Sprengel Stade, KK Wesermünde | Patrozinium: Jakobus | KO: Keine Kirchenordnung

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Orts- und Kirchengeschichte

Das Haufendorf Bramstedt war Hauptort der gleichnamigen Börde und unterstand seit dem 11. Jh. der weltlichen Herrschaft des Bremer Ebf. (1648 an Schweden, 1712 dänisch, 1715 an Kurhannover). – Seit 2014 Ortsteil der Gemeinde Hagen im Bremischen.

Kirche, Ansicht von Nordosten, 1934 oder 1938

Kirche, Ansicht von Nordosten, 1934 oder 1938

Als einer der ältesten des Unterweserraums dürften die Anfänge der KG noch vor dem Jahr 1000 anzusetzen sein. Die erste Kirche entstand auf einem erhöht liegenden Grundstück des ehemaligen Friedhofs an der Ostseite der Dorfstraße, vielleicht einem altsächsischen Opferplatz. Der älteste urkundliche Nachweis datiert auf das Jahr 1072, als der Hamburger Ebf. Adalbert die Oboedienz Bramstedt und insbesondere die Pfarre daselbst cum banno episcopali cunctisque pertinentiis zur Verwaltung einem Mitglied des Domstifts übertrug.1 Das Ksp. umfasste ursprünglich die Börde Barnstedt, Osterstade, das Land Wührden und das Amt Stotel. 1060 wurde in Dedesdorf eine Kapelle errichtet, 1062 in Sandstedt. Beide wurden wenig später selbständige Pfarren. Adelige Stifter betrieben weiterhin die Verselbständigung der von ihnen gegründeten Kirchen in Uthlede (um 1100 dotiert durch die Herren von Garkstedt) und Bruch (Herren von Fiegen) sowie Wersabe (vor 1269, Herren von Wersabe), Wulsbüttel (13. Jh.), Stotel (vor 1316) und schließlich Büttel (um 1500 als Kirche nachweisbar). Alle Kirchen unterstanden weiterhin der geistlichen Gerichtsbarkeit des Oboedientiars von Bramstedt, dem auch die Pfarrstellenbesetzung oblag. 1247 erscheint Propst Henricus in Bramstedt als Zeuge in einer bremisch erzbischöflichen Urkunde.
Die Einführung der Reformation erfolgte wohl in den 1520er Jahren. Als früheste luth. Geistliche werden Diedrich Freese (um 1522, 1539), Barthold Bischoping (um 1526, † vor 1543) und Paul Behr (amt. 1547-1555) genannt.
In Zeit des Kirchenkampfs gehörte P. Remmer Holtermann (amt. ab 1930) der BK an. Vereinzelt kam es zu DC-Veranstaltungen mit auswärtigen Pfarrern und überwiegend auswärtigen Teilnehmern. Die KG Bramstedt stand nahezu geschlossen hinter der bekenntnistreuen Haltung des Ortspastors.
1951 wurde eine zweite Pfarrstelle errichtet und das Gesamtkirchspiel in zwei Pfarrbezirke unterteilt. Die Zahl der Gemeindeglieder belief sich (1967) auf 6.173, von denen rund 90 Prozent in den zehn Außendörfern wohnhaft waren. Neben einem Jugendheim in Lohe, das die KG schon 1953 errichten ließ, entstanden an kirchlichen Bauten nach dem Krieg neue Pfarrhäuser in Axstedt (1965/66) und Bramstedt (1968) sowie Gemeindehäuser in Axstedt (1970), Bramstedt und Bokel.

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1. Mai 1951.2

Umfang

Die Dörfer Albstedt, Arstedt, Börsten, Bokel (mit Hastbüttel), Bramstedt, Bremerhorn, Dammhagen, Dorfhagen, Driftsethe, Fina, Hanenknopp, Harrendorf, Heise, Holten, Lehnstedt, Lohe, Lübberstedt, Schwegen, Weißenberg, Mittstedt und Wolthöfen, die Mühle Gakau, die Höfe Seebeck, Seedorf und Stubben, die Bauerschaft Cassebruch mit dem Hof in der Heide. Mit dem 1. Juni 1896 wurde die bisherige KapG Hagen (bestehend aus den Ortschaften Hagen und Cassebruch) vom Ksp. Bramstedt abgetrennt und verselbständigt.3 Umpfarrungen: Die Dorfschaft Driftsethe aus der KG Bramstedt in die KG Hagen (1914)4; der Ortsteil Bramstedtermoor der politischen Gemeinde Bramstedt aus der KG Bramstedt in die KG Büttel (1. Oktober 1931)5; die Landgemeinde Lübberstedt aus der KG Bramstedt in die KG Hambergen (1. Oktober 1932)6; die bisher zur KG Bramstedt gehörigen luth. Einwohner der politischen Gemeinde Stubben in die KG Beverstedt (1. Oktober 1934)7; die luth. Einwohner der politische Gemeinde Hollern in die KG Beverstedt (1. Januar 1972).8

Aufsichtsbezirk

Oboedientia Bramstedt. – Seit schwedischer Zeit gehörte Bramstedt zur Osterstadischen Präpositur bzw. Präpositur Osterstade-Vieland. Durch Neuordnung der Aufsichtsbezirke in den Hzm. Bremen und Verden kam es mit dem 1. Januar 1827 zur Insp. Hagen (mit Sitz in Sandstedt), die ab 1875 als Insp. (1924: KK) Sandstedt bezeichnet wurde. Mit Aufhebung des KK Sandstedt am 1. September 1936 in den KK Wesermünde-Geestemünde umgegliedert. 1. April 1940 KK Wesermünde-Süd.9 Seit 1. Januar 2013 KK Wesermünde.

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, vor 1939

Kirche, Grundriss, vor 1939

1750 wurde der mittelalterliche Kirchenbau abgerissen und durch einen Neubau ersetzt (inschriftlich dat.), jedoch schon am 14. April 1779 – ebenso wie das Pfarr- und Organistenhaus – durch einen Brand zerstört. Bis 1781 wurde die Kirche unter Nutzung des erhaltenen Außenmauerwerks als fünfachsige rechteckige Saalkirche aus verputztem Backsteinmauerwerk wiedererrichtet. Hölzerne Segmenttonnendecke. Hölzerne Empore an der Nord-, Süd- und Westseite. 1959/60 Renovierung nach zeitweiliger baupolizeilicher Sperrung. Weitere umfassende Renovierung und Rekonstruktion des Innenraums 1979/82 (Wiederherstellung der zuvor erheblich veränderten Emporen; Freilegung der ursprünglichen Bemalung).

Turm

Turm aus Backsteinmauerwerk an der Ostseite des Schiffs. Pyramidenhelm. Sakristei im Erdgeschoss des Turmes.

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, März 1961

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, März 1961

Ausstattung

Barocker Kanzelaltar mit Pilaster- und Säulengliederung; zwei große spätgotische Figuren des Antonius Abbas und Petrus (15. Jh.). – Gotisches Bronzetaufbecken auf vier Trägerfiguren, 1418 oder 1469 von Heinrich Klinghe, am Becken Reliefs der Kreuzigung und Taufe Christi sowie Heiligenfiguren. – Lutherbild von C. Hirschfeld (1817). – An der Südseite der Kirche eine Sonnenuhr aus Sandstein (um 1700).

Orgel

Eine barocke Orgel wurde 1787 durch den Orgelbauer M. H. Petersen (Hamburg) gebaut, 23 II/P (OW, UW), mechanische Traktur, Schleifladen.10 1917 Ausbau der Prospektpfeifen. 1920 Neubau des Werks hinter dem Prospekt von Petersen durch die Firma Faber & Greve (Salzhemmendorf), pneumatische Traktur. 1971 Neubau durch Firma Herm. Hillebrand (Altwarmbüchen) hinter dem Prospekt von Petersen, Disposition von Alfred Hoppe und Rudolf Utermöhlen, 7 I/aP. 1990 durch Gebrüder Hillebrand um UW und Pedal auf 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen, erweitert.

Geläut

Zwei LG, I: d’ (Eisenhartguss, Gj. 1946, J. F. Weule, Bockenem); II: fis’ (Margarethe, Bronze, Gj. 1780, Meister Ahlers, Bremen). – Eine SG in h’’ (Bronze, Gj. 1977) außen am Turmhelm. – Früherer Bestand: Zwei Bronzeglocken wurden in Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeliefert.

Turmuhr

1886 von J. F. Weule (Bockenem).

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof, jetzt am nördlichen Ortsrand (Wittstedter Straße). Alle Friedhöfe im Bereich der KG befinden sich in kommunaler Trägerschaft.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 2 Nr. 238-254 (Kons. Stade, Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 801 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1091-1097 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 2606-2607 (Visitationen); D 85 (EphA Wesermünde-Süd).

Literatur

A: 50 Jahre KK Wesermünde-Süd, S. 77-80; Böker, Denkmaltopographie Lkr. Cuxhaven, S. 124 f.; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 250; Kiecker/Cappelle, KD Kr. Geestemünde, S. 49-52.


Fußnoten

  1. UB Bremerhaven I, Nr. 1.
  2. KABl. 1951, S. 46.
  3. KABl. 1896, S. 26 f.
  4. KABl. 1914, S. 26 f.
  5. KABl. 1931, S. 153.
  6. KABl. 1932, S. 93.
  7. KABl. 1934, S. 160.
  8. KABl. 1972, S. 6.
  9. KABl. 1940, S. 54.
  10. LkAH, A 8/Bramstedt (Corpus bonorum).