Frühere Gemeinde | KapG der KG Hoyershausen | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: – | KO: Braunschweigische KO von 1709

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Orts- und Kirchengeschichte

Möglicherweise bezieht sich eines der nicht näher identifizierten Holthusens im Verzeichnis der Schenkungen (Traditionen) an das Kloster Corvey auf Lütgenholzen, denn das Dorf war auch im 16. und 17. Jh. noch Corveyisches Lehen. Die schriftliche Ersterwähnung Lütgenholzens fiele damit ins 9. oder 10. Jh.1 Das wohl als Rodungssiedlung entstandene Dorf ist 1360 als Holthusen in parochia Hadeshusen belegt.2 In einem Güterverzeichnis der Herren von Homburg aus dem Jahr 1400 erscheint es als Lutckengholt und war Teil der Vogtei Hohenbüchen.3 Mit dem Aussterben der Herren von Homburg fiel ihre Herrschaft 1409 an die Welfen. Lütgenholzen lag seinerzeit anscheinend verlassen und wüst, denn 1413 übertrugen die Hzg. Bernhard und Heinrich von Braunschweig-Lüneburg u. a. „dat woyste dorp unde dorpstede the Hollensen ghelegen twyschen Brunkensen und Heyershusen“ samt Vogtei und Gericht an die Ritter Hilmar und Heinrich von Steinberg.4 1568 belehnte Abt Reinhard von Corvey Adrian von Steinberg mit dem Dorf Holtensen zwischen Brunkensen und Hoyershausen5 und, nachdem die Herren von Wrisberg Lütgenholzen bereits seit 1653 in Pfandbesitz hatten, erhielten sie den Ort 1698 vom Kloster Corvey zu Lehen.6 Lütgenholzen lag im Grenzgebiet der Ämter Greene, Lauenstein und Winzenburg, unterstand als Junkerdorf jedoch der Patrimonialgerichtsbarkeit zunächst der Herren von Steinberg (Gericht Wispenstein) später der Herren von Wrisberg (Gericht Brunkensen, seit 1764 Herren von Görtz und von Wrisberg, seit 1817 Gf. von Schlitz genannt von Görtz und von Wrisberg). Streitigkeiten über verschiedene Rechte, Zuständigkeiten und auch über die Landesherrschaft selbst kamen regelmäßig vor, zumal die drei genannten Ämter seit der Restitution des Großen Stifts 1643 zu drei verschiedenen Territorien zählten: Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel (Greene), Fsm. Calenberg (Lauenstein) und Hochstift Hildesheim (Winzenburg). Das Winzenburger Erbregister von 1578 bezeichnet Lütken Holtensen als „in der Lauwensteinischen hochheit gelegen“, Landesherr war also der Fs. von Calenberg.7 Mitte des 18. Jh. lag die Landesherrschaft schließlich beim Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel.8 In den Jahren des französischen Satellitenkgr. Westphalen (1807–1813) zählte Lütgenholzen zunächst zum Kanton Delligsen im Distrikt Einbeck des Departements Leine und ab 1809 dann zum Kanton Hemmendorf des Distrikts Rinteln (1810 Distrikt Hameln genannt) im selben Departement. Danach gehörte das Dorf zum Amt Greene des Hzm. Braunschweig, ab 1825 zum Amt Eschershausen, das 1832/33 zum neuen Lkr. Holzminden kam. Im Tausch gegen den Lkr. Goslar gab der Freistaat Braunschweig den Lkr. Holzminden 1941 an die preußische Provinz Hannover ab. Mit der Eingemeindung in die Stadt Alfeld kam Lütgenholzen 1974 zum Lkr. Alfeld (1977 Lkr. Hildesheim). In der ländlich geprägten Gemeinde waren 1960 noch etwa 90 Prozent der Hauptverdiener in der Landwirtschaft tätig, die übrigen pendelten zur Arbeit.9 In Lütgenholzen lebten 1810 gut 70 Menschen, 1905 gut 60 und 2017 noch etwa 45.
Kirchlich gehörte Lütgenholzen bereits im Mittelalter, wie eine Urkunde von 1360 zeigt, zum Kirchspiel Hoyershausen (parochia Hadeshusen).10 Vermutlich zusammen mit der Muttergemeinde wechselte Lütgenholzen um 1540 zur luth. Lehre. In den Protokollen zur Generalvisitation von 1588 im Fsm. Calenberg heißt es: „Zur mater Heiershausen gehört als Filia Rhod, Lubrechtsen (hier eine Kapelle), Dehnsen, Brüninghausen und Lutken Holthusen“.11 Lütgenholzen blieb auch Teil des Kirchspiels Hoyershausen im Fsm. Calenberg, nachdem die Streitigkeiten um die Landeshoheit über das Dorf im 18. Jh. schließlich zugunsten des Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel entschieden waren. Bis hinein in die erste Hälfte des 19. Jh. besaß das kleine Lütgenholzen weder ein eigenes Gotteshaus noch einen eigenen Friedhof; die „Lütjenholzer“ gehörten, wie es 1803 heißt, „todt und lebendig nach Hoyershausen“.12
Seit Anfang des 18. Jh. hatte sich die Gemeinde zu Betstunden im Haus des Schulmeisters versammelt; über den Anlass dazu berichtet das Kirchenbuch: „Anno 1706 haben die Kleinholzener wegen Hagel-Schadens alle Donnerstag nach Pfingsten bis zur Ernte zu feiern Gotte gelobet“.13 Ein eigenes Kapellengebäude erhielt das Dorf 1827/28; der Pfarrer des Kirchspiels kam mindestens im Frühjahr und im Herbst, um in der Kapelle einen Gottesdienst zu feiern, darüber hinaus fanden Lesegottesdienste statt.14 1900 hatte das Dorf einen eigenen Friedhof und im 20. Jh. wurde es schließlich üblich, die Kapelle auch für Taufen und Trauungen zu nutzen. Die Kapelle in Lütgenholzen war zunächst Eigentum der politischen Gemeinde. Erst 1964 schenkte sie Grundstück und Gebäude der Kirche (Verhandlungen seit 1960).15 Der bauliche Zustand des Gotteshauses war zu diesem Zeitpunkt schlecht und im Vorfeld der Sanierung wurde durchaus die Frage gestellt, ob angesichts der kleinen Gemeinde (etwa 60 Gemeindeglieder) und der wenigen Gottesdienste „große Ausgaben“ zu rechtfertigen seien, um die Kapelle instand zu setzen.16
Zum 1. Januar 2008 löste sich die KapG Lütgenholzen auf und ihre Gemeindeglieder wurden in die KG Hoyershausen eingepfarrt.17

Umfang

Das Dorf Lütgenholzen.

Kapellenbau

Kleiner, rechteckiger Fachwerkbau auf Werksteinsockel, errichtet 1827/28. Satteldach, im Osten abgewalmt; Gefache verputzt; große Rechteckfenster an Längsseiten; Portal nach Westen. Im Innern flache, verschalte Decke mit Vouten an den Längsseiten, Westempore. Sanierungs- und Renovierungsarbeiten 1967/68 (Dach, Fenster) und erste Hälfte 1970er Jahre.

Turm

Großer, viereckiger Dachreiter über Westgiebel, mit Schieferplatten verkleidet; Pyramidendach bekrönt mit Kugel und Kreuz, rechteckige Schallöffnungen.

Ausstattung

Schlichte Kanzelaltarwand, fünfseitiger Kanzelkorb flankiert von zwei Säulen, deren Kapitelle mit Dreiecksgiebeln abschließen; an Kanzelrückwand stilisierte Sonne, darüber Kreissegmentbogen. Seitliche Durchgänge rechts und links des Altars. Ehemalige Ausstattung: 1907 befanden sich noch Totenkronen an den Wänden.18

Orgel

1990 besaß die Kapelle ein älteres Harmonium.

Geläut

Eine LG, f’’, Inschriften: „Christoph August Becker in Hildesheim An[n]o 1751 me fecit“, Bilder: St. Michael mit Drachen sowie Kruzifix und Inschrift „Xtus vincit, Xtus regnat Xtus imperat“, Christus siegt, Christus regiert, Christus herrscht (Bronze, Gj. 1751, Christoph August Becker, Hildesheim); Glocke soll aus Winzenburg stammen19, die Gemeinde hatte sie vom „Einwohner Strodtmann zu Everode“ erworben.20

Friedhof

Kommunaler Friedhof am Nordrand des Dorfes, angelegt vor 1900.21

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

D 43 (EphA Alfeld); S 11a Nr. 8018 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Kleinau, Ortsverzeichnis Land Braunschweig II, S. 388; Steinacker, BKD Kr. Holzminden, S. 318-319.
B: Achim Gercke und Hans Schwietering: Das Kirchspiel Hoyershausen. Festschrift zum 200jährigen Bestehen der Kirche in Hoyershausen, Gronau [1954], bes. S. 24-27 und 47-54.


Fußnoten

  1. Mönchslisten II, S. 226; Steinacker, BKD Kr. Holzminden, S. 318.
  2. Gercke/Schwietering, S. 39. Laut Steinacker, BKD Kr. Holzminden, S. 318, ist auch das 1261 in einer Besitzübertragung des Klosters Corvey an das Kloster Wülfinghausen erwähnte Holtensen auf Lütgenholzen zu beziehen (Cal. UB XI, Wülfinghausen I, Nr. 41); Hager identifiziert den Ort jedoch mit Holtensen südöstlich von Eldagsen (Cal. UB XI, Wülfinghausen I, S. 289).
  3. Gercke/Schwietering, S. 39; Kleinau, Ortsverzeichnis Land Braunschweig, S. 388.
  4. Peters, Inventare Gronau, S. 22 f., Nr. 50.
  5. Hartmann, Regesten II, Nr. 275.
  6. Hartmann, Regesten III, Nr. 550; Steinacker, BKD Kr. Holzminden, S. 318; weitere Belehnung 1714: Hartmann, Regesten III, Nr. 655.
  7. Junker, Winzenburger Erbregister, S. 290.
  8. NLA WO 26 Alt Nr. 60, http://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v5587794 (01.08.2018).
  9. LkAH, L 5h, unverz., Hoyershausen, Visitation 1960.
  10. Gercke/Schwietering, S. 39.
  11. Kayser, Generalkirchenvisitation I, S. 217.
  12. Zit. bei Gercke/Schwietering, S. 25.
  13. Zit. bei Gercke/Schwietering, S. 50.
  14. Gercke/Schwietering, S. 50 f.
  15. LkAH, L 5h, unverz., Hoyershausen, Visitation 1960.
  16. LkAH, L 5h, unverz., Hoyershausen, Visitation 1967.
  17. KABl. 2008, S. 28.
  18. Steinacker, BKD Kr. Holzminden, S. 318.
  19. Steinacker, BKD Kr. Holzminden, S. 319.
  20. LkAH, D 43, Spec.Hoy. 513-01 II.
  21. Gercke/Schwietering, S. 51.