kassau und Starrel.
Trotz seiner Funktion als Unterzentrum bewahrte Clenze auch nach dem Zweiten Weltkrieg einen überwiegend dörflichen Charakter. Die Gemeinde war traditionell auf das rund 20 Kilometer entfernte Salzwedel, das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der nördlichen Altmark, ausgerichtet. Mit Errichtung der Zonengrenze fielen diese Bindungen fort und wurden durch eine stärkere Orientierung nach Lüchow abgelöst. Von 1951 bis 1969 amtierte in Clenze der Ostpfarrer Günther Neitzel. In seiner Amtszeit kam es 1956 zum Neubau des Pfarrhauses (ältester bekannter Bau errichtet 1688, um 1780 erneuert) und zur Erneuerung der Kirchen in Clenze und Bussau. Ein Pfarrwitwenhaus (in den 1730er Jahren erstmals belegt, Neubau 1769, im Haus 1842 eine Apotheke eingerichtet) war bereits 1890 verkauft worden. 1972 erhielt die Gemeinde einen kirchlichen KiGa. Das frühere Küsterschulhaus (Bj. 1826/27) wurde um 1970 zum heutigen Gemeindehaus und Kirchenbüro ausgebaut.

Umfang

Der Flecken Clenze, die Dörfer Bösen, Kassau, Korvin, Dalitz, Dickfeitzen, Gohlefanz, Lefitz, Mützingen, Quarzau, Reddereiz, Schlannau, Seelwig, Starrel; Kröte (teilweise), die Höfe Closter und Grünemühle. – In Dickfeitzen (ursprünglich zum pfarramtlich verbundenen Bussau) besteht seit vorref. Zeit eine KapG.

Aufsichtsbezirk

Propstei Schnega der Diözese Verden. – Nach der Reformation zunächst keiner Insp. zugehörig und zu den Kirchen im Amt Warpke gerechnet, dann zur Propstei/Insp. Lüchow der Diözese Verden. 1829 zur neu gebildeten Insp. Bergen an der Dumme und nach deren Aufhebung 1869 zurück zur Insp. (1924: KK) Lüchow. Nach Zusammenschluss des KK Lüchow mit dem KK Dannenberg seit 1. Januar 2006 zum KK Lüchow-Dannenberg.

Patronat

Der Landesherr (1445 im Patronatsregister genannt; bis 1871). Das Einsetzungsrecht lag in vorref. Zeit wahrscheinlich beim Propst in Schnega.8

Kirchenbau

Ursprünglich einschiffige Saalkirche aus Feldsteinen und Ziegelmauerwerk mit halbrundem Chorschluss. Der Turm wurde am 22. September 1827 durch einen Brand schwer beschädigt. Wegen des schlechten Gesamtzustands beschloss die Gemeinde einen Neubau der Kirche (Architekt: Bauinspektor A. L. Wagener, Winsen. Einweihung: 20. Juli 1856). Die neugotische Backstein-Hallenkirche zu sechs Achsen mit geradem Ostschluss wird innen durch eine umlaufende Empore in drei Schiffe gegliedert. 1985/91 grundlegend saniert.

Turm

Quadratischer Westturm mit oktogonalem Zwischen- und Glockengeschoss. Ursprünglich verschieferter, jetzt (seit 1975) kupfergedeckter Spitzhelm.

Grablege

Die alte Kirche war Erbbegräbnis der Familie von dem Knesebeck zu Corvin.

Ausstattung

Hinter dem Altar eine neugotische Kanzelrückwand aus der Erbauungszeit der Kirche. Altarkreuz von 1978 mit Szenen aus dem Johannesevangelium. – Achtseitiger pokalförmiger Taufständer in neugotischen Formen. – Im Turmdurchgang Gedenktafel für den P. und Sup. Friedrich Gerhard Müller († 1829). Sandsteingrabplatte der Familie von dem Knesebeck.

Orgel

Die älteste Orgel der KG wurde 1856 durch den Orgelbauer Johann Andreas Engelhardt (Herzberg) erbaut. Der ist Prospekt erhalten, das Werk wurde 1968/70 durch die Firma Schuke (Berlin) nahezu vollständig erneuert, 18 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Von den alten Pfeifen blieben nur wenige Reste im Pedalwerk erhalten. 2000 Instandsetzung durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen).

Geläut

Drei LG, I: g’ (Bronze, Gj. 1975, Gebrüder Rincker, Sinn); II: a’ (Bronze, Gj. 1973, Gebrüder Rincker, Sinn); III: c’’ (Bronze, Gj. 1975, Gebrüder Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: Drei LG, I: f’; II: a’; III: c’’ und eine SG in es’’’ (alle Eisen, Gj. 1922, Firma Ulrich & Weule, Apolda-Bockenem). Die Eisenglocken waren in den Anfang der 1970er Jahre abgängig und wurden ersetzt.

Friedhof

In Trägerschaft der KG. Früher auf dem Kirchberg bei der Kirche. 1824 Neuanlage des Friedhofs an der Kassauer Straße (1849 und 1958 vergrößert. FKap (1958 mit Beteiligung der politischen Gemeinde). Ein eigener kirchlicher Friedhof befindet sich in Dickfeitzen.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1856–1883 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1536–1544 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 395–398 (Visitationen); D 79 (EphA Lüchow).

Literatur

A: Behn, Wendland, S. 34–37; Osten, Propstei Schnega, S. 36–39; Sänger, Denkmaltopographie Lkr. Lüchow-Dannenberg, S. 72; Jürries/Wachter, Wendland-Lexikon I, S. 126 f.
B: Alfred Keseberg: Die Geschichte des Fleckens Clenze. Festschrift zu seiner Tausendjahrfeier. 956–1956, Clenze 1956; Ulrich Schröder: Clenze. Streifzüge in die Vergangenheit, Clenze 1981; Ulrich Schröder: 1050 Jahre Clenze. Aus der Geschichte eines wendländischen Marktfleckens und seiner 150 Jahre alten St. Bartholomäuskirche, Clenze 2006.


Fußnoten

  1. MGH DD O I 184.
  2. LkAH, D 79, Spec. Clenze 110 (Historische Nachrichten von dem Pastorat zu Clentze und Bussau).
  3. UB Verden II, Nr. 247.
  4. UB Verden II, Nr. 538.
  5. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 288.
  6. LkAH, D 79, Spec. Clenze 110 (Historische Nachrichten von dem Pastorat zu Clentze und Bussau).
  7. Salfeld, Pfründenregister, S. 90.
  8. Osten, Propstei Schnega, S. 37.