Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze | Patrozinium: Christus (1997) | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Im Dezember 1585 fertigte der Oberzehntner Christoff Sander für Hzg. Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel einen Bericht über den Stand des Bergbaus an. In diesem Schriftstück findet sich die älteste Erwähnung des Steinkohlebergbaus am Osterwald.1 Ende 1588 arbeiteten bereits 24 Bergleute hier und belieferten die Salinen in Salzhemmendorf mit Kohle.2 Osterwald gehörte zum Amt Lauenstein des welfischen Teilfsm. Calenberg (Kernlande Hannover). Während des Dreißigjährigen Krieges erlangte das Hochstift Hildesheim von 1630 bis 1633 kurzzeitig die Kontrolle über das Amt. Seit 1810 war Osterwald Teil des französischen Satellitenkgr. Westphalen (1807-1813) und zählte zum Kanton Münder des Distrikts Rinteln (1810 Distrikt Hameln genannt) im Departement Leine. Ab 1815 war Osterwald wieder Teil des Amtes Lauenstein, zunächst im Kgr. Hannover und nach der Annexion von 1866 im Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung kam der Ort 1885 zum neuen Kr. Hameln (1922 Lkr. Hameln-Pyrmont). Seit 1973 ist Osterwald Ortsteil des Fleckens Salzhemmendorf. Osterwald entstand als Bergarbeitersiedlung, aber Arbeitsplätze bot später auch die Glashütte, die Amtmann Conrad Werner Wedemeyer 1701 in der Nähe der „Wohnhäuser der Bergleute“ gegründet hatte (Produktion bis 1886, weitere Glashütte auf der Sümpelbreite, 1852-1926).3 Zudem bestanden mehrere Steinbrüche in der Umgebung.4 Die Kohleförderung endete 1926, wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch einmal aufgenommen und 1953 endgültig eingestellt. Bereits in den 1930er Jahren war der Ort bei „Sommerfrischlern“ beliebt und Mitte der 1960er Jahre beschrieb der Sup. Osterwald als einen „aufstrebenden Kurort“; ein gutes Jahrzehnt später waren die Gästezahlen jedoch rückläufig.5 Der Ort entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jh. zu einer Pendlersiedlung; seit 1966 betreibt die Diakonie Himmelsthür das Emil-Isermeyer-Haus in Osterwald (betreutes Wohnen für Menschen mit geistiger Behinderung). Mitte des 18. Jh. lebten gut 200 Menschen in Osterwald, 1810 etwa 360, 1845 gut 820 und 1946 etwa 1.700. Seither ist die Bevölkerungszahl rückläufig und lag 2016 bei gut 1.100.

Kirche, Ansicht von Südosten, um 1900, Postkarte (Ausschnitt)

Kirche, Ansicht von Südosten, um 1900, Postkarte (Ausschnitt)

Kirchlich gehörte Osterwald seit seiner Gründung Ende des 16. Jh. zum Kirchspiel Hemmendorf. In der zweiten Hälfte des 18. Jh. bemühten sich die Osterwalder um eine eigene Kapelle, wie ein Schreiben des Hemmendorfer P. Dietrich Ambrosius Eckstein (amt. 1777-1807) zeigt. 1771 hatte das Konsistorium erlaubt, dass der Pfarrer aus Hemmendorf „jährlich zweimal auf dem Osterwalde Kommunion und Gottesdienst halten“ dürfe, schränkte jedoch gleichzeitig ein, dass „nur Alte, Schwache und Hochschwangere davon Gebrauch machen sollten“.6 P. Eckstein berichtete 1778, dass sich dies nicht als praktikabel erwiesen habe, und fuhr fort, es sei besser: „eine Kapelle zu Osterwald zu bauen, in welcher jährlich einige Male für die ganze Osterwalder Gemeinde Gottesdienst und Kommunion und von dem Schulmeister die Woche über Betstunde, auch Katechismuslehre Sonntagsnachmittags gehalten werden sollte.“ Aber erst Ende des 19. Jh. erhielt Osterwald tatsächlich ein eigenes Gotteshaus.
Bereits im Februar 1894 gründete sich innerhalb der KG Hemmendorf die KapG Osterwald.7 Zwei Jahre später feierte die Gemeinde die Grundsteinlegung und 1897 konnte sie ihre Kirche einweihen.8 Einen eigenen Geistlichen bekam der Ort 1903, als die Kirchenverwaltung eine ständige Pfarrkollaboratur mit Sitz in Osterwald einrichtete und mit dem Hilfsgeistlichen P. Johann Friedrich Taaks (amt. 1903-1904) besetzte.9 P. Taaks wechselte nach wenigen Monaten auf eine volle Pfarrstelle und auch seine Nachfolger blieben selten länger als zwei Jahre auf der Hilfsgeistlichenstelle in Osterwald. Um die Voraussetzungen für eine Pfarrstelle zu schaffen, schlug der KapV schon während der Visitation 1936 vor, Osterwald mit einer vakanten Gemeinde – etwa der Muttergemeinde Hemmendorf – zu verbinden.10 Zusammen mit dem Sup. konkretisierte die Gemeinde diese Pläne Anfang der 1940er Jahre: Nicht zuletzt wegen der Kurgäste sollte der Pfarrer sommers in Osterwald und winters in Hemmendorf wohnen.11

Kirche, Ansicht von Osten, nach März 1963, vor Februar 1964

Kirche, Ansicht von Osten, nach März 1963, vor Februar 1964

Da P. Heinrich Immer (amt. 1939-1944) 1940 zur Wehrmacht einberufen worden war, hatte der LSup. „Frau Pastor Immer mit der Abhaltung von Lesegottesdiensten, Kindergottesdiensten, Kinderlehre und Konfirmandenunterricht förmlich beauftragt“.12 Bei der Visitation 1942 zeigte sich der Sup. beeindruckt von ihrem Wirken in Osterwald: „Die Gemeinde, welche natürlich ihren Geistlichen vermisst, ist doch auf der anderen Seite sehr froh, dass sie im vollen Sinne des Wortes eine ‚Pastorin‘ besitzt.“13 Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt Hemmendorf wieder einen eigenen Pfarrer und wurde 1951 Sitz der Suptur. des KK Coppenbrügge. Die Pläne einer Verbindung mit Osterwald waren damit vorerst vom Tisch. Stattdessen erhob das Landeskirchenamt die KapG Osterwald zum 1. April 1954 zu einer eigenständigen KG und wandelte die Pfarrkollaboratur gleichzeitig in eine Pfarrstelle um.14 Erster Pfarrer der neuen KG war P. Edwin Steinert (amt. 1952-1957). Seit den 1950er Jahren beschäftigte die Gemeinde eine Gemeindeschwester. 1974 gründete sie einen Kinderspielkreis, aus dem 2003 der ev.-luth. Kindergarten „Glück auf“ hervorging (seit 2009 in Trägerschaft des Gemeindeverbandes Saaletal).15
Anfang März 1963 brannte der Dachreiter der Osterwalder Kirche ab. „Die beiden am Freitag und Sonnabend der vorigen Woche aufgehängten neuen Glocken sind zerschmolzen“ berichtete der Sup. dem Landeskirchenamt.16 Auch die Orgel war zerstört, der Dachstuhl schwer beschädigt und der Innenraum hatte unter Ruß und Löschwasser gelitten. Der Wiederaufbau begann im September und 1964 konnte die Gemeinde wieder Gottesdienste in ihrer Kirche feiern. Seit 1981 war die Osterwalder Pfarrstelle wieder vakant und da auch Hemmendorf seit 1978 unbesetzt war, griff der KKV die Idee einer gemeinsamen Versorgung beider Gemeinden wieder auf: Dem 1983 berufenen Pfarrer von Hemmendorf oblag nun auch die Betreuung der ehemaligen KapG Osterwald.
Eine weitere Umstrukturierung folgte anderthalb Jahrzehnte später, als sich 1998 die Arbeitsgemeinschaft der Ev.-luth. Kirchengemeinden Benstorf, Hemmendorf, Oldendorf, Osterwald, Lauenstein und Salzhemmendorf gründete.17 Aus ihr ging 2004 der „Ev.-luth. Gemeindeverband Saaletal“ hervor, dem sich 2014 auch die KG Wallensen anschloss.18 Inhaltlich, personell und finanziell wollen die KG des Gemeindeverbandes eng zusammenarbeiten, um ihre gemeindlichen Aufgaben besser erfüllen zu können. Osterwald bildet zusammen mit Benstorf und Oldendorf einen Pfarrbezirk. Die „Ev.-luth. Stiftung Saaletal“, 2003 in Hemmendorf gegründet, unterstützt das kirchliche Leben im Gemeindeverband.

Umfang

Osterwald.

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der eigenständigen KG 1954 zum KK Coppenbrügge (seit 1950 mit Sitz der Suptur. in Hemmendorf). KK Coppenbrügge 1974 in KK Elze eingegliedert, 1975 umbenannt in KK Elze-Coppenbrügge.19 Nach dessen Vereinigung mit KK Bockenem-Hoheneggelsen ab 1. Januar 2005 KK Hildesheimer Land.20 Nach dessen Vereinigung mit KK Alfeld seit 1. Januar 2011 KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze.21

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, 1942

Kirche, Blick zum Altar, 1942

Am Hang oberhalb des historischen Ortskerns, ausgerichtet nach Nordosten. Rechteckiges Kirchenschiff und niedrigerer, eingezogener Chor mit dreiseitigem Schluss, erbaut 1896/97. Satteldächer, Walm über dem Chorschluss; Mauerwerk aus Bruch- und Quadersteinen; Strebepfeiler; hohe Sockelzone; gekuppelte Fenster am Schiff, am Chor Spitzbogenfenster; Sakristeianbau an Ostseite des Chores. Im Innern holzverschalte Decke aus den Schrägen des Satteldachs im Schiff, im Chor Rippengewölbe; spitzbogiger Triumphbogen zwischen Chor und Schiff; Orgelempore im Südwesten mit vorgezogenen Seiten; farbige Glasfenster im Chor (Ruth und Karl-Otto Margraf, J. Ramin, Hannover 1966). Kirche nach Heizungsbrand 1938 erneuert. Kirche 1963/64 nach Brand des Dachreiters erneuert (Ruß- und Löschwasserschäden im Schiff; u. a. neue Empore, neues Gestühl). Neuausmalung 1995.

Turm

Über Südwestgiebel viereckiger, verschieferter Dachreiter mit hoch ausgezogenem Pyramidendach, erbaut 1963/64 nachdem der vorherige abgebrannt war. Rechteckige Schallöffnungen, Uhrziffernblätter. Neue Turmuhr 1963 (von politischer Gemeinde gestiftet).

Ausstattung

Marmormensa auf massivem, verputztem Stipes (1959).22 – Hölzerne, achtseitige Taufe (1948, zum Gedächtnis an P. Heinrich Immer, gefallenen 1944, gestiftet von seiner Witwe).

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1965

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1965

Orgel

Erstes Instrument wohl 1897, Kegelladen. Orgelneubau 1930, Faber & Dienes (Salzhemmendorf), 22 II/P, pneumatische Traktur, Kegellade (HW) und Membranladen (HintW, Pedal); für HW Kegellade des Vorgängerinstruments wieder verwendet; Bau der Orgel „in allen Einzelheiten beaufsichtigt“ von P. Wilhelm Drömann (amt. 1929-1932), Orgel- und Glockenrevisor.23 Bei Brand 1963 zerstört. Neubau 1965, Firma Schmidt & Thiemann (Hannover), 19 (20) II/P, mechanische Traktur, Schleifladen; ein Pedalregister zunächst vakant, 1970 ergänzt (Trompete 8’).

Geläut

Drei LG, I: d’’; II: e’’; III: g’’, Inschrift: „Vor Feuers-Wassersnot behüt uns lieber Herre Gott“ und „Wiedergegossen nach dem Brand vom 5.3.1963“ (alle Bronze, Gj. 1963, Gebrüder Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: Zwei LG, I: d’’ (Bronze, Gj. 1924, Firma Radler, Hildesheim); II: fis’’ (Bronze, Gj. 1897, Firma Radler, Hildesheim). Eine SG, Inschrift „Vor Feuers-Wassersnot behüt uns lieber Herre Gott“.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus mit Gemeinderaum (Bj. 1911, Gemeinderaum 1959).

Friedhof

Kommunaler Friedhof am nordöstlichen Ortsrand. FKap. (Bj. 1968).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 5212, 5219 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 693, 695, 696 (Spec. Landeskons.); A 9 Nr. 1794 (Visitationen); D 22a (EphA Coppenbrügge); S 11a Nr. 7232 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont I, S. 430-431.
B: Osterwald. 1585-2010, hrsg. von der Rudolf-Hartung-Stiftung, Langenhagen 2010; Hermann Wetenkamp: Ein kleines Buch über Osterwald, Osterwald 1953.

Weitere Bilder

Fußnoten

  1. NLA HA BaCl Hann. 84a Nr. 20, http://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v7822220, 28.08.2018.
  2. Osterwald, S. 37 f.
  3. Osterwald, S. 40 f., 44 ff., 56 f., 65 ff. und Karte 2.
  4. Osterwald, Karte 4.
  5. LkAH, L 5h unverz., Osterwald, Visitation 1936, Visitation 1966 und Visitation 1978.
  6. Zit. in Osterwald, S. 177.
  7. KABl. 1894, S. 23.
  8. Osterwald, S. 178 f.
  9. KABl. 1903, S. 31.
  10. LkAH, L 5h unverz., Osterwald, Visitation 1936.
  11. LkAH, L 5h unverz., Osterwald, Visitation 1942.
  12. LkAH, L 5h unverz., Osterwald, Visitation 1942.
  13. LkAH, L 5h unverz., Osterwald, Visitation 1942.
  14. KABl. 1954, S. 73.
  15. Osterwald, S. 164 ff.
  16. LkAH, B 2 G 9/Osterwald Bd. I, Bl. 73.
  17. KABl. 1998, S. 174 f.
  18. KABl. 2004, S. 65 f.; KABl. 2014, S. 66 ff. und 68.
  19. KABl. 1974, S. 115; KABl. 1975, S. 4.
  20. KABl. 2005, S. 5 ff.
  21. KABl. 2011, S. 70 ff.
  22. LKA, G 9 B/Osterwald, Bl. 7; Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont I, S. 431.
  23. LKA, G 9 B/Osterwald, Bl.