Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: Matthäus | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Die erste schriftliche Erwähnung Silliums, heute Ortsteil der Gemeinde Holle, findet sich 1149 in einer Urkunde Bf. Bernhards von Hildesheim. Mit dieser Urkunde nahm Bf. Bernhard das Kloster Lamspringe in seinen Schutz und bestätigte den klösterlichen Besitz, u. a. Land in Siligem.1 In einer Urkunde Ks. Friedrichs I. für das Kloster Riechenberg aus dem Jahr 1157 ist das Dorf als ebenfalls genannt, hier als Silegem.2 Dieses Schriftstück war die Grundlage für eine wohl im 13. Jh. gefälschte und auf das Jahr 1131 datierte Urkunde Kg. Lothars III., in der Silegem dementsprechend auch erwähnt ist.3 Der Grund und Boden in Sillium gehörte größtenteils den Grafen von Wohldenberg. Durch einen Gütertausch kamen diese Besitzungen 1309 an die Hildesheimer Bf., die seit 1275 bereits die nahegelegene Burg Wohldenberg besaßen.4 Sillium entwickelte sich zur Domäne der Burg (1641 zerstört), die der jeweilige Amtmann des stifthildesheimischen Amtes Wohldenberg verwaltete. Zudem besaßen die Herren von Gadenstedt fast ununterbrochen von der Mitte des 14. bis zur Mitte des 19. Jh. einen Hof als hildesheimisches Lehen in Sillium.5 Sillium zählte zum Amt Wohldenberg des Hochstifts Hildesheim, das nach 1275 aus dem Gebiet der Grafen von Wohldenberg hervorgegangen war.6 Nach Ende der Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523) fiel das Amt Wohldenberg mit Sillium an das welfische Teilfsm. Braunschweig-Wolfenbüttel und wurde 1643 mit der Restitution des Großen Stifts wieder hildesheimisch. Nach den Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses kam das Gebiet des Hochstifts 1803 an Preußen. In der Zeit des französischen Satellitenkgr. Westphalen (1807–1813) gehört Sillium zum Kanton Holle im Distrikt Goslar des Departements Oker. Danach kam das Dorf, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Wohldenberg, das 1852/59 im Amt Bockenem aufging. Nach der Annexion Hannovers 1866 wieder preußisch, gehörte Sillium seit 1885 zum Kr. Marienburg (1946 Lkr. Hildesheim-Marienburg, 1977 Lkr. Hildesheim). 1974 wurde Sillium nach Holle eingemeindet. Der lange landwirtschaftlich geprägte Ort hatte 1810 gut 520 Einwohner und 2017 gut 700.

Kirche, Blick zum Altar, 1933

Kirche, Blick zum Altar, 1933

Sillium war bis gegen Ende des 20. Jh. keine eigenständige Kirchengemeinde. Die Bevölkerung des Dorfes war nach Holle eingepfarrt, allerdings besaß Sillium bereits in vorref. Zeit eine eigene Kapelle. Den Wechsel zur luth. Lehre vollzog die KapG zusammen mit der Muttergemeinde in Holle. In den Protokollen zur Visitation im November 1542 heißt es unter der Überschrift Silligem : „Eine Capell, ist filia in Holle, haben keinen pfarner.“ Zwei Jahre später ist zu lesen: „Diese leute clagen, das sie oft vorseumet werden.“7 Seit der Restitution des Großen Stifts 1643 gehörten auch die weiterhin luth. Dörfer Sillium und Holle wieder zum Hochstift und hatten mit dem Bf. von Hildesheim nun einen kath. Landesherrn. Die unmittelbar benachbarte Burg Wohldenberg, 1641 zerstört und nach 1643 erneuert, erhielt als Amtssitz auch wieder eine kath. Kirche (Neubau 1731) und einen Geistlichen, der für die Katholiken der umliegenden luth. Dörfer zuständig war (Amtspfarrei). Im Jahr 1803 zählte die kleine kath. Gemeinde gut 320 Gläubige.8 Gleichzeitig mit der Burg Wohldenberg wurde vermutlich auch die ev. Kapelle in Sillium zerstört. 1688 erhielt das Dorf ein neues Kapellengebäude. Der Fachwerkbau fiel dem Dorfbrand von 1879 zum Opfer und zwischen 1881 und 1883 ließ die KapG nach Entwürfen des Hildesheimer Architekten Reimer die bis heute erhaltene Kapelle errichten. Nachdem ein Blitzschlag 1911 den Dachreiter zerstört hatte, entschloss sich die Gemeinde, die Kapelle um einen Turm zu erweitern (1913 fertiggestellt). Ein in die USA ausgewanderter Silliumer unterstützte das Bauprojekt finanziell und ermöglichte der Gemeinde 1933 auch den Bau einer Orgel (Schlüter-Gedächtnisstiftung). 1973 ließ die Gemeinde die Kapelle umgestalten, um den Raum auch als Gemeindesaal nutzen zu können. Zum 1. Juni 1995 endete die seit dem Mittelalter bestehende kirchliche Verbindung der Dörfer Holle und Sillium: die KapG Sillium schied aus dem Kirchspiel Holle aus und wurde unter pfarramtlicher Verbindung mit Hackenstedt-Sottrum zur eigenständigen Kirchengemeinde erhoben.9 Später erhielt sie den Namen Matthäus-Kirchengemeinde. Mit dem 1. Oktober 1999 wuchs der Pfarrverbund und die Gemeinden Grasdorf (Holle), Holle, Heersum und Luttrum kamen hinzu.10 Zum 1. Januar 2004 gründeten die sechs verbundenen Gemeinden den „Ev.-luth. Gemeindeverband Holle“ mit Sitz in Grasdorf.11 Sie vereinbarten damit eine enge inhaltliche, personelle und finanzielle Zusammenarbeit, um ihre gemeindlichen Aufgaben dauerhaft erfüllen zu können. Im Gemeindeverband bestehen zwei Pfarrstellen, eine dritte ist dauervakant.
Zum 1. Januar 2022 fusionierte die KG Hackenstedt-Sottrum mit der KG Sillium zur neuen KG Hackenstedt-Sottrum-Sillium.12

Umfang

Dorf Sillium.

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der KG 1995 zum KK BockenemHoheneggelsen. Seit 1. Januar 2005 KK Hildesheimer Land.13 Seit 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld.14

Kirchenbau

Kleiner, rechteckiger Backsteinbau, nach Nordost ausgerichtet, erbaut 1881–83 (Architekt Reimer, Hildesheim). Satteldach mit Walm im Osten; große, spitzbogige Fenster am Langhaus. Im Innern flache Decke, rundbogig ausgeschiedene Altarnische, Westempore mit Orgel. 1933 renoviert unter Leitung von Rudolf Curdt.15 1973 Umgestaltung des Innenraums (Neuausmalung, Kirchenbänke durch Stühle ersetzt).

Turm

Backsteinturm, erbaut 1913 (zuvor Dachreiter, 1911 bei Blitzeinschlag zerstört). Blendarkaden unterhalb des Dachansatzes, davor spitzer Blendbogen mit gekuppelten Schallöffnungen; verschieferter Turmhelm, achteckig ausgezogen, Uhrgaube nach Südwesten, Schalluken unterhalb der Spitze.

Vorgängerbauten

Kapelle 1542 erwähnt, wohl 1641 zerstört. Fachwerkkapelle mit dreiseitigem Chorschluss und westlichem Dachreiter, 1688 erbaut und bei Dorfbrand am 12. September 1879 zerstört.16

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1975

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1975

Ausstattung

Hölzerner Altaraufbau mit Kruzifix (1882/83, Korpus 1930er Jahre, Schnitzarbeit aus Oberammergau).17 – Hölzerne Kanzel (1882/83), links des Altarraums. – Achteckige Sandsteintaufe. – Farbiger Gobelin (1998/99, Verena Kups-Lange, Magdeburg), rechts des Altarraums.

Orgel

1933 Neubau durch Faber & Söhne (Salzhemmendorf), 11 (davon 2 Transmissionen) II/P, pneumatische Traktur, Membranladen, finanziert aus Schlüter-Gedächtnisstiftung, 1942 als „wertvolle kleine Orgel“ bezeichnet.18

Geläut

Zwei LG, I: aʼ (Eisen, Gj. 1948, Firma Ulrich & Weule, Bockenem), gestiftet von Dr. G. Lindemann (Hildesheim) als Dank dafür, „dass er mit seiner Familie nach der Zerstörung seiner Hildesheimer Wohnung in Sillium aufgenommen wurde“19; II: cʼʼ (Bronze, Gj. 1958, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg). Eine SG c’’’ (Bronze). – Früherer Bestand: Eine LG, cisʼʼ (Bronze, Gj. 1882, Johann Jacob Radler, Hildesheim), 1958 umgegossen zu heutiger LG II.20

Friedhof

Südlich außerhalb des Dorfes, Eigentum der Kirchengemeinde. FKap (Bj. 1968, Eigentum der politischen Gemeinde).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

D 44 (EphA Bockenem); S 11a Nr. 7278 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Kommunikanten: 1857–1876

Literatur

A: Blume, Beiträge, S. 149–152; Günther, Ambergau, S. 540–541; Siebern/Kayser, KD Kr. Marienburg, S. 167–168.


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim I, Nr. 253.
  2. UB HS Hildesheim I, Nr. 304.
  3. UB HS Hildesheim I, Nr. 192.
  4. UB HS Hildesheim III, Nr. 1686.
  5. Blume, Beiträge, S. 151.
  6. Petke, Grafen von Wöltingerode-Wohldenberg, S. 468 ff.
  7. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 193 und ebd., Anm. 364.
  8. Bertram, Bistum Hildesheim III, S. 71, S. 73, S. 159 und 203.
  9. KABl. 1995, S. 75.
  10. KABl. 1999, S. 216.
  11. KABl. 2004, S. 153 ff.
  12. KABl. 2021, S. 164 ff.
  13. KABl. 2005, S. 5 ff.
  14. KABl. 2011, S. 70 ff.
  15. LkAH, L 5h, unverz., Holle, Visitation 1942.
  16. Siebern/Kayser, KD Kr. Marienburg, S. 168.
  17. LkAH, L 5h, unverz., Holle, Visitation 1942.
  18. LkAH, L 5h, unverz., Holle, Visitation 1942.
  19. LkAH, L 5h, unverz., Holle, Visitation 1974.
  20. LkAH, L 5h, unverz., Holle, Visitation 1974.