Sprengel Stade, KK Wesermünde | Patrozinium: Fabian [Papst] und Sebastian | KO: Keine Kirchenordnung

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Orts- und Kirchengeschichte

Die ältesten Mitteilungen über den Ort im nördlichen Teil des Gaus Wigmodi entstammen der Lebensbeschreibung des heiligen Willehad von Ansgar von Bremen um 860. Die urkundliche Ersterwähnung datiert von 1229. Beverstedt war Mittelpunkt der gleichnamigen Börde am nördlichen Rand der Luneniederung und hatte spätestens seit dem letzten Viertel des 17. Jh. Marktrecht. Landesherren waren seit dem 11. Jh. die Ebf. von Bremen. Im Westfälischen Frieden fiel die Börde Beverstedt an Schweden. 1712 dänisch. 1715 an Kurhannover (Amt Beverstedt, bis 1859).

ehem. Kirche, Ansicht von Süden, 1837, Tuschezeichnung von stud. theol. Friedrich Wilhelm Wiedemann

ehem. Kirche, Ansicht von Süden, 1837, Tuschezeichnung von stud. theol. Friedrich Wilhelm Wiedemann

Beverstedt soll schon zu Zeiten des heiligen Willehad Ende des 8. Jh. über eine hölzerne FKap verfügt haben. Jedenfalls war die den Heiligen Maria, Petrus, Fabian und Sebastian geweihte Kirche eine der ältesten der Diözese Bremen (Sendkirche). 1324 erscheint unter den Geistlichen Thidericus plebanus in Beverstede1; 1331 Alexander Todranc (plebanus)2; 1349 der Pfarrer Burchard (überträgt dem Kloster Heiligenrode ein Zehntrecht)3; 1381 Hinrich von dem Wolde (rector ecclesie in Beverstede, noch 13914); 1424 Johannes Varlen.5 Die Pfründeinhaber waren wohl zumeist Angehörige des Bremer Domkapitels, die sich durch Mietgeistliche vertreten ließen. Die luth. Lehre wurde 1541 durch P. Alexander Grave († 1558) eingeführt, dem sein Sohn Hinrich Grave († 1582) im Amt nachfolgte. 1709 wurde P. Johann Vogt zum Propst gewählt. Seither waren fast alle Pfarrer in Beverstedt auch Pröpste. Unter den nachref. Geistlichen ist besonders Johann Hinrich Pratje (amt. 1776–1789) hervorzuheben, ein Sohn des gleichnamigen GSup.

Kirche, Ansicht von Nordosten, 1950

Kirche, Ansicht von Nordosten, 1950

Beverstedt gehörte in der NS-Zeit zunächst zu den Gemeinden, die unter dem Einfluss der DC standen. Der 1933 gewählte KV bestand ausschließlich aus Nationalsozialisten. P. Georg Fiedler (amt. 1927–1933), auch Mitglieder der NSDAP, gehörte 1934/35 als kommissarischer Landespropst für den Sprengel Lüneburg-Harburg zur Führungsriege der DC innerhalb der hannoverschen Landeskirche (später Prof. der Theologie an der Universität Kiel). Sein Nachfolger, P. Herbert Prick (amt. 1935–1942), gehörte zunächst ebenfalls der NSDAP an, wurde aber 1937 aus der Partei ausgeschlossen. Er war Mitglied der hochkirchlichen Bewegung. Auch P. Friedrich Bremer (1942/43–1957) war Parteimitglied, bevorzugte aber keine der beiden kirchenpolitischen Gruppen. Nach 1937 geriet die Gemeinde zunehmend unter Beobachtung staatlicher Stellen. 1939 wurde P. Prick unter dem Vorwand finanzieller Unregelmäßigkeiten zeitweilig suspendiert.
Die Nachkriegsjahre brachten ein stetiges Bevölkerungswachstum mit sich. Mit dem Bau eines Gemeindezentrums in Lunestedt/Freschluneberg (1965/66) erhielt die Gemeinde einen zweiten Mittelpunkt. Nach der Errichtung der dritten Pfarrstelle (1969) wurde sie in die Bezirke Nord, Süd und Lunestedt neu eingeteilt. Zum Bezirk Lunestedt wurden auch die 1972 nach Beverstedt umgegliederten Lutheraner von Hollern geschlagen.6 Nach Vollendung des Gemeindezentrums mit Kirche und Pfarrhaus wurde Lunestedt 1987 aus der KG Beverstedt gelöst und verselbständigt.
Zum 1. Mai 1993 erhielt die KG Beverstedt eine weitere Pfarrstelle, die mit dem Amt des Sup. des Kirchenkreises Wesermünde-Süd verbunden wurde.7 Seit 2002 besteht eine Stiftung zur Unterstützung der Gemeindearbeit.

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1. April 19488. – II: 1. Januar 19699, 1987 an die KG Lunestedt, 1. Mai 1993 als Suptur.-Pfarrstelle des KK Wesermünde-Süd neu errichtet.

Umfang

Die Größe des Pfarrsprengels, der ursprünglich die gesamte Börde Beverstedt umfasste, führte sukzessive zur Abtrennung selbständiger Parochien in der Peripherie: 1182/83 Bexhövede (Verselbständigung), um 1340 Kirchwistedt (Bau der Kirche durch die Gf. von Stotel), 1371 Loxstedt (Bau einer Kapelle durch die Familie Nagel auf Gut Kückel, seit 1451 eigenständige Pfarrkirche), Kuhstedt (Kapelle, um 1450 Pfarrkirche). 1581 schließlich, also schon nach der Reformation, folgte der Bau der Kirche in Altluneberg. Mitte des 18. Jh. umfasste das Ksp. Beverstedt trotzdem noch 31 Dörfer und vier einstellige Höfe.10 Bestand 1823: der Flecken Beverstedt, die Dörfer Adelstedt, Appeln, Beverstedtermühlen, Brunshausen, Deelbrügge, Dohren, Donnern, Elfershude, Frelsdorf, Freschluneberg, Geestenseth, Heerstedt, Hellingst, Heyerhöfen, Lohe, Meyerhof, Osterndorf, Oldendorf, Paddewisch, Steden, Stinstedt (teilweise), Sellstedt, Taben, Wellen, Westerbeverstedt, Wachholz, Wehdel, Wehldorf und Wollingst, die Höfe Abelhorst, Böcken, Hofkesch und Malse. Der Umfang des Ksp. wurde im 19. und 20. Jh. mehrfach verändert. 1830 wurde Sellstedt, 1886 Donnern und Stinstedt von Beverstedt nach Bexhövede umgepfarrt.11 Wehdel und Geestenseth kamen im gleichen Jahr von Beverstedt nach Altluneberg.12 Zum 1. Oktober 1934 wurden die luth. Bewohner der Gemeinde Stubben, soweit sie bisher zur KG Bramstedt gehörten, in die KG Beverstedt umgepfarrt.13 Eine Verkleinerung erfuhr die KG am 1. Juni 1961 durch die Umpfarrung der luth. Bewohner der politischen Gemeinde Frielsdorf und des Wohnplatzes Malse der politischen Gemeinde Appeln in die KG Hipstedt14 und am 1. Oktober 1987 durch die Verselbständigung der KG Lunestedt (mit den politische Gemeinden Lunestedt und Hollen).15

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des bremischen Dompropstes. – Unter schwedischer Herrschaft 1651 zur Präpositur Bremervörde. Bei der Neuordnung der Aufsichtsbezirke in den Hzm. Bremen und Verden wurde zum 1. Januar 1827 eine Insp. Beverstedt gebildet; diese 1853 aufgehoben und Beverstedt der Insp. Hagen, ab 1. Mai 1867 der neu errichteten Insp. Geestendorf zugelegt.16 1874 wurde die Suptur. nach Wulsdorf verlegt, damit Insp. (1924: KK) Wulsdorf.17 1. Januar 1940 KK Wesermünde-Süd (ab 1993 wieder mit Suptur. in Beverstedt). Seit 1. Januar 2013 KK Wesermünde.

Patronat

Der Bremer Domscholaster (genannt 1420).18 Die von Luneberg versuchten erfolglos, sich das Patronatsrecht anzueignen. Nach der Reformation der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, 1950, Postkarte

Kirche, Blick zum Altar, 1950, Postkarte

Eine romanische Feldsteinkirche aus der Zeit um 1050 wurde Mitte des 12. Jh. um einen gotischen Anbau aus Ziegelmauerwerk nach Osten erweitert und nachträglich an der Westseite um einen Turm ergänzt (1590 bei einem Blitzschlag niedergebrannt). Wegen des desolaten Zustands gab es seit Mitte des 18. Jh. Bemühungen um einen Abbruch und Neubau der Kirche. Das Konsistorium hatte die Gemeinde schon um 1755 zu entsprechenden Maßnahmen aufgefordert, scheiterte aber – ebenso wie 1771/75 und 1802/02 – wegen der Kosten am Widerstand der Einwohner von Beverstedt. Erst 1849/51 kam es zum Bau einer neuen spätklassizistischen Backsteinsaalkirche in romanisierenden Formen mit Querhaus und Chornischenanbau im Westen (Entwurf: Landbaumeister E. A. Giesewell, Stade; Einweihung 2. November 1851). Der Innenraum ist flachgedeckt und hat im Osten und an den beiden Längsseiten Emporen auf gusseisernen Säulen. 1922 Renovierung und Neuausmalung durch den Kirchenmaler Bücker (Hannover). Am 18. April 1945 wurde die Kirche durch Kriegshandlungen leicht beschädigt, aber bald darauf instandgesetzt. Anfang der 1960er Jahre wurde die Bückersche Ausmalung beseitigt und bei einer weiteren Innenrenovierung 1997/98 die ursprüngliche Farbfassung wiederhergestellt.

Turm

Doppelturmfassade im Osten. Zwischen den Türmen eine Eingangshalle mit Treppenhäusern.

Grablege

Unter dem Altarraum der alten Kirche befand sich ein Grabgewölbe für Pfarrer und Angehörige des Ortsadels.

Ausstattung

Kanzelaltarwand mit seitlichen Durchgängen aus der Erbauungszeit der Kirche. Auf dem Schalldeckel Christus mit der Siegesfahne. – Auf dem Stipes Reste eines spätgotischen Schnitzaltars (Mitte 15. Jh., vermutlich von einem Stader Meister. Im Mittelschrein die Kreuzigung, auf den Flügeln Geburt Christi und Anbetung der Könige. Predella vom Anfang des 18. Jh. mit durchbrochenem Schnitzwerk. Die einzelnen Teile waren ursprünglich in die Kanzelaltarwand integriert und wurden erst in den 1960er Jahren neu zu einem Flügelaltar zusammengestellt. – Kanzel, oberhalb des Altars, 1861 beim Neubau der Kirche hergestellt. Als Bekrönung des Schalldeckels der triumphierende Christus. – Taufbecken aus Bronze (Mitte 13. Jh.). Das Taufbecken diente längere Zeit als Stundenglocke der Kirchenuhr. 2001 durch die Künstlerin Julia Steinmann um einen neuen Fuß (Lebensbäume) ergänzt. – Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. – Pastorenporträts, darunter Propst Johannes Vogt († 1737) und Sup. Wiedemann († 1866, 1869 von Hofmaler Carl Boestelmann).

Orgel

Auf der Ostempore der Kirche, älteste Bauteile um 1600. War um 1700 abgängig. 1708/09 Neubau durch die Werkstatt von Arp Schnitger (Hamburg). Die Ausführung übernahm Schnitgers Geselle Gregor Struve, wohl 18 II/aP, mechanische Traktur, Schleifladen (vorgeschlagene Disposition). Instandsetzungen nahmen 1755/56 Dietrich Christoph Gloger (Stade), 1786 Georg Wilhelm Wilhelmy (Stade), 1795 Johann Wolfgang Witzmann (1795) sowie 1803 und 1821 Johann Georg Wilhelmy (Stade) vor. 1848 Abbau der Schnitger-Orgel beim Neubau der Kirche. 1851 Neubau durch Peter Tappe (Verden) unter Verwendung von sieben Reg. aus der Vorgängerorgel, 8 II/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. 1857 Umbau durch Johann Hinrich Röver (Stade). 1965/66 Überholung, Ergänzung und Neuintonierung durch die Firma Schmidt & Thiemann (Hannover) nach Dispositionsentwürfen von KMD Alfred Hoppe (Verden), 24 (26) II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen.19 Prospekt vom 1966. Die Orgel enthält noch Stimmen aus der Arp-Schnitger-Orgel. 1999 Restaurierung durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen). – Denkmalorgel.20

Geläut

Zwei LG, I: d’ (Bronze, Gj. 1596, Bartholomäus Arckow); II: g’ (Bronze, Gj. 1751, Joh. Andreas Bieber, Hamburg). – Zwei SG, I: h’’ (Bronze, Mitte 20. Jh.); II: dis’’’ (Bronze, Mitte 20. Jh.). – Vier weitere LG im Gemeindezentrum Lunestedt-Freschluneberg, I: fis’; II: a’; III: e’’; IV: gis’’ (alle Bronze, Gj. 1966, Gebrüder Rincker, Sinn).

Weitere kirchliche Gebäude

Altes Pfarrhaus, 1866 abgerissen. Neubau. – Ehemalige Pfarrscheune, zum Kreisjugendheim umgebaut. – Gemeindehaus (1973).

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof (einzelne Grabsteine erhalten, u. a. Sup. Wiedemann, † 1866). 1849 außerhalb des Fleckens im „kleinen Mürken“ neu angelegt (heute am südlichen Ortsrand). In Trägerschaft der Kommune.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 178–195 (Kons. Stade, Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 944 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 799–803 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 2601 (Visitationen); D 85 (EphA Wesermünde-Süd).

Literatur

A: 50 Jahre KK Wesermünde-Süd, S. 62–67; Böker, Denkmaltopographie Lkr. Cuxhaven, S. 119–121; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 222; Fock, Schnitger, S. 97 f.; Topp/Pape, Tappe, S. 58 f.
B: 125 Jahre Kirche Beverstedt, o. O. [1976]; 150 Jahre Fabian- und Sebastian-Kirche Beverstedt, hrsg. vom Kirchenvorstand der Ev.-Luth. Fabian-und-Sebastian-Gemeinde Beverstedt, [Beverstedt 2001]; Hans Aust: Die Samtgemeinde Beverstedt in Gegenwart und Vergangenheit, Bremerhaven 1983; Ernst: Die Prediger der Gemeinde Beverstedt (Kirchenkreis Wulsdorf) seit der Reformation, in: ZGNK 32/33 (1927/28), S. 289 f.


Fußnoten

  1. Westfälisches UB X, Nr. 930.
  2. Regesten Ebf. Bremen II,2, Nr. 423.
  3. LkAH, D 10, Nr. 144.
  4. UB Verden III, Nr. 163.
  5. UB Zeven, Nr. 136.
  6. KABl. 1972, S. 6.
  7. KABl. 1993, S. 104.
  8. KABl. 1948, S. 15.
  9. KABl. 1969, S. 15.
  10. Aust, S. 30.
  11. KABl. 1886, S. 90.
  12. KABl. 1886, S. 86; LkAH, A 5, Nr. 944.
  13. KABl. 1934, S. 160.
  14. KABl. 1961, S. 111.
  15. KABl. 1987, S. 124 f.
  16. LkAH, D 63, Gen. Lehe Rep. A 140.
  17. NLA HA, Hann 122a, Nr. 3733.
  18. Hodenberg, Stader Copiar, S. 74.
  19. LkAH, B 1, Nr. 360 (Orgelbogen).
  20. KABl. 1952, S. 160; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).