Frühere Gemeinde | Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Rhauderfehn | Patrozinium: – | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Ansicht von Südwesten, 1958 (?), Foto: Karl Linde, Turmspezialist, Berlin

Kirche, Ansicht von Südwesten, 1958 (?), Foto: Karl Linde, Turmspezialist, Berlin

Für den Ort im Jümminger Hammrich (seit 1973 Ortsteil der Gemeinde Detern; früher zum Amt Stickhausen) ist die Existenz einer mittelalterlichen Kirche bislang nicht gesichert. Die Bewohner des Gemeindegebiets hielten sich zur KG Leer. Anders als in in Alt-Filsum oder Alt-Potshausen scheint die Orstlage unverändert und eine ältere, infolge zunehmender Bodenvernässung aufgegebene Kirchstätte scheint nicht zu existieren.1 Der erste Nachweis einer Parochie findet sich um 1475 im münsterischen Pfarreiregister.2 1523 wird mit her Wyppo, Pastor in den Wolde, der erste Geistliche genannt. Die Reformation wurde anscheinend zwischen 1528 und 1584 eingeführt, als ein Antonius Pastor in Amdorf war. Über die konfessionelle Ausprägung des kirchlichen Lebens zu dieser Zeit ist nichts bekannt. P. Jusquinus Dorche (amt. etwa 1584-1593) unterzeichnete zwar die ref. Leeraner Coetusordnung, die Gf. Johann II. im September 1583 erlassen hatte. Aber nach dem Tod des ref. Gf. Johann im Jahr 1591, fiel sein Herrschaftsgebiet an seinen luth. Bruder Gf. Edzard II. und die Dörfer des Amtes Stickhausen blieben oder wurden luth.3 An Stelle des einsturzgefährdeten Vorgängerbaus ließen Harmen Uhlrichs und Egge Ehrhards 1769 ein neues Kirchenschiff errichten (Anbau des Glockenturms erst 1870).
1926 wurden die Vakanzstellen Amdorf und Neuburg zusammengefasst und mit dem 1. Januar 1975 beide Gemeinden zur KG Amdorf-Neuburg vereinigt.4 Das Pfarrhaus in Amdorf wurde 2001 verkauft, das 1910/11 errichtete Küsterhaus zu Gemeinderäumen umgestaltet.

Umfang

Die Dörfer Amdorf, Wiltshausen und Wolde; die Landgüter Bonhausen und Tammingaburg, die Kolonie Buddenberg und die Höfe Stindtryk.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Friesland (Propstei Leer) der Diözese Münster. – Amdorf unterstand von 1631 bis 1643 dem Coetus Aurich und nach dessen Aufhebung ab 1643 unmittelbar dem luth. Konsistorium in Aurich. Nach der Insp.-Ordnung von 1766 kam es zur Insp. des Amts Stickhausen bzw. zur 6. luth. Insp. in Ostfriesland, später 5. luth. Insp. in Ostfriesland, ab 1924 KK Potshausen (1. September 1974 umbenannt in KK Rhauderfehn).5

Patronat

Genossenschaftspatronat der Gemeinde (Interessentenwahlrecht).

Kirchenbau

Vierachsige Backsteinsaalkirche auf rechteckigem Grundriss unter schiefergedecktem Satteldach (1769). Rundbogenfenster. Innenraum durch eine flachgewölbte Tonnendecke geschlossen. 1974 renoviert.

Turm

Westturm mit achtseitigem verschiefertem Spitzhelm (1870). Wetterschwan als Bekrönung.6

Altaraufsatz von 1911, 1958 (?), Postkarte, Foto: Heinz Liegmann, Leer

Altaraufsatz von 1911, 1958 (?), Postkarte, Foto: Heinz Liegmann, Leer

Ausstattung

Flügelaltar mit gemalten Szenen des NT (im Zentrum das Abendmahl, auf den Flügeln die Verkündigung und Geburt Jesu, Anbetung der Könige; unter der Abendmahlsszene die vier Evangelisten, darüber Bilder aus der Kreuzigungs- und Pfingstgeschichte), datiert 1695; gestiftet durch Oltmann Hayen und seine Frau Ette Ulfers. Ein neueres Altarbild (Kreuzigungsszene nach dem Johannesevangelium, 1911) hängt jetzt über dem westlichen Eingang. – Kanzel auf kanneliertem Balusterfuß (1658), am Korb Reliefs der vier Evangelisten; von Tönnies Maler (Leer). – Schlichte, pokalförmige, achteckige Sandsteintaufe mit Bemalung (erste Hälfte 17. Jh.7 oder 1850/708). – Kronleuchter (1674). – Holztafel mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Ein Ehrenmal für die Toten des Zweiten Weltkriegs befindet sich außen vor dem Ostgiebel.

Orgel

Auf der Ostempore über dem Altar, erbaut 1773 von Heinrich Wilhelm Eckmann (Quakenbrück), 8 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen; Rokokoprospekt. 1821/22 Reparatur und Veränderung der Disposition durch Wilhelm Eilert Schmid (Leer). 1881 Einbau eines weiteren Registers (Subbaß 16’) durch unbekannten Orgelbauer. 1890 Instandsetzung durch Johann Diepenbrock (Norden). 1906 grundlegender Umbau und Umdisponierung durch Johann Martin Schmid (Oldenburg), 9 I/aP. 2003/04 Restaurierung durch die Firma Orgelbau in Ostfriesland GmbH & Co von Martin ter Haseborg (Südgeorgsfehn), 9 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. – Seit 1952 unter Denkmalschutz.9

Geläut

A.: Zwei LG, I: fis’ (Bronze, Gj. 1826, Ludwig Corinus, Königsberg i. Pr.; Patenglocke aus Eisenberg, Kr. Heiligenbeil)10; II: gis’ (Bronze, Gj. 1832, C. Fremy, U. van Bergen, Stiekelkamperfehn; Umguss aus einer älteren Glocke). Beide Glocken wurden 1970 aus Leer übernommen. – Früherer Bestand: Nach dem Bau des Glockenturms 1870 Umguss einer vorhandenen älteren Glocke durch Andreas van Bergen (Stiekelkamperfehn). Neuguss einer zweiten LG (Bronze, Gj. 1876, Fa. Rincker, Sinn). Beide Glocken wurden im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeliefert. Zwei LG, I: e’; II: g’; beide: Eisen, Gj. 1922, Firma Ulrich & Weule, Apolda-Bockenem; wurden 1969 stillgelegt. Eine von beiden steht heute am Haupteingang der Kirche.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 8 (CB); A 12 d (GSuptur. Aurich).

Quelle

Mitteilung Hermann Aeikens (Vorsitzender des KV) vom 22. Januar 2016.

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 130; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 55 f.; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 26 f.; Müller-Jürgens, Vasa sacra S. 367.
B: Festschrift zur Wiedereinweihung der Kirche und der Orgel zu Amdorf sowie der Einweihung der neuen Gemeinderäume, hrsg. von der Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Amdorf-Neuburg, [Amdorf-Neuburg] 2004; Menno Smid: Aus der Geschichte der Kirche in der politischen Gemeinde Detern, in: Hajo van Lengen (Hg.): Im Spiegel der Jahrhunderte. Detern. Stickhausen. Neuburg. Amdorf, [um 1976], S. 21-44.


Fußnoten

  1. Smid, S. 23. Anders: Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 37.
  2. Ostfriesisches UB II, Nr. 961.
  3. Smid, S. 26 f.; Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 341 f. und 445. Nach Smid ist davon auszugehen, dass die Gemeinde schon im 16. Jh. eher luth. geprägt war, da das „Eigenrecht der Gemeinden“ einerseits und der „Mangel an politischer Macht und Durchsetzungsvermögen“ andererseits eine Konfessionsänderung unter Gf. Edzard II. eher unwahrscheinlich macht (Smid, S. 28).
  4. KABl. 1975, S. 8.
  5. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 411 und 684; KABl. 1974, S. 253.
  6. Lübben, Wetterschwäne, S. 26.
  7. Mathies, Taufbecken, S. 113.
  8. Festschrift, S. 21.
  9. KABl. 1952, S. 159; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).
  10. Poettgen, Glockengießer, S. 10; Hardege, Ostdeutsche Glocken.