Sprengel Lüneburg, KK Lüchow-Dannenberg | Patrozinium: Martin | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Blick in den Altarraum, Foto: Ernst Günther Behn, Klein Gußborn, 2009/10

Kirche, Blick in den Altarraum, Foto: Ernst Günther Behn, Klein Gußborn, 2009/10

Ehemaliges Rundlingsdorf östlich von Clenze am Nordrand der Dummeniederung, seit 1972 Ortsteil der Gemeinde Luckau.
Die Kirche ist vermutlich eine Gründung des Klosters Diesdorf (Altmark) und war wohl bis mindestens 1325 Filial von Clenze: Unter dem 14. Dezember 1325 verzichtet der Pfarrer Ludolphus zu Clenze gegen den Getreidezins aus zwei Höfen in Starrel zugunsten des Klosters Diesdorf auf seine Rechte an den Kirchen oder Kapellen (ecclesiarum seu capellarum) in Bülitz und Zeetze.1 Seither hatte Bülitz einen eigenen Geistlichen. Zeetze ist von alters her mater combinata2 Die Verbindung zum Kloster Diesdorf (Patronat) blieb auch nach der Verselbständigung bestehen. Aus vorref. Zeit sind die Pfarrer Johann Brunnes (1415) und Johannes Werckmester (1451) bekannt. Erster ev. P. war der 1534 genannte Johann Vale. Anlässlich der Visitation von 1543 ist Johann Nybbe, ein homo indoctus, belegt.3
Die KG Bülitz und Zeetze wurden mit dem 1. Juli 1979 mit der KG Satemin pfarramtlich verbunden4 und nach Lösung dieser Verbindung am 1. Januar 2005 mit den bereits pfarramtlich verbundenen KG Bussau und Clenze. Die Pfarrstelle der KG Bülitz, Satemin und Zeetze wurde mit der Pfarrstelle der KG Bussau und Clenze zu einer Pfarrstelle mit vollem Dienst zusammengelegt.5

Umfang

Die Dörfer Bülitz, Kussebode, Luckau, Nauden, Steine; Beesem, Gistenbeck. Kapellen bestanden in Luckau und Gistenbeck (in Gistenbeck am 1. Januar 1982 aufgehoben6).

Aufsichtsbezirk

Propstei Schnega der Diözese Verden.7 Vielleicht kam die Gemeinde schon in vorref. Zeit zur Propstei Lüchow. – Bei der Kirchenvisitation von 1543 wird Bülitz unter den Kirchen der Insp. Lüchow genannt. Von Lüchow kam Bülitz 1829 zur neu gegründeten Insp. Bergen an der Dumme, nach deren Auflösung 1869 wieder zur Insp. (1924: KK) Lüchow und nach dem Zusammenschluss mit dem KK Dannenberg am 1. Januar 2006 zum KK Lüchow-Dannenberg.

Patronat

Früher das Kloster Diesdorf, das die Patronatsrechte im 13. Jh. von den Gf. von Lüchow erhielt und wohl nach dem Passauer Vertrag (1552) an die Hzg. von Braunschweig-Lüneburg übergab; damit der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Günther Behn, Klein Gußborn, 2009/10

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Günther Behn, Klein Gußborn, 2009/10

Das heutige Kirchenschiff entstand 1837 nach Entwurf von Friedrich August Ludwig Hellner (Einweihung 15. Dezember 1839). Schlichter fünfachsiger klassizistischer Saalbau aus unverputztem Backsteinmauerwerk auf Feldsteinsockel. Hohe rundbogige Sprossenfenster. Walmdach über einer flachen Holzbalkendecke. Orgelempore im Westen, im Osten eine zweigeschossige Kanzelaltarwand mit Scheinfenstern. 1958 wurde die Kirche mit neuer Farbgebung nach Anregungen des Kirchenmalers Ferdy Horrmeyer (Hannover) renoviert.

Turm

Mittelalterlicher Westturm aus Feldsteinmauerwerk mit doppelten gotischen Schallöffnungen und ins Achteck überführtem, schiefergedecktem Spitzhelm.

Orgel

1891 Neubau durch Friedrich Becker (Hannover), 13 II/P, pneumatische Traktur. 1964 Neubau des Werks im Gehäuse von Becker durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven), 14 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: f’ (Bronze, Gj. 1967, Gebrüder Rincker, Sinn); II: a’ (Bronze, Gj. 1913, Firma Radler, Hildesheim).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1568–1578 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 603 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1291–1297 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 353–355 (Visitationen); D 79 (EphA Lüchow).

Literatur

A: Behn, Wendland, S. 30 f.; Müller, Kirchenbauten, S. 104 f.; Osten, Propstei Schnega, S. 41–43; Jürries/Wachter, Wendland-Lexikon I, S. 113 f; Sänger, Denkmaltopographie Lkr. Lüchow-Dannenberg, S. 142.


Fußnoten

  1. UB Verden II, Nr. 247.
  2. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 537, Anm. 1197.
  3. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 537.
  4. KABl. 1979, S. 93.
  5. KABl. 2004, S. 221.
  6. KABl. 1982, S. 16.
  7. Nicht Lüchow. Vgl. Osten, Propstei Schnega, S. 41.