Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Norden | Patrozinium: Martin Luther | KO: Ostfriesische KO von 1716

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Orts- und Kirchengeschichte

Die KG Leybucht umfasst mehrere Gebiete, die überwiegend in der ersten Hälfte des 20. Jh. im Bereich der Leybucht eingedeicht und besiedelt wurden: Schoonorther Sommerpolder (1913), Cirksenapolder (1928), Neuwesteel (1929) und Leybuchtpolder (1950). Seit 1972 gehören Schoonorther Sommerpolder und Cirksenapolder zur Gemeinde Krummhörn, Leybuchtpolder und Neuwesteel zur Stadt Norden.

Kirche, Ansicht von Nordosten

Kirche, Ansicht von Nordosten

Die KG Leybucht bestand bei ihrer Gründung 1937 lediglich aus den luth. Einwohnern im Schoonworther Sommerpolder und im Cirksenapolder; sie erhielt keine eigene Pfarrstelle und wurde pfarramtlich mit der KG Marienhafe verbunden.1 Der Sup. des KK Emden nannte Leybucht 1948 eine „im Entstehen begriffene Gemeinde“ und beschrieb sie als „ein künstliches Gebilde, das vorläufig keine rechte Lebensfähigkeit besitzt“.2 Im gleichen Jahr betonte LSup. Wilhelm Büning in seinem Visitationsbescheid eine Besonderheit der Gemeinde: Sie beheimate „eine eigentümliche Mischung von Reformierten und Lutheranern, die je von ihren Geistlichen versorgt werden, wie das in Landgemeinden Ostfrieslands sonst nur ganz selten ist“.3 Die luth. Gemeinde zählte seinerzeit rund 120 Gemeindeglieder; als Gottesdienststätte diente die Schule in Wirdumer-Neuland.
Mit der Einpfarrung der Ortschaft Leybuchtpolder 1953 vergrößerte sich das Gebiet der KG.4 Da eine der Pfarrstellen in Marienhafe vakant war, half Mitte der 1950er Jahre auch das Pfarramt Osteel bei der Versorgung der KG Leybucht. 1955 stand kurzzeitig der Vorschlag im Raum, zusammen mit der ref. Gemeinde eine gemeinsame Kirche in Leybuchtpolder zu errichten; LSup. Richard Siefken warnte jedoch, ein derartiges Kirchengebäude könne sich zu einer „Stätte des Ärgernisses für Jahrzehnte“ entwickeln.5 Im März 1960 – die Zahl der Gemeindeglieder lag nun bei 375 – wurde der Grundstein für die Kirche gelegt und im Oktober 1961 konnte die Gemeinde die Martin-Luther-Kirche einweihen. Im gleichen Jahr stellte auch die ref. Gemeinde ihr Gemeindezentrum fertig. Mit der Einpfarrung eines Teils der politischen Gemeinde Neuwesteel zum 1. Januar 1962 vergrößerte sich das Gemeindegebiet erneut.6 1985 zählte die KG etwa 630 Gemeindeglieder.
Recht schnell entwickelte sich die ökumenische Zusammenarbeit mit der ref. Gemeinde zu einem Charakteristikum der KG Leybucht. 1969 tagten der luth. Kirchenvorstand und der ref. Kirchenrat erstmals gemeinsam. Beide Gemeinden geben bis heute einen Gemeindebrief heraus, arbeiten bei den Gemeindekreisen zusammen, unterrichten ref. und luth. Konfirmanden gemeinsam und konfirmieren sie in einem Gottesdienst. Auch die übrigen Gottesdienste feiern beide Gemeinden seit 1970 gemeinsam: In „den beiden Kirchen predigen abwechselnd der lutherische und der reformierte Pastor“ heißt es im Visitationsbericht 1973.7 Seit der ersten Hälfte der 1980er Jahre nutzten die Gemeinden im Sommer und zu Weihnachten die Martin-Luther-Kirche und im Winter die ref. Kirche. Im Jahr 1978 unterzeichneten beide Gemeinden eine Vereinbarung, mit der sie ihre Zusammenarbeit formalisierten. Nach der Entwidmung der ref. Kirche räumte die KG Leybucht der ref. Gemeinde ab Januar 2019 ein Nutzungsrecht an der Martin-Luther-Kirche ein. Die Glocke der ref. Gemeinde erhielt einen Platz im Gottesdienstraum.
Während die Kooperation mit der ref. Gemeinde eine Konstante in der Geschichte der KG Leybucht bildet, wechselte die pfarramtliche Zuordnung mehrfach. Regelmäßig finden sich in den Visitationsakten Klagen über die mangelnde Versorgung der Gemeinde. Die pfarramtliche Verbindung mit der KG Marienhafe endete 1985. Die KG Leybucht erhielt auch jetzt keine eigene Pfarrstelle, sondern wurde stattdessen mit der rund 20 Kilometer entfernten KG Loquard verbunden.8 Seit dem Jahr 2000 ist die Pfarrstelle Loquard dauervakant, daher übernahm das Pfarramt Osteel die Versorgung Leybuchts. Von 2002 bis 2005 waren beide Gemeinden pfarramtlich verbunden, dann ging diese Verbindung auf die neu gegründete Emmaus-KG Leezdorf über, die auch die für Leybucht zuständige zweite Pfarrstelle der KG Osteel übernommen hatte.9 Seit dem 1. Januar 2013 ist die KG Leybucht wiederum mit der KG Osteel pfarramtlich verbunden.10

Umfang

Die Ortschaften Schoonorther Polder, Cirksenapolder und Leybuchtpolder (seit 1953). Außerdem Neuwesteel (teilweise, seit 1962).

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der KG 1937 zum KK Emden. Zum 1. Januar 2013 in den KK Norden umgegliedert.11

Kirchenbau

Rechteckbau mit schmaler, querrechteckiger Apsis und seitlichen Anbauten, ausgerichtet nach Südosten, erbaut 1961 (Architekt: Eberhard Neumann, Münster). Satteldach, Anbauten mit Schleppdach, Südostgiebel bekrönt mit Kugel und Schwan; Stahlbetonskelettbau, mit Klinkern verblendet. Kleine Rechteckfenster nach Nordosten, horizontales Fensterband nach Südwesten; vertikales Fensterband an Südwestseite der Apsis; großes Fensterfeld an nordwestlicher Giebelseite. Im Innern trapezförmige Decke, Emporen an Nordost- und Nordwestseite; abtrennbarer Konfirmandensaal im Nordwesten; Taufkapelle neben Altarraum. 1973 Dach neu gedeckt (nach Sturmschäden 1972).

Fenster

Betonglasfenster in Taufkapelle, Christusmonogramm und Anker (Heinz Lilienthal, Bremen); in Schiff und Altarraum farbige Fenster nach Südwesten.

Turm

Querrechteckiger Turm, eingebaut am Westende der Nordostseite. Stahlbetonskelettbau, mit Klinkern verblendet; kupfergedecktes Satteldach mit hohem Dachreiter, bekrönt mit Kugel und Kreuz. Glockengeschoss mit hochrechteckigen Schallfenstern, zusammengefasst zu umlaufendem Fensterband. Hauptportal nach Nordosten, darüber Lutherrelief (Kurt Lettow, Bremen).

Ausstattung

Mosaik an Altarwand, Taube kehrt mit Zweig zur Arche Noah zurück, 1 Mos 8,11 (Heinz Lilienthal, Bremen). – Schlichter Altar (Sandstein). – Sandsteintaufe, von Fischen getragen (Kurt Lettow, Bremen). – Niedrige Kanzel. – Kupferreliefs an Eingangsportal: Thesenanschlag, Bibelübersetzung, Predigt, Lutherrose.

Orgel

Erbaut 1967 von Firma Matthias Kreienbrink (Osnabrück-Hellern), 6 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Drei LG, I: a’, Inschrift: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort“; II: h’, Inschrift: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“; III: cis’’, Inschrift: „Danket dem Herrn und predigt seinen Namen!“ (alle Bronze, Gj. 1961, Firma Rincker, Sinn).

Friedhof

Eigentum der politischen Gemeinde, am Nordwestrand der Ortschaft Leybuchtpolder.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

D 51 (EphA Emden); L 5i Nr. 212, 659, 754 (LSuptur. Aurich); S 11a Nr. 8209 (Findbuch PfA).

Literatur

B: Leybuchtpolder, in: Historische Ortsdatenbank für Ostfriesland, 12.08.2019 [Artikel unfertig].

GND

1053065558, Evangelisch-Lutherische Martin-Luther-Kirchengemeinde Leybucht


Fußnoten

  1. KABl. 1937, S. 167.
  2. LkAH, L 5i, Nr. 212 (Visitation 1948).
  3. LkAH, L 5i, Nr. 212 (Visitation 1948).
  4. KABl. 1953, S. 94.
  5. LkAH, B 2 G 9/Leybucht Bd. I, Bl. 8.
  6. KABl. 1962, S. 5.
  7. LkAH, L 5i, Nr. 212 (Visitation 1973).
  8. KABl. 1985, S. 42.
  9. KABl. 2002, S. 173; KABl. 2005, S. 33 f.
  10. LKA, G 8/Osteel Bd. I, Bl. 156.
  11. KABl. 2013, S. 31.