Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Rhauderfehn | Patrozinium: Stephanus und Bartholomäus | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte

Ort auf dem Geestrand östlich von Leer, 1409 als Dedarden erstmals urkundlich erwähnt. 1426 besiegte Fokko Ukena, der Häuptling des Moormer- und Lengenerlandes, bei Detern ein Heer des Ebf. von Bremen und der Gf. von Oldenburg, Hoya und Diepholz und leitete damit das Ende der Herrschaft der tom Brok über Ostfriesland ein. Die Slötelborg in Detern war Häuptlingssitz und wurde 1432 durch den letzten Häuptling Poppe Inema aus Östringen 1432 im Tauschweg an die Cirksena abgetreten. Zwischen 1435 und 1439 wurde sie von den Hamburgern in Besitz genommen, die 1439 die Häuptlinge Edzard und Ulrich Cirksena als Amtmänner einsetzten. Nachdem die Hamburger Burg und Dorf zwischenzeitlich wieder in eigene Verwaltung genommen hatten, brachte Ulrich Cirksena Detern um 1454 gewaltsam an sich. Seither teilte der Ort das Schicksal der Gft. Ostfriesland, mit dem er 1744 an Preußen, 1815 an Hannover kam (Amt Stickhausen).

Kirche, Blick zum Altar und zur Orgel, nach 1965

Kirche, Blick zum Altar und zur Orgel, nach 1965Prospekt (Zustand nach 1965)

Nach einer Glockeninschrift war 1482 her Lormer [?] to Deteren kerckhere. Im gleichen Jahr tritt Hildebrandt, Kerkhere to Dethern, als Urkundenzeuge auf. Weitere vorref. Geistliche sind nicht belegt. Wann die Reformation eingeführt wurde, ist unbekannt. Die Ausprägung der neuen Lehre war wohl anfangs noch unbestimmt, doch setzte sich dann zunächst das ref. Bekenntnis durch. Aus dieser Zeit sind (1584) mit Ulferdus Belida und Berend von Oldersum die ersten ev. Prediger bezeugt. Im Protokoll des Coetus zu Leer wird aus dem gleichen Jahr außerdem der Scholmester Wilhelm Waterhusius genannt. Nach dem Tod des Gf. Johann II. Cirksena (1591) wurde Detern mit dem Amt Stickhausen luth. Bis 1814 verfügte die Gemeinde über zwei Prediger, von denen der zweite (Vikar) bis Mitte des 18. Jh. auch den Schuldienst versah.
Großen Einfluss hatte die ostfriesische Erweckung auf die Gemeinde. Aus einem Jünglingsverein ging schon vor 1882 ein Posaunenchor hervor. Bedeutende P. waren Ludwig Ihmels († 1933), 1885-1894 P. in Detern, später Orinarius für Dogmatik an der Universität Leipzig und ab 1922 erster Lbf. von Sachsen1, sowie P. Johann Gerhard Behrens (amt. 1936-1957), wegen seiner bekenntnistreuen und judenfreundlichen Haltung aus Stade vertrieben, seit 1933 Mitglied der Astronomischen Gesellschaft und 1980 Namensgeber für den Asteroiden (1651) Behrens.2
Seit 1. September 2013 sind die KG Detern und Amdorf-Neuburg pfarramtlich verbunden.

Pfarrstellen

I: Vor 1584. – II: Vor 1584, 1816 in eine Lehrerstelle umgewandelt.

Umfang

Der Flecken Detern, das Amtshaus Stickhausen, die Dörfer Barge und Velde; die Kolonien Lehe und Osebarg; die Höfe Drey und Scharel.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Friesland (Propstei Leer) der Diözese Münster. – Von 1631 bis 1643 unterstand die Parochie dem luth. Coetus in Aurich und ab 1643 unmittelbar dem dortigen luth. Konsistorium. Nach der Insp.-Ordnung von 1766 zur 6. luth. Insp., später 5. luth. Insp. in Ostfriesland. Ab 1924 KK Potshausen (1. Januar 1974 umbenannt in KK Rhauderfehn).

Patronat

Genossenschaftspatronat der Gemeinde (Interessentenwahlrecht).

Kirchenbau

Das heutige KGb hatte mindestens zwei archäologisch nachgewiesene Vorgänger an anderen Standorten: Der erste befand sich westlich der Slötelborg im heutigen Kirchenwäldchen und wurde wohl in einer bewaffneten Auseinandersetzung zerstört. Der zweite (erste Hälfte 13. Jh.) wurde im April 1399 in einer Fehde zwischen Widzelt tom Brok und Focko, dem Abt des Klosters Thedinga, niedergebrannt (wobei Widzelt tom Brock mit 80 Begleitern in der Kirche getötet wurde).3 Erst 1454 wurde die Kirche am heutigen Standort neu errichtet. 1791 stürzte während einer Leichenfeier ein Teil der Decke ein. Das baufällige Gebäude wurde daraufhin 1804/06 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Die sechsachsige, klassizistische Saalkirche aus Ziegelmauerwerk unter einem Mansarddach wird an den Längsseiten durch je sechs, an den Schmalseiten durch zwei rundbogige Sprossenfenster gegliedert. Der Innenraum ist durch eine Voutendecke geschlossen. Orgelempore an der Ostseite über dem Altar. Sanierung 1970/71.

Turm

Nordwestlich der Kirche ein freistehender Glockenstuhl aus Ziegelmauerwerk (Parallelmauertyp), erbaut Ende des 13. Jh. oder Anfang des 14. Jh., später weitgehend erneuert (am Nordgiebel auf 1482 dat.).

Ausstattung

Hölzerner Blockaltar des Holzbildhauers Scharf (Emden); Altarbild von D. A. Bengen (Hannover) mit einer Abendmahlsdarstellung nach Leonardo da Vinci (1832). – Kanzel aus Eiche (1692, Schalldeckel Mitte 17. Jh.), auf der Kanzelbrüstung die vier Evangelisten mit ihren Symbolen. – Frühgotische Taufe oder Weihwasserbecken (14. Jh.). – Barocker Taufständer aus Eiche, verziert mit Blattwerk, Putten und Engelsköpfen, farbig gefasst (Datierung unklar, um 1700/50). – Gedenktafel für zwei Gefallene des Deutsch-Französischen Krieges. – Kronleuchter von 1692, 1711, 1712 und 1982.

Kirche, Blick zum Altar und zur Orgel, nach 1965

Kirche, Blick zum Altar und zur Orgel, nach 1965, Prospekt (Zustand nach 1965)

Orgel

Erste Orgel 1818/19 von Wilhelm Eilert (Eberhard) Schmid (Leer)4; die ursprüngliche Disposition wurde 1910 durch den Orgelbauer Johann Martin Schmid (Oldenburg) verändert. 1930 weiterer Umbau und Einbau eines elektrischen Gebläses durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover). 1951 Umbau durch Firma Emil Hammer (Hannover), 1981/82 Restaurierung durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven). 2002 Restaurierung durch Martin ter Haseborg (Uplengen), 11 (12) I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. Seit 1952 unter Denkmalschutz.5

Geläut

Drei LG, I d’ (Marienglocke, Bronze, Gj. 1482, Bartolt Klinghe, Bremen); II: a’ (Bronze, Gj. 1958, F. Otto, Bremen-Hemelingen); III: c’’ (Bronze, um 1300). – Im Glockenturm auf dem Friedhof von Deternlehe: Zwei LG in h’ und d’’ (beide Gussstahl, Gj. 1910, Bochumer Verein).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1967). – Gemeindehaus (Pastor-Behrens-Haus, Bj. 1865, Erweiterung 1986). – Jugendhaus (sogenanntes Giesemannsches Haus, 1978 angekauft).

Friedhof

Alter Friedhof bei der Kirche (aufgelassen). Zwei neue Friedhöfe befinden sich in Detern und Deternlehe (1901, mit Glockenturm); alle in Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 1686-1689 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 12 d (GSuptur. Aurich); B 18 Nr. 151 (Orgelsachverständiger).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 95, Nr. 78; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 385; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 89 f.; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 48 f.; Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 53; Schild, Denkmal-Orgeln I, S. 206-223.
B: 200 Jahre Kirche Detern 1806-2006, Detern [2006]; R. Bergmann: Zur Geschichte des Fleckens Detern, in: Aus unserer Heimat. Wanderungen durch Ostfriesland, Leer 1927, S. 67-87; Wilhelm Wykhoff: Die Familien der Kirchengemeinde Detern (1644-1900) (= Ostfrieslands Ortssippenbücher 40), Aurich 2009.


Fußnoten

  1. BLO II, S. 185 f.
  2. BLO I, S. 43 f.; Wieden/Lokers, Lebensläufe I, S. 43-46.
  3. Bergmann, S. 75.
  4. Nach Bergmann, S. 82, wurde die Orgel 1834 angeschafft.
  5. KABl. 1952, S. 160; LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).