Sprengel Lüneburg, KK Gifhorn | Patrozinium: Thomas | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Die zwei seit 1795 angelegten Moorsiedlungen Neudorf und Platendorf bildeten seit Mitte des 19. Jh. eine politische Gemeinde.1 Die Ortschaft Triangel (Ersterwähnung 1725, ab 1793 neu angelegt) trennte sich um 1854 ab und war seitdem ein eigenständiges Dorf.2 Die Moorsiedlungen zählten zunächst zum Amt Gifhorn im Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) und in französischer Zeit von 1810 bis 1813 zum Satellitenkgr. Westphalen (Kanton Wittingen, Distrikt Salzwedel, Departement der Nieder-Elbe, seit 1811 Departement der Elbe). Danach kamen die Dörfer wieder zum Amt Gifhorn, anfangs im Kgr. Hannover seit der Annexion von 1866 im Kgr. Preußen. Mit Einführung der Kreisverfassung 1885 kamen die Orte zum Lkr. Gifhorn. 1974 schlossen sich Neudorf-Platendorf und Triangel sowie Dannenbüttel, Grußendorf, Stüde und Westerbeck zur neuen Gemeinde Sassenburg zusammen. Vom späten 18. Jh. bis 1884 bestand in Triangel eine Glashütte. Im Jahr 1900 bekam Neudorf-Platendorf einen Bahnhof (Strecke Braunschweig–Uelzen).3 In Neudorf, Platendorf und Triangel lebten 1821 rund 320 Menschen, 1905 etwa 1.210, 1950 gut 2.420 und 1987 knapp 2.950.

Kirche, Außenansicht, 1964

Kirche, Außenansicht, 1964.

Kirchlich gehörten die Moorkolonien Neudorf, Platendorf und Triangel zur KG Gifhorn. Im Obergeschoss der 1879/80 errichteten neuen Schule in Platendorf befand sich ein Betsaal, der bis 1964 als Gottesdienststätte diente.4 Bereits 1894 hatten die Baptisten ein Gemeindehaus eingeweiht, die Gründung der eigenständigen bapt. Gemeinde folgte 1900 (Neubau Gemeindehaus 2011).5 Von 1929 bis 1947 bestand zudem die kath. Holzkapelle „Maria im Moor“, die vom kath. Pfarramt Gifhorn betreut wurde.6
Mit dem Gifhorner P. Otto Greuel (amt. 1945–1950) hatte nach Ende des Zweiten Weltkriegs erstmals ein ev.-luth. Pfarrer seinen Sitz in Neudorf-Platendorf. Die Moordörfer zählten seit 1947 zum Pfarrbezirk Gifhorn Land Ost, der überdies die Orte Dannenbüttel, Westerbeck und Stüde umfasste. In die Amtszeit von P. Helmut Haensch (amt. 1960–1972) fielen der Bau des Pfarrhauses (1960), des Konfirmandensaals (1961) und der Thomaskirche (1962–64). Ausschlaggebend für den Bau der Kirche in Neudorf-Platendorf war die Bevölkerungszahl, die hier höher war als in den übrigen Dörfern des Pfarrbezirks.7 Zum 1. Januar 1966 endlich schlossen sich Neudorf-Platendorf, Dannenbüttel, Stüde, Triangel und Westerbeck zur „Ev.-luth. Thomas-Kirchengemeinde Neudorf-Platendorf“ zusammen.8 In Triangel besteht seit 1960 das „Haus Triangel“ des Diakonischen Werks Himmelsthür.
1974 vergrößerte sich das Gemeindegebiet um die Ortschaft Grußendorf (zuvor KG Jembke). Gleichzeitig erhielt die Thomasgemeinde eine zweite Pfarrstelle.9 Die Gemeinde teilte sich nun in zwei Pfarrbezirke: Neudorf-Platendorf, Triangel und Teile Westerbecks (Neuhaus) einerseits und andererseits Dannenbüttel, Westerbeck Stüde und Grußendorf. Nicht zuletzt aufgrund der Weitläufigkeit der Gemeinde drang der Ortspfarrer 1976 auf die Besetzung der noch immer vakanten zweiten Pfarrstelle, die schließlich Diakon Johannes Weschke (amt. 1976–1990, seit 1982 P.) übernahm.10 Die Inhaber der ersten Pfarrstelle wechselten in den 1970er und 1980er Jahren häufig (vier Pastoren 1973–1986). Im Jahr 1982 konnte der Grundstein für das seit Anfang der 1960er Jahre geplante Gemeindezentrum in Westerbeck gelegt werden (Einweihung 1983). Der Pfarrbezirk II erhielt damit ein räumliches Zentrum und machte sich zum 1. Januar 1994 als „Ev.-luth. Kirchengemeinde ‚Zum Guten Hirten‘ Westerbeck“ selbständig.11
In den 1980er Jahren baute die KG Neudorf-Platendorf eine Partnerschaft mit der deutschen ev. Frauenkirchengemeinde Lauban (Niederschlesien) auf. Die Thomasgemeinde unterhielt zudem eine Partnerschaft mit der KG St. Annen in Annaberg-Buchholz (Sachsen).12 Zusammen mit den KG Wahrenholz, Wesendorf und Westerbeck (seit 2010: Sassenburg) gründete die Neudorf-Platendorf im Jahr 2000 den Förderverein „Wir unter einem Dach e. V.“, der zur Finanzierung nebenamtlicher Stellen in den vier KG beiträgt. Im Jahr 2004 eröffnete die Gemeinde den ev. Thomaskindergarten, der sich seit Januar 2017 in Trägerschaft des „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Gifhorn“ befindet.13

Pfarrstellen

I: 1966 (übernommen von St. Nicolaigemeinde Gifhorn).14 – II: 1974. 1994 übergegangen auf KG Zum Guten Hirten Westerbeck.15

Umfang

Neudorf-Platendorf und Triangel. Ursprünglich auch Dannenbüttel, Stüde und Westerbeck, seit 1974 zudem Grußendorf, diese vier Ortschaften 1994 zur neuen KG Westerbeck zusammengeschlossen.16

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der KG 1966 zum KK Gifhorn.

Kirchenbau

Rechteckiger, nach Nordwesten ausgerichteter Bau mit Satteldach, erbaut 1962–64 (Architekt: Rudolf Pramann, Braunschweig). Gemauerte Giebelseiten, ausgemauertes Stahlbetonskelett an Längsseiten; große Rechteckfenster nach Südwesten, bodentiefes Südwestfenster im Altarraum. Im Innern holzverschalte, zeltförmige Decke, Empore im Südosten. 2002/03 Sanierung.

Fenster

Mehrere farbige Betonglasfenster (1963/64, Heinz Lilienthal, Bremen), u. a. bodentiefes Fenster im Altarraum (Tauffenster) zur Geschichte des ungläubigen Thomas (Joh 20,24–29).

Turm

Freistehender, spitzpyramidenförmiger Turm mit hohem, verkupfertem Turmhelm, bekrönt mit Kugel und Hahn, erbaut 1962–64. Stahlbetonskelett mit Ziegelausfachung; rechteckige Schallfenster; Inschrift am Turm: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,29).

Kirche, Blick zum Altar, 1964

Kirche, Blick zum Altar, 1964.

Ausstattung

Schlichter Altar aus Elm-Kalkstein. – Hängendes Altarkreuz aus Bronze (1963/64, Ulrich Henn, Leudersdorf), mit Szenen aus der Geschichte des ungläubigen Thomas (Joh 20,24–29). – Niedrige Kanzel. – Schlichter Taufstein.

Orgel

Neubau 1967/68, ausgeführt von Ludwig Hoffmann (Betheln), 16 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen; ein Pedalregister zunächst vakant.17

Geläut

Vier LG, I: a’; II: d’’; III: e’’; IV: g’’ (alle Bronze, Gj. 1964, Firma Rincker, Sinn).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1960). – Konfirmandensaal (Bj. 1961). – Gemeindehaus (Bj. 1997/98, Architektin Anja Gefeller).

Friedhof

Kein kirchengemeindeeigener Friedhof.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 5 Nr. 254 (Spec. Landeskons.); S 09 rep. Nr. 1770 (Presseausschnittsammlung).

Literatur

A: Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 161–162, 175.
B: Festschrift 1796–1996. 200 Jahre Neudorf-Platendorf, [Sassenburg] 1996, bes. S. 15–17; Karsten Eggeling: Neudorf-Platendorf und das „Große Moor“, 2 Bde., Peine/Gifhorn 1991–1996; Adolf Meyer: Des ersten Tod, des zweiten Not, des dritten Brot. Von den Anfängen der Moorsiedlung Neudorf-Platendorf, in: Gifhorner Kreiskalender 2016, S. 68–71.

GND

2111424-9, Evangelisch-Lutherische Thomaskirchengemeinde (Neudorf-Platendorf)


Fußnoten

  1. Eggeling, Bd. 1, S. 30.
  2. Eggeling, Bd. 1, S. 75 und S. 116.
  3. Eggeling, Bd. 2, S. 13 ff.
  4. Abb.: Eggeling, Bd. 2, S. 121.
  5. Festschrift, S. 19 f.
  6. Eggeling, Bd. 2, S. 49.
  7. Eggeling, Bd. 2, S. 122 ff.; Festschrift, S. 15 f.
  8. KABl. 1966, S. 3.
  9. KABl. 1974, S. 22.
  10. LkAH, L 5h, unverz., Neudorf-Platendorf, Visitation 1976 und 1982.
  11. KABl. 1993, S. 193.
  12. LkAH, L 5h, unverz., Neudorf-Platendorf, Visitation 1988 und 1994.
  13. KABl. 2017, S. 102 ff.
  14. KABl. 1966, S. 3.
  15. KABl. 1974, S. 22; KABl. 1993, S. 193.
  16. KABl. 1974, S. 22; KABl. 1993, S. 193.
  17. Piper, Orgeln, S. 24; LKA, G 9 B/Neudorf-Platendorf Bd. I, Bl. 19 f.