Sprengel Hannover, KK Burgwedel-Langenhagen | Patrozinium: Petrus | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

In altsächsischer Zeit gehörte Burgwedel vermutlich zum Gau Flutwide, in dem sich nach der Übernahme der fränkischen Grafschaftsverfassung die 1324 erwähnte Grafschaft über dem Moor herausbildete. Am 8. Juli 1179 wird Burchwide in einer Urkunde Papst Alexanders III. für das Ägidienkloster in Braunschweig erstmals genannt. Der früher welfische Besitz befand sich zeitweilig in den Händen der Hildesheimer Bf. und wurde 1324 durch Hzg. Otto II. von Braunschweig und Lüneburg zurückerworben. 1371 wird eine Burg erwähnt, die offenbar aus einem Villikationshof hervorging (1426 abgebrochen und durch ein Jagdschloss, später den Amtshof ersetzt). Burgwedel war dem 16. Jh. (Amts-)Vogtei unter der Oberaufsicht des Celler Großvogts, ab 1852 Sitz eines Amts, das 1885 im Kr. Burgdorf aufging. Im Zuge der Gebietsreform wurde 1974 aus den bis dahin selbständigen politischen Gemeinden Großburgwedel, Kleinburgwedel, Engensen, Fuhrberg, Oldhorst, Thönse und Wettmar die Gemeinde Burgwedel gebildet, die 2003 Stadtrecht erhielt.

Kirche, Ansicht von Nordosten, Zeichnung von Herbert Kattentidt, 1940

Kirche, Ansicht von Nordosten, Zeichnung von Herbert Kattentidt, 1940

Die Gründung von Kirche und Pfarre lässt sich nicht sicher datieren. Vermutlich stand an der Stelle des heutigen massiven Kirchenbaus, der in seinen ältesten Teilen auf die Zeit um 1200 zurückgeht, bereits eine hölzerne Kapelle, die vielleicht schon um 800 auf einem vorchristlichen Thingplatz errichtet wurde. Die Kirche mag eine Eigenkirche der Besitzer des Burgwedeler Villikationshofs gewesen sein1 Jedenfalls wurde der Bau wohl durch diese gefördert. Nach Brandschatzungen und einem Überfall auf einem Zug mit Ablassgeldern aus Schweden auf dem Gebiet von Burgwedel wurde das karspelle to Borchwedelle 1460 mit dem bischöfl. Bann belegt (urkundliche Ersterwähnung). 1489 schlug Hzg. Heinrich der Mittlere als Patron nach dem Tod des bisherigen Kirchherrn, Johann Honemester, den Walsroder Propst Gerhard von Zerssen als Nachfolger vor.2 Auf Grund mehrerer Pfarrhausbrände ist die urkundliche Überlieferung aus vorref. Zeit sonst sehr lückenhaft.
1527 führte Hzg. Ernst der Bekenner im Fsm. Lüneburg die Reformation ein, doch soll in Burgwedel schon 1526 evangelisch gepredigt worden sein. Erster luth. P. war vermutlich der 1534 genannte Heinrich Baxmann, der in diesem Jahr auch die erste Katechismusschule in Burgwedel einrichtete.3 In Kleinburgwedel wird eine Schule 1669 erstmals erwähnt. Von den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges wurde die Kirche, ebenso wie von der Brandschatzung in der Hildesheimer Stiftsfehde und späteren Brandkatastrophen (1724 und 1828) verschont. Erwähnenswert unter den P. sind Georg Hilmar Ising (amt. 1661-1669), der später als Marktkirchenpastor und Senior des geistlichen Ministeriums nach Hannover wechselte und dort mit seiner Chronica Hannovera (anonym, 1695) zu den frühen Geschichtsschreibern der Stadt gehörte, sowie der ehemalige Auslandspfarrer Johannes Spanuth (amt. 1929-1946), der früher in deutschen evangelisch Gemeinden in Südafrika tätig war und mehrere Veröffentlichungen dazu vorlegte. Spanuth war auch Vorsitzender des hannoverschen Pfarrervereins.

Kirche, Blick zum Altar, vor 1956

Kirche, Blick zum Altar, vor 1956

1846 wurde in Hannover die Pestalozzi-Stiftung gegründet, die für die Unterbringung und Betreuung von verwaisten oder durch Verarmung und „sittliche Verwahrlosung“ bedrohte Kinder auf dem Land sorgte. Wohl auf Vermittlung der P. von Lüpke und (ab 1850) Hausmann kamen erste Pflegekinder schon bald nach der Gründung der Stiftung auch in Burgwedeler Familien unter. Wegen Überfüllung wurde das Heim der Stiftung 1904 von Ricklingen nach Großburgwedel verlegt, wo seit 1913 auch ein P. als hauptamtlicher Geschäftsführer seinen Sitz hat. 1947 richtete die Stiftung eine Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen ein, die später zu einer Fachschule für Sozialpädagogik umgewandelt wurde. 1978 wurde ihr eine Fachschule für Heilpädagogik angegliedert.
Die KG betreibt einen KiGa und ist Sitz einer Diakoniestation. Zur Förderung der kirchengemeindlichen Arbeit und Finanzierung der Diakonen- und Kirchenmusikerstelle besteht eine Stiftung.
Ein eigenes kirchliches Leben entfaltete sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Kleinburgwedel. Kirchliche Veranstaltungen fanden zunächst in der alten Schule statt. Bei der Aufstellung des Flächennutzungsplans (1961) wurde am Moorweg ein Grundstück für kirchliche Zwecke reserviert und 1975 durch die KG erworben. 1982 konstituierte sich ein Kirchenbauverein. Nachdem andere Lösungen an der Finanzierung gescheitert waren, kaufte die KG ein um 1800 erbautes Vierständerhaus aus Mesmerode und ließ es 1985/87 nach Kleinburgwedel umsetzen (Einweihung 6. Dezember 1987). Das Haus der Kirche wird durch Gruppen und Kreise sowie in der Regel zweimal monatlich für GD genutzt.

Pfarrstellen

I: Vorref., 1. Oktober 2004 aufgehoben und neu errichtet aus III.4 – II: 1. Oktober 1964 (seit 1948 Pfarrvikarstelle).5 – III: 1. Juli 1973.6 Seit 1. Oktober 2004 I.7

Umfang

Die Dörfer Groß- und Kleinburgwedel, Fuhrberg (mit der Mohmühle), Neuwarmbüchen (mit der Hesterholzmühle) und Oldhorst, das Landgut Lohne und das Vorwerk Lohne. Zum 1. März 1908 KapG Fuhrberg zu eigenständiger KG erhoben.8 Mit dem 1. Januar 1969 wurden die in der politischen Gemeinde Neuwarmbüchen wohnenden Gemeindeglieder in die KG Kirchhorst umgepfarrt9, einige Straßen in der nördlichen Wietze-Siedlung am 1. Oktober 1990 von Burgwedel nach Bissendorf umgegliedert.10

Aufsichtsbezirk

Ursprünglich wohl zum Archidiakonat Sievershausen. In der Urkunde von 1489 wird Burgwedel allerdings zum Bann Schmedenstedt gerechnet. – 1575 zur Insp. Burgdorf, zunächst mit Sitz in Hänigsen unter dem dortigen P. Caspar Fricke, der 1595 nach Burgdorf übersiedelte. 1. Mai 1869 aus der Insp. Burgdorf gelöst und eine eigene Suptur. gebildet (ab 1924 KK Burgwedel). Zugehörige KG waren (1895): Bissendorf, Brelingen, Burgwedel, Isernhagen, Kirchhorst, Mellendorf und Wettmar.11 Seit 1. Januar 2001 KK Burgwedel-Langenhagen (mit Sitz in Langenhagen).12

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Blick zur Orgel, vor 1956

Kirche, Blick zur Orgel, vor 1956

Schmaler, einschiffiger, ursprünglich romanischer Hallenbau zu drei Jochen (um 1200) aus Feldstein, Raseneisenstein und Ziegelmauerwerk. Die Kirche wurde um 1395 (dendrochronologische Datierung der verwendeten Hölzer) gotisch überformt und an Stelle der bisher flachen Decke mit einem Kreuzrippengewölbe versehen. Die Außenwände wurden in Ziegelmauerwerk erhöht. Die ursprünglich wohl halbrunde Apsis ersetzte ein polygonaler Chor mit 5/8-Schluss und Maßwerkfenstern. Ergänzt wurden weiterhin die Sakristei im Süden und ein Brauthaus im Norden. Am Mitteljoch gegenüber dem Brauthaus errichteten die Herren von Eltz 1626 einen flachgedeckten Anbau als Erbbegräbnis der Familie. Für die Aufnahme einer Orgel wurde in den 1630er Jahren das Brauthaus erweitert. Einbau von Emporen 1690 und – an der Südseite des Ostjochs und im Chorraum – 1817. Pläne für eine Barockisierung der damals schadhaften Kirche (1779) wurden nicht realisiert. 1860 wurden die Fenster in gotisierenden Formen umgestaltet. Grundlegende Renovierung und Neugestaltung des Innern 1956/59. Dabei wurde das vor 1744 eingestürzte und seither mit einer Flachdecke geschlossene Westjoch wieder eingewölbt und die Emporenanlage aus dem 19. Jh. wieder entfernt. Die Emporenbrüstungen kamen teilweise in die Kirche von Hittfeld. Das ehemalige von Eltzsche Erbbegräbnis dient jetzt als Gedenkstätte für die Toten der beiden Weltkriege. 1968 wurden die 1860 beseitigten Maßwerkfenster des Chors rekonstruiert; 1968 und 1994 in den Gewölben Malereien des frühen 15. Jh. freigelegt (im Chorgewölbe die Marienkrönung und zehn von Rankenwerk umgebene Heiligenfiguren; im mittleren Joch Passion, Auferstehung und Himmelfahrt; im Ostjoch Christus als Weltenrichter mit Maria und Johannes der Täufer, Anbetung der Könige, Tod und Himmelfahrt Marias, der heilige Georg als Drachentöter).

Fenster

Die Fenster neben der Sakristei wurden 1959 durch den Glasmaler Hans Matschinski mit sechs Szenen aus dem Leben des Apostels Petrus gestaltet. In der Sakristei befindet sich ein Fenster mit den drei Frauen und dem Engel am leeren Grab (von Renate Strasser, 1974).

Turm

Fast quadratischer, gotischer Westturm aus Feld- und Raseneisenstein (um 1490, Glockenstuhl dat. 1561). Die frühere Annahme, dass der Turm erst nachträglich durch den Einbau des Westjochs mit dem Schiff verbunden wurde, ist widerlegt. Schießscharten und eine Pechnasen verweisen auf einen wehrhaften Charakter. Die Schallöffnungen in der Glockenstube sind in Ziegel aufgemauert. Hoher, ins Achteck überführter, leicht gedrehter Helm, ursprünglich verschiefert, seit 1950/51 mit Kupferverkleidung. Die Turmhalle diente bis ins 18. Jh. als öffentlicher Wiegeraum und Aufbewahrungsort für die Elle als offizielles Längenmaß. Uhrwerk von 1895.

Kreuzigungsgruppe, um 1980

Kreuzigungsgruppe, um 1980

Ausstattung

Gemauerter Stipes (1689), darauf eine Kreuzigungsgruppe (ehemalig Triumphkreuz) von Brandt Lüttmann (1641). Ein barockes Altarretabel von 1690 wurde 1957 entfernt und befindet sich seither (mit neuem Altarbild) in der Kirche von Klein Hehlen. – Hölzerne Kanzel, gestiftet 1676 durch den Amtsvogt Ludolph Henning von Eltz. – Romanische Steintaufe (um 1200), 1817 beim Einbau der Emporen im Chorraum entfernt; nach Zweckentfremdung seit 1958 mit neuem Fuß, Taufschale und Deckel wieder in der Kirche aufgestellt. – Zwei Ölgemälde, a) Gebetsstunde Jesu am Ölberg (von David Bösing aus Hannover, 1690, ursprünglich Mittelbild des barocken Altaraufsatzes), b) Porträt des P. M. Bernhardus Tappius (amt. 1669-1698). – Grabplatte des Amtsvogts Ludolph von Eltz (Mitte 17. Jh.); Holzepitaph für dessen Sohn, den Amtsvogt Ludolph Henning von Eltz († 1718).

Orgel, Teilansicht, nach 1973, vor 1996

Orgel, Teilansicht, nach 1973, vor 1996

Orgel

Eine Orgel ist u. a. 1669 im Erbregister der Vogtei Burgwedel13 und im corpus bonorum von 1782 nachgewiesen (19 II/P). Das Instrument stand zunächst auf einer Prieche im Anbau an der Nordseite gegenüber der Kanzel und wurde 1815 auf die Westempore versetzt. 1906 Neubau durch Firma Faber & Greve (Salzhemmendorf), pneumatische Traktur. Abbruch 1958. Neubau bis 1973 in drei Abschnitten durch Firma Emil Hammer (Arnum), jetzt wieder im Nordanbau; 23 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1996 Neubau an gleicher Stelle im Stil klassischer französischer Orgeln durch den Orgelbauer Patrick Collon (Brüssel).

Geläut

Drei LG, I: f’ (Stahl, Gj. 1927, Bochumer Verein); II: g’ (Stahl, Gj. 1952, Bochumer Verein); III: b’ (Stahl, Gj. 1952, Bochumer Verein). – Eine SG in es’’, außen am Turm (Gj. 1693 [früher falsch auf 1643 dat.], Johann Philipp Kohler). – Früherer Bestand: 1781 verfügte die Kirche noch über zwei LG aus vorreformatorisch Zeit, von denen eine 1837 in zwei kleinere umgegossen wurde; die andere (aus der ersten Hälfte des 14. Jh.) ist 1906 gesprungen ist und wurde gleichfalls umgegossen (1917 zu Rüstungszwecken abgeliefert und 1927 durch die heutige LG I des Bochumer Vereins ersetzt). Im Zweiten Weltkrieg mussten auch die beiden verbliebenen Bronzeglocken abgegeben werden. – Die Stundenglocke von 1693 ersetzte eine ältere, die bereits 1630 in den Akten erscheint.

Weitere kirchliche Gebäude

Das nach dem Brand von 1724 errichtete Pfarrhaus wurde 1911 auf Abbruch verkauft und in Isernhagen wieder errichtet (dort im Zweiten Weltkrieg zerstört). An seiner Stelle errichtete die KG 1912 die Suptur. (jetzt Kirchenkreisamt Burgdorfer Land, Architekt: Siebrecht, Hannover). – Pfarr- und Gemeindehaus, Im Mitteldorf 11 (Klinkerbau, erbaut 1892). – Ehemaliges Küster- und Schulhaus, Fachwerk/Vierständerbau, Im Mitteldorf 3 (1833 erbaut, ab 1984 als Galerie genutzt; das vorherige Küsterhaus von 1725 war 1832 verkauft worden und brannte 1875 nieder). – Glöcknerhaus (Bj. 1801, bis 1907 zu Schulzwecken genutzt). – Pfarrwitwenhaus (1583). – Gemeindehaus (Bj. 1972/73). – Pfarrhaus (Bj. 1993) und Haus der Kirche und Pfarrhaus (Bj. 1993) in Kleinburgwedel.

Friedhof

Der Begräbnisplatz bei der Kirche wurde 1824 aufgelassen. Erhalten sind die Grablegen der Amtsvögte aus der Familie von Alten. Neuer Friedhof am östlichen Ortsrand. FKap. – Kleinburgwedel hat seit 1954 einen eigenen, kommunalen Friedhof auf dem Mühlenberg mit FKap.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1668-1698 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 139 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1348-1359 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 372-375 (Visitationen); D 33 (EphA Burgwedel).

Literatur

A: Krumm, Denkmaltopographie Region Hannover, S. 170 f.; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 368; Sommer, Anfänge Kirchenbau, S. 92-94; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 25-30.
B: Walter Bohle: Festschrift zur 600-Jahr-Feier der Gemeinde Kleinburgwedel. 1361-1961, [Hannover 1961]; Christian Heppner: Burgwedel. Die Geschichte der sieben Dörfer, [Burgwedel 1999]; Ev.-luth. Kirchengemeinde Kleinburgwedel (Hg.): Haus der Kirche Kleinburgwedel, Kleinburgwedel [1987]; Ulfrid Müller: Die St. Petri-Kirche in Burgwedel, München, Berlin 1983; Johannes Sommer: Die Kirchtürme von Burgwedel und Isernhagen. Dokumente zu ihrer Datierung, in: Jahrbuch für den Kreis Burgdorf 7 (1961), S. 39-42; Ulrich von Stackelberg: Bau- und Kunstgeschichte der St. Petri-Kirche, [Burgwedel o. O.]; Erich Stoll: Großburgwedel. Chronik, [Großburgwedel] 1972.


Fußnoten

  1. Sommer, Anfänge Kirchenbau, S. 94.
  2. Lüntzel, Ältere Diöcese Hildesheim, S. 303.
  3. Stoll, Großburgwedel, S. 204.
  4. KABl. 2004, S. 222.
  5. KABl. 1964, S. 165.
  6. KABl. 1973, S. 107.
  7. KABl. 2004, S. 222.
  8. KABl. 1908, S. 15 f.
  9. KABl. 1969, S. 6 f.
  10. KABl. 1990, S. 115.
  11. Übersicht Besetzung 88 (1895), S. 21.
  12. KABl. 2000, S. 41.
  13. Bardehle, Erbregister Burgwedel, S. 55.