Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: Martin Luther | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Die nach Ende des Zweiten Weltkriegs stark angewachsene Bevölkerung und der Ausbau der Kaliindustrie führten zu einem regen Wohnungs- und Siedlungsbau in Bad Salzdetfurth. Die Kirchengemeinde legte daher 1952 „hoch auf dem Berge inmitten eines völlig neu entstehenden Stadtteils“ südlich des alten Ortskerns den Grundstein für eine zweite Kirche. Es sei eine Herausforderung, „diese aus allen Teilen Deutschlands zusammenströmenden Kalibergarbeiter und Angestellten“1 in einer Gemeinde zusammenzubringen. Die größte Gruppe unter den Gemeindegliedern war die der „Ostvertriebenen“.2 Einen ersten signifikanten Bevölkerungsrückgang erlebte die Gemeinde in der ersten Hälfte der 1970er Jahre, da im Kalibergwerk wegen Rationalisierungen „viele Arbeitsplätze eingespart“ wurden.3
Die Pläne für die Kirche auf dem Dörenberg hatte Konsistorialbaumeister Ernst Witt entworfen. Ähnlich wie die St.-Timotheus-Kirche in Hildesheim (Architekt ebenfalls Ernst Witt), war die Martin-Luther-Kirche fertiggestellt, bevor ihre Umgebung bebaut war.4 Im März 1954 weihte LSup. Rudolf Detering die Kirche ein.5 Zwei Jahre später erhielt die Gemeinde Bad Salzdetfurth eine Pfarrstelle für die neue Kirche und den neuen Pfarrbezirk.6 P. Herbert Weisbrich (amt. 1956–1979) war der erste Geistliche der Gemeinde, zuvor hatte der Pfarrer aus Wehrstedt den Südbezirk Bad Salzdetfurths mitbetreut. Zum 1. April 1958 gründete sich schließlich die Martin-Luther-Kirchengemeinde Bad Salzdetfurth.7 Bei der ersten Visitation der jungen Gemeinde im Oktober 1958 bezeichnete der Sup. die Martin-Luther-Kirche als „Meisterwerk der Architektur“, eine „ganz neue, helle, luftige, praktisch gebaute Kirche“; der Bau eines Gemeindezentrums „wäre hier Ausdruck sektenhafter Enge gewesen“.8 Die Räume des Gemeindehauses beherbergten anfangs auch den ev. Kindergarten, bevor dieser 1964/65 ein eigenes Gebäude neben der Kirche erhielt. Bereits 1953 hatte sich ein Posaunenchor gegründet, der sich (mit einer Unterbrechung von 1976 bis 1981) zu einem Schwerpunkt der umfangreichen kirchenmusikalischen Arbeit in der Martin-Luther-Gemeinde entwickelte.9
Wenige Jahre nach der Gemeindegründung weihte die kath. Gemeinde Bad Salzdetfurth nahe der Martin-Luther-Kirche 1961 ihre Kirche „Zur heiligen Familie“ ein. Das Verhältnis zwischen den beiden Konfessionen beschrieb der Sup. 1964 als ein „gutes und persönlich freundliches“.10 Knapp zwei Jahrzehnte nach Gründung der Martin-Luther-Gemeinde stellte der Sup. 1976 fest, dass „aus der bunt zusammengewürfelten Schar Menschen“ eine Gemeinde geworden sei, die „durch die christozentrische Verkündigung ihres Pastors geprägt“ sei.11
Wegen der sinkenden Gemeindegliederzahl beschloss der Kreiskirchentag 1994, die Martin-Luther-Gemeinde Bad Salzdetfurth pfarramtlich mit der St.-Andreas-Gemeinde Wehrstedt zu verbinden. Nachdem die Kirchenvorstände zugestimmt hatten, begann diese Verbindung mit dem 1. Oktober 1995, Sitz des Pfarramts war Bad Salzdetfurth.12 Bereits zum 1. August 2001 endete die pfarramtliche Verbindung der beiden Gemeinden wieder und die Martin-Luther-Gemeinde verband sich stattdessen mit der KG St.-Georg in Bad Salzdetfurth.13 Zusammen gründeten sie 2009 die „Ev.-luth. Kirchenstiftung Bad Salzdetfurth“, die unter dem Motto „Traditionen bewahren – Zukunft gestalten“ die kirchliche Arbeit der beiden Gemeinden unterstützen soll. Drei Jahre später fusionierten die St.-Georgs-Kirchengemeinde und die Martin-Luther-Kirchengemeinde zum 1. Januar 2012 zur neuen „Ev.-luth. Kirchengemeinde Bad Salzdetfurth“.14

Umfang

Der südliche Teil der Stadt Bad Salzdetfurth.

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der KG 1958 zum KK Bockenem. Zum 1. April 1976 fusionierte dieser mit KK Hoheneggelsen, zum 1. Januar 1978 umbenannt in KK Bockenem-Hoheneggelsen.15 1. Januar 2005 KK Hildesheimer Land.16 Ab 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld.17

Kirchenbau

Verputzter Rechteckbau mit östlich anschließendem Winkelbau (Gemeindehaus), erbaut 1952–54, Architekt: Ernst Witt. Satteldach, rundbogige Fenster an den Längsseiten, kleine Anbauten im Nord- und Südosten (Haupt- und Nebeneingang). Gemeindehaus mit Satteldach, Dachgauben, Rechteckfenstern. Im Innern flache Decke, in der Mitte höher als an den Seiten, mit sichtbaren, hölzernen Querbalken; westlicher, etwas schmalerer Altarraum (unter dem Turm), mit Vorhang vom Schiff abtrennbar; Ostempore mit Orgel. Sanierung 1998.

Turm

Rechteckiger, verputzter Westturm, schmaler als Kirchenschiff. Satteldach, darauf verkupferter, viereckiger Dachreiter mit geschweifter Haube und Uhrziffernblättern an allen vier Seiten, bekrönt mit Kugel und Wetterhahn. Rundbogige Schallöffnungen im Glockengeschoss; Rechteckfenster im Obergeschoss, hohe Rundbogenfenster im Erdgeschoss (Altarraum). Turmuhr (Firma Weule, Bockenem), Stiftung der Stadt Bad Salzdetfurth.

Ausstattung

Schlichter, hölzerner Altartisch. – Großer, hochrechteckiger Wandteppich als Altarbild (Else Mögelin, Hamburg), verwobene Darstellung des gekreuzigten und auferstandenen Christus; Stiftung der Salzpfännergilde. – Niedrige Holzkanzel in Südwestecke des Kirchenschiffs. – Schlichter Taufstein in Nordwestecke des Kirchenschiffs. – Kleines Wandrelief hinter Taufstein (1967, Eva Limberg, Bielefeld), Taube kehrt mit Ölzweig zur Arche zurück.

Orgel

Neubau der Firma Emil Hammer Orgelbau (Hannover), erster Bauabschnitt 1957, zweiter Bauabschnitt 1962/63 (Opus 1417): 17 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.18 Restaurierung 1997, Orgelbauwerkstatt Franz Rietzsch (Hemmingen).

Geläut

Drei LG, I: fis’, Beerdigungsglocke, Inschrift: „Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen“, Bild: Kreuz; II: gis’, Inschrift: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort“, Bild: Stadtwappen; III: h’, Taufglocke, Inschrift: „Wer da glaubet, der wird selig werden“, Bild: Kreuz über der Weltkugel (alle Bronze, Gj. 1953, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg). Stiftung der Kaliwerke Salzdetfurth AG, Disposition 1952 von Glockenrevisor Wilhelm Drömann vorgeschlagen.19

Weitere kirchliche Gebäude

Kindergarten (Bj. 1964/65, Winkelbau mit Walmdach, neben der Kirche). – Pfarrhaus (Bj. 1956/57, etwa 2010 verkauft). – Küsterhaus, Wohnhaus (Bj. um 1930, 1966 an KG vererbt).

Friedhof

Kein kirchlicher Friedhof.

Literatur

50 Jahre Martin-Luther-Kirche Bad Salzdetfurth. 1954–2004, hrsg. vom Kirchenvorstand der Ev.-luth. Kirchengemeinde Martin-Luther, Bad Salzdetfurth 2004.

GND

16102919-X, Evangelisch-Lutherische Martin-Luther-Kirchengemeinde (Salzdetfurth)


Fußnoten

  1. Beide Zitate: LkAH, L 5h, unverz., Bad Salzdetfurth St. Georg, Visitation 1953.
  2. LkAH, L 5h, unverz., Bad Salzdetfurth Martin-Luther, Visitation 1958; ebd., Visitation 1964: „90% sind Zugezogene, zum grössten Teil Heimatvertriebene, zum kleineren Teil aus der Umgebung oder aus ganz Westdeutschland. Grösstenteils arbeiten sie im Salzdetfurther Kaliwerk oder den sonstigen technischen Betrieben in der Stadt.“
  3. LkAH, L 5h, unverz., Bad Salzdetfurth Martin-Luther, Visitation 1976: 1970 etwa 2.600 Gemeindeglieder, 1976 knapp 2.000.
  4. 50 Jahre, S. 3.
  5. 50 Jahre, S. 9;
  6. KABl. 1956, S. 9.
  7. KABl. 1958, S. 95.
  8. LkAH, L 5h, unverz., Bad Salzdetfurth Martin-Luther, Visitation 1958.
  9. 50 Jahre, S. 17 f.
  10. LkAH, L 5h, unverz., Bad Salzdetfurth Martin-Luther, Visitation 1964.
  11. LkAH, L 5h, unverz., Bad Salzdetfurth Martin-Luther, Visitation 1976.
  12. KABl. 1995, S. 124; LkAH, L 5h, unverz., Bad Salzdetfurth Martin-Luther, Visitation 1994.
  13. KABl. 2001, S. 179.
  14. KABl. 2012, S. 25 f.
  15. KABl. 1977, S. 36 und 145.
  16. KABl. 2005, S. 5 ff.
  17. KABl. 2011, S. 70 ff.
  18. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 162.
  19. LkAH, L 5h, unverz., Bad Salzdetfurth, Visitation 1953; 50 Jahre, S. 10.