Sprengel Stade, KK Wesermünde | Patrozinium: Johannes der Täufer | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Ansicht von Südosten, 1951 (?)

Kirche, Ansicht von Südosten, 1951 (?)

Bexhövede liegt im Einzugsbereich von Bremerhaven und ist seit 1974 Ortsteil von Loxstedt. Bis Mitte des 14. Jh. war es Stammsitz des gleichnamigen bremischen Ministerialengeschlechts, das dort 1430 erloschen ist. Ein nach Livland ausgewanderter Zweig (von Buxhoeveden) blüht fort. Das Gut kam bereits 1347 durch Verpfändung in den Besitz der Gf. von Stotel, wurde mitsamt der Gft. nach 1350 dem Bremer Domkapitel verkauft und 1373 an den Ebf. vertauscht, der seither auch die Landeshoheit ausübte (ab 1648 mit dem Hzm. Bremen schwedisch, 1712 dänisch, 1715 an Kurhannover). Ende des 17. Jh. war das Gut Eigentum des Landrats von Lütken. 1878 wurde es parzelliert.1
Die ursprünglich der Sendkirche in Beverstedt zugehörige Gemeinde wurde Ende des 12. Jh. verselbständigt. Die Kirche wurde 1183 durch Albert, Lüder und Geltmar von Bexhövede, Dienstmannen des Erzstifts Bremen, die Kirche, gestiftet und 1184 durch Ebf. Siegfried geweiht. Stiftung und Dotierung wurden 1202 durch Ebf. Hartwich bestätigt.2 Von den vorref. Geistlichen sind Merten von der Lieth (kerchere, 1425)3, Hermann Hakemann (1529) und Hillebrand (Herbers?) (1569 und 1579) bezeugt. Die Reformation setzte sich in der zweiten Hälfte des 16. Jh. durch. Näheres ist unbekannt. Als erster luth. Prediger wird Hinrich Tecklenborch bezeichnet (1583).
Am 1. Januar 1978 wurde die KG Bramel mit der KG Bexhövede durch deren Pfarramt pfarramtlich verbunden.4

Umfang

Die Dörfer Bexhövede, Dünnefehr, Nückel und Stinstedt (teilweise), der Hof Junkernhofe. 1828 wurde die Parochie durch die Einpfarrung von Sellstedt, sowie 1886 von Donnern und Stinstedt aus der KG Beverstedt vergrößert.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des bremischen Dompropstes. – Mit Bildung des Konsistoriums 1651 zur Präpositur Bremervörde-Beverstedt, ab 1. Januar 1827 Insp. Beverstedt. Nach deren Aufhebung 1853 in die Insp. Hagen umgegliedert und mit dem 1. Mai 1867 von dort in die neu errichtete Insp. Geestendorf (3. Bremen-Verdensche Insp.).5 1874 wurde die Suptur. nach Wulsdorf verlegt und der Aufsichtsbezirk damit in Insp. (1924: KK) Wulsdorf umbenannt.6 Mit der Aufhebung des KK Wulsdorf am 1. April 1940 zum KK Wesermünde-Süd.7 Seit 1. Januar 2013 KK Wesermünde.

Patronat

Ursprünglich die von Bexhövede als Stifter der Kirche. Später wurde das Patronatsrecht dem jeweiligen Besitzer des Guts Bexhövede beigelegt (u. a. Familien von Lütken und von der Hude). 1892 aufgehoben.8

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1939

Kirche, Grundriss, 1939

Einschiffige, romanische Feldsteinkirche auf rechteckigem Grundriss. Der ursprüngliche Chor wurde im 15. Jh. zu einem gotischen Rechteckchor (Backstein auf Feldsteinfundament; Kreuzgewölbe ohne Rippen) erweitert. Der Innenraum gewölbt. 1864/65 wurde auf Veranlassung des auf Ösel (Russland) ansässigen Gf. Eugen von Buxhoeveden eine umfassende Erneuerung des Innern (Gewölbemalerei) vorgenommen und eine Empore (sogenannter Sellstedter Boden) eingebaut. 1922/23 gotisierende Ausmalung des westlichen Chorjochs (Christus in der Mandorla) durch den Kirchenmaler Bücker aus Hannover. Die Motive folgen Originalen der Andreaskirche in Verden. 1966/67 Restaurierungsarbeiten an Schiff und Turm. 1982 Ausmalung unter teilweiser Freilegung der Wandfassung von 1864.

Turm

Turm im Kern noch aus romanischer Zeit, 1580 und später mehrfach ausgebessert und 1751 mit einem Fachwerkaufsatz versehen. Ins Achteck überführte Spitze mit Wetterschwan als Bekrönung.9

Grablege

In den 1730er Jahren wurde an der Nordseite der Kirche das Erbbegräbnis der Familie von Lütken angebaut, das später auch von der verwandten Familie von Scheiter genutzt wurde. Es wurde 1931 verkauft und aufgelassen, die Bestattungen auf den Friedhof umgebettet. Der Anbau wurde 1936 abgerissen. Beigesetzt waren dort u. a. Joachim Christoph Lütken, Landrat der Bremischen Ritterschaft, Erbherr zu Alten Luneberg, Bexhöverde und Nückel († 1737); Justizrat August Ulrich von Scheither († 1772), dessen Ehefrauen Else Marie, geb. von Düring († 1748) und Amalia Gertrud Elisabeth († 1771).

Kirche, Blick zum Altar, 1951 (?)

Kirche, Blick zum Altar, 1951 (?)

Ausstattung

Aus Backstein gemauerter Stipes, 1967 aus Klosterformat-Ziegeln neu aufgemauert. Mensa aus Obernkirchener Sandstein. Eine von der Familie von Buxhoeveden finanzierte hölzerne Altarwand (1864) mit einer Grablegung im Mittelbild und den Evangelisten an den Seiten wurde im Zuge der Erneuerung beseitigt. – Hölzerne Kanzel, 1864 ebenfalls durch die von Buxhoeveden beschafft. In den Füllungen ursprünglich gemalte Darstellung von Reformatoren (1922/23), jetzt die ehemalig Altarfiguren. – Zylindrische Taufe aus Obernkirchener Sandstein mit Messingschale und -deckel. – Die Füllungen der Emporenbrüstung teilweise inschriftlich gestaltet, teilweise mit bildlichen Darstellungen (Geburt Christi, Opferung Isaaks, der Groschen der armen Witwe). – An der Ostwand des Chors über dem Altar ein Kruzifix von 1700. – An der Choraußenwand Grabplatte aus dem früheren Erbbegräbnis der von Lütken und von Scheither (1738).

Orgel, nach 1973

Orgel, nach 1973

Orgel

Die erste Orgel in Bexhövede soll eine ehemalige Theaterorgel aus St. Petersburg gewesen sein, die 1864/65 von der Familie von Buxhoeveden gestiftet wurde.10 1934 Neubau des Werks durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 12 Reg. 1952 unter Denkmalschutz gestellt.11 1973 Neubau durch Firma Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen), 9 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: a’ (Marienglocke, Bronze, Gj. 1475); II: h’ (Bronze, um 1350, 1751 nach Beschädigung umgegossen). – Eine weitere LG in einem Glockenträger des Gemeindehauses in Sellstedt (Bronze).

Weitere kirchliche Gebäude

1754 erhielt die KG ein neues Pfarrhaus, das 1836 im Wohnteil umgebaut wurde. 1975 erfolgten eine Teilrenovierung, der Abbruch des baufälligen Scheunenteils und Bau des heutigen Fachwerkgiebels als östlicher Abschluss. An weiteren Gebäuden verfügt die KG über ein Küsterhaus mit Gemeindesaalanbau (Bj. 1888, erweitert 1979), ein Gemeindehaus in Sellstedt (Bj. 1985/90) sowie einen KiGa/eine KiTa (Bj. 1972, 1996 erweitert).

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof; jetzt am nordöstlichen Ortsrand (Lindenallee). Der neue Friedhof wurde 1906 eröffnet; auf dem alten sind keine Grabsteine erhalten. Die Verwaltung liegt bei der Gemeinde Loxstedt.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 2 Nr. 196-205 (Kons. Stade, Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 946 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 804-809 (Pfarrbestellungsakten); A 9 Nr. 2602-2603 (Visitationen); D 85 (EphA Wesermünde-Süd).

Literatur

A: 50 Jahre KK Wesermünde-Süd, S. 68-72; Kiecker/Cappelle, KD Kr. Geestemünde, S. 39-43; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 222; Böker, Denkmaltopographie Lkr. Cuxhaven, S. 230-232.
B: Karl Steenken: Die Geschichte der Kirche, in: Chronik aus Anlass des 800jährigen Bestehens der Johannes-der-Täufer-Kirche, Loxstedt 1982, S. 2-52; Kurt-Ludwig Wiedenroth: 800 Jahre Kirche in Bexhövede, in: Chronik aus Anlass des 800jährigen Bestehens der Johannes-der-Täufer-Kirche, Loxstedt 1982, S. 53-62.


Fußnoten

  1. Kiecker/Cappelle, KD Kr. Geestemünde, S. 38.
  2. UB Bremerhaven I, Nr. 13.
  3. UB Neuenwalde, Nr. 139.
  4. KABl. 1978, S. 5.
  5. LkAH, D 63, Gen. Lehe Rep. A 140.
  6. NLA HA, Hann 122a, Nr. 3733.
  7. KABl. 1940, S. 54.
  8. Steenken, S. 29.
  9. Lübben, Wetterschwäne, S. 37.
  10. Steenken, S. 17.
  11. KABl. 1952, S. 160.