Sprengel Hannover, KK Burgwedel-Langenhagen | Patrozinium: Ludwig Harms (seit 1967)1 | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Seit 1974 Stadtteil von Burgwedel. – Der Ort Fuhrberg, im Mittelalter ein Grenzort des Gaus Flutwide, wird erstmals 1323 im Zusammenhang mit dem Verkauf eines vormals im Besitz der Herren von Escherde befindlichen Hofs zu Wurberghen an das Kloster Walsrode genannt.2 Im Landsteuerverzeichnis von 1534 wird eine Kapelle mit zugehörigem Friedhof am Ortsrand von Fuhrberg geführt. Eine unweit der heutigen Kirche im Boden gefundene Altarplatte deutet aber auf eine ältere Gründung hin. Die seelsorgerliche Betreuung wurde 1534 durch den P. Gert Polde aus Wettmar wahrgenommen3, Fuhrberg muss aber noch vor der Visitation von 1583 der Parochie Burgwedel angegliedert wurden sein. 1669 wurden die Einwohner von Fuhrberg erneut zum Besuch der GD in Burgwedel verpflichtet. Sechs bis sieben mal jährlich kam der Burgwedeler P. zu Predigten4 sowie zur Alten- und Krankenkommunion und beichte nach Fuhrberg. Am Sonntagnachmittag fanden Lesegottesdienste des Schullehrers statt.
Der rückläufige Gottesdienstbesuch der Fuhrberger Einwohner in der Kirche in Großburgwedel führte 1893 zu Überlegungen zur Einrichtung einer ständigen Pfarrkollaboratur. Diese Lösung lehnte die Kapellengemeinde allerdings ab, weil sie einen häufigen Wechsel der Pfarrstelleninhaber befürchtete. Stattdessen wurde 1900 der Sup. verpflichtet, einmal monatlich selbst in der Kapelle von Fuhrberg zu predigen. Mit der Lösung von Großburgwedel am 1. März 1908 erhielt die KG Fuhrberg eine eigene Pfarrstelle.5 Erster P. wurde Hermann Stünkel (amt. bis 1948). Ein Pfarrhaus (Fachwerkbau) wurde erst 1912 nach Plänen von Konsistorialbaumeister Karl Mohrmann errichtet. Die Gemeinde entwickelte enge Beziehungen zur Hermannsburger Mission. 1914 fand in Fuhrberg erstmals ein Missionsfest statt. Wegen der langjährigen Kontakte erhielt die Kirche 1967 den Namen „Ludwig-Harms-Kirche“.
1975 wurde in der Gemeinde ein Kinderspielkreis eingerichtet (seit 1997 Evangelische Kita). Als Gemeindehaus wurde 1984/85 ein altes Zweiständerhaus aus Drentwede bei Sulingen nach Fuhrberg versetzt; da dessen Torgiebel nicht wiederverwertbar war, erhielt das Gebäude beim Wiederaufbau den Giebel eines Fachwerkhauses aus Osnabrück-Hellern (Südgiebel).6

Umfang

Der Ort Fuhrberg.

Aufsichtsbezirk

Bei Gründung zur Insp. (1924: KK) Burgwedel (seit 1. Januar 2001 KK Burgwedel-Langenhagen).

Kirchenbau

Der mittelalterliche (gotische) Kirchenbau wurde 1678 wegen Baufälligkeit abgetragen und durch einen Neubau ersetzt.7 Dieser wurde 1768/69 gleichfalls abgebrochen und an höher gelegener Stelle etwas südlich des alten Standorts neu errichtet. Der Fachwerksaal ist mit Backstein ausgefacht und innen durch eine flache Balkendecke geschlossen. Westempore. 1930-32 wurde die Kapelle zur Kirche ausgebaut und u. a. um einen Glockenturm im Westen und eine Fachwerksakristei im Osten erweitert. Die Sakristei wurde bei der Sanierung 1965-67 zum Altarraum umgestaltet und eine neue Sakristei an der Nordseite der Kirche geschaffen.

Turm

Querrechteckiger, im Ober- und Glockengeschoss holzverschalter Glockenturm unter Satteldach an der Westseite der Kirche, nach Süden aus der Mittelachse verschoben (1930).

Ausstattung

Altar mit gemauertem Unterbau und mittelalterlicher Mensa (die erst nach dem Zweiten Weltkrieg aufgefundene Altarplatte, vermutlich aus der ersten Kapelle) und einem 1687 von Oberförster Johann Otto Frese gestifteten dreistufigen Barockretabel mit Gemälden des Malers Bues aus Celle (Abendmahl, Kreuzigung und Auferstehung). – Neuer Taufstein von 1965.

Orgel

An Stelle eines früher genutzten Harmoniums erhielt die Kirche 1970 einen Orgelneubau der Firma H. Hillebrand (Altwarmbüchen), 10 II/P (HW, RP), mechanische Traktur, Schleifladen. 2012/13 Renovierung durch Firma Feopentow Orgelbau (Wienhausen).

Geläut

Drei LG, I: c’’ (Stahl, Gj. 1952, Bochumer Verein); II: es’’ (Bronze, Gj. 1974); III: f’’ (Bronze, Gj. 1974). – Früherer Bestand: Eine 1761 von M. Johann Georg Ziegner in Hannover gegossene LG war 1902 noch vorhanden. Nach dem Bau des Kirchturms erhielt die Kirche 1933 drei neue Bronzeglocken der Firma Radler (Hildesheim), von denen die beiden größeren im Zweiten Weltkrieg der Rüstungsindustrie zum Opfer fielen. 1952 wurde die verbliebene es’’-Glocke von Radler um eine c’’-Glocke (Stahl) des Bochumer Vereins ergänzt (LG I). Wegen ihres schlechten Klangs wurde die Radler-Glocke 1974 abgegeben und dafür zwei neue Bronzeglocken beschafft.

Weitere kirchliche Gebäude

Gemeindehaus (Eichenfachwerkhaus aus Drentwede mit beschnitztem Eichenfachwerkgiebel von 1798 des Hofes Peistrup aus Osnabrück-Hellern, 1984/85 nach Fuhrberg versetzt; der Giebel „gehörte zu einem hochrangigen Baudenkmal und besticht durch besten Erhaltungszustand und große Schönheit“).8

Friedhof

Am Grasbruchweg. Eigentum der KG. FKap (Bj. 1955).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 5 Nr. 137-138 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 2528 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 744 (Visitationen); D 33 (EphA Burgwedel).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 483; Krumm, Denkmaltopographie Region Hannover, S. 182 f.; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 375; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 36-37.
B: Im Blick. Fuhrberger Kirchenbrief. Sonderausgabe zur 100-jährigen Selbständigkeit der ev.-luth. Ludwig-Harms-KG am 1. März 2008; Wilhelm Brase: Unser Fuhrberg. Festschrift zur Neuweihe der Ludwig-Harms-Kirche zu Fuhrberg…, o. O. 1967; Ch. Heppner: Burgwedel. Die Geschichte der sieben Dörfer, [Burgwedel] 1999.

GND

1098172124, Ev.-luth. Ludwig-Harms-Kirchengemeinde Fuhrberg; 1214002323, Ludwig-Harms-Kirche (Fuhrberg)


Fußnoten

  1. Ursprünglich Petrus. Vgl. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien II, S. 41.
  2. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 122.
  3. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 492, Anm. 1056.
  4. Bardehle, Erbregister Burgwedel, S. 52.
  5. KABl. 1908, S. 15 f.
  6. LkAH, B 2 G 9/Fuhrberg Bd. II, Bl. 67 ff. und 90 ff. – Lieber Michael Hoffmann, leider ist wegen eines technischen Fehlers im Kontaktformular ihre mail-Adresse nicht übermittelt worden. Vielleicht lesen Sie zufällig diese Fußnote: Herzlichen Dank für Ihre Nachfrage. Ich habe nachgeschaut und die Angaben zum Gemeindehaus entsprechend präzisiert. Viele Grüße, Wolfram Kändler
  7. Sommer, Kapellen Burgdorf, S. 52.
  8. LkAH, B 2 G 9/Fuhrberg Bd. II, Bl. 67 ff. und 90 ff. (Zitat: Bl. 68).