Sprengel Lüneburg, KK Gifhorn | Patrozinium: Zum Guten Hirten (2010) | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Zum Kirchspiel Sassenburg (bis 2010: Westerbeck) gehören vier Dörfer: Dannenbüttel lässt sich schriftlich bereits im 9. Jh. belegen – zum einen im ältesten Verzeichnis der Schenkungen (Traditionen) an das Kloster Corvey als villa Dallengebudli (zwischen 822 und 876)1 und zum anderen in einer Urkunde des ostfränkischen Kg. Arnolf als Dallangibudli (888).2 Grußendorf ist schriftlich erstmals 1310 als villa Grustendorpe nachgewiesen.3 Für Westerbeck findet sich der Erstbeleg in einer Urkunde von 1390 als Westerbeke.4 Stüde ist eine Gründung des 16. Jh. und im Jahr 1564 schriftlich belegt.5 Die Dörfer zählten zum Amt Gifhorn im welfischen Teilfsm. Lüneburg, das 1705 an das Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) fiel. In französischer Zeit zählten sie von 1810 bis 1813 zum Kanton Wittingen (Distrikt Salzwedel, Departement der Nieder-Elbe, seit 1811 Departement der Elbe, Kgr. Westphalen). Danach kamen sie wieder zum Amt Gifhorn (Grußendorf seit 1849 Amt Fallersleben), zunächst im Kgr. Hannover und seit der Annexion von 1866 im Kgr. Preußen. Seit Einführung der Kreisverfassung 1885 gehören die vier Dörfer zum Lkr. Gifhorn, 1974 schlossen sie sich gemeinsam mit den Moorsiedlungen Neudorf-Platendorf und Triangel zur neuen Gemeinde Sassenburg zusammen. In Dannenbüttel lebten im Jahr 1821 etwa 190 Menschen, 1905 knapp 350, 1950 gut 890 und 2010/11 rund 1.800. Für Grußendorf lag die Bevölkerungszahl zu den gleichen Stichjahren bei knapp 40, knapp 50, knapp 730 und etwa 2.200; in Westerbeck knapp 160, gut 370, knapp 990, rund 2.500; in Stüde gut 40, gut 80, gut 280 und knapp 860.
Kirchlich gehörten Dannenbüttel, Westerbeck und Stüde zur KG Gifhorn und seit 1966 zur KG Neudorf-Platendorf; Grußendorf hingegen war bis 1974 Teil der KG Jembke und kam dann ebenfalls zur KG Neudorf-Platendorf. Die vier Dörfer bildeten seitdem den zweiten Pfarrbezirk der Gemeinde. Schon als Anfang der 1960er Jahre der Grundstein für die Thomaskirche in Neudorf-Platendorf gelegt wurde, plante der KV der Gifhorner Nicolaigemeinde auch ein Gemeindezentrum in Westerbeck. Das Vorhaben konnte jedoch erst 1982/83 verwirklicht werden und 1984 erhielt das Gemeindehaus mit dem kleinen Kirchsaal den Namen „Zum Guten Hirten“. Zum 1. Januar 1994 machte sich der Pfarrbezirk schließlich als „Ev.-luth. Kirchengemeinde ‚Zum Guten Hirten‘ Westerbeck“ selbständig und übernahm die zweite Pfarrstelle der KG Neudorf-Platendorf.6 Erster Pastor der neuen Gemeinde war P. Michael Sassenhagen (amt. 1993–2005). Mit dem kleinen Kirchsaal im Gemeindehaus (55 Plätze), der Kapelle in Grußendorf und den kommunalen FKap in Dannenbüttel und Stüde gab es vier Predigtstätten in der Gemeinde. Auch Gemeindekreise existierten in den 1990er Jahren zum Teil parallel in allen vier Ortschaften; Aufbau und Pflege eines kirchlichen Lebens, das alle Dörfer einbezieht, blieb eine ständige Herausforderung.7 Da der Gemeinde keine größeren Räumlichkeiten zur Verfügung standen, musste sie bei gutbesuchten Gottesdiensten (Konfirmation, Weihnachten) in „Turnhallen oder die Thomas-Kirche in Neudorf-Platendorf“ ausweichen.8 Auch Trauungen fanden selten in Grußendorf oder Westerbeck statt, eher in Neudorf-Platendorf oder der Nicolaikirche in Gifhorn. Nachdem die Kapelle auf dem Friedhof in Grußendorf im Oktober 2002 abgebrannt war, konnte 2005 neben dem Friedhof ein Neubau mit Kapellen- und Gemeinderaum eingeweiht werden. Den Bau hatte der 2003 gegründete „Freundeskreis für kirchliche Räume in Grußendorf und Stüde“ unterstützt. Zusammen mit den KG Neudorf-Platendorf, Wahrenholz und Wesendorf gründete die Gemeinde im Jahr 2000 den Förderverein „Wir unter einem Dach e. V.“, der zur Finanzierung nebenamtlicher Stellen in den vier Gemeinden beiträgt.
Bereits 1998 hatte sich ein Kirchbauverein in Dannenbüttel gegründet, der verschiedenen Pläne zum Bau einer Kirche entwickelte. Nach langer Diskussion entschied sich der KV 2006 jedoch, nicht in Dannenbüttel neu zu bauen, sondern das Gemeindehaus im zentraleren und größeren Westerbeck um einen Kirchsaal zu erweitern (daraufhin unterstützte der Verein 2012 den Neubau der kommunalen FKap in Dannenbüttel). Kirchsaal und Glockenturm in Westerbeck konnte die Gemeinde im März 2010 einweihen. Zum 1. April 2010 änderte die Gemeinde ihren Namen in „Ev.-luth. Kirchengemeinde Zum Guten Hirten in Sassenburg“.9

Umfang

Dannenbüttel, Grußendorf, Stüde und Westerbeck.10

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der KG 1993 zum KK Gifhorn.

Kirchenbau

Nach Norden ausgerichteter Kirchsaal, Foyer im Süden als Verbindung zum Gemeindehaus, erbaut 2009/10 (Architekt: Harald Meißner, Gifhorn). Rechteckbau mit abgeschrägten Ecken im Nordwesten und Südosten sowie Rechteckapsis nach Norden. Pultdächer, Foyer mit Flachdach; hochrechteckige Fenster nach Westen und Osten. Im Innern holzverschalte Decke. Kirchsaal kann mit Foyer und Gemeinderaum verbunden werden.

Turm

Offener, freistehender Glockenturm an der Nordostecke des Kirchsaals, erbaut 2009/10. Holzverschalte Glockenstube.

Ausstattung

Altartisch (2000). – Hölzerne Kanzel. – Hölzerne Taufe.

Orgel

Im Gemeindehaus zunächst Harmonium, Firma Gebr. Sander, gebaut wohl im 19. Jh. 1990 Kauf einer Computerorgel, Firma Ahlborn, Modell DS 16, 20 II/P.

Geläut

Eine LG a’ (Bronze, Gj. 2011, Firma Rincker, Sinn), Inschriften: „Der Herr ist mein Hirte. Psalm 23“ und „Kirchengemeinde zum Guten Hirten in Sassenburg A.D. 2011“.

Kapellenbau – Stephanuskapelle Grußendorf

Rechteckbau mit schmalrechteckigem Altarraum im Südosten und südwestlich abfallendem Pultdach, im Nordosten schließt sich niedrigerer Gemeindehausanbau mit nordöstlich abfallendem Pultdach an, erbaut 2005 (Architekt: Michael Driesner, Wesendorf). Außenwände weiß; nach Nordwesten dunkel verklinkerter Eingangsbereich mit Flachdach; bodentiefe Fenster nach Südwesten, hochliegendes, vertikales Fensterband nach Nordosten (oberhalb des Gemeindehausanbaus); Kreuz an Nordwestwand. Im Innern offener Dachstuhl, Empore im Nordwesten. Kapelle kann mit Gemeinderaum (flache Decke) verbunden werden.

Vorgängerbau

Auf dem Friedhof kleiner Rechteckbau mit Satteldach und Dachreiter, 1950 von der politischen Gemeinde erbaut. Im Innern Empore. Erweiterung 1960 (Leichenkammer). Umbau 1996/97. Abgebrannt im Oktober 2002 (Ausstattung: gemauerter Blockaltar; Altarbild auf Leinwand, um 1956, Kreuzigungsszene; niedrige, hölzerne Kanzel; hölzerner Taufständer mit Keramikschale).

Turm

Kleiner, offener Glockenturm mit Pultdach vor der Nordecke der Kapelle, erbaut 2006. Holzverschalte Glockenstube. Ursprünglich hölzerner Glockenturm auf dem Friedhof, erbaut 1963, Neuaufstellung 1978. Abgebrannt 2002.

Ausstattung

Altartisch aus Holz und Stahl. – Hängendes Altarkreuz. – Hölzerne Kanzel. – Taufstein. – Stickbild mit Abendmahlsszene.

Orgel

Elektronische Orgel der Firma Kisselbach, 26 II/P.

Geläut

Eine LG (Bronze, Gj. 2006, Firma Bachert, Karlsruhe). – Früherer Bestand: Eine LG e’’ (Bronze, Gj. 1927), seit 1979 in Grußendorf.

Weitere kirchliche Gebäude

Gemeindehaus in Westerbeck, mit kleinem Kirchsaal (Bj. 1982/83), über Eingang Tonrelief „Der Gute Hirte“ (1984, Renate Hohrath, Hagen in Westfalen). – Pfarrhaus in Westerbeck (Bj. 1992).

Friedhof

Kirchlicher Friedhof in Grußendorf. – Kommunaler Friedhof in Stüde, angelegt 1914, FKap (Bj. 1960).11

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

S 09 rep Nr. 2220 (Presseausschnittsammlung).

Literatur

A: Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 58–59, 99, 207–208 und 237–238.
B: Stüde. Das Dorfbuch, hrsg. von der Gemeinde Sassenburg und dem Ortsrat Stüde, Groß Oesingen 2006.


Fußnoten

  1. Mönchslisten I, § 30 (zur Datierung: S. 75 ff.); Mönchslisten II, S. 88 ff.; Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 46 (Datierung dort: 822–826); Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 58.
  2. MGH DD Arn 28.
  3. Riedel, Codex Brandenburgensis I,17, S. 330.
  4. Sudendorf, UB VII, Nr. 11.
  5. Stüde, S. 67; Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 207 (dort: 1563).
  6. KABl. 1993, S. 193.
  7. LkAH, L 5h, unverz., Westerbeck, Visitation 1995.
  8. LkAH, L 5h, unverz., Westerbeck, Visitation 2001. Auch die Einführung des neuen Ortspfarrers der KG Westerbeck fand 2005 in der Thomaskirche in Neudorf-Platendorf statt.
  9. LKA, G 8/Sassenburg, Ersatzakte, Bl. 5.
  10. KABl. 1993, S. 193.
  11. Stüde, S. 129 ff.