Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Aurich | Patrozinium: Wibad (ursprünglich vielleicht Jakob)1 | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich ist Wiegboldsbur erstmals 1251 als Wibadeshof belegt.2 Häufig wird zudem das bereits im 9. Jh. genannte Uuibodasholta mit Wiegboldsbur identifiziert.3 Die Reihensiedlung, angelegt auf künstlichen Warfen, gehörte zur ostfriesischen Landesgemeinde Brokmerland (um 1250/51: gentem […] Brocmannorum, 1276 sigillum Brocmannie).4 Ausgehend vom Brokmerland baute die Häuptlingsfamilie tom Brok seit der zweiten Hälfte des 14. Jh. ihren Einfluss in Ostfriesland stetig aus. 1427 kam das Gebiet an die Familie Ukena und 1431 an die Familie Cirksena, die Ks. Friedrich III. († 1493) im Jahr 1464 zu Reichsgrafen von Ostfriesland erhob (Reichsfürsten seit 1654/62). In der zweiten Hälfte des 15. Jh. bildete sich die Ämterstruktur der Gft. Ostfriesland heraus; zunächst saßen die Amtleute für das Brokmerland in Marienhafe, Ende des 15. Jh. kam das Gebiet – und damit auch Wiegboldsbur – an das Amt Aurich. Der Übergang unter preußische Herrschaft im Jahr 1744 ließ die Ämterstruktur in Ostfriesland unverändert. In den ersten beiden Jahrzehnten des 19. Jh. erlebte Ostfriesland mehrere Herrschaftswechsel: Ab 1807 zählte Wiegboldsbur zum Kgr. Holland, ab 1810 zum Kaiserreich Frankreich (Département Ems-Oriental, Arrondissement Aurich, Kanton Aurich), ab 1813 wieder zum Kgr. Preußen und ab 1815 zum Kgr. Hannover. Mit der Annexion Hannovers 1866 kehrte Ostfriesland erneut zurück unter preußische Herrschaft. Seit Einführung der Kreisverfassung 1885 gehört Wiegboldsbur zum Kr. Aurich. Seit 1972 ist Wiegboldsbur Teil der neugegründeten Gemeinde Südbrookmerland. Zur Sozialstruktur der Kirchengemeinde schrieb der Ortspastor 1956: „Bauern, Kleinlandwirte, Kolonisten, einige Handwerker, eine Reihe Arbeiter. Die Handwerker und Arbeiter haben ihre Arbeitsstellen zumeist ausserhalb, vielfach in Emden. Einige selbständige Geschäftsleute.“5 Im Jahr 1821 lebten gut 265 Menschen in Wiegboldsbur, 1925 etwa 365, 1939 rund 435, 1946 fast 590 und 2021 ungefähr 505.

Kirche, Westgiebel, vor 1972

Kirche, Westgiebel, vor 1972

Bei einer archäologischen Notgrabung während der Kirchensanierung konnten 1975 unterhalb der Kirche die Überreste einer hölzernen Vorgängerkirche nachgewiesen werden. Sie wurde im 11./12. Jh. errichtet.6 Etwa aus dieser Zeit stammen auch zwei mit Reliefs verzierte Sarkophagdeckel aus rotem bzw. gelb-grauem Sandstein, die bei der Renovierung entdeckt wurden; einer hatte als Altarmensa gedient. Die heutige Backsteinkirche geht im Kern auf die Mitte des 13. Jh. zurück. Ursprünglich handelte es sich um einen dreijochigen, gewölbten Bau mit halbrunder Apsis. Schriftlich ist die Kirche Wiegboldsbur erstmals im Jahr 1251 belegt: Bf. Otto II. von Münster (amt. 1247–1259) einigte sich mit den Brokmännern (gentem nostram Brocmannorum) darauf, dass die Kirchen des Brokmerlandes – curia sancte Marie, Butae, Wibadeshof et Lopessumwalde, Godekakirl et Aldegundeswald – künftig eine eigene Propstei bildeten, die dem bischöflichen Offizial unterstand. Bislang hatten die Kirchspiele zur Propstei Hinte gehört.7 Die bis heute erhaltene Bronzetaufe, gegossen im Jahr 1496, nennt in ihrer Inschrift den damaligen Pfarrer (karkhere): her Wibet. Er ist der einzige namentlich bekannte vorref. Geistliche aus Wiegboldsbur. Mit Folkert Ewartsena und Rike Folkertsena überliefert die Inschrift zudem die Namen zweier Kirchgeschworener (hil[ge]mans); sie waren für die Verwaltung des Kirchenvermögens zuständig.
Einzelheiten zu Entwicklungen während der Reformationszeit in Wiegboldsbur sind nicht überliefert; erster bekannter ev. Prediger ist der 1537 genannte P. Hermann Ippen. Die Reformation hatte sich in Ostfriesland mindestens unter Duldung des Landesherrn Gf. Edzard I. († 1528) ausgebreitet, aber ohne seine Lenkung.8 So entwickelte sich ein Nebeneinander verschiedener prot. Richtungen. Gf. Enno II. († 1540) versuchte, die ostfriesische Kirche eher luth. zu gestalten, Gfn. Anna († 1575) bemühte sich, ihr eine eher ref. Form zu geben. Die gemeinsame Regierungszeit ihrer Söhne, des ref. Gf. Johann II. († 1591) und des luth. Gf. Edzard II. († 1599), war vom Ringen um jeweils alleinige Herrschaft geprägt und verfestigte das Nebeneinander ref. und luth. Gemeinden. Die Konkordate von 1599, geschlossen zwischen den Landständen und dem Landesherrn, schrieben den Konfessionsstand der einzelnen ostfriesischen Gemeinden genauso fest, wie das Gemeindewahlrecht bei den Pfarrstellenbesetzungen. 1631 erarbeitete GSup. Michael Walther († 1662) eine neue KO für die luth. Gemeinden, deren zweite Auflage von 1716 bis heute gültig ist.9
Die lückenlos bekannte Reihe der ev. Prediger an der Wibadi-Kirche beginnt mit P. Martinus Lubbertus (amt. bis 1598), dessen Grabstein in der Kirche steht (Inschrift nur teilweise lesbar). Eine Schule lässt sich in Wiegboldsbur erstmals in der ersten Hälfte des 17. Jh. nachweisen.10 Wenige Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) erhielt die Kirche in Wiegboldsbur im Jahr 1653/54 ein neues Altarretabel. Das älteste Kirchenbuch der Gemeinde Wiegboldsbur stammt aus der Amtszeit von P. Engelbert Damm (amt. 1692–1706) und setzt im Jahr 1700 ein. Wohl etwa zu dieser Zeit ließ die Gemeinde ihre Kirche verkleinern und das Westjoch abbrechen.

Kirche, Blick in den Chorraum, vor 1972

Kirche, Blick in den Chorraum, vor 1972

Nach dem Weggang von P. Enno Johannes Rickers (amt. 1906–1918) blieb die Pfarrstelle der kleinen Gemeinde – sie zählte 1916 knapp 370 Gemeindeglieder – zunächst unbesetzt.11 Bevor Wiegboldsbur mit P. Franz Herkens (amt. 1922–1925) einen neuen Geistlichen erhielt, musste die Gemeinde zusagen, das gesamt Pfarrgehalt aufzubringen; P. Herkens musste überdies zusichern, „sich für allgemeine kirchliche Zwecke betätigen zu wollen“.12 Seit 1932 war die Pfarrstelle erneut vakant und blieb es auch während der NS-Zeit. Die Hauptvertretung lag bei P. Enno Janssen (amt. 1933–1952) aus Münkeboe-Moorhusen; kirchenpolitisch gehörte P. Janssen zur Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft. Im Jahr 1939 konnten die Deutschen Christen eine eigene Konfirmationsfeier in der Kirche Wiegboldsbur durchsetzen.13 Nach der Visitation 1940 schrieb LSup. Theodor Elster (amt. 1936–1947) in seinem Bericht: „Einen grossen innerlichen Schaden hat das kirchliche Leben durch die Wühlerei genommen, die in die Gemeinde und den Kirchenvorstand von aussen durch die Agitation der deutschen Christen hineingetragen sind.“ Allerdings konnte der KV 1940 nicht sagen, ob „eine Ortsgruppe der DC in Wiegboldsbur vorhanden sei“; Veranstaltungen „seitens der dahin neigenden Gemeindeglieder“ seien in den letzten Jahren nicht mehr vorgekommen.14
Die Zahl der Gemeindeglieder stieg nach Ende des Zweiten Weltkriegs von 440 im Jahr 1940 auf 530 im Jahr 1950 an.15 Mit P. Erich Schwerdtner (amt. 1949–1953) erhielt Wiegboldsbur wieder einen eigenen Pastor. P. Schwerdtner war gleichzeitig für die vakante Nachbargemeinde Forlitz-Blaukirchen zuständig. Im Jahr 1951 gründete er einen gemeinsamen Posaunenchor für beide Gemeinden, der sich 1953 in zwei Chöre aufspaltete.16 Seit Januar 1971 sind die KG Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen pfarramtlich verbunden. Gleichzeitig legte das LKA Hannover die beiden Pfarrstellen der Gemeinden zu einer zusammen; Sitz des Pfarramtes ist in Wiegboldsbur.17 Die Zahl der Gemeindeglieder lag 1972 in Wiegboldsbur bei knapp 510, in Forlitz-Blaukirchen bei knapp 270.18 Gemeinsam mit der ref. KG Bedekaspel organisierten die beiden Gemeinden seit den 1970er Jahren die Urlauberseelsorge im Erholungsgebiet „Großes Meer“.19

Kirche, Blick zur Orgel, vor 1972

Kirche, Blick zur Orgel, vor 1972

Im November 1968 musste die Kirche in Wiegboldsbur wegen Einsturzgefahr geschlossen werden. Zum Gottesdienst versammelte sich die Gemeinde zunächst in der Kirche in Forlitz-Blaukirchen, seit 1969 im Gemeindehaus Wiegboldsbur (ehemalige Schule).20 Die Gemeinde sprach sich gegen Pläne aus, die baufällige Kirche aufzugeben, und setzte sich erfolgreich für ihren Erhalt ein. 1972 begann die Sanierung und am dritten Advent 1975 konnte die Gemeinde ihre Kirche wieder einweihen.21
Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche unterhielten die Gemeinden Wiegboldsbur und Forlitz-Blaukirchen, ebenso wie die KG Moordorf, Kontakte zur Kirchgemeinde Sehma im Erzgebirge.22 Nach der Visitation 1989 resümierte der Auricher Sup., die beiden pfarramtlich verbundenen Gemeinden seien „eher noch um ihr eigenes Profil bemüht“, als dass sie „zu einer gemeinsamen kirchlichen Einheit“ fänden.23
Seit 2002 trägt die Wibadi-Kirche die Plakette „Verlässlich geöffnete Kirche“. Ab 2017 wurde die Pfarrstelle der Gemeinden Forlitz-Blaukirchen und Wiegboldsbur vom Pfarramt Engerhafe mitversehen, seit dem 1. Januar 2022 sind die Gemeinden pfarramtlich verbunden und teilen sich eine gemeinsame Pfarrstelle. Zum 1. Januar 2023 gründeten die drei Kirchengemeinden gemeinsam die „Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Engerhafe / Forlitz-Blaukirchen / Wiegboldsbur“.24

Umfang

Wiegboldsbur.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Friesland der Diözese Münster (bis 1251 Propstei Hinte, dann Propstei Brokmerland).25 – Von 1631 bis 1643 unterstand Wiegboldsbur dem luth. Coetus in Aurich und ab 1643 unmittelbar dem luth. Konsistorium Aurich. Nach der Insp.-Ordnung von 1766 zur 1. luth. Insp. in Ostfriesland, ab 1924 KK Aurich.

Patronat

Genossenschaftspatronat der Gemeinde (Interessentenwahlrecht).

Kirchenbau

Einschiffiger Rechteckbau, ausgerichtet nach Ostnordosten, erbaut etwa Mitte des 13. Jh.26 Satteldach. Backsteinmauerwerk, Friese oberhalb der Fenster, Reste von Ecklisenen im Osten. An den Längsseiten je vier spitzbogige Sprossenfenster mit weiß gefassten Gewänden, an der Südseite etwa mittig ein fünftes, kleines Spitzbogenfenster; nach Westen zwei Rundbogenfenster und rundbogiges Hauptportal; nach Norden und Süden vermauerte Portale; Ostwand mit zwei Blendnischen. Im Innern flache Balkendecke, über der Orgel Tonnengewölbe; Westempore; flachbogige Nischen in Ostwand. Kirche war ursprünglich ein dreijochiger, gewölbter Bau mit halbrunder Apsis.27 Etwa im 14./15. Jh. Gewölbe abgebrochen, Apsis abgebrochen, Lettner eingebaut. Wohl um 1700 Fenster vergrößert und Westjoch abgebrochen.28 1727 Dachstuhl erneuert, Schieferdeckung (vorher Ziegel). 1820 Westgiebel erneuert. 1888/89 Westempore erbaut. 1952 Dachstuhl und Dach erneuert. Ende November 1968 Kirche wegen Baufälligkeit geschlossen (Absenkung der Fundamente). 1972–75 Sanierung (u. a. Fundament gesichert, Westgiebel neu errichtet, Mauerwerk ausgebessert, Triumphbogen zwischen Chor und Schiff entfernt, neue Decke eingezogen, neuer Fußboden, neue Orgelempore, Kanzel von Süd- auf Nordseite versetzt, Stühle statt Bänke).

Turm

Nördlich der Kirche freistehendes, mittelalterliches Glockenhaus (Parallelmauertyp) mit Walmdach, erbaut etwa im 13. Jh. Backsteinmauerwerk, drei Bögen.

Vorgängerbauten

Bei archäologischen Untersuchungen 1975 Spuren einer hölzernen Vorgängerkirche entdeckt: Wohl Rechteckbau mit geradem Chorschluss, um 13 Meter lang, 5,25 Meter breit, erbaut etwa im 11./12. Jh. Dach möglicherweise mit Schilf und Heidekraut gedeckt; Kirche diente anscheinend auch als Getreidespeicher. Kirche brannte ab.29

Ausstattung

Blockaltar mit gemauertem Stipes und architektonisch gestaltetem, dreistöckigem Holzretabel (1653/54), vier Gemälde (Öl auf Holz), Säulen, verkröpftes Gebälk, seitliches Schnitzwerk; im Hauptfeld Gemälde mit Abendmahlsdarstellung, in den schmalen Seitenfeldern Inschriften: „Grot sint de Warcke des Heren, wol darup achtet heft idel lust daran. Psal 111“ und „Here wor schol wi hen gahn du hefst Word des ewigen Levendes. Ioh. 6“, am Gebälk Inschrift: Mathaei, 26. Marci, 14. Lucae, 22. Pauli, Cor, II.“; im Feld darüber zwei Gemälde: Ecce homo und Kreuzigung, darüber Inschrift: „Ick was dot vnd suh ick bin levendich von Ewichheit tho Ewigheit AP.G. 1“; im oberen Feld Gemälde mit Auferstehungsszene; in der Predella Inschrift: „Anno 1653 den 14. Decemb[er] is dut Altar gemaket geschildert den 19. Julü An MDCLIV Thor Tydt, Hermannus Dringenborg Pastor in Wybelsbur vnd Hinrich Bonnen Karckswor[n]“; Altar 1956 restauriert. – Hohe Holzkanzel mit Schalldeckel (Mitte 17. Jh.), vor den Ecken des polygonalen Kanzelkorbs kannelierte Pilaster, Wandungen mit Blendarkaden und Gemälden der vier Evangelisten, an der Brüstung Inschrift: „Salich sintd de Gades Wort horen vnd beware[n]“. – Bronzetaufe (1496, Peter Klockgheter), Taufkessel auf vier Tragefiguren (Ritterfigur mit Schwert, das senkrecht im Rachen eines Drachen steht); Wandung des Kessels mit Arkadengliederung (Kielbögen), in den Arkadenfeldern Reliefs: neun Apostelfiguren, Taufe Christi, Kreuzigungsszene mit Maria und Johannes; Inschriften: „en funte ich hete. her wibet karkhere unde folkert ewartsena unde rike folkertsena hilmans und das karspel to wibelsburen heft mit laten gheten“ und „jhesus maria peter colckgheter [sic] ghot mi anno domini m cccc lxxxxvi“; am oberen Beckenrand zwei Gesichter.30 – Hölzernes Lesepult (1693). – Opferstock (1679), Holz mit Eisenbeschlägen. – Verzierter Sarkophagdeckel (12./13. Jh.), roter Sandstein, trapezförmig, Relief zeigt Stab mit rautenförmigen Erweiterungen (stilisierter Lebensbaum); 1975 entdeckt.31 – Verzierter Sarkophagdeckel (um 1200), grau-gelber Sandstein, trapezförmig, Relief zeigt stilisierten Paradiesstromberg sowie Keulenkreuz flankiert von Stäben (stilisierte Lebensbäume); bis 1975 Teil der Altarmensa.32 – Grabplatte, Hemme Wibeths († 1588); diese und die übrigen Grabplatten in den 1930er Jahren bzw. nach Sanierung 1972–75 an den Kirchenwänden aufgestellt (zuvor teilweise als Fußbodenplatten verwendet).33 – Grabplatte, Taetke Abels († 1594). – Grabplatte, P. Martin Lubbertus († 1598). – Grabplatte, Folkert Anen († 1598). – Grabplatte, Popter Bewen Karckswarn († 1605). – Grabplatte, Ane Folker tho Wibelsboer († 1603). – Grabplatte, Anna Snepers († 1608). – Grabplatte, Hendrick Lubben († 1618). – Grabplatte, Anke Reints († 1620). – Grabplatte, Remmer Rickels († 1648). – Grabplatte, P. Bruno Heinius († 1639). – Grabplatte, P. Petrus Agena († 1646). – Grabplatte, Tannerke Nonnen († 1666). – Grabplatte, Remmerch Evers († 1680). – Grabplatte, Sonke Bonnen († 1686). – Grabplatte, Deichrichter Bonne Simken († 1709) und Ehefrau Rindett Ennen († 1680). – Grabplatte, Hiske Meyels († 1709). – Grabplatte, Frau Tiedleff Bonnen († 1718). – Grabplatte, Hibbe Rolfes († 1776) und seine Tochter Tiedelelf Maria Rolffs († 1750). – Weitere Grabplatten bzw. Fragmente (17./18. Jh.), deren Inschriften nicht mehr lesbar sind. – Farbiges Holzrelief mit Engelskopf und Wappen.

Orgel, 1974

Orgel, 1974

Orgel

1818/19 Bau einer ersten Orgel, ausgeführt von Wilhelm Eilert Schmid (Leer), 8 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen; Instrument aufgestellt im Osten vor dem Chor. 1878 Erweiterung Orgel um Bordun 16’, Gerd Sieben Janssen (Aurich). 1888/89 Instrument auf Westseite versetzt, Orgelbauer unbekannt.34 Wohl 1928 (oder schon 1888/89?) Änderung der Disposition, ausgeführt von Max Maucher (Emden): Prinzipal 8’ eingefügt (Zinkpfeifen, auf neuer pneumatischer Kegellade), 9 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen sowie pneumatische Traktur, Kegellade.35 1973 Orgel ausgebaut (Sanierung der Kirche). 1983–85 Orgel restauriert von Firma Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 8 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. Denkmalorgel (seit 1970).

Geläut

Zwei LG, I: d’ (Bronze, Gj. 1879, F. Otto, Hemelingen), Inschrift: „Zu Gottes Wort, zu Gottes Ohr hier und dort, rufe ich alle fort und fort. Wiegboldsbur 1879“; II: a’ (Bronze, Gj. 1950, Glockengießerei Causard, Colmar), Glocke seit 1985 in Wiegboldsbur, als Gebrauchtglocke erworben bei Glockengießerei Gebrüder Bachert (Bad Friedrichshall), vorher in der kath. Kirche in Heutingsheim (Württemberg). – Früherer Bestand: Eine große LG (Bronze, Gj. 1455, Ghert Klinghe), Inschrift etwa: „Anno d[o]mi[ni] M CCCCLV maria bin ick gheheten de van fan [!] wibelsburen hebbet mit laten gheten. s peter. s paule. s andreas. s johannes. s jacobus. s tomas. s bartolomeus. s marcus. s simion. s mathias. ghert klinghe mi ghegoten hat“, Bilder: Marienrelief, Apostelbilder, Glocke umgegossen zu einer neuen großen LG (Bronze, Gj. 1879, F. Otto, Hemelingen), Inschrift: „Ehre sei Gott in der Höhe“, im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben (ausgebaut am 26. Juli 1917).36 Eine kleine LG (Bronze, Gj. 1424 oder 1455, Ghert Klinghe), Inschrift etwa: „Anno d[o]mi[ni] M CCCCLV [?] help got uet aller noet got gheve siner seele raet de mi so biol [wol?] ghe gote haet ghert klinghe is he ghe nant“, Bilder: vielleicht zwei Reliefs mit Beischriften: „Sce Willehade eppc. help sc Jacobus help“, Glocke umgegossen zu einer neuen kleinen LG (Bronze, Gj. 1879, F. Otto, Hemelingen), jetzt LG I.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1880). – Gemeindehaus (Bj. 1850, ehemalige Schule, umgebaut 1969, erweitert 1988). – Küsterhaus, zwischen 1979 und 1983 verkauft.

Friedhof

Kirchlicher Friedhof bei der Kirche, Eigentum der Kirchengemeinde.

Liste der Pastoren (bis 1940)

1537 Hermann Ippen. – 1553 Habbo … Vor 1573 Siebrandus Krüdener. – 15..–1598 Martinus Lubbertus. – 1599–1620 Bonno Volptetus Hajunga. – 1621–1639 Bruno Heinii Heinen. – 1640–1646 Peter Aggena. – 1646–1654 Hermann Dringenberg. – 1655–1692 Foccius Theien Röling. – 1692–1706 Magister Engelbert Damm. – 1707–1715 Moritz Hase. – 1716–1718 Hermann Barcla. – 1718–1761 Bernhard Sjauken. – 1761–1783 Friedrich Bernhard Betke. – 1783–1801 Ricke Tjaden Djuren. – 1802–1844 Hinricus Wilhelm Cöler. – 1845–1854 Johann Hermann Oepke. – 1854–1857 Johannes Warnte. – 1858–1875 Johann Borcherts Müller. – 1876–1906 Johann Georg Meints. – 1906–1918 Enno Johannes Rickers. – 1922–1925 Franz Heinrich Johannes Hertens. – 1927–1932 Gerhard Engelkes.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 505

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 6 Nr. 8610–8612 (Pfarrbestallungsakten); A 8 Nr. 21Digitalisat, 474Digitalisat(CB); A 12d, Nr. 196, 211, 322, 394Digitalisat, 624/2 (GSuptur. Aurich); B 1 A Nr. 1935 (Generalakten LKA); B 18, Nr. 55, 268 (Orgelsachverständiger); D 80 (EphA Aurich); E 5 Nr. 1142 (Konsistorialbaumeister); L 5i Nr. 44, 273, 278, 626, 792 (LSuptur. Aurich); S 07f Nr. 0003 (CD, CD-ROM); S 09 rep Nr. 2275 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7737 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1700 (Lücken: 1704–1725)
Trauungen: ab 1701 (Lücken: 1704–1725)
Begräbnisse: ab 1700 (Lücken: 1704–1725)
Kommunikanten: ab 1729
Konfirmationen: ab 1876

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1357–1358; Fastenau, Bau- und Kunstdenkmäler III, S. 306–313; Haiduck, Kirchenarchäologie, S. 242–245; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 247–248; Meinz, Sakralbau Ostfriesland, S. 159–160; Meyer, Pastoren II, S. 505; Otte/Rohde, Ostfriesland II, S. 606–608; Rauchheld, Glockenkunde, S. 101–102, S. 114–115, S. 121; Reershemius, Predigerdenkmal, S. 181–184; Schoolmann, Kirchen, Ergänzung (o. S.).
B: Helmut Blanke: 750 Jahre Wibadi Kirche Wiegboldsbur. Festschrift, [Wiegboldsbur] 2000; Hermann Haiduck: Archäologische Untersuchungen in den Kirchen von Wiegboldsbur und Timmel im Kreis Aurich, in: Jahrbuch der Gesellschaft für Bildende Kunst und Vaterländische Altertümer zu Emden 57 (1977), S. 16–38; Hermann Neeland: Herzlich Willkommen in der Wibadi Kirche zu Wiegboldsbur, [Wiegboldsbur] 2022; Heinrich Potthast: Die Familien der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Wiegboldsbur (1700–1910) (= Ostfrieslands Ortssippenbücher 101; = Deutsche Ortssippenbücher 00.822) Aurich 2014.
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche und Ausstattung; Historische Ortsdatenbank für Ostfriesland (https://bibliothek.ostfriesischelandschaft.de/hoo/): Ortsartikel Wiegboldsbur (.pdf); Nomine (Norddeutsche Orgelmusikkultur in Niedersachsen und Europa): Orgel.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 215 f.
  2. Ostfriesisches UB I, Nr. 24 (zur Datierung ebd., Anm. 1).
  3. Kötzschke, Urbare Werden, S. 49. In HOO, Artikel Wiegboldsbur (auch in: Potthast, S. 17 ff.), ist die Identifizierung als sicher dargestellt, ebenso bei Schoolmann (in: Potthast, S. 26), Blanke, S. 13, und Neeland, S. 2. Bei Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 127, ist Uuibodasholta zu den nicht genau lokalisierbaren Orten gezählt.
  4. Ostfriesisches UB I, Nr. 24 und Nr. 30. Zu den Landesgemeinden: Behre/Lengen, Ostfriesland, S. 115 ff.
  5. LkAH, L 5i, Nr. 278 (Visitation 1956).
  6. Haiduck, Untersuchungen, S. 16 ff.; Haiduck, Kirchenarchäologie, S. 242 ff.
  7. Ostfriesisches UB I, Nr. 24. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 43.
  8. Zur Reformation in Ostfriesland vgl. knapp Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 312 ff.; ausführlich: Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 114 ff.
  9. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 321. Die ostfriesischen Landesherren führten die KO von 1631 jedoch nie verbindlich für alle Gemeinden ein.
  10. Zur Schule: Potthast, S. 20 und S. 35 ff.
  11. LkAH, A 12d, Nr. 394 (Visitation 1916) [Digitalisat, Aufnahme 176].
  12. Blanke, S. 41.
  13. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 570; Delbanco, Kirchenkampf, S. 113 und S. 117.
  14. LkAH, L 5i, Nr. 44 (Visitation 1940).
  15. LkAH, L 5i, Nr. 44 (Visitation 1940), Nr. 278 (Visitation 1950).
  16. Blanke, S. 50.
  17. KABl. 1971, S. 14.
  18. LkAH, L 5i, Nr. 273 (Visitation 1972).
  19. Blanke, S. 33.
  20. Blanke, S. 28.
  21. Blanke, S. 29 f.
  22. LkAH, L 5i, Nr. 272 (Visitation 1988); LkAH, L 5i, Nr. 273 (Visitation 1989). Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  23. LkAH, L 5i, Nr. 273 (Visitation 1991).
  24. KABl. 2022, S. 187 ff.
  25. Ostfriesisches UB I, Nr. 24; Ostfriesisches UB II, Nr. 961 (S. 66); Kohl, Bistum Münster 7,1, S. 469 f.
  26. Zur Kirche vgl. Haiduck, Untersuchungen, S. 16 ff.; Haiduck, Kirchenarchäologie, S. 242 ff.; Haiduck, Architektur, S. 88 ff.
  27. Grundriss mit Bauphasen: Haiduck, Untersuchungen, S. 19; Haiduck, Kirchenarchäologie, S. 245.
  28. Potthast, S. 25. Potthast datiert auch den Abriss der Apsis auf diese Zeit.
  29. Haiduck, Untersuchungen, S. 35.
  30. Rauchheld, Glockenkunde, S. 114 f.
  31. Haiduck, Untersuchungen, S. 28.
  32. Haiduck, Untersuchungen, S. 27 f.
  33. Blanke, S. 32. Zu den Grabplatten vgl. Pottharst, S. 74 ff.
  34. Potthast, S. 25.
  35. LKA, G 9 B/Wiegboldsbur, Bl. 9, Bl. 39 und Bl. 93 ff.
  36. Blanke, S. 39. Rauchheld, Glockenkunde, S. 101 f. und S. 121.