Sprengel Stade, KK Wesermünde | Patrozinium: Maria | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Ersterwähnung 1105 in einer Urkunde des Ebf. Friedrich I. von Bremen. Seit 1974 Ortschaft der politischen Gemeinde Loxstedt. Das Dorf Büttel besteht aus einem früher oldenburgischen und aus einem bremischen, später hannoverschen bzw. preußischen Teil, von dem nur letzterer (1753: zwölf Feuerstellen) die Parochie bildet, während der oldenburgische Anteil bis heute nach Dedesdorf eingepfarrt ist. Der hannoversche Pfarrsprengel wurde im 19. Jh. um umliegende Moorsiedlungen erweitert.

Kirche, Ansicht von Nordosten, 1934 oder 1938

Kirche, Ansicht von Nordosten, 1934 oder 1938

Die Kirche wurde vor 1506 – zunächst als Kapelle der Kirche in Bramstedt – auf einer kleinen Warft inmitten des Friedhofs errichtet (Jahr durch die Glockeninschrift bezeugt). Im Stader Copiar von 1420 wird sie noch nicht genannt. Sie ist damit die jüngste unter den Osterstader Kirchen. Als erster bekannter luth. Geistlicher wirkte in Büttel P. Lippold (bis 1563), danach P. Johann Hoddersen (amt. 1564–1570), der unter der Anleitung Bugenhagens die Bibel in die niederdeutsche Sprache übertrug (Gedruckt in Lübeck 1534).1 P. Johann Friedrich Telge (amt. 1781–1822) galt als bedeutender Orientalist und veröffentlichte Aufsätze in verschiedenen wissenschaftlichen Zeitschriften. P. Paul Voß (amt. 1906–1932) engagierte sich auch politisch und saß für die DNVP im preußischen Abgeordnetenhaus.
Wegen ihres geringen Umfangs wurde die Zwergpfarre ab 1932 nicht mehr besetzt und von Stotel aus mitversehen. P. Voß wurde nach Basse versetzt. Mit dem 1. Januar 1974 wurden die KG Büttel und Stotel durch das Pfarramt in Stotel pfarramtlich verbunden.2 Die zweite Pfarrstelle der verbundenen KG wurde mit dem 1. Januar 2004 aufgehoben.3

Umfang

Nur das Dorf Büttel (hannoverscher Teil). In der ersten Hälfte des 19. Jh. kam die Ortschaften Schwegen, nachher die neu besiedelten Ortschaften Neuenlandermoor und Langendammsmoor hinzu. Mit dem 1. Oktober 1931 wurde der zur politischen Gemeinde Bramstedt gehörige Ortsteil Bramstedtermoor aus der KG Bramstedt in die KG Büttel umgegliedert.4

Aufsichtsbezirk

Oboedientia Bramstedt. – In schwedischer Zeit zur Osterstadischen Präpositur bzw. Präpositur Osterstade-Vieland. Durch Neuordnung der Aufsichtsbezirke in den Hzm. Bremen und Verden ab 1. Januar 1827 Insp. Hagen (mit Sitz in Sandstedt), ab 1875 als Insp. (1924: KK) Sandstedt bezeichnet. Nach Aufhebung des KK am 1. Oktober 1936 in den KK Wesermünde-Geestemünde eingegliedert. 1. April 1940 KK Wesermünde-Süd; seit 1. Januar 2013 KK Wesermünde.

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, vor 1938

Kirche, Grundriss, vor 1938

Dreiachsige, im Kern spätgotische, flachgedeckte Saalkirche aus Backsteinmauerwerk mit 3/6-Chorschluss (um 1500). 1717 wurde das KGb bei einer Sturmflut schwer beschädigt. Die vom Konsistorium in Stade angeordnete Schließung wurde jedoch verhindert. Mitte des 18. Jh. wurde an der Nordseite ein Brauthaus angebaut. Die Fenster wurden überwiegend im 18. Jh. erneuert und vergrößert. Instandsetzung der Kirche 1970/71.

Turm

Kleiner Westturm mit vierseitigem Zeltdach (ursprünglich 17. Jh.), 1961 und (nach einem Blitzschlag) 1971 erneuert.

Ausstattung

Gemauerter Blockaltar. Darauf ein barocker Altaraufsatz (1732), im Mittelbild die Kreuzigung, auf der Predella das heilige Abendmahl (1975/76 durch Reinhard Meyer-Graft restauriert). – Sandsteintaufe in Pokalform (erste Hälfte oder Mitte des 13. Jh.), mit einfacher Kupferschale. – Außen am südlichen Chorstrebepfeiler eine Sonnenuhr (1786).

Kirche, Blick zum Altar, um 1960

Kirche, Blick zum Altar, um 1960

Orgel

1871 Neubau durch Firma Röver (Stade), 7 I/P, mechanische Traktur, Kegellade; 1970 ausgebaut. 1973 Neubau einer Elektroorgel vom Typ Philicorda durch Firma Steiner (Bremerhaven), II/P, 16–18 Tongeneratoren, elektrische Traktur. 1991 Aufstellung eines gebrauchten Positivs aus der Auferstehungskirche in Bremervörde, gebaut 1967 durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven), 3 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Drei LG, I: b’ (Bronze, Gj. 1787, Ahlers, Bremen, aus zwei Vorgängerglocken von 1506 und 1605 gegossen); II: ges’’ (Bronze, Gj. 1961, Gebrüder Rincker, Sinn); III: as’’ (Bronze, Gj. 1961, Gebrüder Rincker, Sinn).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1825).

Friedhof

Kirchlicher Friedhof auf der Kirchwurt in Büttel.

Liste der Pastoren (bis 1940)

1564–1570 Johann Hoddersen. – 1570–1583 Henricus Hoddersen. – 1583–1658 Moritz Hoddersen. – 1658–1683 Christian Hoddersen. – 1683–1695 Paul Drosemann. – 1695–1706 Johann Büter. – 1706–1719 Gottfried Krakau. – 1719–1721 Hinrich Johann Sartorius. – 1722–1727 Friedrich Wilhelm Praetorius. – 1728–1762 Johann Hinrich Meyer. – 1763–1780 Clemens Matthias Uhlenhoff. – 1781–1822 Johann Friedr. Telge. – 1822–1829 Carl Hinrich Heemensoth. – 1829–1867 Ernst Nikolaus Dietrich Brüning. – 1868–1894 Ludwig Georg Tomfohrde. – 1894–1906 Wilhelm Held. – 1906–1932 Ubbo Paul Voß.

Angaben nach: Meyer, Pastoren I, S. 147

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 2 Nr. 314–218 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 799 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1375–1379 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 2566Digitalisat, 2567Digitalisat, 2614Digitalisat, 2615Digitalisat (Visitationen); D 85 (EphA Wesermünde-Süd).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1683
Trauungen: ab 1683
Begräbnisse: ab 1683
Kommunikanten: ab 1781 (Zahlenregister: 1692–1780)
Konfirmationen: ab 1781 (Lücken: 1801–1823, 1828)

Literatur

A: 50 Jahre KK Wesermünde-Süd, S. 81–83; Böker, Denkmaltopographie Lkr. Cuxhaven, S. 237 f.; Kiecker/Cappelle, KD Kr. Geestemünde, S. 53–56.


Fußnoten

  1. Kobbe, Geschichte und Landesbeschreibung II, S. 214 f.
  2. KABl. 1974, S. 32.
  3. KABl. 2004, S. 47.
  4. KABl. 1931, S. 153.