Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Norden | Patrozinium: Emmaus | KO: Ostfriesische KO von 1716

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Orts- und Kirchengeschichte

Leezdorf entstand als Moorkolonie östlich von Osteel. Eine Besiedelung des Gebiets lässt sich seit 1706 nachweisen, die Anerkennung als Dorf folgte 1767, die Abtrennung von Osteel und damit die politische Eigenständigkeit 1869.1 Leezdorf gehörte zum Amt Norden der Gft. Ostfriesland und kam bei Einführung der Kreisverfassung 1885 zum Kr. Norden, der 1977 im Lkr. Aurich aufging. Zusammen mit den Orten Marienhafe, Osteel, Rechtsupweg, Siegelsum und Tjüche gründete Leezdorf 1969 die Samtgemeinde Brookmerland (erweitert 1969 um Upgant-Schott, 1971 um Wirdum). Im Jahr 1821 lebten gut 200 Menschen in Leezdorf, 1905 knapp 960, 1950 etwa 1.440 und 2018 rund 1.850.
Kirchlich gehörte Leezdorf bis Anfang des 21. Jh. zu Osteel. Anfang des 20. Jh. waren Pläne, eine KG Leezdorf zu gründen nicht zuletzt an finanziellen Fragen gescheitert.2 Vor 1940 und wieder in der zweiten Hälfte des 20. Jh. lud der Osteeler Pfarrer regelmäßig zu Gottesdiensten in die Leezdorfer Schule ein, gab dieses Angebot jedoch Mitte der 1970er Jahre wegen mangelnder Beteiligung auf.3 1971 resümierte der Sup. des KK Emden: „Hier hätte in früheren Zeiten wie in vergleichbaren Dörfern mit entsprechender Bevölkerungsstruktur eine eigene Kirchengemeinde gegründet werden müssen, wodurch eine Entkirchlichung hätte vermieden werden können.“4 Planungen zum Bau eines Gemeindezentrums in Leezdorf verfolgte die KG Osteel bereits seit den 1960er Jahren und 1974 beantragte sie eine zweite Pfarrstelle, die das Landeskirchenamt 1978 einrichtete.5 Sie erhielt ihren Sitz in Leezdorf, wurde jedoch erst im Januar 1983 besetzt (P. Friedrich-Wilhelm Meyer, amt. 1983–1984). Ostern 1982 konnte die Gemeinde das Gemeindehaus einweihen und 1989 folgte der Bau eines kleinen Glockenturms.
Lange vor der luth. Gemeinde hatte die neuap. Gemeinde ein Gotteshaus in Leezdorf errichtet: 1957 ein kleines Gemeindehaus am Ortsrand und 1980 eine Kirche in der Ortsmitte.6
Im Jahr 2003 ließ die Gemeinde den Kirchsaal um einen Chorraum erweitern, da sich die ursprünglichen Pläne zum Bau einer Kirche nicht verwirklichen ließen. Das umgebaute Gemeindezentrum erhielt 2004 den Namen „Ev.-luth. Emmaus-Kirche“. Ein Jahr später erarbeitete eine Gruppe Gemeindeglieder gemeinsam Entwürfe für die Buntglasfenster des Erweiterungsbaus und stellte dies auch selbst her.7
Zum 1. Januar 2005 gründete sich schließlich die eigenständige „Ev.-luth. Emmaus-Kirchengemeinde Leezdorf“. Die zweite Pfarrstelle der Muttergemeinde Osteel ging auf die neue Gemeinde über, genauso wie die pfarramtliche Verbindung mit Leybucht (aufgehoben zum 1. Januar 2013).8

Umfang

Leezdorf.

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der KG 2005 zum KK Emden. Zum 1. Januar 2013 in den KK Norden umgegliedert.9

Kirchenbau

Dreiteiliger Bau mit Kirchsaal, Unterrichts- und Clubraum, erbaut 1981/82, erweitert 2003 um Chorraum im Westen (Architekt: Paul Gerhardt Scharf, Hamburg). Drei parallele Satteldächer, Giebeldreiecke verglast; mittleres Satteldach über den Mittelteil des Chorraums verlängert, je ein Querdach nach Norden und Süden; Wände verklinkert. Im Innern Kirchsaal mit holzverschalter, zeltförmiger Decke; Westempore; Nebenräume können zum Kirchsaal hin geöffnet werden.

Fenster

Zwölf kleine Buntglasfenster und zweiteiliges Giebelfenster im Chorraum, 2005 gestaltet von Gemeindegliedern unter Anleitung von Christel Weingart (Marienhafe), sechs Motive zur Emmausgeschichte, sechs Motive zur Geschichte Leezdorfs; Giebelfenster mit Motiv des guten Hirten und Hoffnungsband.

Turm

Südöstlich vor dem Gemeindezentrum freistehender, spitzpyramidenförmiger Turm mit Dreiecksgauben, bekrönt mit Kugel und Schwan, erbaut 1989 (Architekt: Paul Gerhardt Scharf, Hamburg). Holzkonstruktion mit Kupferdeckung.

Ausstattung

Holzaltar (1982). – Hölzerne Taufe (1982). – Lesepult/Kanzel aus Holz (1982).

Orgel

Hinterspielige Brüstungsorgel, 6 I/aP, mechanische Traktur, Schleiflade, gebaut 1986–88 von Alfred Führer (Wilhelmshaven).

Geläut

Eine LG, h’, Inschrift u. a.: „Lasst euch versöhnen mit Gott (2 Kor. 5,20)“ und „1989“, Bild: Kreuz mit Schiff (Bronze, Gj. 1989, Firma Carl Metz, Karlsruhe). Vor Bau des Glockenturms kam das Geläut vom Tonband.10

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1982).

Friedhof

Kein eigener Friedhof, die KG nutzt den Friedhof in Osteel.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

D 51 (EphA Emden).

Literatur

B: Peter Riesebeck: Ev.-luth. Emmaus-Kirche Leezdorf, Norden [2006]; Peter Seidel: Leezdorf, in: Historische Ortsdatenbank für Ostfriesland, 31.07.2019; Peter Seidel, Hans-Peter Schmitz & Manfred Wirringa: 250 Jahre Leezdorf. 1767 bis 2017, Leezdorf [2017].


Fußnoten

  1. Seidel, Leezdorf, S. 1.
  2. LkAH, D 51, RepA. Spec. Ost. 102.
  3. LkAH, L 5i, Nr. 187 (Visitation 1976); Riesebeck, S. 3.
  4. LkAH, L 5i, Nr. 187 (Visitation 1971).
  5. Riesebeck, S. 3. KABl. 1978, S. 8. Der Sup. des KK Emden hatte sich anlässlich der Visitationen 1971 und 1976 zustimmend zu den Plänen für Leezdorf geäußert und auf das Beispiel Rechtsupweg verwiesen, wo die Verselbständigung 1964 positive Auswirkungen auf die Entwicklung des Gemeindelebens gehabt habe, vgl. LkAH, L 5i, Nr. 187 (Visitation 1976).
  6. LkAH, L 5i, Nr. 187 (Visitation 1959); Seidel, Leezdorf, S. 3.
  7. Riesebeck, S. 14 ff.
  8. KABl. 2005, S. 33 f.; LKA, G 8/Osteel Bd. I, Bl. 156.
  9. KABl. 2013, S. 31.
  10. Riesebeck, S. 7.