Sprengel Lüneburg, KK Celle | Patrozinium: Maria | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Die heutige Stadt Celle geht auf eine vor der Jahrtausendwende im heutigen Stadtteil Altencelle zum Schutz eines Allerübergangs errichtete Burg zurück, die auf Grund des archäologischen Befunds auf die Zeit zwischen 850 und 1050 datiert wird. Die im späten 15. Jh. niedergeschriebene Weltchronik des Hermann Bote nennt den Brunonen Bruno VI. 986 als ihren Gründer. Um die Anlage herum entstand eine Handwerker- und Kaufmannssiedlung, die 1117 mit der Burg und dem brunonischen Hausgut an Lothar von Supplinburg und nach dessen Ableben 1137 an die Welfen fiel. Heinrich der Löwe ließ 1150 eine Zollstätte und einen Stapelplatz für alle von Braunschweiger Kaufleuten flussabwärts nach Bremen verschifften Güter anlegen. 1235 kam Celle an das für Hzg. Otto das Kind aus dem sächsischen Eigengut der Welfen geschaffene Hzm. Braunschweig-Lüneburg, bei der Erbteilung von 1267 an das Fsm. Lüneburg. 1249 wird Celle erstmals als civitas bezeichnet. 1292 verlegte Otto II. der Strenge Burg und Stadt (wohl nach dem Brand der Burg) wegen der günstigeren Lage etwa drei Kilometer flussabwärts an die Mündung der Fuhse in die Aller. Allen Bürgern, die sich in der planmäßig angelegten neuen Stadt niederließen, gewährte er eine zehnjährige Abgabenfreiheit und weitere Vergünstigungen.1 Zur Unterscheidung von Altencelle wurde der neue Platz bis in das 16. Jh. als Neuencelle bezeichnet. Die Burg bzw. das Schloss wurde zum Zentrum landesherrlicher Macht und Verwaltungsmittelpunkt für den südlichen Teil des Fsm. Die Siedlung, bald auch als regionaler Handelsplatz von Belang, entwickelte sich zur nach Lüneburg und Uelzen bedeutendsten Stadt des Landes. Hzg. Otto verlieh ihr 1301 das Stadtrecht (1447 von Hzg. Friedrich II. bestätigt).2

Blick zum Altarraum

Blick zum Altarraum, 2017, Foto: Wolfram Kändler, CC BY-SA 3.0 de

Der Bau der Kirche begann wohl schon 1292, also zur Zeit der Stadtverlegung. In Verbindung mit der Übernahme der Baukosten dürfte der Hzg. auch die Pfründe für den Kirchherrn gestiftet haben, weshalb ihm das Patronatsrecht zustand. Am 23. Juni 1308 verzichtete der Archidiakon und Propst des Klosters Wienhausen auf das Erscheinen der Celler Bürger vor dem Send und erklärt sich bereit, den Send wegen des beschwerlichen Wegs gegen eine Gebühr von jährlich acht Schillingen in der Stadt abzuhalten (urkundliche Ersterwähnung).3 1313 verkaufte das Ägidienkloster in Braunschweig der Kirche St. Mariae in novo Zelle Einkünfte in Lachtehausen, Scheuen, Gerstwede und Borstel.4
In vorref. Zeit bestanden an der Stadtkirche bis zu 14 Nebenaltäre: 1325 stiftet Otto der Strenge die Heilig-Geist-Vikarie, überließ derselben jährliche Einkünfte aus dem Zoll zu Celle und befreit die ihr geschenkten Güter zu Altencelle, Westercelle und Blumlage von Lehns- und Weichbildspflicht.5 Weitere Altarstiftungen: Gertrudenaltar (gestiftet 1365 von Hzg. Wilhelm und mit dem Dorf Heese bei Eldingen bewidmet6; von Hzg. Friedrich II. dem Kaland überwiesen); Annenaltar (gestiftet 1446 vom Bürger Ludolf Volkmar7); Altar der Heiligen Philippus und Jacobus der Ältere (in der heutigen Taufkapelle, gestiftet vom Bürger Ludolf Monetarius, 14218); Altar der heilige Barbara (auf dem kleinen Chor, gestiftet vor 1448 vom Ebstorfer Propst Hildebrand von Eltze; Vikarie gestiftet 1448 vom Lüneburger Vikar Ludwig9); Dreikönigs-Altar; Bartholomäusaltar (gestiftet 1485 von Bürgermeister Eggeling von Eltze); Altar der Dreifaltigkeit (gestiftet von Kirchherr Tymmo Sparling; 1492 von Hzg. Heinrich den Mittleren dem Kaland geschenkt); Altar der Heiligen Antonius und Sebastian (gestiftet 1493 vom Geistlichen Johann Pieper); Altar Johannes des Täufers.
Im Bereich der Parochie bestanden mehrere kirchliche Stiftungen und karitative Einrichtungen, darunter die St.-Marien-Kapelle auf dem Liebfrauenberge mit einem Hospiz, die St.-Gertruden-Kapelle in Blumlage (1464)10, das 1392 vom Rat errichtete Siechenhaus St. Georg11, die Hospitäler St. Elisabeth in den Fischern (gestiftet von dem in Celle geborenen Lübecker Domherrn Lude Wose12) und St. Annen. Der Große Kaland wird 1310 in Altencelle erstmals erwähnt, der Kleine Kaland (Priesterkaland) 1471 gestiftet. 1390 wird eine Bruderschaft des Heiligen Leichnams genannt.
Als vorref. Geistliche sind belegt: Arnoldus rector eclesie in Cellis (1315)13; her Ludolf Kniggke, Kerkhere to Tzelle (1344)14; her Otte, plebanus to Tzelle (1357)15; Johann von Eldingen (vicarius in parrochiali ecclesia in Tzelle, 1371)16; dominus Hinricus Knygge, rector parrochialis ecclesie in Novecellis (1407/14)17; Hilbrand (1428)18. 1440 war Hildebrand von Eltze, Sekretär der Hzg. Otto und Friedrich, Inhaber der Vikarie zum Heiligen Kreuz19, Johann Mestwert 1481 Vikar am Altar St. Barbara.20 Hinrich Sporing war 1496–1515 Inhaber der Vikarie am Altar St. Trinitatis.21 Das zunehmende Auftreten der Bettelorden wirkte sich nachteilig auf die Einkünfte der Stadtpfarrstelle aus Opfern und Akzidentien aus. Auf eine schon kurz nach der Niederlassung der Franziskaner (Franziskanerkloster zum Heiligen Kreuz, 1452)22 ausgesprochene Beschwerde des Pfarrers Johann Plettenberg hin inkorporierte der Hzg. dem Pfarramt als Ausgleich die Vikarie zum Heiligen Kreuz mit allen Renten und Einkünften.
Die Einflüsse der Reformation machten sich in Celle schon früh bemerkbar. Als einer der ersten setzte sich ein Laie, der Arzt Wolf Cyclop (eigentlich Kannengießer, 1518/24 Leibarzt Hzg. Heinrichs des Mittleren und seiner Söhne), für ihre Ziele ein. Er übte öffentliche Kritik an den Celler Franziskanern, verließ die Stadt aber 1524 und ging nach Magdeburg. Der erste Geistliche, der sich zum Luthertum bekannte, war Karsten von Harling (Vikar am Dreikönigs-Altar). Auf eine Empfehlung Luthers hin berief Ernst der Bekenner 1524 den aus Braunschweig vertriebenen früheren Benediktinermönch Gottschalk Kruse als ersten luth. Prediger nach Celle. Den Franziskanern erteilte er 1526 Predigtverbot. Als sie zwei Jahre später die Stadt verließen, wurde ihr Kloster aufgehoben. Damit war Celle faktisch ev. Die Nebenaltäre in der Stadtkirche wurden entfernt, die geistlichen Stiftungen an der Stadtkirche und an den Hospitälern sind erloschen. Die Bruderschaften wurden aufgelöst. Die Einkünfte des Kalands wurden dem Magistrat zur Besoldung der Stadtprediger und der Lehrer an der Lateinschule überwiesen.23 Bürgermeister und Rat fassten das Vermögen der aufgehobenen Stiftungen und Korporationen unter der Bezeichnung „Geistliches Lehen“ zusammen (später unter der Bezeichnung „Kalandsstiftung“ geführt). In die Anstalten St. Annen und St. Georg wurden Alte und Gebrechliche aufgenommen (beiden Stiftungen wurden nach dem Ersten Weltkrieg vereinigt und dienten als Alten- und Pflegeheim).
1530 war Hzg. Ernst Mitunterzeichner der Confessio Augustana. In Augsburg hatte er den Prediger Urbanus Rhegius († 1541) kennengelernt, den er noch im gleichen Jahr nach Celle berief. Zunächst nur als Hof- und Gemeindeprediger eingesetzt, übernahm Rhegius nach und nach auch die Funktionen eines Sup. für das Hzm. Braunschweig und Lüneburg. Sein Nachfolger, der Flame Martin Ondermarck, war seit 1525 – wieder von Luther empfohlen – Prediger in Celle. Er führte 1543 die erste Generalvisitation im Hzm. durch und war vermutlich der Bearbeiter der ersten, 1546 erlassenen KO. Georg Bonsack (amt. 1571–1583) wird als erster offiziell als GSup. bezeichnet. Auch unter ihren Nachfolgern war eine Reihe bedeutender Theologen. Christoph Fischer (amt. 1583–1598) hinterließ Postillen, Predigten u. a. Schriften und war der Verfasser des Passionslieds „Wir danken Dir, Herr Jesu Christ, daß Du für uns gestorben bist“ (EG 79). Die Amtszeit des GSup. und ersten Pastors Christoph Silbermann (amt. 1598–1610) stand im Zeichen des Konflikts mit dem Kryptocalvinismus, der sich am Celler Hof zunehmend ausbreitete. Von 1611 bis 1621 war mit Johann Arndt einer der bedeutendsten christlichen Erbauungsschriftsteller des 17. Jh. erster P. an der Stadtkirche und GSup. des Fsm. Lüneburg. Auf Anordnung Hzg. Christians des Älteren nahm er 1615 die Generalkirchenvisitation des Fsm. wieder auf und entwarf 1619 eine neue Lüneburger KO. D. Michael Walther (amt. 1642–1662 als GSup. und erster P.) verfasste gleichfalls zahlreiche theologische Schriften und wird zu den älteren protestantischen Bibelforschern gerechnet. Er veröffentlichte die erste wissenschaftliche Einführung in das NT. Sein Nachfolger Joachim Hildebrand (amt. 1662–1691), zuvor Prof. für Kirchengeschichte an der Universität Helmstedt, war Verfasser der 1687 in Kraft getretenen Schulordnung für das Fsm. Dannenberg und Autor mehrerer kirchengeschichtlicher Abhandlungen. 1665 gab er das Cellische Gesangbuch für das Fsm. Lüneburg heraus. Franziskus Eichfeld (amt. 1691–1707) führte ab 1683 die letzte Generalkirchenvisitation des Fsm. Lüneburg durch und veranlasste 1693 ebenfalls die Herausgabe eines neuen Gesangbuchs.
Seit den 1730er Jahren gab es Bemühungen um die Bildung einer Herrnhuter Brüdergemeinde in Celle, die u. a. durch den Stadtkirchenprediger Johann Hermann Zschorn (amt. 1741/44/60–1776) unterstützt worden sein soll, von der Regierung aber mit dem Edikt vom 22. November 1748 gegen die „Sekte der Mährischen Brüder“ weitgehend unterdrückt wurden. Im Zeitalter der Aufklärung setzte sich der GSup. und Konsistorialrat Johann Friedrich Jacobi (amt. 1758–1791) für eine Kirchenreform (Einführung eines neuen Katechismus und Gesangbuchs; Reform von Agende und Liturgie) ein. Er erreichte u. a. die Beseitigung der in der Stadtkirche bis dahin noch gebräuchlichen vorref. Messgewänder. Unter den GSup. und P. des 19. Jh. ist Johann Conrad Eggers (amt. 1805–1814) hervorzuheben. Der Förderer des Bildungswesens gründete kurz nach seinem Amtsantritt eine Höhere Töchterschule (1834 in städtische Trägerschaft überführt, heute Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium) und verfasste mehrere Lehrbücher, u. a. zum hannoverschen Landeskatechismus von 1790. Sein Nachfolger, GSup. August Ludwig Hoppenstedt (amt. 1815–1830), galt als hervorragender Theologe, Kanzelprediger und Seelsorger. Wie Eggers widmete er sich auch dem Schulwesen (Gründung der Bürgerschule). Heinrich Christian Heimbürger (1831/34/47–1859), zuletzt zweiter P. an der Stadtkirche, war ein Vertreter der Erweckungsbewegung. Eine entschieden liberale Theologie vertrat P. Christoph Ernst Greiling (dritter P. 1847–1860, zweiter P./Archidiakon 1860–1889), geriet dadurch jedoch auch in Konflikt mit konservativen Strömungen in der Gemeinde. Während der Revolution von 1848/49 setzte er sich als Mitglied im Constitutionellen Verein in Celle für demokratische Ideen ein. Er engagierte sich im Gustav-Adolf-Verein und gehörte 1865 zu den maßgeblichen Gründern des Protestantenvereins in Celle. Im Katechismusstreit (1862) kämpfte er vehement für die Beibehaltung des alten, vom Rationalismus geprägten Katechismus.24 Ende April 1863 fand in der Stadtkirche eine von Geistlichen und Laien aus dem gesamten Kgr. beschickte Volksversammlung statt, die sich für die Einführung einer Laienvertretung einsetzte. Greiling und sein Amtsbruder Friedrich Diestelmann (amt. 1847/60–1874 als vierter bzw. dritter P.) hatten auch entscheidenden Anteil am Zustandekommen der Vorsynode am 10. Oktober 1863 in Hannover, die in die Schaffung der Synodalverfassung der Landeskirche mündete.
1903 wurde die Generaldiözese Celle aufgehoben und mit der Generaldiözese Hannover vereinigt. Letzter Stadtkirchenpfarrer, der zugleich das Amt des GSup. innehatte, war D. Georg Hartwig (amt. 1890–1903, nachher Abt zu Loccum).
Auch wenn dem Welfenhaus bis 1930 noch einige Vorrechte eingeräumt wurden (Welfenprieche und der Hohe Chor als Memorial des kgl. Hauses), war die Stadtkirche seit der Reformation, spätestens jedoch mit der Verlegung der Residenz (1705) eine Bürgerkirche geworden. Darauf verweist auch das Patronatsrecht der Stadt für die zweite, dritte und vierte Pfarrstelle.
Im KV hatten die DC ab 1933 ein zahlenmäßiges Übergewicht und waren besonders engagiert. Dagegen schlossen sich Sup. Hoppe und P. Emil Kukuk als Inhaber der dritten Pfarrstelle 1934 der BK an. P. Walter Schaar trat bei den DC, denen er seit 1933 als Hospitant angehörte, wieder aus. Zu einem schwerwiegenden Konflikt führte die Berufung von P. Kurt Weih (zeitweilig DC, ab 1934 BK) auf die vierte Pfarrstelle durch Lbf. Marahrens. Der Einspruch der DC wurde im März 1936 durch das LKA abgewiesen. Damit verloren die DC in der Stadtkirchengemeinde erheblich an Einfluss. Alle DC-Mitglieder schieden aus dem KV aus. Die Jugendarbeit wurde durch die HJ-Verpflichtungen stark eingeschränkt. Ein früher stark besuchtes Bibelkränzchen höherer Schüler musste 1934 aufgelöst werden. Männer- und Frauenarbeit konnten in bescheidenem Rahmen weitergeführt werden. Die Gemeinde verlor in der NS-Zeit 1.184 Gemeindeglieder (Stand 1939: etwa 13.400).25
Auf Anordnung des LKA wurde mit Wirkung vom 1. April 1937 ein Gesamtverband gebildet. Er umfasste die Stadtkirchengemeinde sowie die KG Celle-Blumlage, Celle-Neuenhäusen und Celle-Neustadt. Seine Aufgabe war die einheitliche Regelung der gemeinsamen Angelegenheiten, z. B. Festlegung der Gebühren bei kirchlichen Amtshandlungen, Besoldung der Beamten und Angestellten, Kirchenbuchführung. Später übernahm er auch die Unterhaltung der Schwesternstation Siloah, den Unterhalt und Betrieb von Einrichtungen für die übergemeindliche Gemeinde- und Jugendarbeit sowie soziale Dienste und religionspädagogische Arbeit. Ihm traten – mit Ausnahme von Altencelle, Garßen und Groß Hehlen – auch die nach 1945 gegründeten KG bei. Mit dem 31. Dezember 1992 wurde der Gesamtverband aufgehoben und seine Aufgaben dem KK Celle übertragen.26
Durch Zuzug von Ostflüchtlingen und Heimatvertriebenen war die Zahl der Gemeindeglieder nach dem Zweiten Weltkrieg auf rund 25.000 angestiegen. Am 1. Juli 1952 wurde deshalb für den Bezirk Westercelle eine vierte Pfarrstelle errichtet und die KG Westercelle mit dem 1. Januar 1960 verselbständigt.27 Zum 1. April 1964 folgte für den Bereich beiderseits der Hannoverschen Heerstraße im Süden von Neuenhäusen die Bildung der Kreuz-KG (Celle, Kreuz).28 Die Stadt-KG blieb aber die größte Gemeinde von Celle.

Pfarrstellen

Die Stadtkirche verfügte seit der Reformationszeit über vier Pfarrstellen, von denen eine mit dem GSup. (bis 1903) bzw. Sup. besetzt war. Die zweite Pfarrstelle wurde als Archidiakonat bezeichnet, die dritte und vierte Pfarrstelle waren erstes und zweites Diakonat. Archidiakon und Diakone bildeten das Stadtministerium und hatten gewisse Sonderrechte. Sie gehörten dem Konsistorium an und unterlagen nicht der Visitationspflicht durch den GSup. Der Archidiakon stand dem Gremium als Senior ministerii vor. I: Vorref. – II (Archidiakonat): Vorref., 1903 mit I zusammengelegt. – III (erstes Diakonat): Vorref.; ab 1903 II. – IV (zweites Diakonat): Vorref., ab 1903 III., 1. Juni 1998 aufgehoben.29. Eine vierte Pfarrstelle wurde mit dem 1. Juli 1952 neu eingerichtet30 und ging am 1. April 1964 auf die Kreuz-KG über.31 – V (LS-Pfarrstelle): 1. Juli 195932 , wohl nach Aufhebung des Sprengels Celle (1971) nicht mehr besetzt.

Umfang

Der Parochialbezirk der Stadtkirche umfasste zunächst die neu gegründete Stadt mit dem Vorort Blumlage und den in ihrer unmittelbaren Nähe lebenden Bewohnern außerhalb der Stadtmauern. 1532 wurde Westercelle eingepfarrt und zugleich die dort bestehende Kirche abgebrochen, zwischen 1548 und 1567 die Dörfer Altenhagen und Lachtehausen (aus der KG Groß Hehlen). Im 17. Jh. folgte die Einpfarrung von Altenhäusen, Neustadt und Neuenhäusen. Ausgepfarrt wurden am 1. Januar 1960 der südliche Teil von Neuenhäusen, Westercelle, Bennebostel und Dasselbruch (KG Westercelle) und am 1. April 1964 die Kreuz-KG, in die mit dem 1. Juli 1977 auch die süd-/südwestlich der Fuhse wohnenden Gemeindeglieder aus der Stadt-KG umgepfarrt wurden.33 Ein weiterer Gebietsaustausch zwischen Aller und Petersburgstraße erfolgte am 1. Juli 1985 mit der KG Klein Hehlen (Celle-Klein Hehlen, Bonifatius).34

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Wienhausen der Diözese Hildesheim. – Wohl noch zu Lebzeiten des Reformators Urbanus Rhegius († 1541) wurde Celle Sitz des Sup. (und in Personalunion GSup.) für den Celleschen Landesteil des Fsm. Lüneburg.35 Mit der von den Hzg. Heinrich und Wilhelm 1564 erlassenen KO wurde ein Konsistorium gebildet. Seine Aufgaben waren die Entscheidung in kirchliche Lehrstreitigkeiten, Ehesachen und in Angelegenheiten der Kirchen- und Schuldiener. Damit hatte es die Funktion einer kirchenleitenden Behörde für das Fsm. Lüneburg-Celle. Nach der Verlegung der Residenz nach Hannover (1705) wurde es aufgelöst und seine Aufgaben dem Konsistorium in Hannover übertragen. Die Ämter des GSup. für das Fsm. Lüneburg-Celle und des Sup. für den Aufsichtsbezirk Celle waren mit der ersten Pfarrstelle an der Stadtkirche verbunden. Von 1561 bis 1671 bestand für das Teilfürstentum Lüneburg-Dannenberg eine eigene Oberaufsicht (Dannenberg, Johannis). 1708 wurde die Generaldiözese Celle durch die Neubildung der GSuptur. Harburg verkleinert. 1903 wurde die GSuptur. aufgehoben. In ihrer Nachfolge wurde 1936 der Sprengel Celle, zunächst mit Sitz in Soltau, gebildet (bis 1. April 1971).36Suptur.: Der Aufsichtsbezirk des Sup. umfasste anfangs die Gemeinden des vormaligen Archidiakonats Wienhausen sowie die KG Winsen (Aller) und Groß Hehlen aus dem früher mindenschen Archidiakonat Ahlden. 1658: Stadtkirche Celle, Schlosskirche Celle, Celle-Blumlage, Altencelle, Beedenbostel, Bergen, Bissendorf, Brelingen, Bröckel, Eldingen, Eschede, Groß Hehlen, Hermannsburg, Hohne, Hohnhorst, Isenhagen, Langlingen, Mellendorf, Müden/Aller, Müden/Oertze, Nienhagen, Sülze, Wathlingen, Wienhausen, Wietzendorf, Winsen/Aller. Im 17. Jh. kam der Garnisonprediger hinzu, im 18. Jh. die Parochie Neuenhäusen und die Strafanstalt. 1803 wurde die Insp. Beedenbostel abgetrennt und verselbständigt, 1810 einige KG an die neu gegründete Insp. Winsen/Aller abgetreten. Nach weiteren Veränderungen im Laufe des 19. Jh. bestand die Insp. schließlich nur noch aus den KG der Stadt Celle sowie Altencelle, Bröckel, Groß Hehlen, Nienhagen und Wathlingen. 1921 wurden die KK Celle und Beedenbostel zum KK Celle vereinigt.

Patronat

Ursprünglich der Landesherr als Stifter der Kirche. Mit der Reformation gingen Patronats- und Besetzungsrecht für die zweite, dritte und vierte Pfarrstelle an Bürgermeister und Rat der Stadt Celle über (1921 durch Verzicht des Magistrats erloschen). Dem Landesherrn oblag neben der Bestellung des GSup. bzw. Sup. (Primariatpfarre) bis 1918 die Unterhaltung des Chorraums. Nach dem Ende der Monarchie ging diese Verpflichtung auf den preußischen Staat, 1946 auf das Land Niedersachsen über. Sie wurde durch den Loccumer Vertrag vom 19. Mai 1955 abgelöst.

Kirchenbau
Blick zur Orgel

Blick zur Orgel, 2017, Foto: Wolfram Kändler, CC BY-SA 3.0 de

Ursprünglich dreischiffige, gotische Backsteinhallenkirche ohne Querschiffe. Ältester erhaltener Teil ist der Chor mit 7/12-Schluss (um 1300). Das Langhaus wurde im 14. Jh. in mehreren Bauphasen errichtet. Die nördlich an den Chorraum anschließende Sakristei mit gotischem Gewölbe stammt gleichfalls aus dem 14. Jh., die jetzige Taufkapelle an der Südseite des Chors wurde 1421 geweiht.37 Im 16./17. Jh. wurde der Innenraum barock umgestaltet und die steinernen Gewölbe durch ein hölzernes Tonnengewölbe ersetzt (ab 1676). Stuckaturen von Giovanni Battista Tornielli. Über den Seitenschiffen und dem ursprünglichen Westjoch u-förmig umlaufende Empore, teilweise zweigeschossig; unter dem Orgelprospekt im Westen der unter Wilhelm dem Jüngeren erbaute Fürstenstuhl (1564). 1834/35 fand eine umfassende Innenrenovierung der Kirche statt. 1967/68 wurde sie auf der Grundlage eines Gutachtens von Prof. Dr.-Ing. Konrad Hecht (Braunschweig) erneut renoviert. 1993/99 folgte die Sanierung des Tonnengewölbes.

Fenster

Die Buntglasfenster des Chorraums wurden 1967/68 durch hellere Butzenfenster ersetzt, um den Altar besser zur Geltung zu bringen.

Turm

Ein in der zweiten Hälfte des 15. Jh. begonnener Turm wurde erst 1516 vollendet, nach der Reformation (1529/30) jedoch wieder niedergelegt. Seither hatte die Kirche nur einen achteckigen Dachreiter mit offener Laterne und schlankem Helm über dem Chorrechteck (1576). 1717 wurde er abgebaut und durch den fürstliches Oberbaumeister Johann Caspar Borchmann über dem Westgiebel der Kirche neu aufgeführt. 1913 ließ die Gemeinde den heutigen Kirchturm mit achtseitigem Glockengeschoss und doppelter, kupfergedeckter Laterne errichten (Architekt: Karl Börgemann, Hannover). Der Borchmannsche Dachreiter wurde auf den Ostteil der Kirche versetzt.

Grablege

Die Stadtkirche ist die wichtigste Begräbnisstätte des Welfenhauses. Friedrich der Fromme soll der erste Landesfürst gewesen sein, der in der Kirche bestattet wurde. († 1478). Wahrscheinlicher ist es aber, dass er seine letzte Ruhestätte in dem von ihm gestifteten Franziskanerkloster fand. Sicher belegt ist als erste Beisetzung die Hzg. Ernst des Bekenners († 1546). Die Fürstengruft wurde 1576 angelegt. Dort befinden sich heute 17 Särge fürstlicher Personen: die Hzg. Wilhelm der Jüngere († 1592); Ernst II. († 1611); Christian († 1633); August († 1636); Friedrich († 1648); Magnus († 1632); Johann († 1628); Georg († 1641); Wilhelm von Harburg († 1642); Christian Ludwig († 1665) und Georg Wilhelm († 1705, Prunksarg von P. C. Hornung und Conrad Hölling) sowie u. a. die Herzogin Eleonore d’ Olbreuse († 1722), die Prinzessin Sophie Dorothea (sogenannte Prinzessin von Ahlden, † 1726) und Kgn. Karoline Mathilde von Dänemark († 1775). Der ehemalige kleine Chor (jetzt Taufkapelle) diente als Begräbnisstätte für die Stadt- und Hofgeistlichen. Die genauen Grablegen von Urbanus Rhegius, Johann Arndt usw. sind nicht mehr nachweisbar. Unmittelbar vor dem Hohen Chor wurden die Bürgermeister beigesetzt. Im Kirchenschiff konnten auch andere Personen gegen Gebühr eine Grabstätte erwerben. Bei der Renovierung von 1834/35 wurden die Grüfte mit Ausnahme der Fürstengruft ausgeräumt und verfüllt. Im Norden wurde 1628/57 an das Schiff die Hodenberg-Winterstedtsche Begräbnishalle angebaut (heute als behindertengerechter Zugang genutzt).

Blick zum Altarraum

Blick zum Altarraum, 2017, Foto: Wolfram Kändler, CC BY-SA 3.0 de

Ausstattung

Gemauerter Altarblock, Stipes und Mensa (mit Weihekreuzen) wohl noch aus der Erbauungszeit der Kirche. Der Altaraufsatz des Passionsaltars wurde 1613 durch Hzg. Christian gestiftet. Er vereinigte Einflüsse der Renaissance und des Barock und zeigt im Mittelbild die Kreuzigung, darüber die Auferstehung, in der Predella eine verkleinerte Wiedergabe des Abendmahlsgemäldes von Marten de Vos in der Schlosskapelle. Auf den Flügeln Szenen aus dem Leben und der Passion Christi. Zu beiden Seiten des Auferstehungs-Gemäldes befinden sich Skulpturen der Apostel Petrus und Paulus. Im Hauptgeschoss zu Seiten des Altarbilds Reliefs der vier Evangelisten. Altaraufbau und plastischer Schmuck werden der Braunschweiger Werkstatt von Jürgen Röttger zugeschrieben, die Gemälde (außer der Kreuzigungsszene) dem Celler Hofmaler Wilhelm te S. Simon.38 – In der Taufkapelle befindet sich seit 1999 ein Bergpredigtaltar von Erich Klahn (1954). – Barocke Kanzel von Peter Christian Limmer, mit dem segnenden und die Weltkugel tragenden Christus sowie den vier Evangelisten (1682/86). Die frühere Kanzel (aus der Werkstatt Röttger in Braunschweig, dat. 1610) befindet sich seit 1684 im Kloster Isenhagen. – Sechseckiger Marmortaufstein mit Alabasterreliefs biblischer Szenen, aus der Werkstatt Röttger, gestiftet von Hzg. August (1610).39 – Im Hohen Chor hängen mehrere Epitaphe von überregionaler Bedeutung, u. a. Ernst der Bekenner (1497–1546, aus der Schule von Cornelius Florian, Antwerpen, 1576) und Sophie von Mecklenburg (1507–1541); Wilhelm der Jüngere (1535–1592) von Hans Winter, Bremen (1594); Dorothea von Dänemark (1546–1617); Ernst II. (1564–1611) von J. Röttger, Braunschweig (1612); Christian (1566–1633) von Jürgen Tribb, Obernkirchen (1634); August (1568–1636) von Jürgen Tribb, Obernkirchen (1637); Friedrich (1574–1648), von Jürgen Tribb, Obernkirchen (1650); Georg von Calenberg (1582–1641), von Jürgen Tribb, Obernkirchen (1643); Anna Eleonore von Hessen (1601–1659); Christian Ludwig (1622–1659), von Johann Arnold Fischer, Flandern (1669/70); Georg Wilhelm (1624–1705), nach einen Porträt von Lafontaine (1707). – Gotische Triumphkreuzgruppe (um 1500). – Oberhalb der Pfeiler zwölf Apostelfiguren (um 1780). – An der Brüstung der Nord- und Südempore Schnitzwerk von P. C. Limmer (1691/97), Brüstungsbilder mit Szenen bzw. Personen des AT und NT (Celler Werkstätten, 17. Jh.).40 Auf der ersten Empore an der Nordwand Epitaph des Kanzlers Affelmann von Jürgen Tribb.– Gedächtnistafel für die Gefallenen der Deutschen Legion (1819) – Am Turmeingang Sandsteinepitaph für den GSup. Joachim Hildebrand († 1691).41

Verzierte Prospektpfeifen

Verzierte Prospektpfeifen, 2017, Foto: Wolfram Kändler, CC BY-SA 3.0 de

Orgel

Ein Hydraulier wird an der Stadtkirche schon 1400, ein besoldeter Organist 1464 sowie (in den Kalandsrechnungen) 1483 genannt. Die erste Orgel befand sich über der Sakristei in einem heute zum Chor hin geschlossenen Raum. Ein kleineres Positiv zur Begleitung des Schülerchors war gegenüber über der Taufkapelle aufgestellt. 1550 baute der Braunschweiger Meister Hermen die Hauptorgel neu. 1557/58 wurde sie durch den Orgelbauer Hans Thomas (Braunschweig) um ein Regal, 1602/03 durch Hans Möller/Müller (Celle) um ein Positiv (wohl RP) erweitert. 1633/40 Reparatur/Umbau durch Jonas Weigel (Celle/Braunschweig). Hzg. Christian Ludwig gab 1652/53 bei Hermann Kröger (Nienburg) und seinem damaligen Meistergesellen Berend Huß einen weiteren Neubau in Auftrag (Aufstellung auf der Westempore); 28 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen; Prospekt von Arendt Schultze (Hoya) und Andreas Gröber (Osterode).42 Das Werk gilt als „das früheste Beispiel für den im zweiten Drittel des 17. Jh. entwickelten Stil einer Stadtorgel, der in direkter Linie zu Arp Schnitger führt“.43 Die alte Orgel wurde der Kirche in Burgdorf überlassen. Die Kröger-Orgel wurde 1685/86 durch Martin Vater (Hannover) umgebaut und um ein Brustwerk auf 37 III/P erweitert (mechanische Traktur, Springladen und Schleifladen). 1703 Änderung der Disposition durch Christian Vater (Hannover). Instandsetzungen 1726 durch Erasmus Bielfeldt (Celle), 1733 durch Christian Solter (Verden), 1742 und 1745 durch Johann Friedrich Eggers (Einbeck)44, 1784 durch Wilhelm Heinrich Baethmann (Linden/Hannover), 1815 durch Johann Friedrich Ludwig Lohstöter (Celle), 1825 durch Heinrich Lohstöter (Celle-Blumlage). 1834/35 nahm Hoforgelbauer E. W. Meyer (Hannover) einen größeren Umbau vor (u. a. Beseitigung der Springladen in HW und RP, Einbau von zwei neuen Koppeln); 34 III/P (HW, RP, OW), mechanische Traktur, Schleifladen. 1890 erfolgte eine Reparatur und Änderung der Disposition durch Heinrich Vieth (Celle). 1912 wurde das alte Werk abgerissen. Neubau 1914 hinter dem historischen Prospekt durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 73 (davon 5 Transmissionen), III/P, pneumatische Traktur, Taschenladen. Vor 1931 um vier Stimmen im Pedal auf 77 III/P erweitert. 1948 führte Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen) eine Instandsetzung durch und änderte die Disposition nach einem Entwurf von Gustav Sasse (Hannover). Hinter dem historischen Prospekt erfolgte 1969 ein weiterer Neubau des Werks durch die Firma Detlef Kleuker (Brackwede); 48 IV/P, Spieltraktur mechanisch mit elektrischen Koppeln, Reg.-Traktur elektrisch, Schleifladen. Das Pfeifenmaterial von Kröger (1652/53) wurde teilweise wieder verwendet. 1987 Reparatur durch Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt (Berlin). 1997/99 Rekonstruktion der Orgel von 1653/87 durch Rowan West (Ahrweiler), zusätzlich Einbau eines HintW für Musik anderer Stilepochen; damit heute 49 III/P (OW, RP, BW/HintW). Das Gehäuse ist teilweise neu. – Weiterhin verfügt die Stadtkirche über eine 1983 durch die Firma Hammer (Arnum) erbaute Chororgel mit 4 I/aP, mechanische Traktur. Schleifladen. Im Besitz der Kantorei befindet sich ein Continuo-Positiv der Firma Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt mit drei klingenden Stimmen (1988).

Geläut

Vier LG, I: fis (Friedensglocke, Gj. 2008, Firma Bachert, Karlsruhe; drittgrößte Glocke in Niedersachsen); II: b (Bronze, Gj. 1664, Ludolf Siegfried, Hannover); III: des’ (Bronze, Gj. 1701, Johann Philipp Köhler); IV: es’ (Bronze, Gj. 1723, Johann Philipp Köhler). – Zwei SG, I: h’ (Eisen, Gj. 1918); II: d’’ (Eisen, Gj. 1918). – Früherer Bestand: Die frühesten Nachweise datieren aus dem 15. Jh. 1466 wurden dem Stadtkirchenküster für das Läuten der großen Glocke nach der Hochmesse am Freitag zwei Grundstücke überlassen. Unter dem 18. Januar 1485 bestätigte der Hildesheimer Bf. Bartold die Stiftung eines Glockengeläuts an der Stadtkirche zu Celle.45 Nach Beseitigung des Turms (1530) hingen die Glocken zunächst in einem Holzgerüst vor der Kirche. 1532 erhielt die Kirche einen Dachreiter, 1536 einen neuen Glockenstuhl auf dem Boden über dem Hochchor. Neue Glocken sollen 1531 und 1534 von Cordt Mente (Braunschweig) gegossen worden sein. 1628 schloss die Gemeinden einen Vertrag über die Lieferung einer neuen LG (Umguss) mit Albrecht Thies. Auch in den folgenden Jh. erfolgten mehrfach Neu- und Umgüsse, u. a. 1629 durch Heinrich Borstelmann (Braunschweig), 1635/36 durch Paul Kolfe (Bremen), 1638 durch Pawel Voß (Celle), 1701 und 1723 durch Johann Philipp Köhler. Beim Neubau des Turms 1913 umfasste das Geläut vier LG mit den Schlagtönen b, des’, es’ und des’’ sowie zwei 1670 gegossene SG in fis’’ und as’’ von Ludolf Siegfried (Hannover). Hinzu kam noch 1913 eine neue Bassglocke von Franz Schilling (Apolda). 1917 wurden die erstere sowie die beiden SG für die Rüstungsproduktion abgegeben, die SG jedoch bereits 1918 durch zwei Eisenglocken der Firma J. F. Weule (Bockenem) ersetzt. Ein Vertrag mit der Gebrüder Ulrich (Apolda) über die Lieferung einer neuen Bassglocke wurde wieder rückgängig gemacht. Erst 1928 lieferte die Firma Bachert (Karlsruhe) eine neue fis-Glocke, die 1942 ebenfalls abgeliefert wurde. 2008 ließ die Gemeinde die historischen LG durch das Glockenschweißwerk Lachenmeyer (Nördlingen) restaurieren und schaffte eine neue Bassglocke in fis (ges) an.

Weitere kirchliche Gebäude

Gemeindezentrum für Altenhagen und Lachtehausen (1986).

Friedhof

Als Begräbnisplatz diente von der Stadtgründung bis in die erste Hälfte des 16. Jh. der Stadtkirchhof; seit mindestens 1536 der Liebfrauenhügel vor dem Hehler Tor. 1561 wurde der Kirchhof innerhalb der Stadt eingeebnet. Nur zwischen 1645 bis 1719 fanden vorübergehend noch einmal Beisetzungen auf dem Kirchhof statt. Heute verwaltet die KG keinen eigenen Friedhof mehr. Stadt- und Waldfriedhof in Celle befinden sich in Trägerschaft der Stadt Celle.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1726–1784 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 145–151 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1395–1425 (Pfarrbestellungen).

Literatur

A: Denkmalatlas Niedersachsen; Leenders, Entwicklung, S. 7–46; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 368; Pape, Orgeln Celle, S. 126–148; Vogel u. a., Orgeln Niedersachsen, S. 132 f.
B: 660 Jahre Stadtkirche Celle 1308–1968. Festschrift zur Wiedereröffnung der Stadtkirche nach ihrer Restaurierung 1967/68, [Celle 1968]; Die rekonstruierte Barockorgel der Stadtkirche St. Marien Celle, o. O. o. J.; Festschrift zur Gedenkfeier des sechshundertjährigen Bestehens und der Grundsteinlegung des neuen Glockenturmes der Stadtkirche in Celle am Sonntag, den 30. März 1913, Celle 1913; Harm Alpers: Urbanus Rhegius und seine Nachfolger, in: Celler Chronik 15 (2008), S. 17–42; Andrea Baresel-Brand: Die Grabmale der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg in der Stadtkirche zu Celle, in: Celler Chronik 11 (2004), S. 9–28; Juliane Baumann-Kremzow: Orgeln, Organisten und Orgelmusik an der Stadtkirche, in Celler Chronik 15 (2008), S. 63–99; Mijndert Bertram: Punktuelle Resistenz und Widerstand (1933–1945), in: Celler Chronik 15 (2008), S. 197–212; Dietrich Klatt: Ev.-Luth. Stadtkirche St. Marien Celle, Regensburg 2007, 8. Aufl.; Friedrich Kremzow: 700 Jahre Stadtkirche St. Marien Celle – eine Einführung, in: Celler Chronik 15 (2008), S. 11–16; Sabine Maehnert: Die Celler Stadtkirche als Bestattungsraum, in: Celler Chronik 15 (2008), S. 43–62; Iris Prüwer: Entwicklung der Stadtkirchengemeinde seit 1982, in: Celler Chronik 15 (2008), S. 273–286; Hans-Cord Sarnighausen: Zum Hildebrand-Epitaph von 1692 an der Celler Stadtkirche, in: Celler Chronik 11 (2004), S. 93–103; Gerd Schaumberg: Die Glocken der Stadtkirche St. Marien in Celle. Eine Bestandsaufnahme, in: Celler Chronik 15 (2008), S. 101–128; Hans-Walter Schütte: Mönchsfrömmigkeit und Laienprotest. Die Reformation in Celle, in: Kirche in Celle. Beiträge zur Kirchengeschichte, Celle 1992, S. 55–66; Rudolf Steinmetz: Die Generalsuperintendenten von Lüneburg-Celle, in: ZGNK 20 (1915), S. 1–135; Erich Wennecker: „Dem wackeren Kämpfer für Wahrheit und Licht“. Pastor Christoph Ernst Greiling (1815–1889) und die Revolution von 1848/49 in Celle, in: Celler Chronik 15 (2008), S. 173–195.


Fußnoten

  1. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 1.
  2. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 146.
  3. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 6.
  4. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 8.
  5. Sudendorf, UB I, Nr. 406.
  6. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 27; Sudendorf, UB III, Nr. 270.
  7. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 139 u. 144.
  8. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 69.
  9. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 159.
  10. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 236.
  11. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 43.
  12. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 274.
  13. UB Verden II, Nr. 142.
  14. Sudendorf, UB II, Nr. 72.
  15. Cal. UB XI, Wülfinghausen I, Nr. 214.
  16. UB Verden II, Nr. 939.
  17. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 56, 62.
  18. UB Zeven, Nr. 147.
  19. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 110.
  20. Lüneburger UB VII, St. Michaelis, Nr. 1224.
  21. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 390, 482.
  22. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 187.
  23. Wilkens, Kaland, S. 319.
  24. Wennecker, S. 173–195.
  25. Bertram, S. 207.
  26. KABl. 1993, S. 167.
  27. KABl. 1959, S. 165.
  28. KABl. 1964, S. 61.
  29. KABl. 1998, S. 99.
  30. KABl. 1952, S. 86.
  31. KABl. 1964, S. 61.
  32. KABl. 1959, S. 104.
  33. KABl. 1977, S. 110.
  34. KABl. 1985, S. 99.
  35. Reller, Kirchenverfassung, S. 99.
  36. KABl. 1971, S. 59.
  37. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 69.
  38. 660 Jahre, S. 39–46.
  39. Mathies, Taufbecken, S. 118.
  40. 660 Jahre, S. 47–53.
  41. Sarnighausen, S. 93–103.
  42. Meyer, Verzeichnis Gröber, S. 56.
  43. Vogel u. a., Orgeln Niedersachsen, S. 132.
  44. Ihlemann, Orgelbauer Einbeck, S. 101.
  45. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 350.